Heute ließen wir es morgens erneut entspannt angehen und frühstückten wieder ein paar Kekse im Zimmer.
Für heute hatten wir uns den Arashiyama District am Stadtrand von Kyoto als erstes Ziel gesetzt. So stiegen wir in der Nähe des Hotels in den Bus. Zum Glück konnten wir gestern ja direkt eine weitere Tageskarte kaufen und ließen sie beim Aussteigen im Zentrum von Arashiyama einmalig für den heutigen Tag abstempeln). Von dort steuerten wir zunächst den Bambuswald an.
Es dauerte nicht lange und schon standen wir auf schmalen Wegen zwischen den meterhohen Bambusstäben. Dadurch, dass die Bambusbäume nahezu alle gleich hoch sind, gibt es einfach ein wahnsinnig tolles Bild ab. Genauso schön ist die hier vorherrschende Ruhe. Man kann endlich wieder der Natur zuhören und die Geräusche der Stadt und Menschen für ein Weilchen vergessen.

Allerdings dauerte es hier auch nicht lange, bis uns die Mücken entdeckten. Zum Glück sind wir inzwischen wieder besser gerüstet und so wurde fix das Nobite aus dem Rucksack geholt und einmal alles eingesprüht.
Jetzt konnten wir hier in Ruhe spazieren gehen und kamen irgendwann am Tenryu-ji-Tempel vorbei. Das Eingangstor hier führte allerdings nur in den Garten. Wir gönnten uns den Eintritt mit 500 Yen pro Person und standen in einer großen, herrlich gepflegten Anlage. Ein gut angelegter Rundweg führte uns zunächst durch den Wald und später an dem großen Teich vorbei. Hier gab es natürlich wieder jede Menge Kois, aber auch Wasserschildkröten. Als uns der Weg dann auch an der Haupthalle des Tempels vorbeiführte und wir bereits einen Blick hineinwerfen konnten, entschieden wir uns gegen eine Tempelbesichtigung. Allmählich haben wir nämlich so viele gesehen, dass wir sie gar nicht mehr richtig genießen können.

Stattdessen fuhren wir ein kleines Stück mit dem Bus weiter. Dieser fuhr über die berühmte Togetsukyo Brücke. Vor allem am Abend bei einem klaren Sonnenuntergang gibt es hier traumhafte Farbspiele. Allerdings wollten wir gar nicht so lange bleiben und gingen anschließend ein kleines Stück zurück um die kunstvolle Form der Brücke zu bewundern. Leider waren hier sehr viele Touristen unterwegs, sodass es ein nerviges Gedränge wurde und wir möglichst schnell das Weite suchten.
Unser nächstes Ziel war der Affenpark Iwatayama, dessen Eingang ziemlich direkt hinter der Brücke liegt. Der Park selbst liegt oben auf einem Berg und nachdem wir die 550 Yen Eintritt zahlten, konnten wir den schweißtreibenden Aufstieg starten. Immer wieder stellen wir fest, dass es in Japan für mobil eingeschränkte Personen schwierig ist, Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Hier sollte dringend nachgebessert werden. Zum Glück geht es uns außer diversen Blasen unter den Füßen und Muskelkater gut und wir erreichen das Bergplateau.

Und direkt können wir die ersten Affen entdecken. Das schöne ist, dass hier bewusst darauf geachtet wird, dass sich die Affen nicht zu sehr an die Menschen gewöhnen. So ist es verboten, sich den Affen näher als 3 Meter anzunähern oder sie zu füttern. Demnach haben die Affen auch kein Verlangen den Besuchern Dinge zu klauen oder anzugreifen. Zum Affen-Füttern gibt es einen speziellen Käfig. Allerdings werden hier nicht die Affen sondern die Menschen eingesperrt. So haben sich die Affen daran gewöhnt, dass es nur hier Futter gibt. Wir haben den Käfig zwar besucht, aber auf das Füttern verzichtet…

Nach etlichen Fotos der Affen, die auch ein paar Jungtiere dabei hatten, genoßen wir noch einmal den Blick über Kyoto, ehe es wieder hinab ging.
Zurück unten am See machten wir eine kleine Pause. Hier gibt es auch Toiletten und diverse Essensanbieter. Beim Blick über den idyllischen See konnten wir aber schon dicke schwarze Wolken kommen sehen. Hoffentlich bleiben wir dieses Mal verschont. Bevor es weiter ging, wurden wir jedoch noch von einer herumirrenden Krabbe überrascht. Zum Glück hat die es nicht in Rucksack oder Tasche geschafft 🙈.

