Heute wagten wir es endlich mal wieder so richtig auf eigene Faust. Zusammen mit Antje, Marc und deren Tochter ging es nach einem gemütlichen Frühstück von Bord. Direkt im Hafen gibt es einen Taxistand. Dort stehen Dispatcher bereit, die verschiedene Touren anbieten und dann die Personen ggf. auf Kleinbusse aufteilen.
Noch während wir anstanden, besprachen wir aber eigenständig mit einer weiteren Familie, dass wir gemeinsam die 3 stündige Inseltour mit anschließendem Strandaufenthalt buchen. So waren wir zu 8. und hatten jede Menge Platz im Bus.
Wir bekamen einen sehr freundlichen einheimischen Fahrer, der sehr bemüht war, uns möglichst viel zu erzählen. Allerdings scheint bei der Routenbesprechung zwischen ihm und dem Dispatcher irgendetwas schief gelaufen zu sein.

Zunächst ging es für uns zum botanischen Garten. Der Schiffsausflug endete dort gerade und wir waren ganz alleine. Bevor wir auf den Parkplatz steuerten, fuhr unser Guide noch eine Runde durch Regenwaldgebiet. Unser Fahrer achtete sehr auf Affen und legte mehrere Zusatzstops ein, damit wir die quirligen Tiere aus der Nähe beobachten konnten.
Beim botanischen Garten hätten wir dann Eintritt zahlen sollen und irgendwie hatten wir alle zusammen nicht das Gefühl, dass sich das lohnen würde. Fix wurde mit dem Fahrer gesprochen und es ging früher weiter. Das liebe ich so an individuellen Ausflügen.

Der nächste geplante Stop war nun das „Brimstone Hill Fortress“. Offenbar war unser Fahrzeug aber defekt. Immer wieder stoppte unser Guide, weil es offenbar Probleme mit der Gangschaltung gab. Zudem hatte auch die Klimaanlage immer wieder Aussetzer. Der Guide baute zwischendurch einiges am Amaturenbrett auseinander, offenbar aber mit mäßigem Erfolg. Er fuhr uns einige Meter zum Fort hoch, aber die letzten Höhenmeter mussten wir dann leider laufen. Unser Guide entschuldigte sich dafür und man merkte ihm an, dass es ihm wirklich Leid hat.

Zugegeben, die Höhenmeter in karibischer Wärme und Luftfeuchtigkeit waren nicht ohne, aber wir erreichten das Fortgelände und konnten uns Alles sehr genau ansehen. Der Eintritt lag bei ca. 10 US Dollar pro Person.
Das Fort gehört seit 1999 zum UNESCO Weltkulturerbe, denn eine Festung in dieser Größe zu bauen war ziemlich kompliziert. Schließlich musste jeder Stein einzeln den Berg hinauf getragen werden. In ca. 100 Jahren entstanden Kasernen, Paradeplätze, Schutzwälle, Küchen und ein Lazarett.. Hier konnten über 1000 Soldaten leben, teils Engländer und teils Franzosen. 1782 wurde das Fort dann von 8.000 französischen Soldaten belagert. Die Verteidiger wurden schwer angegriffen und es blieben gerade einmal zwei Räume unbeschädigt. Nach einem Monat kapitulierten sie dann, aber die Sieger sprachen ihnen großen Respekt für ihre Tapferkeit aus und ließen sie ehrenvoll abziehen.

Nach einer ausführlichen Runde ging es dann den Berg wieder hinunter zum Auto. Natürlich hielten wir den Zeitplan nicht so ganz ein. Bei einer individuellen Tour kein großes Problem, solange alle Teilnehmer der Mini-Gruppe einverstanden sind. Wir verstanden uns prima und so war es eine sehr entspannte Tour.
Nun ging es immer weiter auf der Hauptstraße, die einmal um die Insel führt. Unterwegs kamen wir am Einstiegspunkt zur „Mount Limahuiga“ Vulkan-Wanderung vorbei. Der Vulkan hing in dichten Regenwolken und die Wanderung mit ordentlichen Höhenmetern hätte pro Richtung mindestens 2,5 Stunden gedauert. Wir waren froh, uns nicht dafür entschieden zu haben.
Stattdessen steuerten wir im Nordosten den „Blackrocks Beach“ an. Die wirklich schwarzen Steine und ein sehr aktives Meer waren echt beeindruckend. Vom Parkplatz zur Aussichtsplattform führen zwei Wege an Souvenirshops vorbei. Hier war fast alles geschlossen und wir waren komplett alleine vor Ort. Corona scheint hier viele Existenzen zerstört zu haben 🙁

