Für heute hatten wir einen Tagesausflug nach Nikko geplant. Auch wenn das Wetter dort für heute regnerisch vorhergesagt wurde, wollten wir uns das Weltkulturerbe und die 3 berühmten Affen nicht entgehen lassen. Die Hinfahrt im Shinkansen um 10:12 Uhr hatten wir ja bereits gestern reserviert (hierzu braucht man neben dem Railpass auch die Reisepassnummer, also am besten vorher auswendig lernen, um Zeit zu sparen ;-).) und so packten wir auch die Regenjacken, Hosen und Schirme ein, um besser gerüstet zu sein, als beim letzten Mal…
Nach einem schnellen Frühstück ging es vom Hotel zunächst zur U-Bahn und dann zum Tokio Bahnhof. Hui, bei unserer Ankunft kam mir das Ganze gar nicht so groß vor, aber scheinbar haben wir da einfach den kompletten Shinkansen Teil ausgelassen. Die Ausschilderung zum Gleis war etwas dürftig und so fragten wir nach. Für einen Sonntag war es überraschend voll und wir zweifelten schon, ob der Tag für Nikko so geschickt gewählt war.

Als der Shinkansen eintraf, war es schon etwas Besonderes. Alle Wartenden stehen ordentlich in Reihen hinter den passend zu den Wagennummern eingezeichneten Linien. Erst wurde noch ein Reinigungstrupp durchgeschickt und danach durften wir einsteigen.
Man sitzt bequem, muss allerdings erstmal die Sitzlehne nach hinten und die Kopfstütze hoch machen (die Japaner sind einfach alle viel kleiner als wir :-D). Nach ca. 1 Stunde kamen wir auf die Minute pünktlich in Utsunomiya an. Hier stiegen wir dann mit einer kleinen Wartezeit in einen Regionalzug um. Dieser war zwar voller, aber wir bekamen problemlos Sitzplätze. Was auch gut war, denn auch diese Fahrt dauerte noch einmal ca. 40 Minuten.
Während der Fahrt planten wir unseren Aufenthalt in Nikko und legten die Reihenfolge fest. Beim nächsten Mal würden wir deutlich früher starten, denn die Sehenswürdigkeiten schließen alle schon zwischen 16 und 17 Uhr. Jetzt konnten wir es nicht mehr ändern und ließen es entspannt auf uns zu kommen.
Vom Bahnhof fuhren wir noch ein wenig Bus. Da kaum andere Touris einstiegen, vergewisserten wir uns beim Fahrer ob wir überhaupt richtig sind. Auch wenn Englisch bei Japanern eher selten gesprochen wird, schafften wir es mit dem Namen der Sehenswürdigkeit und Händen und Füßen immer ganz gut klar zu kommen.
Irgendwann wich die Busroute dann doch wieder Mal von der Google Route ab und so stiegen wir kurz hinter der roten Brücke aus… blöd, denn dadurch hatten wir noch 300-400 Meter Fußweg zum Eingang… Der Bus war so leer und eigentlich hätte sich der Fahrer merken können, wo wir hin wollen… hätte ja Mal Bescheid sagen können, dass wir noch eine Haltestelle warten müssen.
Egal, wir quälten uns den Berg hoch und besichtigen zunächst die 3 Tempel/ Schreine:

Als erstes führte uns der Weg zum Taiyu-in Mausoleum. Dieses wirkt wie ein Schrein, ist aber ein Untertempel des naheliegenden Rinno-ji Tempel, den wir erst ganz zuletzt entdeckt haben.
Der Eintritt kostet pro Person 550 Yen (ca. 3,50€). Es wird leider lediglich ein Kombiticket mit dem Haupttempel Rinno-ji angeboten, welches wir aber abgelehnt hatten. Bei all den Tempeln und Schreinen hier sind wir nämlich ein wenig durcheinander gekommen :-D.

