Irgendwie scheint unser Körper nun völlig durcheinander zu sein, aber wahrscheinlich liegt das an dem furchtbar unbequemen Bett, dem lauten und stickigen Zimmer… jedenfalls waren wir schon vor 7 Uhr wach. Nach einem kleinen Keks-Frühstück im Zimmer überlegten wir, was wir heute unternehmen wollen. Unsere Tage in Hong Kong sind schließlich abgezählt. Beim Blick auf`s Google Wetter hatten wir Hoffnung, denn es sollte nicht zu sehr regnen. Als Hauptziele hatten wir den Victoria Peak und den Tian Tian Buddha im Visier. Da letzterer erst um 10 Uhr öffnet, stand die Reihenfolge schnell fest. Die Peak Tram hingegen öffnet bereits um 7 Uhr (laut Google). Auf dem Ticket steht 7:30 Uhr…

Als wir aus unserem Zimmer auf die Straße kamen, wurden wir sogar von Sonnenschein überrascht. Also machten wir schnell noch einmal den Abstecher zur Ufer-Promenade, um ein paar „Schönwetter-Fotos“ zu bekommen.
Anschließend ging es in die U Bahn. Hier kauften wir ein Tagesticket (ca. 7,50€) am Schalter (am Automaten leider nicht zu bekommen). Immerhin konnte der Mitarbeiter ausreichend Englisch.
Danach ging es dann mit der roten Linie unterm Wasser durch zur anderen Seite. An der Central Station stiegen wir aus und liefen von dort zu Fuß weiter. Trotz der frühen Uhrzeit waren viele Menschen auf den Beinen. Immer wieder konnten wir beobachten, wie Ladenbesitzer Altpapier auf Sackkarren luden und damit die Straßen entlang spazierten. Eine Müllabfuhr wie bei uns scheint es hier wohl nicht zu geben.

Nach einem kleinen Berganstieg erreichten wir die St. John’s Cathedrale. Eine kleine, aber nett anzusehende Kathedrale mitten an einem grünen Park. Mit so viel grün hätte ich hier in der Großstadt ehrlich gesagt gar nicht gerechnet. Die schwüle Hitze machte uns zu schaffen und nach einer kurzen Pause ging es den Berg weiter hinauf bis wir an der Talstation der Peak Tram ankamen. Und sie hatte tatsächlich schon geöffnet.
Ohne lange Wartezeit kauften wir fix Hin-und Rückfahrtickets für ca. 10 Euro pro Person. Wir hatten Glück die Bahn wartete nahezu auf uns und kaum waren wir eingestiegen, bereitete sich die Fahrerin für die Abfahrt vor. Wir wollten möglichst weit nach Vorne und liefen ein paar Meter durch die Bahn. Diese hat -warum auch immer- komischen wellenförmigen Fußboden, was das Laufen äußerst unangenehm macht. In der 3. Reihe war dann noch Platz und so hatten wir einen recht guten Ausblick auf den steilen Berg, den wir nun bewältigen.

Die 1888 eröffnete Bahn überwindet nämlich auf einer Strecke von 1365m 368 Höhenmeter, sodass die Steigung teilweise sogar 48 Prozent beträgt. Beim Fahren merkt man dass, denn man hat das Gefühl, die umliegenden Hochhäuser würden krumm und schief stehen. So verrückt hatte ich das noch nie.
Nach guten 5 Minuten kamen wir dann schon an der Bergstation an. Diese liegt direkt in einem Einkaufszentrum, indem es auch eine Besucherterasse für einen guten Ausblick auf den Großteil Hong Kongs gibt.
Wir wollten das Einkaufszentrum gerade verlassen, als mal wieder ein dicker Regenschauer startete. Zum Glück dauern diese hier nie lange und so warteten wir geduldig ab.

Und tatsächlich, nach kurzer Zeit hörte der Regen auf und wir konnten den Weg zur Lugard Road einschlagen. Hierbei handelt es sich um einen ca. 3,8 Meter langen Rundwanderweg mitten im Regenwald, von dem man fantastische Ausblicke auf Victoria Harbour genießen kann.
Uns hat der kleine Weg auf Anhieb in seinen Bann gezogen, denn obwohl wir wirklich nah an der Stadt waren, war von dem ganzen Straßenlärm überhaupt nichts mehr zu hören. Stattdessen hörten wir Vögel und andere Regenwaldbewohner.

