Nach einer erholsamen Nacht legten wir heute bereits um 07:00 Uhr in Khsasab im Oman an.
Bei der Reiseplanung war es der Hafen, mit dem ich am wenigsten anfangen konnte, denn außer einem Fort scheint man hier wenig besichtigen zu können. André hatte für uns daher eine Dhau-Fahrt in die Fjorde ausgewählt, die wir bei einem externen Anbieter („Khasab Sandstours„) im Vorhinein per Whatsapp gebucht hatten. Die Fjordlandschaft hier wird als das Norwegen des Orients bezeichnet und unterwegs soll man immer wieder Delfine sehen können… So richtig überzeugt war ich erst einmal nicht und als ich beim Blick vom Balkon neben vielen hohen Bergen nur ein ganz kleines Mini Hafenterminal gesehen habe, musste ich doch erst einmal ein wenig schlucken. Nach den letzten Häfen mit sehr gutem Wlan war ich außerdem geknickt, als es hier kein freies Wlan gab…
Wir machten uns auf den Weg zum Frühstück und schlenderten dabei über das Pooldeck. Auf der anderen Bootsseite war auch nicht viel mehr zu sehen…
Während des Frühstücks, wir saßen am Fenster mit Blick auf einen kleinen Mini-Hafen konnten wir dann immer wieder kleine Schnellboote sehen. Aber da wir mit dem Frühstück gut beschäftigt waren, schauten wir nicht ganz so genau hin…
Irgendwann war es dann soweit und wir verließen das Schiff und trafen vor dem Terminal auf unseren Guide. Gemeinsam mit 2 anderen Familien waren wir dann insgesamt zu 10. und wurden mit einem kleinen Van keine 150 Meter weit gefahren. Die Tui Ausflügler durften zum Dhau-Anleger zu Fuß gehen, was mir persönlich bei der Entfernung auch lieber gewesen wäre… Wir hatten uns nämlich gerade erst in den Van hineingezwängt, als wir schon wieder aussteigen mussten.
Am Dhau-Anleger war es ein wenig chaotisch und wir mussten zunächst über eine größere Dhau klettern um auf unsere Kleine zu kommen. Puh, immerhin wurden wir nicht mit einer anderen Gruppe zusammengewürfelt und so hatten wir zu 10. mehr als genug Platz auf dem Boot.

Schnell die Schuhe ausziehen und schon konnten wir es uns auf der Kissenliegefläche gemütlich machen.
Als wir dann aus dem Hafen hinausfuhren, schaukelte es zunächst ein wenig und so spritze immer wieder Wasser vorne über das Boot auf uns. Hui, mit dem Fahrtwind ganz schön frisch… Wir waren noch keine 5 Minuten unterwegs, als der erste Delfin direkt neben unserer Dhau aus dem Wasser hüpfte… Was ist passiert? Wir sind doch sonst eher die Pechvögel die nie was sehen? Das Adrenalin schoß hinauf und schon schauten wir alle angestrengt auf’s Wasser. Allerdings zeigten sich erst einmal keine weiteren Delfine sondern nur jede Menge Müll. Wir waren ein wenig geschockt…
Recht bald bogen wir dann aber in den Fjord ein und schon waren die Wellen verschwunden. Immer wieder hielten wir Ausschau und bewunderten die riesen Felswände die links und rechts empor schossen… Der Name „Norwegen des Orients“ passt wirklich, wobei die Farben natürlich etwas eintöniger sind.

Irgendwann sahen wir dann ein kleines Bergdorf, welches für die Fischer errichtet wurde und nur per Boot erreichbar ist. Und wie wir das Dorf aus der Ferne betrachten, tauchten neben uns dann die Delfine aus. Unsere sehr engagierten zwei Fahrer, die uns kontinuierlich mit Getränken und Obst versorgten, nahmen sofort die Fahrt auf. Es hat geklappt :-). Die Delfine sprangen ein ganzes Weilchen direkt neben uns in der Fahrtwelle auf und ab. Unglaublich!
Als sie sich dann verabschiedeten fragten die Fahrer, ob wir es noch einmal versuchen wollen oder direkt weiter zur Badeinsel wollen… Die Antwort war bei allen die selbe :-D. Natürlich noch einmal versuchen!

Und es hat wieder geklappt :-). Es war einfach nur wow… Leider haben nun auch andere Dhau-Schiffe Wind davon bekommen, dass wir Delfine „gefunden haben“ und rückten uns immer mehr auf die Pelle, bis sie uns die Delfine schließlich „klauten“ und diese dann verschwanden :-(.
Auch ein neuer Versuch mit mehreren Booten schneller zu fahren um Wellen zu machen schlug fehl und so steuerten wir unseren Badestop bei „Telegraph Island“ an.
Ein zweites Boot machte noch fix an uns fest und schon konnten wir die felsige kleine Insel erkunden. Perfektes Ziel, denn hier gab es immerhin einen Earthcache :-). Allerdings war ich so überhaupt nicht auf klettern und kraxeln eingestellt sondern auf Schwimmen und brach aus Sicherheitsgründen mit meinen Sandalen ab und wählte den Weg über das andere Boot ins kühle Nass.
Die Badeleiter war barfuß so rutschig, dass ein großes Nachdenken über die kühle Temperatur des Wassers gar nicht möglich war und schon schwamm ich… Endlich! Am 5. Tag unserer Reise hab ich es geschafft, im persischen Golf zu schwimmen :-).