Das Gelände umfasst wieder einmal mehrere Gebäude und Tore, die teils über steile Stufen erreicht werden. Da hier aber kaum andere Touristen unterwegs waren und die ganze Anlage mitten in einem kleinen Wald steht, konnte man es im Schatten gut aushalten. Offenbar hatte es auch vor kurzem noch geregnet, sodass selbst die Luft mal etwas kühler wirkte. Herrlich :-).
Die Gebetshalle konnte von innen besichtigt werden, die angrenzende Haupthalle allerdings nur von außen. Das Schuhe-Ausziehen für die Besichtigung der Gebetshalle hat sich für uns nicht so richtig gelohnt. Beeindruckend war das Mausoleum von Tokugawa Iemitsu selbst, was leider auch nur von außen besichtigt werden kann.

Als wir schon auf dem Rückweg waren und die vielen Stufen wieder hinab kletterten, hatten wir vor uns einen kleinen Jungen, der sich die Hacke schon ganz blutig gelaufen hatte. Da ich als Leidensgenossin inzwischen IMMER meine Blasenpflaster dabei hab, zog ich schnell die japanische Packung heraus und bot dem Jungen eins an… der Vater wusste gar nicht so recht was gerade geschah und lehnte dankend ab. Nachdem er begriffen hatte, dass wir „nur“ helfen wollten, war er unglaublich dankbar und brabbelte immer „arigato sai mas“. Auch die Familie bekam es mit und so standen sie kurzerhand für uns Spalier und verneigten sich, als wir sie überholten. Unglaublich!
Etwas peinlich berührt von der vielen Dankbarkeit ging es direkt weiter zu unserem zweiten Ziel…. Dem Futarasan jinja Schrein.

Dieser Schrein ist deutlich schlichter gehalten, als die benachbarten Tempel-Anlagen. Allerdings liegt hier das spirituelle Herzstück von Nikko. Genau wie beim vorherigen Tempel stehen auch hier die 3 Berge mit ihren jeweiligen Göttern im Mittelpunkt.

Hier ist leider gerade eine Baustelle, sodass einige der größeren Gebäude mit Tüchern verhangen sind. Für uns macht es die Zuordnung, welches Gebäude welche Funktion hat, fast unmöglich. Aber das älteste Gebäude der Sannai Region (die Haupthalle des Schreins), konnten wir noch gut erkennen. Wir ließen uns dennoch nicht von der Baustelle abschrecken und bewunderten die goldene Hasenfigur, die, warum auch immer zum 1240. Jahrestag der Begründer aufgestellt wurde. Wir hätten es uns eher damit erklärt, dass dieses Jahr das Jahr des Hasens ist…. Egal, Glück und Reichtum soll sie dennoch bringen.

Einen Teil des Schreins kann man kostenfrei besichtigen, für den Rest muss man dann aber wieder zahlen (300 Yen pro Person). Und wenn wir schon einmal gezahlt haben, so wollen wir auch alles sehen… und hier hat es sich noch einmal richtig gelohnt: Denn hinter den Gebäuden geht es über einen schmaleren Weg immer mal wieder ein paar Stufen hinauf durch eine Art Garten. Zum Glück waren auch hier kaum Touristen unterwegs, sodass wir uns auf den schmalen Wegen nicht in die Quere kamen. Links und rechts des Weges wirkt das Grünzeug wie Regenwald und so wundern wir uns auch nicht, als ein „Achtung Blutegel“ Schild aufgestellt wurde. Was uns aber viel mehr faszinierte, waren die vielen kleinen Gebetsecken. Mal waren es viele kleine Holzherzen, dann waren es einfache bunte Zettel an Glocken hängend oder zu Origami-Figuren gefaltet… Auch zu einer kleinen Wasserquelle der Weisheit führte uns der Weg. Deren Wasser soll gegen das Alter und schlechtes Sehvermögen wirken. Bevor wir den Garten wieder verlassen, kommen wir noch durch ein typisches rotes Torii und an einem Glücksklee-Feld vorbei. So viele 4 blättrige Kleeblätter haben wir noch nie zeitgleich entdeckt, scheinbar eine besondere Sorte.