Zu unserem Glück kam auch immer mal wieder die Sonne raus, was die Stadt gleich in ein ganz anderes Licht tauchen ließ.
Wir waren gerade am letzten Aussichtspunkt vorbeigegangen, als ich recht nah am Weg eine ziemlich lange und recht dicke Schlange erblickte. Ups, damit hatte ich nicht gerechnet… und seit Kenia bin ich bei Schlangenbegegnungen wirklich schissig geworden.
Daher entschieden wir uns lieber für den kürzeren Rückweg und ein erneuter Regenschauer bestätigte die Wahl. Bis wir aber an der Tramstation zurück waren, hatte der Regen schon wieder aufgehört und so setzten wir uns auf eine Bank zum Ausruhen und Genießen. Allerdings war es hier schon wieder etwas wuseliger, denn viele Arbeiter machten das Gelände schick. In den nächsten Tagen findet hier oben wohl eine Veranstaltung statt.

Nachdem wir so tolle Ausblicke hatten, entschieden wir uns gegen einen Besuch auf der Terasse. Dieser würde sich ggf. abends noch einmal lohnen, wenn die ganze Stadt beleuchtet ist. Mal schauen, ob wir in den nächsten Tagen abends noch genug Kraft und Lust entwickeln…
Wir machten noch einen Abstecher in den großen Süßigkeitenladen und fuhren dann mit der Tram wieder hinab.

In der Nähe der Talstation befindet sich die längste Outdoor-Rolltreppe der Welt, die wir als nächstes besichtigen wollten. Die Rolltreppe wurde erst 1993 erbaut, da Hong Kong an einem Berg gebaut wurde und die Menschen im oberen Stadtteil wohnen und die ganzen Bürokomplexe eher im unteren Stadtteil sind. Morgens fährt die Rolltreppe daher hinab und ab mittags bis Mitternacht dann wieder hinauf. Beide Richtung zeitgleich zu befahren ist nicht möglich… Allerdings hatte ich nicht ausreichend recherchiert und mir das ganze etwas anders vorgestellt. Vor Ort stellte sich dann schnell heraus, dass es eigentlich 20 Rolltreppenteile sind, die die 800 Meter Wegstrecke und 135 Höhenmeter überwinden.
Irgendwie hatten wir uns das ganze spektakulärer vorgestellt. Die Fahrt bis ganz oben dauert ca. 20 Minuten und anschließend hätten wir alles wieder über Treppen hinabsteigen müssen… Daher entschieden wir auf ungefähr der Hälfte der Strecke umzudrehen. Auch so konnten wir viele Kneipen und Restaurants, die direkt an der Rolltreppe stehen und für ein ausgeprägtes Nachtleben sprechen, sehen.
Nach den ganzen Treppen wurde es mal wieder Zeit für ein kleines Snack-Päuschen und beim Blick auf die weitere Vorhersage entschieden wir, den Tian Tian Buddha anzusteuern. Dieser liegt laut den Google Bildern wohl häufiger in den Wolken, weshalb man ihn nicht immer sehen kann. Für heute standen die Chancen gar nicht so schlecht.
Wir gingen also zurück zur Central Haltestelle und stiegen dieses Mal in die orangene Linie ein. Mit dieser fuhren wir dann bis Tung Chung, der Endhaltestelle, fast 45 Minuten. Zur Orientierung… Tung Chung liegt noch ein kleines Stück hinter dem Flughafen, auf dem wir gestern gelandet sind.
Auch diese Haltestelle liegt wieder unter einem Einkaufszentrum. Bisher kann ich von den U-Bahnstationen und den U-Bahnen nur positiv berichten. Alle sind sauber, modern, verfügen über Laufbänder und Rolltreppen. Einzig, die Klimaanlagen sind teils sehr frisch eingestellt, sodass sich ein Jäckchen in der Tasche bei längeren Fahrten empfiehlt.
Wir verließen das Einkaufszentrum lieber ohne Umwege und steuerten den Ngong Ping 360 Grad an. Eine Seilbahn, die fast 6 Kilometer lang ist und nur 25 Minuten benötigt. Die Seilbahn wurde erst 2006 eröffnet, denn das Gebiet wurde bis in die 1990er Jahre nicht genutzt. Erst zusammen mit dem Flughafen wurden die touristischen Aktivitäten ausgebaut und der Buddha neben einem Kloster erreichtet, dass schon 1924 gegründet wurde. Die Touristenmassen wurden dann für die einzige Zufahrtsstraße zu groß, sodass eine Alternative geschaffen werden musste, die der Natur so wenig wie möglich schadet.

