Heute morgen hatten wir endlich wieder Sonnenschein und angenehmere Temperaturen. Ungefähr so haben wir uns das vorgestellt.
Nach dem Frühstück wurden auch heute wieder die Koffer gepackt und verladen. Es ging auf die letzte Etappe der Gardenroute nach Kapstadt. Wir starteten zeitig, immerhin trennten uns noch fast 500km von Kapstadt.

Offenbar hat sich Herbie mit der Kritik vom gestrigen Tag beschäftigt und so versuchte er, ein paar Dinge wieder gut zu machen. Bevor es also zum ersten eigentlichen Programmpunkt ging, machten wir einen Abstecher zur Waterfront von Knysna. Allerdings waren wir zu früh dran, denn die Geschäfte hatten alle noch geschlossen. So bummelten wir die Ladenzeile einmal so entlang, bis wir am Hafenbecken standen. Dort entdeckten wir im seichten Wasser einige Rochen. Es schien, als würden sie sich sonnen. Sehr schön.

Unsere Extrapause endete, als die Geschäfte allmählich öffneten, was dem ein oder anderen hier gar nicht gefiel und so verzögerte sich die geplante Abfahrt mal wieder… wir kennen das ja schon.


Bevor es nun nach Mosselbay ging, fuhr Herbie ein Stück zurück. Am Aussichtspunkt der Knysna Heads konnten wir die Flussmündung bewundern. Einst wurde diese von der Royal Navi als gefährliste Hafen- bzw. Laguneneinfahrt der Welt eingestuft. Hoch oben von den Steinklippen konnten wir einen riesen großen Fischschwarm ausmachen. Wahnsinn! Allerdings hat dieser Stop auch fast eine Stunde lang gedauert. Wären wir alleine, hätten wir schon viel früher die Weiterreise angetreten… so ist das leider mit Gruppenreisen… Individualität ist schwierig.

Nun ging es tatsächlich Richtung Mosselbay. Während der etwas mehr als einstündigen Fahrt fuhren wir an schönen Buchten vorbei, schauten immer mal, ob wir vielleicht doch noch einen Wal im indischen Ozean entdecken würden und hielten an einem kleinen Aussichtspunkt samt Souvenirständen. Auch hier, welch Überraschung, machten wir ewig Pause…Franzi konnte sich nicht entscheiden, welches Bild sie kaufen möchte… Memo an mich, im nächsten Leben werde ich auch Reisebegleitung… im Regelfall vor Ort nichts machen müssen und kostenfreien Urlaub bekommen. Schade nur, dass es auf Kosten der bezahlenden Gäste ging. Wir hatten uns auf Anhieb in Perlentiere verliebt und uns ein Zebra und einen Löwen als Andenken gekauft.

Irgendwann ging die Fahrt dann doch weiter und wir erreichten erst gegen Mittag Mosselbay. Hier stand der Besuch des Dias-Museums im Vordergrund.

Bartolomeu Dias war ein portugisischer Seefahrer, der als Erstes die Südspitze Afrikas umrundete und einen entscheidenden Schritt für die Entdeckung des Seeweges nach Indien machte.
Diesen Auftrag hatte er von König Johann II. persönlich erteilt bekommen. 1487 stach er mit 3 Schiffen in See, bis dahin war der bekannteste südlicheste Punkt an der Küste im heutigen Namibia.
Von Namibia aus trieben starke Winde die Schiffe immer weiter nach Süden. Dias wollte zurück und segelte nach Osten. Allerdings war er schon über die Südspitze hinaus und so konnte im Osten kein Land mehr auftauchen. Irgendwann drehte Dias dann nach Norden und erreichte dadurch die Südspitze Afrikas.
Der eigentliche Grund für seinen Dreher war, dass die Mannschaft an Skorbut erkrankt war und ihn somit zur Rückkehr zwang. Auf der Rückfahrt erblickte er dann das Felskap. Weil der Sturm ihn hier herum geführt hatte, nannte er es Sturmkap, aber Johann II gab dem Kap einen freundlichen Namen: Kap der Guten Hoffnung.
Im Süden Afrikas stellten die Seefahrer dann klimatisch ähnliche Bedingungen wie in Europa fest und so wurde ein Teil der Sklaven hier ausgesetzt, um Versorgungsstationen auf dem Weg nach Indien aufzubauen. Denn immer wieder erkrankten die Seefahrer an Skorbut und konnten durch frisches Obst und Gemüse den Vitamin C Haushalt wieder auffrischen und die Krankheit damit besiegen.

Im Museum ist die gesamte Geschichte der Entdeckung in vielen Bildern, Exponaten und Erklärungen anschaulich gezeigt. Außerdem gibt es einen originalgetreuen Nachbau der Karavalle, dem Schiff, mit dem Dias damals unterwegs war.

