Nach einer viel zu kurzen Nacht klingelte der Wecker viel zu früh. Da wir den Zug aber bekommen wollten, half es alles nichts und wir standen zähneknirschend auf. Die letzten Sachen wurden gepackt und ein paar Kekse als erste Tagesstärkung verspeist. Danach machten wir uns ein letztes Mal auf den Weg durch die Einkaufsstraße zum Bus. Zum Glück war noch nicht so viel los. Da wir aber nicht sicher waren, wie voll der Bus um diese Zeit sein könnte, nahmen wir lieber einen früher. Außer einigen anderen Reisenden mit Koffern war der Bus aber recht leer und so konnten wir wenigstens noch 2 Sitzplätze ergattern und die Koffer beim ewigen Bremsen und Anfahren irgendwie bändigen.
Am Bahnhof kannten wir uns inzwischen ja gut aus, standen fix am richtigen Gleis und warteten auf die Einfahrt des Shinkansen. Wie immer war dieser pünktlich und nachdem wir einsteigen konnten, suchten wir unsere Gepäckfächer. Dieses Mal konnten wir die Plätze am Ende des Wagens, wo die Koffer einfach hinter den Sitzen stehen, nämlich nicht nehmen. Stattdessen mussten die Koffer in ein Staufach zwischen den Waggons verfrachtet werden. Bis wir die Technik des Entsperrens und Wiederverschließens verstanden hatten, war der Zug schon losgefahren und wackelte ganz gut. Als wir dann alles geschafft hatten, kam auch der Zugbegleiter und bat sich an. Zu spät! Endlich konnten wir unsere Sitzplätze einnehmen und versuchten auf der fast 2 stündigen Fahrt zu schlafen. Natürlich vergeblich.
Gegen halb 11 sollten wir dann schon in Hiroshima ankommen. Wegen der Koffer sind wir etwas eher aufgestanden, aber das Befreien aus den Staufächern ging recht fix und so warteten wir noch kurz, bis der Zug am Bahnsteig ankam und wir aussteigen konnten.
In Hiroshima angekommen suchten wir zunächst einen Schalter, um uns über Tagestickets für die Busse zu informieren. Dabei erfuhren wir, dass es 3 verschiedenfarbige Buslinien speziell für Touristen zu den jeweiligen Sehenswürdigkeiten gibt und diese im Railpass enthalten sind. Zwar fahren die Busse nicht ganz so oft, aber zeitlich passte es gerade perfekt mit der roten Linie, die nah an unserem Hotel hält. Juhuu.
Als wir dort ankamen, konnten wir überraschenderweise noch nicht im Zimmer einchecken. Immerhin gab es an der Rezeption aber die Möglichkeit, das Gepäck aufbewahren zu lassen. Nachdem wir notdürftig umgepackt hatten, ging es dann gleich wieder los. Eigentlich ganz gut, dass wir so früh dran sind, denn in Hiroshima bleiben wir nur 2 Nächte und für Morgen hatten wir uns einen Ausflug auf die Insel Myajima ausgesucht.
Wir gingen also zurück zur Bushaltestelle und warteten ein Weilchen auf die orange Linie. Diese brachte uns dann direkt zum Atombomben Dom.

Dieses Friedensdenkmal befindet sich direkt am Ufer eines Flusses. Das 1915 erbaute Gebäude der Industrie- und Handelskammer hatte beim Atombombenabwurf am 6. August 1945 nur ca. 160 Meter Abstand zur Detonation und wurde, wie durch ein Wunder, relativ wenig zerstört. Nahezu alle anderen Gebäude im Umkreis von 10 Kilometern wurden innerhalb einer Sekunde zerstört und 70-80.000 Menschen verloren ihr Leben. Zur Erinnerung an diesen schrecklichen Vorfall versucht man das Gebäude so gut wie möglich, in seinem Zustand zu erhalten. Ringsherum gibt es viele Gedenksteine und Erinnerungstafeln.
Schon als wir dort standen, das Gebäude betrachteten und die vielen Schilder lasen, überkam uns ein mulmiges Gefühl und die Stimmung ringsherum war bedrückend. Auch im weiteren Umkreis gibt es zahlreiche Gedenktafeln und Monumente. Besonders ist dabei das Friedensdenkmal der Kinder. Es erinnert an Sadako Sasaki ein Mädchen, dass den Atombombenwurf nicht überlebte. Zusammen mit einer Skulptur des Mädchens und einer Friedensglocke, sind auch Kraniche auf dem Denkmal. Sadako Sasaki war damals 2 Kilometer vom Zentrum entfernt und überstand den Anschlag zunächst unbeschadet. Allerdings bekam sie im Alter von 12 Jahren (10 Jahre nach dem Anschlag) Leukämie durch die hohe Strahlenbelastung. Von da an musste sie viel Zeit im Krankenhaus verbringen und wünschte sich immer wieder zur Schule gehen zu können. Da die Japaner sagen, dass jedem der 1000 Origami-Kraniche faltet, alle Wünsche in Erfüllung gehen würden, fing sie an, diese zu falten. Obwohl sie mehr als 1000 Kraniche faltete, ging ihr Wunsch nicht in Erfüllung und sie starb 1955 mit 12 Jahren.

