Heute merkten wir schon beim Wachwerden, dass in den letzten Tage ganz schön viele Laufkilometer zusammen gekommen sind und entschieden uns daher, die restlichen Highlights von Tokio etwas entspannter anzugehen und die Tage weniger voll zu packen…

Nach dem kleinen Frühstück im Hotel, ein Teigteilchen mit Spinat (nicht ganz so gut wie am Vortag) ging es zunächst zum Kaiserpalast. Schon auf den ersten Metern merkten wir, welchen Unterschied es macht, ob die Sonne scheint oder nicht. Auch wenn sich die Temperaturen nicht ändern, so brennt die Sonne extrem und es wird noch anstrengender.

Daher waren wir schon recht k.o., als wir am Haupteingang ankamen. Leider kann man das Gelände um den Palast nur mit einer Führung betreten. Im Internet sind die Führungen schon Monate im Voraus ausgebucht. Vor Ort hätte es evtl. die Chance gegeben, um 09:30 Uhr noch spontan Plätze zu bekommen, aber das haben wir zeitlich ganz knapp verpasst. Wie ärgerlich!

Deshalb ging es nur ein wenig außen um das Gelände herum. In Anbetracht von guten 35 Grad und knallendem Sonnenschein war das schon völlig ausreichend.
Von dort ging es dann nach Odaiba, einer künstlich angelegten Insel etwas außerhalb, in der Bucht von Tokio. Um auf die Insel zu kommen, wählten wir die Yurikamome-Linie, eine vollautomatisierte Bahnlinie, bei der nicht einmal mehr ein Fahrer mit in der Bahn sitzt. Zusätzlich ist an dieser Linie besonders, dass sie zwischendurch eine 270 Grad Kurve fährt, um den Höhenunterschied zur Rainbow-Bridge zu überbrücken. Diese Hängebrücke ist vor allem Abends sehenswert, denn dann erstrahlt sie in den Farben eines Regenbogens. Mal schauen, ob wir uns das auch noch ansehen oder uns die Überfahrt im Hellen ausreicht ;-).
Irgendwie habe ich mir den Hafen von Tokio größer vorgestellt. Wenn ich beispielsweise an Hamburg denke, wo man die großen Mengen an aufgestapelten Containern sehen kann, war davon hier irgendwie nicht viel zu sehen. Vielleicht liegt es einfach daran, dass es hier mehr Flussmündungen gibt, aber den ganzen Tag über konnte ich auch kein einziges großes Containerschiff ausmachen. Fahren die vielleicht woanders ab?
Übrigens gibt es hier auf der Insel auch den einzigen Strand Tokios… bei dem Wetter eigentlich genau das richtige Ziel, aber Baden ist hier leider verboten :-(.

Nachdem wir nun an der Daiba-Haltestelle ausgestiegen sind, merkten wir zumindest den angenehmeren Wind. Trotz allem war es aber einfach sehr heiß und nachdem wir ein paar Fotos an der Freiheitsstatue gemacht hatten, wurde es Zeit für ein 2. Frühstück im Schatten. Freiheitsstatue? Ja genau! Hier gibt es eine Miniatur-Ausgabe (wobei sie trotzdem ganz schön groß ist), die genauso aussieht, wie das Original in New York.

Anschließend wollten wir zur Roboter-Statue. Unterwegs entdeckten wir dann aber zufällig das Aqua-City Einkaufszentrum und freuten uns auf die Klimaanlage :-). Als es dann sogar noch einen GAP Store gab, musste die Kreditkarte dran glauben :-D. Offenbar machen die ihre Stores hier bald zu denn es gab einen guten Final Sale. Demnach waren allerdings auch meine Lieblings-Hoodies ausverkauft. Trotzdem fanden sich ein paar Teile und so wurde der Rucksack für den restlichen Tag etwas schwerer :-D.
Neben vielen Restaurants und Klamottenläden gab es auch ein Tiergeschäft. Für uns ganz schön befremdlich, wie hier Katzen und Hunde in kleinen viereckigen Käfigen auf Kundschaft warten. Wir konnten uns das Elend nicht wirklich ansehen und sind gleich weiter zum den nächsten Ramsch und Souvenirläden gegangen.

