Nach dem langen und anstrengenden Tag gestern haben wir tief und fest geschlafen. Beim Frühstück haben wir erst einmal die fehlenden Mahlzeiten aufgeholt, denn es gab sogar Waffeln und Muffins 😉
Heute war das Wetter perfekt. Blauer Himmel, Sonnenschein. So sollte es zunächst bis fast an den südlichsten Punkt gehen und am späten Nachmittag noch auf den Tafelberg. Ein tolles Programm erwartete uns also und so störte es uns nicht, schon wieder in den Bus zu steigen.
Auf dem Weg raus aus der Stadt ist Herbie zunächst mit uns am WM Stadion vorbei gefahren. Dieses Stadion wurde extra für die WM 2010 erbaut und wird seitdem kaum genutzt. Leider kostet es dennoch mehrere Millionen Euro Unterhalt im Jahr und die Rufe, es einfach wieder abzureißen, werden mit jedem Jahr lauter.
Immer an der Küste entlang führte uns der Weg durch gehobenere Wohnviertel. In der Camps Bay machten wir dann einen ersten kleinen Foto-Stop. Von hier hat man nämlich einen tollen Ausblick auf die 12 Apostel. Eine Bergkette, die vom Tafelberg bis zur Hout Bay verläuft. Der Name bezieht sich auf die 12 Jünger Jesu, denn eigentlich besteht die Kette sogar aus 18 Bergkuppen.

Nun ging es, immer an der Bergkette entlang bis zur Hout Bay. Dort stiegen wir auf ein kleines Ausflugsboot um zur Robben-Insel Duiker Island zu fahren. Schon im Hafen konnten wir die ersten Robben entdecken. Ein paar Einheimische haben die Robben mit Fischen ein wenig dressiert und so besteht die Möglichkeit, sich für ein paar Euros mit ihnen zu fotografieren oder selbst zu füttern. Wir lehnten dankend ab und versuchten einen Weg zwischen den ganzen Souvenirläden zu finden ohne permanent angequatscht zu werden. Zum ersten Mal in diesem Urlaub empfanden wir es sehr nervig und aufdringlich.

Endlich waren wir auf dem Schiff und die Fahrt ging los. Obwohl wir noch in der geschützten Bucht fuhren merkte man einen ansehnlichen Wellengang im Magen. Zum Glück hat uns das Ganze wenig ausgemacht. Nach einer kurzen Fahrt erreichten wir nun Duiker Island. Puh, der Gestank, den die Robben abgeben, verleitet einen dazu, schnell wieder wegzuwollen. Mit gerümpfter Nase schauten wir uns die lustigen Gesellen an. Hier und da gab es Kämpfe, Robben rutschten ins Wasser, spielten im Wasser oder kletterten wieder auf die Steine. Dazu gab es Heullaute in ordentlicher Lautstärke. Nachdem wir eine ganze Weile schauen konnten und durchgeschaukelt wurden, ging es wieder zurück zum Hafen. Dort gab es dann noch die obligatorische Zusatzpause ehe es weiter Richtung Süden ging.

Eigentlich sollte die Fahrt über den landschaftlich schönen Chapmans Peak gehen, doch beim Erreichen der Passstation sahen wir Straßensperren. Jeden Mittwoch im November bleibt der Pass wegen Bauarbeiten von 10-16 Uhr gesperrt. Ein vorbereiteter Guide hätte diese Information besitzen können….
Nun hieß es umdrehen! Wir mussten ein ganzes Ende zurück fahren, ehe es eine alternative Route gab. Diese führte uns von Weitem am Strand von Muinzenberg vorbei. Einem der Postkarten-Motive Südafrikas. Dort stehen nämlich farbenfrohe Umkleidekabinen im hellen Sand. Bei den Kapstädtern war der Ort in der „False Bay“ immer ein beliebter Wochenendort, denn das Wasser ist hier ca. 5 Grad wärmer. An anderen Stellen hat der Atlantik meist eher nur so 12 Grad und das mögen die Afrikaner genauso wenig wie wir. Allerdings ist das Baden hier nicht ganz ungefährlich, denn der weiße Hai mag die Bucht auch sehr gerne. Inzwischen gibt es oberhalb in den Bergen verschiedene Shark-Spotter-Plätze. Die aus dem Fernsehen bekannte weiße Haiflosse sieht man in Wirklichkeit nämlich nicht unbedingt. Viel besser kann man einen Hai von weitem unter der Wasseroberfläche ausmachen. Per Funk werden dann die Strandaufpasser gewarnt und hissen sofort die Hai-Flagge, um Schwimmer zu warnen. Wir wären gerne näher zu diesem Strand gekommen, aber offenbar reicht die Zeit dafür heute nicht aus. Schade!

