Heute Morgen sind wir regenfrei vom Platz gefahren und haben zunächst in Eide mal wieder alles kostenfrei entsorgt und Frischwasser aufgefüllt. Nach all den Kilometern freute sich der Tank zudem mal wieder über ein wenig Diesel. Für ca. 2,30 Euro pro Liter wird es auch allmählich wieder günstiger.
Danach ging es dann, natürlich mit einigen Cachepausen, bei immerhin relativ trockenem Wetter, zur ca. 200 Kilometer entfernten Vogelinsel „Runde„.

Kurz vorher haben wir noch einen Abstecher zu einem kleinen Freilichtmuseum auf der Insel Heroy gemacht.
Anschließend schlängelten wir uns über die teils sehr engen Brücken und Straßen über weitere kleine Inseln auf die Insel Runde. Teilweise waren die Straßen sogar nur noch einspurig und wir mussten uns mit entgegenkommenden Autos immer wieder abwechseln.
Auf Runde angekommen, gibt es im Prinzip nur eine wirkliche Straße und die endet dann irgendwann als Sackgasse vor dem großen Felsen. Aber bei gerade einmal 100 Einwohnern braucht es wahrscheinlich auch keine weiteren Straßen. Nur wenn die Haupt-Vogelzeit zwischen Mai und August ist, dann wird es auf der Insel mehr als voll.
Wir hielten erst einmal an der Touristinformation und erhofften uns dort ein paar Puffin-Souvenirs. Allerdings sah es selbst hier sehr mau aus. Die Norweger wissen offenbar nicht, wie viel Geld sie mit den kleinen süßen Vögeln machen könnten. Haben wir eine Marktlücke gefunden die uns reich machen könnte? Wahrscheinlich eher nicht und so stöbern wir stattdessen durch eine deutsche Infobroschüre. Wirklich viele Informationen gibt diese dann allerdings auch nicht her… Also ging unsere Fahrt ein kleines Stück weiter zum offiziellen Parkplatz. Auf den kleinen Campingplatz wollten wir nicht, denn eigentlich wollen wir heute noch ein paar Kilometer Strecke fahren…
Im Internet hatten wir gelesen, dass es sich vor allem am Abend lohnt, den Vogelfelsen zu besteigen, denn dann kehren sehr viele Puffins bzw. auf deutsch Papageientaucher von ihrer Nahrungssuche zurück. Das heißt aber nicht, dass man tagsüber nicht auch schon Puffins, wenn auch weniger, sehen kann. Oder?
Ich gebe zu, wir waren einfach ungeduldig und wollten nicht den halben Tag mit rumhängen bei mäßigem Wetter verplempern und machten uns daher mal auf den Weg.
Zunächst ging es an der Straße entlang, bis wir geradewegs durch den Campingplatz liefen. Hier wird wirklich jeder Meter genutzt. Von Sicherheitsabständen scheint man hier noch nicht so viel gehört zu haben. Auch am Straßenrand gab es rechts und links kleine Parkbuchten, die allesamt nur gemietet werden können. Oft stehen Hinweisschilder mit Telefonnummern oder dem Verweis auf P4night bereit. Für uns hatte sich die Sache eh erledigt, denn sämtliche Buchten waren gefüllt.
Am Campingplatz gibt es noch ein kleinen Souvenirshop, aber auch hier gibt es relativ wenig. Vor allem, auch keine Puffinsocken. Die wollte ich doch in diesem Urlaub unbedingt erwerben. Menno!

Hinter dem Campingplatz geht dann der Wanderweg los und schon von Weitem sahen wir, was wir so nicht erwartet haben. Ein super steiler Anstieg. Au weia. Die ersten Meter geht es gefühlt fast senkrecht hinauf. Normales gehen war gar nicht mehr möglich. Aber da wir die Puffins ja unbedingt sehen wollen, quälten wir uns motiviert hinauf. Im weiteren Verlauf nimmt die Steigung dann zum Glück ab. Dort geht es dann über einzelne Steinplatten weiter. Durch den vielen Regen der letzten Tage war es einfach nur matschig und rutschig.
Nachdem wir die Höhe dann geschafft hatten, ging es über extrem matschige Wiese weiter, ehe wir über Felsbrocken kraxeln durften. Ähm, irgendwie habe ich das so im Internet auch nirgends gelesen. Vielleicht sollten wir unsere Quellen mal grundlegend überdenken… Jedenfalls kletterten wir ein ganzes Weilchen, ehe wir einige Fotografen mit wahnsinnig teurem Equipment entdeckten. Ok, offenbar sind wir hier richtig.