Zuletzt stand dann noch der Toshogu Schrein auf der To-Do Liste. Wegen der 3 Affen für mich einer der wichtigsten 🙈.

Die 🙈🙉🙊 kennen wir vermutlich inzwischen alle durch die schönen Emojis bei Whats App und Co. Vermutlich weiß aber kaum einer, dass sie ihren Ursprung bei Konfuzius haben. Eigentlich war damit gemeint, dass man „über alles Schlechte hinwegsehen soll“ und nicht, wie es bei uns eher genutzt wird, „alles Schlechte nicht wahrhaben wollen“. Die berühmte Holzschnitzerei hier in Nikko stammt schon aus dem 17. Jahrhundert.

An diesem Schrein war es deutlich voller. Ganze Schulklassen und zahlreiche Reisegruppen waren vor Ort. Wir ließen uns aber nicht abschrecken und inspizierten alles. So kam es dann auch, dass wir am Hauptschrein eine Segnung mitmachten. Verrückt, wenn man so überhaupt kein Wort versteht und einfach mitmacht. Übrigens braucht man kein schlechtes Gewissen haben (…wegen stinkender Schweißfüße…), wenn man hier seine Schuhe auszieht. Hier haben alle Stinke-füße und trotz Ventilatoren riecht der gesamte offene Raum danach 🙈.

Anschließend wollten wir noch den Berg zum inneren Schrein erklimmen. Doch vorher führte uns der Weg durch das Sakashitamon Tor. Wenn man vor dem Durchgehen nach oben schaut, so findet man die berühmte schlafende Katze „Nemurineko“.

„Die Figurine soll die Macht besitzen, Ratten und Mäuse fernzuhalten. Auch soll ihr friedliches Schlummern Betrachtern innere Ruhe spenden. Auf der Rückseite ist ein zwitschernder Sperling dargestellt. Er ist so positioniert, dass er bei Fehlen des Zierrahmens genau auf dem Rücken der Katze sitzen würde. Diese Komposition wurde absichtlich gewählt, um eine bestimmte, symbolische Aussage erfüllen zu können: Solange die Katze friedlich schläft, kann der Sperling sich ihr nähern, ohne gefressen zu werden. Deshalb wird die gesamte Schnitzerei allgemein als Symbol für eine friedliche Welt angesehen.“ (Quelle Wikipedia)

Nachdem wir dieses Kunstwerk von beiden Seiten bewundert hatten, ging es fies über etliche Stufen hinauf zum inneren Schrein. Oben angekommen kann man noch eine kleine Pagode erkennen, die das Tokugawa Ieyasu Mausoleum darstellt. Tokugawa Ieyasu war einer der 3 Reichseiniger, die dafür sorgten, dass aus Japan ein zentralistischer Einheitsstaat wurde.

Das Mausoleum hier oben am Berg strahlt tatsächlich ziemlich viel Ruhe aus und obwohl es im Vergleich zum Rest nicht so ansehnlich ist, hat sich der Besuch hier oben gelohnt.

Nun ging es aber wieder hinunter. Noch einmal genossen wir die vielen bunten Holzschnitzereien und entdeckten immer wieder etwas Neues (z.B. einen Elefanten, der von jemandem erschaffen wurde, der noch nie einen Elefanten gesehen hat). Anschließend kauften wir noch einen 3 Affen Glücksbringer und machten uns allmählich auf den Weg zurück.
Auf dem Rückweg zum Bus kamen wir noch eher zufällig am Rinno-ji Tempel, dem bedeutensten Buddhisten-Tempel in Nikko, vorbei.
Die Bedeutung des Tempels wurde uns gar nicht so richtig bewusst, denn hier war gegen 15 Uhr nahezu nichts mehr los und so blieb uns sogar das Ticketoffice verborgen. Verpasst haben wir demnach 3 große Buddha-Statuen, die jeweils eine andere Facette vom Buddha zeigen. Aber wenn wir ehrlich sind, hat uns der Tag heute kulturell eh etwas erschlagen und so sind wir nicht so richtig böse drum.

