Nachdem wir gestern Abend noch lange hin und her überlegt haben, ob es für uns eine bessere Alternative für den Tag gibt, aber so kurzfristig nichts gefunden hatten, haben wir nicht ganz so gut geschlafen.
Auch heute Morgen hatten wir noch einen ganz schönen Brass. Als wir die ersten anderen Teilnehmer beim Frühstück trafen, nahmen sie uns gleich den Wind aus den Segeln. Noch während des Abendessens wurde irgendwie entschieden, dass wir heute doch auf den Tafelberg können. Eigentlich eine positive Nachricht. Ich frage mich nur, warum man uns diese nicht auch mitteilen konnte?! Nachdem Franzi nun so viele Telefonate nach Deutschland geführt hatte, wäre es auf eine SMS / Whatsapp doch wohl nicht angekommen bzw. waren sie ja (wegen der Ausgangssperre ab 22 Uhr) auch nicht so spät im Hotel und hätten ja zumindest noch an die Zimmertür klopfen können…
Wir waren nur froh, dass wir nicht für einen horrenden Preis ein alternatives Programm gebucht haben.
Als Franzi dann auch beim Frühstück erschien, wollte sie uns mit überdurchschnittlich guter Laune quasi einen geretteten Urlaub präsentieren. Wir freuten uns zwar, aber die insgesamt enttäuschte Stimmung konnten wir einfach nicht mehr vergessen. Zudem betonte Franzi immer wieder, dass es heute zeitlich alles sehr straff gehalten wird und wir daher unbedingt immer pünktlich sein müssten… genau, weil ausgerechnet wir ja auch immer diejenigen waren, die zuspät kamen…
Wir gingen noch kurz aufs Zimmer um die gepackten Sachen zu holen und wurden schon gestresst (noch vor der geplanten Zeit) ungeduldig erwartet. Na das kann ja was werden…
Wir stiegen in den Bus und lernten unseren neuen, für heute engagierten, Guide Thomas kennen. Als er in seiner Kurzvorstellung erwähnte, dass er aus Andrés Heimat Zerbst kommt, war das Gelächter groß. Die Beiden verstanden sich dadurch auf Anhieb. Nachdem Thomas als Koch einige Jahre in der Schweiz gelebt hatte, ging es, der Liebe wegen nach Südafrika. Erst als Koch, später dann als Reiseführer.
Thomas holte auf einer kurzen Rundfahrt durch Kapstadts Innenstadt alles an Informationen auf, was weder Frans noch Herbie geschweige denn beide zusammen, an uns vermittelt haben. Teilweise war es so schnell und viel, dass wir uns gar nicht mehr alles merken konnten. So haben wir es uns für den Preis eigentlich die gesamte Reise vorgestellt!

Ursprünglich lebten in dem Gebiet des heutigen Kapstadts San und Khoihkoi Ureinwohner.
1652 ging der Niederländer Jan van Riebeeck in der Tafelbucht an Land und gründete eine Versorgungsstation für die Handeslsschiffe, die auf dem Seeweg nach Indien waren. Vom Klima waren hier die Bedingungen ähnlich wie in Europa und die meisten Seeleute schafften es gerade so bis hier, ehe ihre Scorbut-Krankheiten unbedingt durch die Gabe von frischem Obst und Gemüse behandelt werden mussten.
Der Ort eignete sich, weil es eine geschützte Bucht war, die sich als natürlicher Hafen anbot. Die Ureinwohner wurden vertrieben und zum eigenen Schutz wurde das heutige Castle of Good Hope gebaut.

Hier legten wir dann auch einen ersten kleinen Fotostop ein. Auf Grund von Filmarbeiten wäre eine Besichtigung eh nicht möglich gewesen.
Die Ureinwohner weigerten sich, mit den Eroberern Handel zu treiben oder für sie zu arbeiten und so mussten Menschen aus ihren Handelsgebieten (zB Madagaskar, Indien, Indonesien…) importiert werden, um sie als Slaven zu halten.
Gerade die weiblichen Sklavinnen wurden doppelt ausgebeutet und mussten für sexuelle Bedürfnisse herhalten. So durchmischten sich die Europäer mit Asiaten und den afrikanischen Ureinwohnern und der Ursprung der farbigen Bevölkerungsschicht (den Coloureds oder Mischlingen) wurde geschaffen. Anbei mal zwei Bespiele, die wir während des gesamten Urlaubs nahe der Hauptstraßen entdecken konnten: Einmal ein Township der „reinen Schwarzen“ und ein Township der „coloureds“… Wie man sieht, geht es den Coloureds deutlich besser. Und noch immer gibt es diese klaren Stadtteilgrenzen, obwohl die Apartheid eigentlich schon lange abgeschafft wurde.
Im 18. Jahrhundert wurden dann im Hinterland die ersten Gold- und Diamantenvorkommen entdeckt und abgebaut. So wurde Kapstadt schnell ein wohlhabender Hafen.
1901 führte eine Beulenpest dazu, dass die Regierung einen Vorwand hatte, mit der Rassentrennung offiziell zu beginnen. Bis ans Ende der 1980er Jahre versuchte die Regierung immer mehr, die nicht-weiße Bevölkerung aus der Stadt zu verbannen. Die Viertel in denen sie lebten, wurden absichtlich verkommen lassen. Später dann als Sanierungsgebiete deklariert um teils bis zu 70.000 Menschen Zwangsumzusiedeln. Erst 1990, als Mandela seine erste öffentliche Rede führte, veränderte sich Kapstadt sehr. Die Grundstückspreise wurden teurer, viele Stadtviertel wurden aufwendig saniert und das Stadtzentrum wurde deutlich sicherer. Dennoch lebt die Mehrheit noch immer in denselben, nun nach Einkommen getrennten Stadtvierteln. Die wirtschaftlichen, sozialen und gesundheitlichen Probleme sind geblieben. Es gibt nur sehr wenig farbige und schwarze, die zur finanziellen Oberschicht gehören. AIDS und eine hohe Kriminalitätsrate sind in den Townships noch immer ein großes Problem.

