Heute ging es mal wieder etwas früher aus den Federn. Das Wetter war stark bewölkt und dadurch nicht mehr ganz so warm. Dennoch hatten wir ein festes Ziel mit Zeitplan. Wir wollten um 9.30 Uhr mit einem Boot von Gjendesheim zur Wanderhütte Memurubu übersetzen. Dort ist einer der möglichen Startpunkte für die berühmte Besseggen Wanderung. Diese anspruchsvolle Wanderung hätten wir zwar gerne gemacht, trauten sie uns aber nicht wirklich zu. Auf 14 Kilometern gilt es über 1000 Höhenmeter zu überwinden… absolut kein Zuckerschlecken.
Da wir noch Eineinviertelstunde Fahrt bis Gjendesheim hatten, fuhren wir heute mal ohne Fotostops durch. Zwischendurch gab es noch eine kleine Schafherde mitten auf der Straße. Der Weg führte uns am Skigebiet von Beitostolen vorbei. Wir waren über die Größe des Ortes und den regen Touristenverkehr überrascht. Nachdem wir aus dem Ort heraus waren, wurde es aber sofort wieder ruhiger.
Anschließend ging es über Valdresflye, einer Passstraße auf 1389 Metern. So war es auch kein Wunder, dass hier rechts und links der Straße noch Schneereste zu sehen waren.

Nun kamen wir nach Gjendesheim. Wir ignorierten einen riesen Parkplatz und fuhren weiter bis zum Fähranleger. Ein Mitarbeiter kam irritiert auf uns zu. Für die gleich startende Tour gibt es keine Tickets mehr. Mist, gestern Abend hätte es im Internet noch etliche gegeben. Wir waren nur unsicher, vorher zu buchen. Blöd gelaufen.
Die Mitarbeiter bemühten sich dennoch und nachdem alle Online-Ticket-Käufer auf der Fähre waren, gab es noch genau zwei Plätze. Schade, denn vor uns hatte sich bereits ein anderes Pärchen angemeldet. Immerhin mussten wir somit nicht die ganze Zeit im Parkverbot halten. Wer mit der Fähre fahren möchte muss unbedingt schon außerhalb den großen Parkplatz nehmen und kann gegen eine kleine Gebühr mit dem Shuttlebus zum Anleger fahren.

Wir brauchten nun eine Alternative, denn eine spätere Bootsfahrt war heute zeitlich nicht drin. Um 14 Uhr hatten wir eine wichtige Verabredung ;).
Die Passstraße, über die wir gekommen waren, sah eigentlich ganz nett aus und da wir vorhin ja durchrasen mussten, entschieden wir, einige Kilometer zurück zu fahren. Vielleicht finden wir hier ja einen schönen kleinen Wanderrundweg.
So ging es also zurück bis zu einer Parkmöglichkeit. (Bei google maps zu finden unter Steinplassen) Dort wurde dann google befragt, aber so recht wurden wir nicht fündig. Wir entschieden uns dann einfach für einen kleinen Schneespaziergang, eine Mini-Schneeballschlacht und ein paar Quatschfotos an den großen Felsen. Wir waren im Pullover draußen und fanden es schon sehr frisch (waren aber zu faul die Jacken zu holen). Plötzlich kamen zwei Mädels, die sich vor den Felsen dann noch ordentlich entkleideten um unbedingt sommerliche Fotos zu machen. Au man, die haben ganz schön gefroren und peinlich war es denen auch noch…

Nachdem es nun noch anfing zu regnen, entschieden wir uns, einfach schon weiter zu unserem nächsten Ziel zu fahren.
Für uns gehören Elche und Norwegen zusammen und wir lieben diese Tiere einfach. Leider haben wir bisher noch nie Elche in freier Natur entdeckt und auch im Zoo haben sich die Tiere meist faul in den hintersten Ecken versteckt… Da wir schon viele Reiseberichte gelesen haben, wo andere Urlauber schreiben, wie viel Glück man haben muss, um einen Elch zu sehen, wollten wir das Ganze nicht dem Zufall überlassen.
Bei unseren Recherchen im Internet sind wir auf die „Glittersja Mountain Farm“ gestoßen. Eine Art Naturbauernhof mit Elchen. Täglich um 14 Uhr kann man bei der Elchfütterung zu sehen.
Nun waren wir deutlich früher dran. Die letzten Kilometer ging es über einsame Waldwege zu einem gut ausgebauten Parkplatz. Einen leicht hügeligen Weg geht es dann hinauf zum Eingangstor. Es folgt ein kleines Häuschen, wo man das Eintrittsgeld entrichten muss (270 NOK pro Personen…also alles andere als günstig). Mitten im Weg lag schon einer der weißen Schäferhunde. Er ließ sich überhaupt nicht stören und so stiegen wir über ihn hinüber.