Nächstes Ziel war dann schon der Timothy Hill Overlook, südlich der Hauptstadt Basseterre. Hier waren schon einige Touristen unterwegs. Einheimische standen mit dressierten Affen (mit Windeln und teils an der Leine) am Parkplatz und gegen einen Obulus konnte man sich die Affen auf die Schulter setzen lassen. Wir nahmen von dieser Tierquälerei mal lieber Abstand. Aus einem früheren Urlaub von Sri Lanka hatten wir schon das besondere Erlebnis einen Affen auf dem Arm zu halten und dieser wurde damals definiv nicht so grausam gequält! Vielleicht schaffen wir es ja irgendwann auch die vergangenen Urlaube in diesen Blog zu laden…

Nach einer netten Aussicht und einigen Fotos sollte es nun zum Strand gehen. Unser Guide hatte den „North Frigate Beach“ auserkoren. Vor Ort stellten wir dann aber alle fest, dass es uns nicht so richtig gut gefällt. Zum Einen gab es keinerlei Schatten und direkt nebenan lärmte eine Baustelle. Wir beratschlagten uns kurz und ließen uns lieber wieder zum Hafen bringen. So könnten wir noch nach einem kleinen Mittagessen eigenständig durch die Hauptstadt schlendern…. mit festen Schiffsausflügen hätten wir nun hier ein gutes Stündchen in der prallen Hitze brüten müssen…
Zurück im Hafen bezahlten wir den Fahrer. Er reduzierte den Preis pro Person um 5 Dollar, weil er uns nicht wieder vom Strand abholen musste. Sehr löblich! Wir revanchierten uns mit einem ordentlichen Trinkgeld.
Zurück auf dem Schiff ging es dann fix zum Essen. Das Markt-Restaurant hatte inzwischen den ganzen Mittag nicht mehr geöffnet und auch das Weite-Welt Restaurant war bereits (oder durchweg?) geschlossen. So mussten wir ins Kleine-Welt-Restaurant. André und ich hatten hier noch nie gegessen. Die Auswahl war deutlich kleiner, aber wir fanden was passendes. Einzig blöd, es gab kein Eis zum Nachtisch…
Anschließend ging es eigentlich nur kurz aufs Pooldeck, aber irgendwie verquatschten wir uns dann mit Antje und Marc und so haben wir den Spaziergang in Basseterre dann doch nicht mehr geschafft. An Deck war es aber auch spannend. Erfuhren wir doch zufällig, dass auch das Bellavista Restaurant bereits seit gestern geschlossen hat. Viele Programmpunkte wurden ebenfalls gestrichen (z.B. Volleyball, Mittagessen mit dem Teensclub und für viele freie Aktivitäten wie Shufflebord musste man sich plötzlich über die App anmelden). Fragte man bei drei verschiedenen Offizieren nach, gab es drei verschiedene Begründungen als Antwort… Wenn man sich aber z.B. mit einem Kellner, der einen immer bedient hat, näher unterhält, so wurde schnell klar, dass auch innerhalb der Crew immer mehr Coronafälle ausgebrochen sind. Die Crew befindet sich aktuell auch in Arbeitsquarantäne. Heißt, außerhalb der Arbeit in der kleinen Kabine hocken. Auf Deck 5 wurde ein Teil vor den Rettungsbooten nun auch für die Crew als Raucherbereich abgesperrt. Herrlich diese offene Kommunikation an Bord. Antje zeigte uns mal ihre Coronawarn-App. Seit Silvester hatte sie jeden Tag eine dicke rote Warnung. Für uns stand schon länger fest, Daumen drücken, dass an Bord kein Test mehr gemacht wird und wir wenigstens nach Deutschland kommen. Quarantänehotel heißt nämlich, geschlossene Zimmer ohne Balkon, keine Frischluft, lediglich Klimaanlage und den ganzen Tag alleine mit ausländischem Fernsehen…
Irgendwann ging dann die Sonne unter, wir gingen zum Abendessen und machten es uns anschließend erneut an der Bar auf dem Pooldeck gemütlich bis wir irgendwann müde genug fürs Bett waren.