Da es schon fast 15 Uhr ist, brauchen wir die Kegon Wasserfälle nicht mehr Ansteuern. Alleine die Busfahrt dorthin würde 30-40 Minuten dauern. Stattdessen schlug André die einstündige Wanderung zur Kanmangafuchi Schlucht vor. Diese Schlucht entstand durch den Ausbruch des Vulkans Nantai und ist mehrere Hundert Meter lang. Unterwegs kommt man an vielen Jizo-Statuen vorbei, die an den roten Lätzchen und Mützen zu erkennen sind. Sie sollen für den Seelenfrieden und die Erleuchtung der Verstorbenen beten.

Als wir dann zurück am Parkplatz waren, war fast keiner mehr da. Bis zum nächsten Bus hatten wir laut Google noch massig Zeit und so ging es entspannt zur roten „Shinkyo“ Brücke zum Fotografieren. Ein Betreten ist leider nicht mehr erlaubt, denn die Brücke soll den Eingang in die heilige Welt der Tempel und Schreine symbolisieren und wird daher sehr gut besucht.

Nach den Fotos gingen wir weiter zur Bushaltestelle. An der Haltestelle angekommen war noch immer so viel Zeit, dass wir schon weiter liefen. Das ist schließlich nicht so anstrengend wie einfach rumstehen. Kaum von der Haltestelle weg, fuhr ein Minibus vorbei, den wir gerade noch auf dem Parkplatz gesehen haben… Da war er noch „Out of service“ und Google kannte ihn auch nicht… Au man, kein Verlass mehr darauf.
An der nächsten Haltestelle warteten wir dann doch lieber und das war gut so. Der Bus kam tatsächlich 4 Minuten zu früh… Im Vorbeifahren sahen wir dann, dass viele Geschäfte schon geschlossen waren und die Bürgersteige sprichwörtlich hochgeklappt.
Am Bahnhof angekommen hatten wir dann noch 20 Minuten Wartezeit. Entspannt nahmen wir ein Eis aus dem Automaten und schon war der Zug da und wir sicherten uns Sitzplätze.
Bis hierher hat es übrigens nur 5 Tropfen geregnet. Perfekt.
Vom Zug aus konnten wir dann aber sehen, dass es woanders schon doll geregnet haben muss denn 3 Mädels kamen mit pitschnassen T-Shirts rein und auf den Straßen waren Pfützen. Offenbar hat es der Wettergott heute richtig gut mit uns gemeint.
An der Station Utsunomiya stiegen wir dann wieder um. Allerdings mussten wir erst einen Automaten finden, um Plätze im Shinkansen zu reservieren. Es gibt zwar auch Wagen ohne Reservierung, aber wer möchte schon Gefahr laufen, 1 Stunde zu stehen. Allerdings gab es laut Automat keine 2 Plätze mehr nebeneinander. Im Shinkansen wären sie aber doch frei gewesen. Wieso reserviert man, wenn man dann doch nicht fährt? Egal, so hatten wir einfach mehr Platz :-).
Dieses Mal fuhren wir allerdings nur ca. die Hälfte der Strecke und stiegen in Omiya aus. Hier haben wir auf der Hinfahrt ein großes Einkaufszentrum mit GAP Store gesehen. Scheinbar scheint sich GAP nun auch aus Japan zurück zu ziehen und so gibt’s 40-60 Prozent auf alles. Das lohnt. Allerdings gab es auch hier nicht mehr so viel. Immerhin ein neuer Lieblingshoodi war noch da. In Tokio haben wir den schon nicht mehr bekommen.
Im Einkaufszentrum aßen wir dann auch zu Abend und bummelten durch einen größeren Supermarkt. Allerdings ist auch hier die Auswahl an Keksen sehr begrenzt und die Packungen genauso klein wie in den Mini-Läden unterwegs. Hier gab es aber endlich mal Obst und Gemüse unbehandelt zu kaufen.
Anschließend schnell wieder Plätze im nächsten Shinkansen reserviert und schwupps ging es zurück nach Tokio.