Anschließend ging es erneut mit dem Bus weiter. Schließlich können wir nicht nur Natur betrachten, die Kultur will schließlich auch besichtigt werden und wir haben heute noch keinen Tempel betreten 😂.
Das nächste Ziel war nun der goldene Pavillon am „Kinkakuji-Tempel“. Der goldene Pavillon ist die einstige Reliquien-Halle des Shogun Ashikaga Yoshimitsu, der den zugehörigen Tempel als Alterswohnsitz nutzte. Den Pavillon kann man nur von außen besichtigen, wobei das Aussehen das eigentlich Besondere ist: Jede Etage des Pavillons wurde in einer anderen Bauweise errichtet und die zwei oberen Stockwerke sind komplett mit Blattgold überzogen. Besonders bei Schnee und Sonnenschein kann man sehen, wie das Gold schimmert.

Bei den aktuellen Temperaturen können wir über Schnee nur lachen, aber wir haben zwischendurch tatsächlich Glück, dass sich die Sonne einen Weg durch die Wolken bahnt. Herrlich!
Natürlich sind auch hier heute ziemlich viele Touristen, aber insgesamt können wir feststellen, dass man gegenseitig sehr aufmerksam und wertschätzend ist. So bekommt jeder die Möglichkeit, sein individuelles Foto zu machen.

Die zugehörige Garten- und Teichanlage ist aber auch selbst einen Besuch wert. Der Rundweg führt einen automatisch an verschiedenen Teilen vorbei zum Ausgang.
Auf den letzten Metern des Rundwegs fängt es nun an zu tröpfeln und so entscheiden wir, als nächstes für ein Päuschen zum Hotel zu fahren.
Wir waren noch nicht ganz im Hotel, da hörten wir schon den Regen gegen die Scheibe prasseln. Es blitzte und donnerte und wir waren froh, nicht draußen zu sein.
Was bleibt einem bei Regen nun übrig, außer ein Schläfchen zu machen 😬, die letzten Tage waren schließlich auch einfach richtig anstrengend. Immerhin konnten wir sogar noch etwas Nützliches tun, denn wir ergatterten just in time eine freie Maschine zum Waschen. Da hier der Trockner intrigiert ist, sortierten wir aus, was besser nicht gewaschen wird. Da das Waschen und Trocknen so ein wenig länger dauert, können wir auch noch einen kleinen Ausflug machen.
Beim Befragen verschiedener Wetter-Apps sagten diese einheitlich weiter Regen voraus, sodass wir die Idee, noch einmal zu den Geishas im Gion Viertel zu fahren, direkt wieder verwarfen. Stattdessen entschieden wir uns für einen Trip zum Bahnhof, um weitere Sitzplatzreservierungen vorzunehmen.
Um zum Bahnhof zu kommen, wählten wir erneut den Bus. Schon als wir in den Bus einstiegen entdeckte ich gegenüber der Tür einen ca. 6 Jahre alten Jungen in Schuluniform, der tief und fest schlief. Als an der nächsten Haltestelle nahezu alle um ihn herum ausstiegen, kam mir schon ein doofes Gefühl. Hoffentlich hat er seine Haltestelle nicht verpasst. Aber was soll ich machen? Er würde mich eh nicht verstehen und für viele könnte es komisch aussehen…
Kurze Zeit später wurde er dann wach, erschrak ganz furchtbar und fing gleich an zu weinen. Au man, der tat mir vielleicht Leid. Aber wirklich helfen konnten wir ihm eh nicht. Glücklicherweise nahm sich ein Mann dem kleinen Jungen an und begleitete ihn an der nächsten Haltestelle aus dem Bus und zur Haltestelle in die Gegenrichtung. Allen anderen im Bus war der kleine Junge trotz des Weinens leider ziemlich egal. Auf den Schreck aßen wir dann am Bahnhof auch gleich zu Abend und reservierten unsere Plätze im Shinkansen.
Unsere Fahrt nach Hiroshima wird dann morgens um 08:00 Uhr sein, denn da gab es immerhin noch Plätze mit Übergepäck. Puh, dass frühe Aufstehen wird ganz schön ungewohnt.
Anschließend ging es dann im Regen zurück zum Hotel, denn wir wollten die Waschmaschine nicht länger als nötig blockieren.
Im Hotel angekommen wurde gleich die Wäsche aus der Maschine geholt und war „nur noch“ etwas feucht. Also wurden mal wieder Plätze im Zimmer gesucht, um die Wäsche aufzuhängen. Hier klappte es deutlich besser als in Tokio, wobei wir auch deutlich weniger gewaschen haben als beim letzten Mal… Das „Frisch-Gewaschen-Gefühl“ bleibt leider auch hier wieder aus. Es fehlt der Geruch von Waschmittel. Stattdessen riecht das ein oder andere Tshirt noch immer leicht nach Schweiß. Bin ich froh, wenn wir zu Hause alles wieder richtig waschen können.
Wir planten noch ein wenig für die nächsten Tage und gingen dann auch bald ins Bett.