Heute hieß es mal wieder etwas eher aufstehen, denn es geht mit dem Flugzeug weiter in den Süden nach Port Elizabeth.
Eigentlich heißt Port Elizabeth schon seit dem 23. Februar diesen Jahres Gqeberha. Auch die Südafrikaner können den Namen kaum aussprechen. Der neue Name stammt von der Bezeichnung eines Flusses in der Landessprache Xhosa. Sie gehört zu den 11 Nationalsprachen des Landes. Aktuell ändert die Regierung alte Kolonialnamen um, damit das Ende der Kolonial- und Apartheidszeit symbolisiert wird.

Reisebegleiterin Franzi hatte gestern extra mit dem Hotel abgesprochen, dass wir früher Frühstücken. Als wir nun pünktlich am Frühstücksraum ankamen, war allerdings noch alles geschlossen und die Kellner begannen gerade einmal ihren Dienst. Irgendwie haben wir sowas schon erwartet.
So musste der Plan ein wenig umgeworfen werden und wir packten erst die letzten Sachen in die Koffer. Die anderen Teilnehmer erfuhren jetzt auch, dass nur noch 20kg Freigepäck möglich sind. Das sorgte für ein wenig Hektik und Chaos. Der ein oder andere hat sich nämlich schon gut mit Souvenirs eingedeckt.
Überraschenderweise schafften es dadurch dann auch nicht alle püntklich zum verspäteten Frühstück und die Abreise verzögerte sich wieder ein wenig. Blöd nur, dass so ein Flugzeug nicht warten wird.
Mit Frans ging es dann endlich zum Flughafen und wir hetzten ein wenig zum Aufgabe-Schalter. Eine Mitreisende musste sogar hier auf dem Fußboden noch umpacken. Ein Horrorszenario, welches ich immer vermeiden will. Schade, dass die Information scheinbar nicht an alle weitergegeben wurde.
Wir waren zum Glück gut organisiert und hatten keinerlei Probleme…wobei… das Reiseunternehmen hat es nicht geschafft für uns als Paar zwei Sitzplätze nebeneinander zu reservieren. Zum Glück konnten wir das aber am Schalter noch ändern.
Zügig mussten wir nun durch die Sicherheitskontrolle. Zum Glück war es hier nicht allzuvoll. Da die verbleibende Zeit nun sehr knapp wurde, teilten wir uns ein wenig auf. Einer holte Getränke, der andere ging zur Toilette. Als wir uns wieder getroffen haben, war rege Aufregung. Franzi suchte ihr Handy. Auch ein Anruf brachte nicht das glückliche Klingeln in einer ihrer 3 Handgepäckstücke. Wahrscheinlich liegt es noch bei Frans im Auto. Au wei.
Frans, von dem wir uns gerade verabschiedet hatten, war wohl erst einmal im Flughafen Frühstücken und es dauerte, bis er an sein eigenes Handy ging. Er fand Franzis Handy, es lag wirklich im Bus. Nun lag es an Frans Geschwindigkeit, ob das Handy noch mitfliegen würde oder eben nicht. Das Boarding hatte inzwischen schon begonnen.
In der wirklich letzten Sekunde überreichte Frans das Handy, Franzi eilte erneut durch die Sicherheitskontrolle und durfte gerade noch so zu uns ins Flugzeug steigen. Das war knapp!

Die Flugzeit von 1 Stunde 45 nutzten wir alle um uns von dem Schock und dem Streß am frühen Morgen zu erholen.
Nachdem wir unsere Koffer am Kofferband bekommen haben, ging es vor die Tür. Brrr, hier ist es aber ganz schön kalt. Da brauchte es neben dem Pullover sogar schon wieder eine Jacke.
Wir begrüßten Herbie, unseren Reiseleiter für den 2. Teil der Reise und es ging mit dem neuen Bus erst einmal zum Hotel.
Unterwegs fing es sogar an zu regnen. So haben wir uns den Urlaub an der sonnigen Ostküste aber nicht vorgestellt. Herbie erzählte uns, dass es aktuell Probleme mit dem Strom gebe. Kabeldiebe sollen ein ganzes Viertel lahm gelegt haben. Aus seiner Erzählung wurde uns allerdings nicht deutlich, dass sich unser Hotel genau in diesem Viertel befindet.
Das Einchecken, so ohne Strom, dauerte ein wenig länger. Nicht ganz so schlimm, denn den geplanten Strandaufenthalt können wir bei dem Wetter eh getrost vergessen.

Irgendwann bezogen wir unser Zimmer und hatten sogar ein wenig Blick auf Meer und Strand. Fehlt also nur noch die Sonne. Den indischen Ozean haben wir bisher immer sehr warm und schön kennengelernt.
Nach einer kleinen Pause verabredeten wir uns für eine erste Erkundungstour durch P.E. Anschließend wollten wir dann an einem größeren Einkaufszentrum ein wenig bummeln.
Herbie fuhr mit uns zu einem anderen Strand, zeigte uns dort die vielen Angler und erzählte immer wieder sehr abwertend von den „Schwarzen“.

