Als wir morgens wach wurden hörten wir das doofe Geräusch von Regen auf dem Auto. Blöd! Ist das die Strafe weil wir gestern bei aufklarendem Himmel nicht mehr zum Dalsnibba Aussichtspunkt hinauf gefahren sind? Im Regen macht es jedenfalls keinen Sinn und so warteten wir einfach mal ab. Es heißt ja nicht umsonst, dass sich das Wetter in Norwegen schnell ändern kann…
Nachdem wir ein wenig in den Büchern gestöbert hatten, hörte der Regen tatsächlich auf und erste blaue Fleckchen waren am Himmel zu entdecken. Wir wagten den Versuch und steuerten die Mautstation zum Aussichtspunkt an. Für die Fahrt nach oben zahlt man aktuell 250 NOK. Dafür bekommt man auf einer Höhe von 1500 Metern aber auch eine schöne Aussicht geboten. Nachdem wir die kurze Kurvenstrecke (wirklich harmlos zu fahren), absolviert hatten, erreichten wir einen gut gefüllten Parkplatz. Offenbar haben einige Wohnmobile sogar hier oben genächtigt.

Jetzt hieß es Aussicht genießen. Durch die vielen Wolken bot sich uns ein tolles Farbspiel und der in der Ferne zu sehende Geirangerfjord tauchte immer wieder in unterschiedliche Farben. Sogar einen Regenbogen, der direkt über dem Fjord erschien, entdeckten wir. So dauerte es ein ganzes Weilchen, ehe wir uns an der Aussicht satt gesehen hatten. Im Wind wurde es ganz schön frisch und so steuerten wir den zugehörigen Souvenirladen an. Hier könnte man auch Essen und freies Wlan gibt es obendrauf.

Wieder aufgewärmt und etwas geshoppt ging es zurück zum Womo und die kurvige Straße zurück. Wir wollten schließlich noch näher an den Fjord. Auf dem Weg nach Geiranger hielten wir vorher noch einmal am Fjudalsjuvet viewpoint.

Auf Grund des sich schnell bessernden Wetters war es hier schon ganz schön voll. Nachdem wir von der oberen Plattform einige Fotos gemacht hatten, ging es noch auf einer Mini-Wanderung eine Etage tiefer. Allerdings war auch hier nicht wirklich weniger los.
Nun ging es direkt nach Geiranger hinein. Das kleine Örtchen lebt nahezu für den Tourismus. In den Wintermonaten leben hier gerade einmal 250 Einwohner, im Sommer können es schnell mal über 2000 werden.
Wir parkten an dem kleinen Supermarkt direkt im Ortseingang. Nebenan ist zwar auch ein Campingplatz, aber der war uns definitiv schon jetzt zu voll! Wir fragten uns, wie schlimm es in dem Örtchen sein muss, wenn eines (oder sogar mehrere) der größeren Kreuzfahrtschiffe mit bis zu 3000 Personen im Hafen liegt. Zum Glück ist heute keins hier und wir haben nur den „normalen“ Touristenansturm. Vermutlich durch Corona sogar noch weniger.

An vielen kleinen Geschäften vorbei, bahnten wir uns den kurzen Weg zur Touristeninformation. Wir wollten unbedingt eine Bootsfahrt auf dem Fjord machen. Im Internet hatten wir gelesen, dass es ein Ausflugsboot gibt, sich aber die Fährfahrt nach Hellesylt genauso anbieten würde und deutlich günstiger ist… Leider stimmte heute unser Timing nicht und so entschieden wir uns für die 90 Minuten mit dem „richtigen“ Ausflugsboot. Die Fähre fährt nur 3 mal am Tag… man sollte also vorher die Abfahrtszeiten checken… Wir zahlten also 450 NOK (ca. 45 Euro) pro Person und warteten ein ganzes Weilchen. Da bot sich doch ein Softeis an 😉 Zum ersten Mal seit wir in Norwegen sind, wurden wir von der Bedienung auf Deutsch angequatscht. Ganz schön ungewohnt! Das Eis schmeckte jedenfalls lecker und irgendwann ging es aufs Boot. Hier sollte man bei schönem Wetter unbedingt früh genug anstehen, denn die Plätze auf dem Sonnendeck sind ziemlich schnell voll. Wir haben gerade noch die letzten zwei bekommen. Perfekt.