André kam irgendwann von seiner Erkundungstour zurück zum Boot und suchte mich irritiert auf dem Boot :-D. Zum Glück entdeckte er mich dann doch noch im Wasser und konnte ein Beweisfoto machen ;-).
Witzigerweise dachte er, wenn ich im Wasser bin, dass es ja nicht so kalt sein könne. Seine veränderten Gesichtszüge beim Betreten der Badeleiter waren zum Schießen :-D.
Irgendwann hatte ich dann aber genug und wollte ihm ja auch ein Beweisfoto schenken und kletterte zurück auf’s Boot.
Die beiden Fahrer boten mir sofort ein Handtuch an und fragten André noch einmal, ob er eine Schnorchelmaske wollte… Da wir keine Fische entdecken konnten, lehnte er ab… Vielleicht war es doch ein Fehler, denn zwischen den Schiffen konnte ich dann schöne bunte Fischschwärme ausmachen. Die Fahrer entdeckten mein Interesse und begannen sofort, die Fische mit Brötchen und Bananen anzulocken. Leider ist das Video mit der GoPro dann aber nix geworden, aber die Bemühungen der Beiden waren einfach unglaublich wertschätzend.
Eigentlich viel zu schnell war der Badestop dann aber zu Ende und wir fuhren allmählich zurück zum Hafen. Natürlich machten wir aber noch Abstecher zu einer Delfinschule, die allerdings ganz klar genervt von den Booten, immer wieder abdrehte….
Aber auch auf der Rückfahrt hatten wir noch einmal das Glück eines springenden Delfins nahe des Bergdorfes.

Als wir dann aus dem Fjord wieder hinausfuhren war ich ehrlich gesagt traurig, dass wir uns doch nur für den kurzen Dhau-Ausflug von 3,5 Stunden entschieden hatten. Alternativ hätte es auch 6 stündige Touren gegeben… Wobei diese dann auf deutlich größeren Schiffen gewesen wären und wir den Delfinen dann überhaupt nicht so nahe gekommen wären.
Als wir fast im Hafen zurück waren, kam uns eines dieser kleinen Schnellboote entgegen. Zwei Erwachsene Personen waren völlig eingehüllt und auch über der Ware lag eine Plane. André meinte noch zum Spaß, dass es aussieht wie Schmuggler… wenn der wüsste :-D.
Im Hafen, beim Blick auf die Uhr, stellten wir dann fest, dass die beiden Jungs die Tour mal locker um 45 Minuten überzogen hatten. Zur Belohnung gab es von uns ein saftiges Trinkgeld und eine ganz klare Empfehlung, hier eine Tour zu buchen!!! (Preis für 2 Personen 70€, die am Ende der Tour Bar in Euro bezahlt werden).
Völlig tiefenentspannt machten wir noch fix ein paar Geocaches in Hafennähe für den Länderpunkt ehe es wieder auf’s Schiff ging.
Bis es dunkel wird hatten wir noch ein wenig Zeit, die wir erneut auf dem Pooldeck verbrachten… Dieses Mal hatten wir mehr Ruhe und konnten die kleinen Schnellboote, die immer wieder im Hafen ein und ausfuhren genauer betrachten. Wenn sie in den Hafen kamen, hatten sie Ziegen und Schafe geladen, die sie dann mühevoll vom Boot auf den Steg und später dann in LKW verluden… Und die leeren Schiffe wurden dann mit Pappkartons beladen… Irgendwann bekamen wir dann mit, dass es wirklich Schmuggler sind. Die iranische Küste liegt nämlich nur 50 Kilometer entfernt und durch die vielen Sanktionen ist es ein guter Weg, um an Elektronik zu kommen :-D. Im Gegenzug erhalten die Omani dann Ziegen und Schafe… Für Tierschützer ist das Abladen allerdings kein schöner Anblick.
Um 18 Uhr hieß es dann wieder Leinen los und nachdem wir dem Grafen wieder beim Auslaufen gelauscht hatten, freuten wir uns über ein entspanntes Abendessen im Buffett-Restaurant.
Abends saßen wir dann ein Weilchen auf dem Balkon, denn die Temperaturen waren inzwischen deutlich sommerlicher und im Windschutz der Balkonumrandungen war es sehr angenehm. Immer wieder tauchten in der ansonsten Tiefschwarzen Nacht die Lampen der kleinen Schmugglerboote auf. Puh, das stelle ich mir ein wenig unheimlich vor… Hier nachts in völliger Dunkelheit mit Ziegen und Schafen den persischen Golf zu durchqueren…
Später am Abend fuhren wir dann auch an einzelnen Öl-Bohrplattformen vorbei. Das rote Licht der Schornsteine war ganz schön weit sichtbar… Mit dem entspannten Meeresrauschen überkam uns dann aber irgendwann die Müdigkeit und so verabschiedeten wir uns ins Land der Träume