Wir besichtigten noch das Donkin Reserve mit der Steinpyramide und dem Leuchtturm. Das ganze Areal wurde von dem Gouverneur Sir Rufane Donkin angelegt. Die Pyramide stellte er zur Erinnerung an seine verstorbene Frau auf, die auch Namensgeberin der Stadt war. Da heute Sonntag ist, konnten wir allerdings alles nur von außen besichtigen.

Als wir an einem großen blauen Hotel vorbei kamen, erklärte Herbie, dass es schon seit zig Jahren leer stehen würde. Beim Blick hinein entdeckten wir aber Corona-Warnschilder und Plexiglas Schutz… offenbar hat sich Herbie schon lange nicht mehr mit den aktuellen Änderungen befasst…. demnach wusste er auch nicht, dass Supermärkte Sonntags nur vormittags geöffnet haben. Als wir dann nämlich endlich zum Shoppen wollten, war alles schon geschlossen. Mit ein wenig Vorbereitung hätte man die Programmpunkte einfach gedreht und alle wären zufriedener gewesen.
Auch das Fort Frederick besichtigten wir nicht, da es hier laut Herbie sehr dreckig sein soll. Hierbei handelt es sich um ein Fort, das 1799 erbaut um die Eroberungsbemühungen der Franzosen zur Zeit der napoleonischen Kriege zu stoppen.

So blieb der Rest des Nachmittags als Freizeit und wir spazierten getrennt von der Gruppe ein wenig am Wasser entlang zum Shark Rock Pier. Von diesem 140m langen Steg hatten wir eine nette Aussicht sowohl auf das Meer als auch auf die Stadt. An der Strandpromenade gab es einige Restaurants und Bars aus denen fröhliche Musikklänge strömten.
Durch den Wind und die überraschende Kälte waren wir irgendwann gut durchgefroren. So ging es zurück zum Hotel, wo es eine warme Dusche geben sollte. Geben sollte? Genau! Denn ohne Strom gibt es auch kein warmes Wasser. Leider hat uns das beim Einchecken keiner gesagt und so stand ich unbekleidet unter der Dusche und schaute ins Leere.
André fragte mal (aus Langeweile) an der Rezeption nach. Ihm wurde erklärt, dass es kein warmes Wasser ohne Strom gibt, sie uns aber gleich einen Eimer warmes Wasser bringen würden. Etwas verdattert schaute ich ihn während meines Versuchs einer eiskalten Dusche an.

Es dauerte nicht lange und es klopfte an der Tür. Wir bekamen einen Eimer heißes Wasser. Und ich meine wirklich heiß! Offenbar frisch gekocht. Damit kann man so auch nicht viel anfangen. Da wir keine Badewanne haben um das Ganze nun zu mischen blieb erstmal nur die Möglichkeit, das Handtuch ins heiße Wasser zu halten, es dann mit kaltem Wasser abzukühlen und sich so zumindest mit einem warmen Waschlappen abzutrocken. Ich war nicht begeistert, nahm das ganze jetzt aber so hin.
André hingegen wollte das Ganze so nicht auf sich beruhen lassen und überlegte, wie er trotzdem an eine warme dusche kommen könnte… Ende vom Lied… er nahm eine Plastiktüte, machte ein paar Löcher hinein, mischte kochendes Wasser mit kaltem und hatte nun eine provisorische Dusche gebaut. Allerdings brauchte er nun jemanden, der ihm die Dusche halten konnte. Zwar nicht ganz ausgereift, aber immerhin einer warmen Dusche deutlich näher als meine Lösungsvariante.

Mit all dem Quatsch hatten wir nun genug Zeit vertrödelt und es ging zum Abendessen. Auch hier musste das Hotelpersonal ein wenig improvisieren. Immerhin gab es per Notstromaggregat noch Licht. An diesem Abend mussten wir uns dann alle von unserem geliebten Wlan und dem Kontakt zu den Daheimgebliebenen verabschieden und den Abend mit gemeinsamen Gesprächen verbringen. So eine handyfreie Zeit hat auch mal was 😉
Trotzdem sind wir nicht wirklich böse, wenn es morgen auf der Gardenroute weitergeht und wir hier keine 2. Nacht verbringen.
An diesem Tag waren wir hier enttäuscht von der Leistung der örtlichen Agentur und unserem Reiseleiter Herbie. Da er schon die Nacht zuvor in dem Hotel untergekommen war, wusste er, dass es weder Strom noch warmes Wasser gibt. Hier hätten wir erwartet, dass sich darum bemüht worden wäre, eine andere Unterkunft zu finden.