Das übliche Publikum des Bauernhofs waren Familien mit Kleinkindern. Alles Norweger… lediglich ein polnisches Auto, ein Vater mit seinem fast erwachsenen Sohn, hatten wohl ähnliche Pläne wie wir.
Mehrere Häuser, alle mit Grasdächern, bilden den Hauptteil des Bauernhofs. Hier kann man sich die traditionelle Arbeit eines Bauernhofs wie in einem Mitmachmuseum näherbringen lassen. Zudem gibt es ein kleines Café mit selbstgemachten Produkten.

Wir schlängelten uns aber erst einmal durch die kleine Gasse und schon bald erblickten wir das Elchgehege. Einer der Elche kaute genüsslich, die anderen beiden lagen faul im hohen Gras versteckt. So wie bei unseren Zoobesuchen auch… geduldig setzten wir uns an den Rand und redeten den Tieren gut zu… brachte nichts… irgendwann war auch der eine Elch satt und suchte sich ebenfalls einen Platz weit weg von uns im Gras. Bis zur Fütterung dauerte es noch ein ganzes Weilchen und so machten wir einen Spaziergang durch den restlichen Teil des Bauernhofs. Es gibt Ponys zum Reiten für die Kinder und den Berg weiter hinauf noch ein weiteres Wildgehege. Hier stehen unter anderem Rentiere. Aber auch die haben deutlich gezeigt, dass sie noch keine Lust auf Besucher haben und verkrümmelten sich weiter in den Wald. Offenbar gibt es noch einige Tiere mehr…Ziegen, Schafe, Rinder… diese haben wir heute aber gekonnt ignoriert.

Ein Hüngerchen machte sich breit und so bestellten wir uns im Café Waffeln. Geschmacklich sind sie mit den uns bekannten allerdings nicht zu vergleichen und es fiel uns zugegeben ein wenig schwer, sie hinunterzubekommen. Dieses „kulinarische Highlight“ brauche ich dann nicht noch einmal. Um uns währenddessen abzulenken, beobachteten wir einen der vielen weißen Schäferhunde, die das Betreiber-Ehepaar auch selbst gezüchtet hat. Niedlich und absolut friedlich und verspielt.

Langsam wurde es am Elchgehege voller und so suchten wir uns zur Sicherheit schon einmal einen guten Platz. Bald darauf kam Hege Nordskar, die Bauernhof-Betreiberin, vor die Tür. Mit einem super braun gebranntem Gesicht, langen grau-weißen Haaren und einem quietschbunten Wollpullover passte sie perfekt ins Bild. Sie erzählt eine ganze Weile über das Bauernhofprojekt. Allerdings alles auf norwegisch und so verstehen wir eher Nichts als wenig. Nachdem alle applaudiert hatten, ging sie ins Elchgehege. Die 3 Tiere stolzierten herbei. Unter den Zuschauern wurde es unruhig. Cool, man darf sogar selbst füttern. Obwohl um uns herum nur Kinder mit ihren Eltern waren, kannte ich kein Halten mehr und gesellte mich dazu. Hege beantwortete nun auch ein paar Fragen auf Englisch und schon war klar, die Elche dürfen sogar gestreichelt werden. Das lasse ich mir nicht zweimal sagen und schon locke ich die Tiere mit leckeren Weidenästen immer wieder zu mir.

Nachdem André es noch geschafft hat, meine Streichel- und Fütterversuche zu fotografieren, durfte er auch mal 😉 Das Geweih der Elche war noch ganz warm und weich. Ein Zeichen dafür, dass es noch wächst. Zum Glück hatten die meisten Kinder kaum Ausdauer und so standen wir zum Ende ziemlich alleine am Fütterungszaun.