Nur leider waren die Puffins wirklich alle auf Nahrungssuche und standen nicht gemütlich vor uns auf der Wiese oder den Felsen. Die kleinen Pufflings sind versteckt in den Höhlengängen und auch nicht sichtbar. Wir warteten ein ganzes Weilchen und immerhin zeigte sich dann kurz mal ein Puffin. Für ein Foto ist unsere Ausrüstung dann allerdings absolut nicht ausreichend und wir kommen ins grübeln. Hier oben weht ein ekeliger Wind der uns recht fix auskühlen lässt und bis zum Abend ist es noch ein ganzes Weilchen hin. Als dann wieder ein dicker Regenschauer auf uns zu kommt, machen wir uns doch lieber erst einmal auf den Weg zurück zum WoMo. Au man, was für ein Reinfall.
Am WoMo gab es erst einmal trockene Klamotten und warmen Tee. Jetzt geht es uns zumindest schon mal besser.
Wir durchstöbern noch einmal das Internet und alle Berichte sind sich sicher. Man muss eben doch bis abends warten. Also machten wir es uns erst einmal gemütlich und planten bereits das Abendessen. Tja, der Traum vom Grillen ist auch heute schon wieder geplatzt. Zur Abwechslung servieren wir dann wieder einmal Konservendosen. Einziger Vorteil: Wenn wir wieder zu Hause sind, müssen wir all das schwere Zeug nicht mehr nach oben schleppen…immer positiv denken ;-).
Gegen 18:30 Uhr wurde es auf dem Parkplatz dann etwas belebter und wir machten uns erneut auf den Weg nach oben. Dieser verdammte Berg… einmal hoch hätte vollkommen ausgereicht! Immerhin waren wir jetzt vorgewarnt und haben auch zusätzliche Pullover eingesteckt.
Nach etwa 30 Minuten waren wir wieder oben und suchten uns ein gutes Plätzchen. Mist, die Sitzunterlagen haben wir schon wieder vergessen… Natürlich war es noch immer zu früh und wir sahen lediglich fliegende Puffins, die man nur schwer erkennen konnte. Immerhin waren es jetzt deutlich mehr als noch heute Nachmittag. Kaum haben wir gemeckert, fangen die ersten Puffins an, sich auf die Felsen zu setzen und für die Kamera zu posieren. Na bitte, geht doch! Beim Anblick dieser niedlichen Kreaturen vergisst man ganz schnell den mühsamen Aufstieg und den eisigen Wind.

Kaum lobt man die Situation, kommen zwei Seeadler näher und vertreiben uns die wenigen Puffins direkt wieder. Ach man. Zumal wir relativ hohe Ansprüche an die Puffins haben, denn als wir 2018 auf Island waren, haben wir tagsüber! jede Menge auf einer Wiese sitzen sehen… Damals konnte man auch noch direkt an den Spot ran fahren und musste sich nicht umständlich den Berg hoch quälen :-D.

Während der Wartezeit kommen wir mit einem anderen Fotografen ins Gespräch. Der Mann ist öfter da und beruhigt uns, dass es einfach noch zu früh sei. Wenn wir Glück haben, lassen sich die ersten ab 20 Uhr, also in etwa einer halben Stunde blicken. Wir versuchen geduldig zu warten. Der Schauplatz füllt sich immer mehr und wir sind froh, dass wir schon einen guten Platz gesichert haben. Kurz vor 20 Uhr zeigt sich dann sogar noch die Sonne. Allerdings hilft diese auch nicht gegen den eisigen Wind…

Immerhin hatte der Kollege recht. Ab 20 Uhr füllte sich der Felsen dann mehr und mehr mit den super süßen Puffins. Wir konnten gar nicht genug von ihnen bekommen. Wenn sie so ihren Kopf leicht nach unten senken haben sie so einen coolen Blick. Am liebsten hätte ich ja einen mitgenommen :-D.

Bis kurz vor 21 Uhr halten wir es hier oben noch aus, schießen fast 1000 Fotos. Die Sonne kommt mehr und mehr heraus und man hätte hier vielleicht sogar einen schönen Sonnenuntergang sehen können. Allerdings waren wir so durchgefroren, dass wir uns auf den Weg nach unten machen.

Am Auto wurde dann noch alles schnell weggeräumt und wir fuhren noch die kleinen engen Brücken und Straßen zurück aufs Festland. So richtig viel Auswahl an möglichen Schlafplätzen gab es irgendwie nicht und so sind wir tatsächlich noch fast ne Stunde gefahren, bis wir schlussendlich etwas oberhalb an einem kleinen See geparkt haben.

Zwei Mädels waren gerade dabei ihr Zelt aufzubauen, ansonsten waren wir vollkommen alleine. Ok, die Mädels hatten die bessere Aussicht aber bei dem Wetter was wir bisher hatten, hätte ich im Zelt die Krise bekommen.
Da es schon recht spät ist und wir den steilen Anstieg heute direkt doppelt erwandert haben, machen wir uns recht bald auf den Weg ins Bett.
Und nachdem wir nun (am Abend!) die vielen Puffins gesehen haben, wissen wir, weshalb wir die letzten Regentage an der Küste durchgehalten haben! Runde hat sich wirklich gelohnt!
Für alle, die diese kleinen Vögel genauso putzig finden wie wir, legen wir Island sehr ans Herz. Hier in Norwegen soll es sich auch auf Lovund lohnen, aber das hätte bei uns zeitlich nicht gepasst. Und wer seinen Urlaub etwas flexibler gestalten kann, der sollte sich mal mit dem „Wunder von Lovund“ befassen. Für uns wäre DAS ein absolutes Highlight!
Mit süßen Bildern im Kopf verschwinden wir schnell im Land der Träume.