Stattdessen fuhren wir nun immer die Küste der „False Bay“ entlang. Der Name stammt übrigens noch aus Seefahrerzeiten. Schiffe, die von Osten segelten, haben bei Nebel oft das östliche Kap Hangklip mit dem Kap der guten Hoffnung verwechselt und drehten den Kurs nach Norden. So sind sie dann in der „falschen Bucht“ gelandet. Durch die Größe von 30x30km ist dieser Irrtum dann auch erst später aufgefallen und die Seefahrer mussten einiges zurück, ehe sie das „richtige Kap“ umrunden konnten.
Wir machten noch eine Pause in Simon’s Town. Hier gab es ein Denkmal für einen Hund. Just Nuisance (bedeutet so viel wie „Nichts als Ärger“ wurde bei der Royal Navy offiziell als Vollmatrose gelistet. Damit war er der einzige Hund, der jemals so eine Position erhalten hat. Aber warum? Dieser Hund hatte Charakter! Er liebte es mit der Eisenbahn zu fahren und kannte sich im Streckennetz offenbar gut aus. Allerdings fuhr er auch gerne mal ohne Herrchen…. das Bahnpersonal fühlte sich belästigt. Wurde der Hund dann aus dem Zug geworfen, stieg er einfach in den Nächsten ein… Da Hunde nicht alleine Bahnfahren durften, drohte die Eisenbahngesellschaft mit der Einschläferung. Viele Seeleute, die auch immer wieder mit dem Zug fuhren, freundeten sich mit dem Hund an. Sie wollten ihm sogar Jahres-Bahnkarten kaufen. Als das nicht ging, schaltete sich einfach der zuständige Kommandant der Marine ein und ernannte den Hund offiziell als Vollmatrose. So war der Hund ein Kriegsfreiwilliger und durfte damit alle Züge frei nutzen. Einschläfern ausgeschlossen! Später wurde der Hund dann sogar noch für mehrere Jahre ein Schiffshund. Wie die menschlichen Matrosen auch, musste der Hund zu einem medizinischen Eignungstest. Als dieser bestanden war, wurde der Vertrag per Pfotenabdruck unterschrieben. Ein Mann wurde abgestellt, um sich um den Hund zu kümmern. Denn auch er hatte bei Paraden mit Mütze zu erscheinen 😀

Nach so viel verrücktem Wissen ging es nun endlich zum Kap-Nationalpark.
Am Kap Nationalpark hieß es erst einmal Eintritt zahlen. Außerdem wurde (wie bei den bisherigen Nationalparks auch) bei allen Teilnehmern im Bus Fieber gemessen. Anschließend durften wir weiter fahren. Entlang vieler schöner weißer Strohblumen ging es für uns zunächst zum großen Parkplatz der Seilbahnstation.

Mit der Standseilbahn, genannt Flying Dutchman, ging es für uns auf einer kurzen Strecke von 585 Metern innerhalb weniger Minuten 87 Höhenmeter hinauf. Vom oberen Endpunkt aus führen dann steinige Wege und Stufen die letzten Meter bis zum Leuchtturm hinauf.

Allerdings ist dieses der alte Leuchtturm. Er war nur von 1860-1919 in Betrieb. Mit seinen 249 Metern über dem Wasser hing er leider oft in Nebel und tiefen Wolken und konnte dann nicht gesehen werden. Bei guten Sichtverhältnissen reichte die Lichtreichweite mehr als 60 Kilometer…. Während einer schlecht Wetter Phase erlitt ein portugisisches Schiff am Kap Schiffbruch und es wurde entschieden, einen neuen Leuchtturm, deutlich tiefer, aufzubauen. Seitdem dieser fertig gestellt wurde, dient dieser nur noch als Sehenswürdigkeit.
Während wir nun hier oben standen, die Aussicht genossen und Fotos schoßen, entdeckten wir, dank einer englischen Touristin, einen Wal unter uns im Wasser. Schnell erzielte er unser aller Aufmerksamkeit. Immer wieder klatschte er mit seiner Schwimmflosse auf die Wasseroberfläche. Entweder er wollte spielen oder aber er suchte seine Mama. Hoffen wir mal das Beste für den kleinen Wal.