Irgendwann hatten wir dann auch genug und machten uns wieder auf den Weg in die Hitze. Zur Roboter-Statue war es zum Glück nicht mehr allzuweit. Schon von Weitem ist die 19 Meter (lebensgroße) Statue von Gundam sichtbar. Die Unicorn Gundam-Statue verwandelt sich mehrfach am Tag genau wie es in der Zeichentrickvorlage passiert. Da wir uns aber nicht genauer mit dem Thema befasst hatten, wussten wir keine genaue Zeit für eine Verwandlung und Meister Zufall wollte heute auch nicht. Trotzdem war es schon verrückt, wie viele Menschen hier wegen eines „einfachen“ Roboters herkommen.

Direkt hinter dem Roboter gibt es dann das Diver City Einkaufszentrum und irgendwie zog uns die Klimaanlage erneut magisch an :-D. Hier gibt es jede Menge Geschäfte, die es so bei uns nie geben würde: Ein Laden mit frisch gebackenen Hello Kitty Keksen und Donuts oder einem Museum für menschliche Hinterlassenschaften. Das Unko(Kaka) Museum scheint sich zu lohnen, denn es standen etliche Besucher an und von innen hörten wir ein freudiges Gequietsche. Im zugehörigen Souvenirshop gäbe es dann auch alles zum Thema und Kaka-Haufen in allen möglichen Farben… Eben typisch Japan :-D.

In der großen Essensmeile präsentieren die Inhaber ihre Köstlichkeiten wieder mit Plastikimitaten. Wenn man es nicht wüsste, könnte man meinen, dass es ein echtes frisch gezapftes Bier ist… Jedenfalls bekamen auch wir allmählich Hunger. Der Einfachheit steuerten wir den MC Donalds im Einkaufszentrum an und mussten feststellen, dass es hier keine Selbstbestell-Counter gibt. Uff! Natürlich sprechen auch die Verkäufer kein Englisch und zaubern eine große bebilderte Menükarte hervor. Aber so wirklich hilft das auch nicht, denn die Bilder sind schon sehr klein und hier gibt es einfach ganz andere Dinge als bei uns. So ohne Text kann man den Bildern nun nicht entnehmen, ob es Fisch oder Chicken, scharf oder normal ist… Die Bestellung war also eine kleine Glückslotterie. Auch den MC Flurry hätten wir nur mit Oreo bestellen können. Ob es andere Sorten, wie z.B. Matcha gibt, konnten wir nicht herausfinden. Daher entschieden wir uns dann einfach für ein Softeis mit Erdbeeren.

Auch sonst ist es in Japan etwas merkwürdig. Sprite kann man bei MC Donalds problemlos ordern und findet sie in nahezu allen Getränkeautomaten in Dosen. Möchte man diese aber in einer Plastikflasche so sucht man vergeblich. Genauso schwierig ist es mit Fanta Orange. Hier gibt es nur eine lilafarbene mit Beerengeschmack. Zum Glück haben wir im 7/11 Supermarkt ein Mineralwasser mit oder ohne Zitronengeschmack gefunden, dass lecker schmeckt, damit wir nicht rund um die Uhr Cola-Zero trinken müssen.

Nachdem wir uns nun gestärkt hatten, wollten wir allmählich zurück. Auf dem Hinweg entdeckten wir kleine Schiffe und wählten dieses Wassertaxi als nächstes Fortbewegungsmittel. Die längere Route führt bis nach Asakusa, sodass wir nach einer kurzen Wartezeit eine einstündige Bootsfahrt unternahmen. Die Füße hat’s gefreut, denn inzwischen gibt es ne dicke Blase unterm Fuß. Außerdem konnte man bei dem leichten Geschaukel gut wegnicken…
Jederzeit schlafen ist auch ein japanisches Phänomen… Egal zu welcher Tageszeit wir in der U Bahn sitzen… Immer gibt es mehrere Japaner, die eingeschlafen sind. Genauso fallen hier besonders oft die Handys runter. O Ton André… Die Schwerkraft muss hier eine andere sein 😂. Einmal ist es sogar passiert, dass einer Frau die Handtasche in der Tür eingeklemmt wurde. Der Zugbegleiter hat schnell reagiert und konnte die Tasche befreien. Die kleine Verspätung wurde im Null Komma nix wieder rausgeholt. Unglaublich!

Nun aber wieder zurück zum aktuellen Geschehen:
Wir hatten im Internet tolle Bilder vom beleuchteten Senso-ji Tempel gesehen und wollten das mit eigenen Augen erfahren. Das Wassertaxi brachte uns ja auch an den passenden Ort, allerdings war es erst 17 Uhr und bis es dunkel wird, dauert es noch ein ganzes Weilchen.