Über einen Audioguide, den man kostenfrei dazu bekommt, kann man sich die komplette Fahrt über, Informationen und Geschichten auf Deutsch anhören. So erfuhren wir zB. dass die 7 Schwestern (ein Wasserfall) aktuell nur noch 5 Schwestern sind (weil es nicht mehr genug Wasser gibt). Gegenüber befindet sich noch ein einzelner Wasserfall, der Freier. Die Geschichte besagt, dass der Freier die 7 Schwestern nacheinander heiraten wollte. Aber weil alle 7 abgelehnt haben, wurde der Freier zum Alkoholiker. Sein Wasserlauf passte sich dem an und nahm die Form einer Flasche an. Einige könnten den Wasserfall aus der Werbung von „Absolut Vodka“ kennen.

Die Bootsfahrt führte uns noch bis zur Einfahrt des Geirangerfjordes… ich kann mir gut vorstellen wie traumhaft es sein muss, wenn man auf einem großen Kreuzfahrtschiff hier in den recht engen Fjord einfährt.

Auf der Rückfahrt wurde das Augenmerk dann auf die einzeln stehenden Bergbauernhöfe gelegt. Die Familien hatten es früher besonders schwer, in den Ort zu kommen. Wenn die Bäuerin beispielsweise schwanger war, so war es nicht selten, dass das Baby schon geboren wurde, ehe die Hebame den Weg zum Hof gefunden hat. Eine Bäuerin war besonders religiös. Sie nahm sich ihr neugeborenes Baby und wanderte den steilen Hang hinab zu einem Bootsanleger. Dort stieg sie mit dem Baby in ein Boot und paddelte mehrere Kilometer bis nach Geiranger. Im Ort ging sie dann zur Kirche, damit das Baby auf Jedenfall getauft werden konnte. Gerade die willensstarken Frauen haben hier ganz schöne Leistungen gebracht!

Wir waren froh, dass wir uns entspannt zurück legen konnten und ließen den Kapitän fahren…
Im Ort zurück ging es noch durch kleine Souvenirläden. Uns war es zu voll und so fuhren wir lieber weiter. Wer hier mehr Zeit verbringen möchte, kann auch Kayak fahren, sich Fahrräder ausleihen oder eine von vielen schönen Wanderungen absolvieren… Da hat eine Familie auf der Wanderung unser Schiff um wenige Augenblicke verpasst. Die standen ganz schön hilflos am Ufer als wir schon wieder weiter fuhren.
Von Geiranger aus ging es zunächst noch zum Ornesvingen Viewpoint. Ein letztes Mal wollten wir uns von diesem schönen Fjord verabschieden. Natürlich mussten wir dazu wieder einmal eine kurvige Bergstraße hinauf fahren. Für den Blick hat es sich aber auch gelohnt! Faszinierend finde ich vor allem die Bauweisen der Aussichtsplattformen. Bisher haben sie alle eine besondere Form und sind top modern… hier fließt zum Beispiel ein Wasserfall neben der Aussichtsplattform über Glasplatten.

Nun sollte unser Weg nach Norden weiter über Eidsdal gehen… Da wir heute viel Zeit durch das Warten auf das Ausflugsboot verloren haben und ein richtiges Mittagessen ausfallen musste, entschieden wir, heute nicht mehr so weit zu fahren. Noch vor Eidsdal entdeckten wir einen kleinen gemütlichen Campingplatz.. Immerhin war es schon fast 18 Uhr, da kann man auch mal aufhören und den Abend genießen. Am Solvang Campingplatz zahlten wir nun 260 NOK und hatten Strom sowie zwei Duschmarken dabei.

Das Wetter war noch sonnig und so wurde nach einem Tag Pause endlich wieder gegrillt 😀 Der Platz war schön ruhig und es war wenig los. Am Abend konnte André dann noch mit unserem WoMo Nachbarn um die Wetter Drohne fliegen. Schön, dass es hier eine große Akzeptanz für das nervige ssssssssst -Geräusch gibt!

Ich nutzte die Duschmarke in der Hoffnung mal wieder etwas mehr Platz beim Duschen zu haben. Leider waren es relativ kleine Duschkabinen und von rechts und links sprühte von den anderen Duschen immer wieder kaltes Wasser herüber. Verbesserungswürdig!
Den Rest des Abends legten wir dann mal die Füße hoch und bewunderten die lange lange Helligkeit.