Zur Kommunikation nutzte man damals einen Postbaum. Im Jahre 1500 steckte hier ein anderer portugisischer Seefahrer auf seiner Rückreise aus dem fernen Osten einen Brief zwischen die Zweige. Niedergeschrieben hatte er die Schwierigkeiten, die er in Indien hatte. Ein Jahr später entdeckte ihn der nächste Seefahrer und war somit vorgewarnt. Anschließend wurde der Postbaum immer wieder zum Versenden genutzt. Fand man einen Brief, nahm man ihn soweit wie möglich mit, bis er irgendwann sein Ziel erreicht hatte. In Erinnerung an diesen Brauch steht heute ein Seefahrerstiefel-Briefkasten unter diesem Baum. Wer hier eine Ansichtskarte einwirft, wird sich zu Hause über einen besonderen Stempel auf der Briefmarke freuen können.
Der Besuch im wirklich sehr interessanten Museum hat ein wenig länger gedauert und hungrig gemacht. So nutzten wir die verbleibende Zeit, ein paar unserer Vorräte zu knabbern. Für ein richtiges Mittagessen blieb nämlich keine Zeit mehr. Anschließend machten wir noch einen kleinen Extra-Abstecher zu einem Strand. Herbie wollte uns demonstrieren, weshalb Mosselbay zu seinem Namen kam, denn hier am Strand war alles voller Muscheln.

Zum Glück gab es auch eine kleine Eisbude, so konnten sich alle ein wenig stärken, denn der nächste Stop in Hermanus war über 3 Fahrtstunden entfernt.
Nach einer ganzen Weile fing Herbie vorn an, Zweifel zu äußern. Wir in der letzten Reihe bekamen nicht ganz so viel mit, aber es ging wohl um den geplanten Stop am Stony-Point bei Betty’s Bay für die Pinguin-Kolonie. Franzi wurde ein wenig nervös und googelte aktiv. Kein gutes Zeichen… Kurze Zeit später hielten wir dann an einer Aloe-Vera-Farm. Wir waren über eine kleine Pause zum Beinevertreten und Austreten recht froh, aber wie immer, dauerte auch diese Pause wieder einmal viel zu lange. Die Laune wurde bei Franzi schlechter und wir versuchten, näheres herauszufinden. Wir erfuhren, dass die Pinguin-Station vermutlich um 16 Uhr schließen wird und wir definitiv später dort ankommen. Ernsthaft? Für uns ein wichtiges Highlight der Reise soll ausfallen? Wir versuchten ruhig zu bleiben und alles auf uns zukommen zu lassen.

Gegen 17 Uhr erreichten wir dann endlich Hermanus. Hier sollten wir eine Pause zum Walebeobachten einlegen. Natürlich haben wir keine entdeckt. Dafür konnten wir einen kleinen Klippschliefer entdecken. Irgendwie ein hässliches Tier aber trotzdem niedlich anzusehen.

Als Franzi und Herbie ihre Diskussion über die aktuell schlecht laufende Fahrt beendet hatten, ging es weiter. Noch immer liegen 1,5 Stunden Fahrt vor uns. Puhh! So langsam könnten wir auch mal eine richtige Mahlzeit vertragen.
Zum Glück ging es den anderen ähnlich und so steuerten wir zwischenzeitlich noch eine Tankstelle an. Hier gab es zumindest ein paar Sandwiches.

Erst nach Sonnenuntergang erreichten wir dann den Stony Point. Die Station war schon lange geschlossen. Unser einziges Glück, die Pinguine halten sich nicht so ganz, an die Umzäunung. Durch ein kleines Gatter konnten wir zumindest ein Stück auf das Areal gehen und den Pinguinen näher kommen. Allerdings fehlte allmählich das Tageslicht und so sind die Fotos nicht wirklich gut geworden.

Erst als es vollständig dunkel war, haben wir uns auf die letzte Etappe mit noch immer mehr als einer Stunde Fahrt gemacht.

Fix und Fertig sind wir erst gegen 21:30 Uhr im Hotel in Kapstadt angekommen. Das geplante Abendessen in einem Restaurant fiel natürlich aus. Auch im Hotel hatte das Restaurant nur noch wenige Minuten geöffnet und so musste auch am Abend der Notproviant als Mahlzeit herhalten. Bin ich froh, dass wir so reichlich mitgenommen haben.
Auf der Terrasse des Hotels sitzend haben wir den Tag zum Glück mit viel Humor Revue passieren lassen ehe wir dann auch relativ bald todmüde ins Bett gefallen sind.