Also sind wir erst einmal zum Hotel. Die Füße wurden verpflastert und es gab ne kühle Dusche.
Da noch immer genug Zeit war, haben wir uns kurzfristig dazu entschieden, hier schon einmal die Waschmaschine im Hotel auszuprobieren. Dazu mussten wir zunächst unten an der Rezeption für 50 Yen Waschmittel kaufen. Das Waschen kostete 200 Yen. Nachdem wir die Waschmaschine inspiziert hatten, waren wir uns über die Waschtemperatur unsicher und fragten lieber mal nach… Als Antwort bekamen wir, dass die Wäsche hier mit kaltem Wasser gewaschen wird. Ok, so gibt es keine Probleme mit dem Einlaufen. Aber kalt soll sauber werden? Als die Maschine dann noch meinte, dass der Prozess gerade einmal 30 Minuten dauert, waren wir noch mehr verunsichert. Da das Pulver aber schon gekauft war, riskierten wir es… Nach 30 Minuten war die Maschine fertig und wir luden alles in den nebenstehenden Trockner um. Auch hier dauert der Prozess lediglich 15 Minuten und kostet 100 Yen… Ein paar Sachen durften eh nicht in den Trockner, aber trotzdem reichte die Zeit natürlich nicht zum wirklichen Trockenwerden. So spendierten wir ihm noch einmal 100 Yen und den Sachen weitere 15 Minuten… Auch das brachte nicht so viel und so bauten wir ein Wäschelager in unserem eh schon sehr kleinen Zimmer aus. Blöd, dass es ausser einer ganz kleinen Ecke keinerlei Aufhängemöglichkeiten gibt. Also wurde alles auf dem Bett ausgebreitet und wir suchten das Weite. Immerhin hatten wir 2 Zimmerkarten, sodass wir eine in dem Stromfach stecken lassen konnten und die Klimaanlage auf höchster Stufe weiterlaufen konnte.
Inzwischen war es also gegen 8 Uhr als wir uns dann noch einmal auf den Weg gemacht haben. Himmel die Berge, ist hier an einem Freitag Abend viel los. Bei allen Fast Food Geschäften eine riesen Schlange und auch die U-Bahnen noch mächtig voll. In Asakusa war es dann aber deutlich leerer als gestern Morgen, denn die Geschäfte haben alle schon zu. Dennoch gibt es genug Touristen, die genau wie wir, vom beleuchteten Tempel angelockt werden.

Ein ganzes Weilchen verbrachten wir auf dem ruhigeren Gelände zum Fotos machen.
Als wir dann auf dem Rückweg nach Abendessen Ausschau halten wollten, stellten wir erschreckend fest, dass vieles um 22 Uhr schließt. Ist natürlich blöd, wenn es schon nach 22 Uhr ist… Aus der Not heraus haben wir dann den Bahnhof angesteuert. Hui, was hier gegen 23 Uhr los ist, ist unglaublich. Diese Aktion hat uns wieder einmal an die Grenze von Google Maps und Navitime gebracht… Zum einen haben beide Apps oft Probleme uns zwischen den Hochhäusern richtig zu orten und dann passen die Routenvorschläge leider nicht immer mit der Realität über ein, insbesondere wenn Google Maps davon ausgeht, dass man die unterirdischen Fußwege benutzt, man aber auf Straßenniveau ist.

Zurück vom Bahnhof zum Hotel mussten wir uns dann erst einmal ein Weilchen durchschlagen, ehe wir den Weg zum richtigen Zug gefunden haben.
Bei diesem deutlich längeren Spaziergang als geplant, hat sich dann auch der 2. Fuß gemeldet und eine schöne dicke Blase unterm großen Zeh erstellt. Jetzt ist humpeln vorprogrammiert 😭. Zum Glück haben wir Blasenpflaster dabei. Allerdings für die Ferse und damit viel zu groß…
Zurück im Hotel wartete dann das -von uns völlig verdrängte- Wäschechaos auf uns. Immerhin hat der Trick mit der Klimaanlage recht gut funktioniert und wir mussten nur noch wenige Sachen im Bad über Nacht hängen lassen. Der wirkliche Nachteil war aber, dass die Sachen teilweise noch immer dezent nach Schweiß dufteten und wir nicht wirklich das Gefühl von frisch gewaschener Wäsche hatten… André gibt die Schuld der Wäschemenge, die wir gewaschen haben. Ich denke ja eher, dass 30 Minuten mit kaltem Wasser einfach nicht ausreichen. Ob alle Japaner mit kaltem Wasser so kurz waschen?