Erst als alles verteilt war und die Tiere wieder eine ruhigere Ecke suchten, gingen auch wir. Die anschließende Rentierfütterung haben wir dann aber nicht mehr begleitet. Stattdessen ging es für uns durch den Souvenirshop zurück zum Auto. Hier kann man sogar selbstgestrickte Pullover aus eigener Schafwolle und Felle kaufen.
Tierschützer brauchen nicht aufschreien, wenn sie das hier nun lesen. Die Farm hat nur im Sommer für maximal 6 Stunden am Tag geöffnet. In den restlichen Stunden haben die Tiere absolute Ruhe. Dass die Tiere so zahm sind, liegt daran, dass sie teils mit der Flasche aufgezogen werden. Fast jedes Jahr gibt es ein neues Elchbaby. Diese werden später dann an andere Farmen abgegeben, denn nicht immer verstehen sie sich untereinander.
Nach diesem Highlight des Tages hofften wir insgeheim, noch einen frei lebenden Elch zu entdecken. Jetzt, wo man weiß, wie sie sich im Gras verstecken können, haben wir vielleicht noch einmal einen anderen Blick… Mal schauen und die Daumen drücken.
Unsere weitere Route führte uns nun nach Lom. Auch hier gibt es eine berühmte Stabkirche, die zu den Größten gehört. Offenbar lockt das einige Touristen an, denn im Gegensatz zu den bisherigen Orten auf unserer Reise, war es hier mal so richtig touristisch und voll.

Wir fanden recht fix einen kostenfreien Parkplatz und schlenderten ein wenig durch den Ort. Eine Eisdiele mit Softeis und Dipp-Schokolade lockte uns schnell an. Für sportliche 6 Euro pro Eis konnten wir das leckere kühle Kalorienmonster naschen. Nebenan hätten wir Elchburger essen können. Nein danke! Wir wollen sie lebendig sehen!
Durch ein paar kleine Tourigeschäfte ging es nun zur Stabkirche. Auch hier ist das Eintrittsgeld mit 10 Euro pro Person schon ganz schön sportlich angesetzt. Wir wagten einen Blick hinein und entschieden uns dann doch dagegen.
Im Ort verläuft noch ein kleiner Fluss. An diesem wurde nun extra eine Zipline installiert, die ebenfalls einige Touristen anlockte. Wir schauten uns das Treiben ein wenig an und entschieden uns dann recht bald, den Ort schnell wieder zu verlassen. Wir wollten es doch lieber ruhiger haben.

Als nächstes Wunschziel stand nun der Geirangerfjord auf dem Plan und so tippten wir bei Googlemaps einfach mal Geiranger ein und fuhren immer in die richtige Richtung.
Nach ner guten Stunde hatten wir dann nicht mehr so recht Lust noch weiter zu fahren und ein Hüngerchen meldete sich auch wieder. Da passte es noch besser, als wir das Hinweisschild zum Dalsnibba Aussichtspunkt eher zufällig entdeckten. Hoch fahren wollten wir dann aber heute nicht mehr. Zudem war der Himmel noch recht bewölkt.
Wir entschieden uns, hier in der Nähe autark zu stehen. Nach ein wenig Hin und Her fanden wir dann noch ein freies Plätzchen auf einem Rastplatz. Die naturnaheren Plätze waren leider alle schon voll….

Hier standen wir nun mit einigen anderen WoMos. Gegen den Hunger wurden schnell ein paar Nudeln mit Soße in den Topf gehauen. Offenbar war dass das Stichwort für den lieben Gott denn der Himmel klarte direkt wieder auf. So konnten wir doch noch im Sonnenschein am See draußen sitzen und essen.

Etwas später kam dann noch ein LKW und machte Pause. Leider ließ er den Motor dabei die ganze Zeit laufen. Zum Glück war die Pause nicht allzulang, ich glaube, sonst wären wir weiter gefahren obwohl es für heute nun wirklich reichte.
Ordentlich geschafft ging es mit vielen elchigen Eindrücken recht schnell ins Land der Elch-Träume