Eigentlich sah unser Plan aus, von hier eine kleine Wanderung zu starten. Entweder zum neuen Leuchtturm und den vorlagernden Schiffswracks, die man teilweise gut sehen kann. Oder den Berg hinab zum berühmtesten Schild Afrikas… Leider fehlte uns heute (warum auch immer), die Zeit und so mussten wir mit der Standseilbahn wieder zurück zum Bus. Plötzlich brach hier schon Zeitdruck aus. Da André und ich aber noch ein Souvenir shoppen wollten, mussten wir dann schon eine Bahn später hinunter fahren als der Rest. Das dauerte dann ein wenig, denn erst steigen die Besucher aus, dann wird ALLES desinfiziert und dann durften wir einsteigen.
Unten angekommen war von der Gruppe schon niemand mehr zu sehen. Ein Teil ist zu einem Restaurant gestapft, wieder andere zur Toilette. Franzi begrüßte uns, wir sollten uns beeilen, wenn wir auch noch etwas essen wollen. Warum? Es ist noch zeitig und wir wollen den Ausflug hier genießen! Und was soll ich sagen, wir haben uns mal wieder umsonst abgehetzt, denn die geplante Abfahrtszeit wurde keineswegs eingehalten… es nervt! Dann hätten wir auch länger oben bleiben können!

Nun ging es im Bus direkt zum Kap der Guten Hoffnung. Unterwegs hielten wir noch kurz bei einer Straußenfamilie. Die Eltern waren gut damit beschäftigt, auf ihre 9! Babys aufzupassen. Als wir aus dem Bus aussteigen wollten, um ein paar schöne Fotos zu machen, zeigten die Eltern deutlich, dass sie ihre Babys beschützen werden und lauerten teils in Angriffsstimmung. Hui, die Tiere sind beeindruckend groß. Wütend möchte ich die nicht auf mich zurennen sehen.

Jetzt ging es die letzten Meter zum Schild. Und wieder profitierten wir von Corona. Es waren kaum andere Touristen vor Ort. Schnell sprangen wir aus dem Bus und so war es klar, dass André und ich die ersten Bilder schon im Kasten hatten, bevor der Rest überhaupt ausgestiegen war. Alle wurden ganz in Ruhe fotografiert und es gab noch ein Gruppenfoto. Anschließend wurde mit südafrikanischem Sekt angestoßen. Das verlängerte die Pause hier mal wieder… wenn wir das vorher gewusst hätten….zeitlich hätten wir die Wanderung vom Leuchtturm bestimmt hinbekommen. Sehr sehr schade!