Wer seinen Besuch etwas besser plant als wir, kann sich Tickets vorher im Internet kaufen und dann an den zügigen Abholschaltern anstellen. Zum Glück war auch unsere Warteschlange nicht ganz so lange. Es gibt klassische Kabinen, bei denen man einen geschlossenen Boden hat, Kabinen mit Glasboden und Crystal Kabinen, mit 360 Grad Rundumblick. Da wir uns für die günstige klassische Kabine (ca. 27 Euro p.P.) entschieden, von denen es tatsächlich noch am meisten gibt, mussten wir nicht lange warten und konnten die Fahrt mit einem anderen Pärchen hinauf genießen.
Und ehrlich gesagt, hat man auch hier eine super Sicht auf die Bucht, den Flughafen, die neue Brücke nach Macau und den Naturpark. Langweilig wird es auf keinen Fall. Und bisher sind die Wolken alle noch weit genug weg, sodass wir auch den riesen Buddha aus der Entfernung sehen konnten.
Oben angekommen war es dann überraschend voll. Um die ca. 300 Meter zum Buddha zu gehen, führt der Weg durch eine Einkaufsstraße. Zu Beginn gibt es jede Menge Restaurants und Cafés und anschließend etliche Souvenirshops, wo es von der Winkekatze zu Hello Kitty und verschiedenen Essstäbchen nahezu alles zu kaufen gibt, was man mit China verbindet.
Wir ließen es aber alles erst einmal links liegen, denn aus der Seilbahn konnten wir ein paar tiefhängende Wolken sehen und wir wollten den Buddha unbedingt vor ihnen erreichen.
Die letzten Meter haben es dann allerdings noch mal so richtig in sich, denn 268 Stufen wollen noch erklommen werden. Uff, endlich geschafft. Wir stehen am Fuße der zweitgrößten sitzenden Buddha Statue. Die Bronzestatue selbst ist stolze 34 Meter hoch und kann von innen begangen werden. Wobei wir uns nicht so ganz sicher sind, aber nirgendwo war jemand, der Geld verlangt hätte oder uns aufgehalten hätte. Innen sind verschiedene Schriftstücke und Fotos ausgestellt. Was genau sie bedeuten können wir nur vermuten, denn es gibt leider keinerlei Hinweistafeln in englischer Sprache.

Dennoch war es toll und wir verweilten hier ein ganzes Weilchen… Auch, weil der Ausblick einfach faszinierend war… Anschließend ging es dann ins benachbarte Kloster Po Lin. Die Wege sind gefüllt von Behältern mit Seerosen. Man könnte meinen, dass sie hier gezüchtet und vermarktet werden. Witzigerweise haben sich Frösche angesiedelt und quaken fröhlich drein.

Auch das Kloster zu besichtigen kostet keinen Eintritt. Allerdings fehlen auch hier wieder die englischen Informationstafeln. Der große Hauptraum war leider abgesperrt und wurde vermutlich für ein großes gemeinsames Essen vorbereitet und geputzt.

Nachdem wir uns die farbenfrohen und detailreichen Verziehrungen bewundert hatten, ging es langsam zurück. Erstmal ein Eis zur Stärkung. Aber Achtung, hier laufen ein paar freie Kühe herum, die auf das Essen der Besucher scharf sind. Zum Glück waren die Kühe von anderen Touristen abgelenkt genug, sodass wir in Ruhe essen konnten.

Gemütlich flanierten wir die Einkaufsstraße entlang und bummelten durch die Geschäfte. Wir blieben standhaft, obwohl es hier wirklich tolle hölzerne Spieluhren gibt und erreichten wieder die Seilbahnstation. Der Wind frischte auf und wir waren unsicher, ob die Bahn den Betrieb zwischenzeitlich einstellen muss… Und da wir alles gesehen hatten, ging es einfach fix hinunter. Sicher ist sicher. Außer das der Regen einsetzte und es etwas mehr wackelte als auf der Hintour war alles entspannt und so kamen wir zurück ins Einkaufszentrum.
Hier, etwas außerhalb und deutlich ruhier, entschieden wir uns für Essen. Eine gute Wahl und so ging es gestärkt mit der orangenen U Bahn Linie zurück zur Central Station.
Inzwischen regnete es ganz ordentlich und so entschieden wir, auch weil wir ziemlich früh wach waren, zur Unterkunft zurück zu fahren. Bis wir dort ankamen, war es auch schon dunkel.
Unterwegs kauften wir immer mal wieder Getränke. Es gibt ausreichend 7/11 Märkte und einfache Getränkeautomaten. Beide haben preislich keinen Unterschied. An diesen gibt es dann auch Behälter für die leeren Flaschen, denn Mülleimer sind im ganzen Stadtgebiet sehr selten anzutreffen. Für den Abend gab es noch ein paar Chips und nach der heißen Dusche fielen wir auch bald um…. Außerdem wollen wir morgen wieder früh raus…