Für heute hatten wir uns ja bereits Plätze im Shinkansen reserviert. Ohne großes Gepäck war es gar kein Problem… Ursprünglich wollten wir Himeji auf dem Weg nach Hiroshima als Zwischenziel mitmachen, aber wegen des Gion Fests hatten wir eine weitere Nacht in Kyoto drangehängt. Außer, dass wir nun 1,5 Stunden mehr Zugfahren gibt es keinen Nachteil, denn die Übernachtung in Kyoto war deutlich günstiger. Vor allem hatte uns an der bisherigen Idee, es als Zwischenziel zu machen, die Ungewissheit gestört, ob es dann in Himeji zwei große Schließfächer für unsere Koffer geben würde… Und nur wegen dieser einen Fahrt extra kleinere Taschen packen wäre auch blöd gewesen…
Nachdem wir unsere gefährliche Fahrradstraße zur U-Bahn verlassen hatten ging es flugs weiter zum Bahnhof und rein in den Shinkansen. Ach, diese Pünktlichkeit ist einfach nur ein Träumchen. Durch die reservierten Plätze gibt es keinen Stress beim Einsteigen und alles ist einfach entspannt und geordnet…
Wir daddelten ein wenig, schrieben unsere Blogbeiträge weiter und schon konnten wir nach ca. 45 Minuten aussteigen.
Sobald man den Bahnhof verlässt, sieht man die weiße Burg schon von Weitem und kann sich demnach sehr gut orientieren. Leider fehlt uns heute der blaue Himmel für die perfekten Fotos, aber so ein riesen Bauwerk ist trotzdem einfach krass.
Wegen der weißen Farbe und den schwarz grauen Dächern wird die Burg oft auch die Burg des weißen Reihers genannt, weil sie Ähnlichkeit mit einem Silberreiher bei der Landung haben soll. Erbaut wurde sie um 1600 als die japanische Burgbaukunst ihren technischen Höhepunkt hatte. Und tatsächlich konnte die Burg nie eingenommen oder zerstört werden. Selbst, als im 2. Weltkrieg, die Bomben über Himeji abgeworfen wurden, brannte der Ort zwar völlig aus, aber die Burg blieb komplett und ragte über den Trümmerhaufen empor. Die Bomben, die direkt auf die Burg geworfen worden, sind mysteriöserweise nicht explodiert. Und so kam es, dass die Burg als erstes UNESCO Weltkulturerbe in Japan registriert wurde.
Die Burg wurde auch für mehrmals als Drehort für Filme genutzt. Z.B. James Bond – Man lebt nur zweimal, Shogun oder The Last Samurai… vielleicht kennt ihr sie daher ja schon ein wenig….

Wir kauften unsere Eintrittskarten und starteten mit der Besichtigung. Hier gab’s immerhin auch mal kostenlose Infohefte auf Deutsch. Juhuu!
Und wie es bei einer Burg nun Mal so ist, geht’s den Berg hinauf. Wir kommen trotz der Bewölkung mächtig ins Schwitzen. Aber anderen geht’s scheinbar nicht besser, denn wir erblickten einen Mann im weißen Hemd… Leider ist das Hemd schon arg durchsichtig geworden 🙈. Man sollte vorher überlegen, was man so mitnimmt und anzieht 😂.
Endlich hatten wir es zur Eingangstür geschafft. Ups, hier heißt es Schuhe ausziehen und in einer gestellten Plastiktüte mitschleppen. Was bin ich froh, dass ich heute Socken anhab… So muss ich nicht barfuß über den Holzfußboden laufen.
Jetzt, im Inneren angekommen, erfahre ich, dass die Burg über 6 Etagen geht. Uff, sehr steile Treppen mit kurzen Stufen erwarten uns auf dem Weg hinauf.

Zwischendrin gibt es ein paar Anschauungsobjekte, wie Waffen, Rüstung und ein Video, wo welche Verteidigung zu finden war. Ich persönlich finde, dass es ein bisschen wenig war. Ganz oben gibt es dann zwar noch einen kleinen Schrein, aber irgendwie hätte ich mit mehr Realitätstreue von damals gerechnet. Naja. So wurde das Augenmerk auf die Aussicht gelegt. Definitiv nicht schlecht!

Achso, immer wieder gab es in der Burg Durchsagen. Auf Englisch wurde vom „Desaster prevention Center“ gewarnt. Anfangs dachten wir noch, mit welcher Naturkatastrophe rechnen die heute denn (Sturm, Erdbeben…) soll ja alles möglich sein… Aber nein, sie warnen vor der Hitze und erinnern daran, dass man viel trinken soll. Gerade in der Burg, die komplett aus Holz gebaut wurde scheint es sehr stickig zu werden. Offenbar haben uns da die Wolken heute geholfen!
Nach etlichen Fotos ging es dann die steilen Stufen wieder hinab. Das Geländer war schon pitschnass… Ob es Angstschweiß oder normaler Schweiß war… man weiß es nicht. :-D. Obwohl wir „Großgewachsenen“ uns immer mal wieder ducken mussten, kamen wir heile wieder unten an. Zwischendrin ist eine Frau fast die Treppen hinab gefallen und wir fragten uns, wie viele Unfälle es hier jährlich wohl gibt… Und wenn wir dann an den Fahrstil der Krankenwagen Fahrer denken, die sowas von übervorsichtig in Kreuzungen hineinfahren…. Bis der zum Helfen da ist, würde es wohl dauern.