Wir versuchten unsere Enttäuschung mit der Vorfreude unseres Tafelbergbesuchs zu vertuschen. Dort sollte es schließlich als Nächstes hinauf gehen.
Herbie fuhr zunächst einmal den Weg Richtung Chapmans Peak zurück. Wir warnten schon jetzt, dass der Weg bis 16 Uhr geschlossen sei (stand morgens ja auf dem Schild!), aber Herbie wollte uns nicht glauben und so kam es, Überraschung, dazu, dass wir wieder vor der Straßensperre standen… Ich halts nicht mehr aus. Was für ein inkompetenter Kerl ist das?
Wir drehten, und fuhren wieder mit dem Umweg vom Vormittag zurück nach Kapstadt. Einige schliefen während der Fahrt. Offenbar eines der besten Mittel gegen die Enttäuschung über den Super-Guide.
Nach einer ganzen Weile wurde ich dann geweckt. André gab mir das Signal, dass wir fast am Tafelberg wären. Immerhin ist der Himmel noch immer wolkenfrei. Die Aussicht wird also perfekt sein. Bis dann alle mal aus dem Quark gekommen sind, die richtigen Schuhe / Jacken angezogen hatten und sich zur Sicherheit noch einmal mit Sonnencreme eingecremt hatten, dauerte es. Endlich konnten wir zur Seilbahn gehen. Dort steuerten wir zunächst die Toiletten an, während Herbie die Karten kaufen wollte. Irgendwie druckste Herbie aber schon wieder rum. Plötzlich tat Franzi so, als wenn wir was verpasst hätten. Ich schaute irritiert, denn auch die anderen verstanden gerade nur Bahnhof. Erst jetzt rückte Franzi so richtig mit der Sprache heraus: Die Seilbahn hat seit der Coronapandemie eingeschränktere Fahrtzeiten. Die letzte Fahrt des heutigen Tages haben wir verpasst. Übrigens, die neuen Zeiten sind sogar bei google eingetragen! Das hätten sowohl der „Reiseleiter“ wie auch die „Reisebegleitung“ checken müssen. Wobei Franzi seitdem wir in Port Elizabeth angekommen sind, immer wieder versucht hat alles zu retten. Zig Telefonate wurden mit der Agentur wurden bereits geführt, aber es gäbe nur einen Ersatzfahrer, den bisher keiner kennt. Franzi hat sich dann lieber die Nächte um die Ohren geschlagen und Screenshots mit verschiedenen Wissensseiten zu den Programmpunkten geladen, um uns alles zu erzählen, was Herbie nicht hinbekommt. Auf die Idee, dass Herbie nicht mal mehr die Öffnungszeiten checkt, konnte sie nun auch nicht kommen.
Als Alternative schauten wir uns den Tafelberg und den Ausblick vom benachbarten Signal Hill an. Von hier konnten wir sogar die Gefängnisinsel von Nelson Mandela sehen. Hier streiften Perlhühner umher, die versuchten, unsere Laune ein wenig anzuheben. Auch wenn der Ausblick hier wirklich nett ist (und dieser Hügel immer Plan B bei schlechtem Wetter ist), war es nun einfach nicht DER Tafelberg. Wir setzten alle Hoffnung in den nächsten, für uns letzten Tag.

Nachdem wir nun alle den Ausblick mehr als verinnerlicht hatten, ging es noch ins Bo-Kaap Viertel.
In diesem Viertel, dass auch unter dem Namen Malai-Viertel bekannt ist, wurden früher viele Häuser als Unterkünfte für Sklaven genutzt. Zu dieser Zeit mussten die Häuser weiß gestrichen sein. Als sich die Sklaven 1834 emanzipieren konnten, durften sie die Häuser mit den Grundstücken kaufen. Viele von ihnen bemalten die Häuser dann in bunten Farben, als Zeichen für die Freiheit. Heute leben hier sehr viele Muslime (auch genannt Kap-Malaien). Teils sind es die Nachfolger der Sklaven.
Wir machten einen kleinen Spaziergang durch das Viertel und bestaunten die kleinen bunten Bungalows mit ihren flachen Dächern.

Anschließend ging es kurz zum Hotel. Nachdem sich alle frisch gemacht hatten, brachte uns Herbie an die Victoria und Alfred Waterfront. Hier verabschiedeten wir uns dann auch von Herbie. Für den letzten Tag bekommen wir einen hoffentlich deutlich kompetenteren Fahrer!
Wir sprachen noch kurz mit der Gruppe über den weiteren Plan für morgen. Franzi nahm uns allerdings jede Hoffnung für den Tafelberg. Die Agentur hat deutlich zu verstehen gegeben, dass es zeitlich mit den restlichen Programmpunkten nicht funktionieren würde. Ziemlich enttäuscht verabschiedeten wir uns nun.
Das recht teuere Essenspaket haben wir nämlich nicht mitgebucht und so stapften wir nun alleine los.
Wir machten erst einmal einen Bummel durch die Einkaufspassage, stellten aber schnell fest, dass wir hier nicht fündig werden. So ging es ein wenig Draußen am Wasser entlang. Stilecht dinierten wir heute beim goldenen M und besuchten eine kleine leckere Eisdiele zum Nachtisch.
Danach machten wir uns, einfach enttäuscht über den ganzen Tag, alleine auf den Weg zurück zum Hotel. Überall standen Wachmänner / Polizisten. Wirklich unwohl haben wir uns dadurch nicht gefühlt. Der Weg dauerte auch nur ca. 10 Minuten.
Im Hotel zurück grübelten wir nun, ob wir die Gruppe am nächsten Tag verlassen und lieber auf eigene Faust losziehen sollen. Der Tafelberg war für uns eines der Highlights in Kapstadt. Auf eine Weinverkostung in Stellenbosch können wir beide gut verzichten. Aber so recht fanden wir spontan keine Alternative. Von der Gruppe hörten wir auch nichts mehr und so legten wir uns irgendwann einfach schlafen.