Nach so viel Input erreichten wir nun die Seilbahnstation des Tafelbergs (genau, hier waren wir gestern schon). Noch fuhr keine Gondel, aber wir wollten mit einer der Ersten nach oben. Der Himmel war absolut wolkenfrei und so versprach es ein perfekter Ausblick zu werden. Thomas organisierte schnell den Kartenkauf und dann mussten wir ein wenig anstehen… zu vor Corona-Zeiten hätten wir hier wohl mindestens 3-4 Stunden anstehen müssen. Zum Glück ist das heute anders.

Nun endlich ging es mit der Seilbahn hinauf. Jede Gondel dreht sich während der Fahrt hoch einmal um die Ganze Achse, sodass egal wo man steht, man einmal in jede Richtung schauen kann.

Endlich waren wir oben. Wir konnten es kaum glauben! Nun stehen wir auf 1087 Metern Höhe und können auf Kapstadt herabblicken. Unglaublich!
Natürlich machten wir erst einmal ein Bild von uns am Schild der 7 neuen Weltwunder, quasi als Beweis, dass wir selbst oben waren. Herrlich 🙂

Thomas bietet einen kleinen Rundweg über das Felsplateu an, während dem er einiges über den Tafelberg, Flora und Fauna erzählt. Alleine hier auf dem Berg gibt es ca. 1400 Pflanzenarten von denen etliche auch nur hier und nirgendwo sonst auf der Welt vorkommen. Allein die Anzahl der Erika-Gewächse und Proteen geht auf über 100. Zu den Proteen gehört auch die Nationalblume Südafrikas, die Königsprotea. Auch Bergziegen, Klippschliefer und Paviane sollen hier oben wohnen. Entdeckt haben wir heute keine, zum Glück auch keine Schlangen.

Nach der unbeschreiblichen Runde mit Aussichten in alle Richtungen ging es leider wieder hinab, denn unser nächstes Ziel Stellenbosch wartete ja schon auf uns.

Stellenbosch liegt etwa 50 Kilometer östlich von Kapstadt und ist eine der berühmtesten Weinregionen Südafrikas. Da passte es, dass wir nun zum Mittagessen auf das Weingut Delheim fahren. Während des Essens durften wir verschiedene Weine verkosten. Der Weinanbau hier in der Region stammt von europäischen Auswanderern, die einige Weinpflanzen im Gepäck hatten.

Anschließend gab es noch eine kleine Rundfahrt durch die Universitätsstadt. Überall waren kleine Cafés und Läden. Für einen Bummel hatten wir leider keine Zeit. Stattdessen steuerten wir das Weingut Boschendal an. Bei einem kurzen Stop konnten wir uns eines der ersten Weingüter aus 1685 ansehen.

Auf dem Weg nach Franschhoek („Franzosenecke“)kamen wir an vielen Wein- und Obstfarmen vorbei. Der Ort wurde 1688 von 200 aus Frankreich ausgewanderten Hugenotten gegründet. Daher kann man hier einen typisch französischen Touch erkennen.
Wir hatten noch ein wenig Zeit und so bummelten wir einmal die kleine Einkaufsstraße hinauf bis zum Hugenotten-Denkmal. Die Geschäfte, vorwiegend Kunstgeschäft, sind ganz auf den Tourismus ausgelegt.

Bevor es zurück nach Kapstadt geht, hielten wir noch am Drakenstein-Gefängnis. Hier hat Nelson Mandela bis 1990 die letzten 14 Monate seines Gefängnisaufenthaltes verbracht.

Wieder zurück in Kapstadt (ich gebe zu, auf der Rückfahrt haben wir geschlafen), sahen wir, wie der Tafelberg allmählich seine Tischdecke (einen Wolkenteppich) auflegte. Ein Glück, dass wir am Morgen ohne Wolken oben waren.

Es ging kurz ins Hotel, damit wir uns fürs Abendessen frisch machen konnten. Thomas fuhr uns zum GOLD-Restaurant. Hier wartete ein typisch afrikanischer Abend auf uns. Diesen hatten wir nicht mitgebucht, aber als Entschädigung für die vielen Missgeschicke seitens der Guides von der Agentur bekommen. Sehr freundlich!
Im Restaurant angekommen wurden wir an den Tischen mit eigenen Trommeln begrüßt. Wir mussten uns das Essen erst verdienen 😉 Auf der Bühne standen ein paar Afrikaner, die uns verschiedene Rhythmen näher brachten und gemeinsam wurde wie wild getrommelt, bis auch dem Letzten alle Finger weh taten 😉
Bei einem gewöhnungsbedürftigen Essen mit Gerichten aus verschiedenen Ländern Afrikas und einer typisch afrikanischen Trommel- und Gesangsshow nahmen wir langsam Abschied von Südafrika.
Für den kurzen Rückweg zum Hotel ließen wir lieber ein Taxi rufen. Sowohl rechts wie auch links vom Restaurant aus stehen überall Zelte von Obdachlosen. Für Touristen nicht ganz so ungefährlich dort vorbei zu gehen. Zum Glück dauert es aber nicht lange bis das Taxi vorbei kommt und so ging es auf Jedenfall sicher zum Hotel zurück.
Wir packten noch ein wenig unsere Koffer, ehe wir uns dann ins Land der Träume verabschiedeten.