Wir suchten uns jedenfalls ein schattiges Plätzchen und machten ein kleines Päuschen. Anschließend ging es zum königlichen/ kaiserlichen Garten. Für lediglich 50 Yen mehr hatten wir die Eintrittskarte mit dem Burgeintritt bekommen. Blöd ist, dass man ziemlich weit außen herum laufen muss, ehe man dahinein kommt. Wahrscheinlich machen sie deswegen das Sparangebot, damit überhaupt Gäste kommen🤪

Dennoch muss man fairerweise sagen, dass der Garten sehr nett anzuschauen ist. Am liebsten wäre ich ja mit dem bunten Herbstlaub hier, aber da bekommen wir leider nicht so lange Urlaub… Und da wir ja eigentlich Nebensaison haben, möchte ich nicht wissen, wie voll es dann in der normalen Saison ist…
Wir blieben noch ein ganzes Weilchen am großen Teich mit den riesengroßen Koikarpfen, ehe es über ein paar Geocaches langsam zurück Richtung Bahnhof ging. Auch hier gab es noch einige Geschäfte und so wurde es nicht langweilig.
Nach einer Eispause standen wir dann wieder am Bahnhof und reservierten unsere Rückfahrt-Tickets… leider hat das dieses Mal aber nicht ganz so gut geklappt und wir hatten irrtümlich welche für einen der Züge, die trotz Railpass aufpreispflichtig sind. Hier wäre wünschenswert, wenn es der Automat direkt mitteilen würde… (Anmerkung André wieder zurück zu Hause… vermutlich hätten wir doch mit ihm fahren können).
Auf dem Weg zum Gleis fragten wir bei einem Mitarbeiter nach, aber wegen fehlender Englischkenntnisse konnte der uns mal wieder nicht weiterhelfen.
Am Gleis stand an den Anzeigetafeln auch irgendwas zusätzliches und da wir kein Risiko eingehen wollten, entschieden wir uns gegen diesen Zug. Also ging es zurück zum Automaten, um für die nächste Fahrt zu reservieren. Blöd nur, dass das Programm denkt, dass wir gerade in einem Zug sitzen würden und wir daher keine neuen Plätze reservieren können.
Die Alternative ewig zu warten bis wir theoretisch wieder in Kyoto wären, war keine Option nicht und so ging es für uns ins Service Center. Zum Glück sprach man hier Englisch und nach 20 Minuten Wartezeit hatten wir es geschafft. Die reservierten Tickets waren zurück gegeben, neue reserviert und so war die Wartezeit auch fast vorbei.
Die Rückfahrt war wieder sehr angenehm und wir machten uns zu einer Pause auf in’s Hotel.
Nach unserem Päuschen machten wir uns noch einmal auf den Weg Richtung Gion Viertel. Heute soll schließlich das Gion Fest starten… Allerdings gibt es den Umzug der Paradewagen erst am 17. Juli und heute scheint man sich nur die geschmückten und beleuchteten Wagen ansehen zu können. Grrr. Hätten wir das vorher gewusst, hätten wir die Planung der Reise doch noch etwas anders gestaltet… Nun war es zu spät.

Auf jeden Fall kamen wir zum Glück erst, nachdem es was zu Essen gab, an der Hauptstraße an. Uff, sooo viele Menschen auf einmal. Alle laufen kreuz und quer und es ist einfach nur eng eng eng.

Irgendwann hatten wir ein wenig das Prinzip verstanden. Vor den Wagen stehen extra Polizisten mit Megaphonen, die erklärten, dass man linksseitig an den Fahrzeugen vorbei gehen muss, damit es zu keiner Vollkatastrophe kommt. Die Wagen kann man auch Besteigen. Allerdings mit Wartezeit und man muss vorher für 1000 Yen irgendwas an den aufgebauten Ständen kaufen. Wir lehnten dankend ab, machten von mehreren Wagen Fotos und flüchteten dann schlagartig aus dem Rummel raus. Auf einigen Wagen spielten auch Musikkapellen. Die „Musik“ ist für unsere Ohren eher eine Strafe. Scheinbar aber mit Weihnachtsmusik zu vergleichen, denn sie wurde die ganzen Tage schon in unserer Einkaufsstraße, in verschiedenen Bahnhöfen und Einkaufszentren gespielt.
Das war dann doch etwas viel auf Dauer und da es leider keinerlei Infos zum Fest auf Englisch gab, keine Karte, wo vielleicht eine Vorführung wäre oder ähnliches, entschieden wir uns für den Rückweg. Für Touristen ohne Guide leider eher ein Ratespiel, denn ich bin mir sehr sicher, dass die Menschenmenge nicht bloß zum Bestaunen der Wagen auf den Straßen unterwegs waren. Viele hatten sogar extra ihren Kimono mit den unbequemen Holz-Latschen angezogen.
Wir flüchteten uns in eine nahe U-Bahn-Station. Aus der gerade eingefahrenen Bahn strömten erneut ganze Massen Richtung Ausgang und überall standen Polizisten und Sicherheitsleute… Sowas haben wir in der ganzen Zeit in Japan bisher nirgends erlebt.
Als wir dann endlich im Hotel angekommen waren, mussten wir auch noch die Koffer für den nächsten Tag packen. Schließlich haben wir Plätze im 08:29 Uhr im Shinkansen gebucht und müssen erstmal noch per Bus zum Bahnhof kommen…
Bis wir dann endlich ins Bett konnten, war klar, dass die Nacht dieses Mal deutlich kürzer werden würde…