Mitschüler und Nachbarn waren tief von ihrer Persönlichkeit bewegt und bewältigten es, dieses Denkmal im Friedenspark errichten zu lassen. Seitdem zählt der Kranich als Symbol des Friedens und jährlich bringen Touristen ca. 10 Millionen gefaltete Kraniche als Zeichen des Mitgefühls für die Familien und vermissten Kinder. Diese Kraniche werden dann in Boxen aufgehängt oder zu weiteren Kunstwerken verarbeitet. Wenn man davor steht und diese Geschichte kennt, ist es einfach nur ein Gänsehautgefühl, dass sich im ganzen Körper ausbreitet.

Wir gingen dann weiter zum Friedensfeuer. Dieses brennt inzwischen seit 1964 und soll so lange brennen, bis auch die letzte Atombombe der Welt vernichtet wurde. Traurig und unbegreiflich, dass nach so einem schlimmen Anschlag überhaupt noch Atombomben existieren und zu befürchten ist, dass diese Flamme noch viele viele Jahre brennen muss. Auf dem Vorplatz, zwischen Flamme und Atombombenmuseum fand gerade eine Gedenkfeier statt. Einige Schulklassen standen ordentlich aufgereiht und verschiedene Redner sprachen. Für uns leider unverständlich…
Nun waren wir am Museum angekommen und auch wenn die Schlange davor recht lang war, wollten wir es unbedingt besichtigen.
Zum Glück ging es in der Schlange recht zügig voran und schon bald konnten wir unsere Tickets für 200 Yen (weniger als 1,50€) pro Person kaufen.
Im Museum wird der Atombombenanschlag sehr anschaulich dargestellt. Es gibt eine interaktive Karte, auf der man sehen kann, wie es vor dem Anschlag aussah und was im Umkreis von 10 Kilometern alles zerstört wurde und wie es im Anschluss neu bebaut wurde.
Zudem gibt es viele Fotos und Sammelobjekte, die gefunden worden sind. Manche Fotos sind einfach nur heftig. An anderer Stelle sieht man eine Hauswand mit einem Schatten. Durch die extreme Hitze der Detonation ist von der Person vor der Wand außer diesem Schatten absolut nichts mehr übrig geblieben. Wer mit Kindern reist, sollte sich daher gut überlegen, ob er diese mit ins Museum nehmen möchte!
Alle Fotos sind mit englischen Beschreibungen versehen und es gibt Audioguides zum Ausleihen. Einziges Manko… es war sehr voll und man musste sich ganz schön durchschieben, um immer alles lesen zu können.
Wir fanden den Besuch sehr interessant und erschreckend zugleich. Demnach waren wir danach ganz schön mitgenommen und steuerten das Hotel an, um all die Bilder und Informationen erst einmal zu verarbeiten.
Inzwischen konnten wir auch einchecken und unser Zimmer beziehen. Schön sauber und recht geräumig. Perfekt!
Nach einer kleinen Pause ging es dann für uns noch einmal los. Wir steuerten die Einkaufsstraße Hondori an, denn nachdem es heute Morgen nur ein paar Kekse gab, meldete sich ein Hüngerchen. In den fast 300 Geschäften gibt es viel zu sehen und nachdem wir endlich was gegessen hatten, starteten wir eine Erkundungstour. Dieses Mal zogen uns die Greifautomaten in ihren Bann, denn in den Geschäften war die Hölle los. Speziell in der „Taito Station“ konnten wir uns davon überzeugen, wie oft die Japaner an den Geräten gewinnen. Obwohl es so einfach aussieht, versuchten wir unser Glück mehrmals vergeglich und gingen mit leeren Taschen aus dem Laden raus. Man sollte sich vorher unbedingt überlegen, wieviel Geld man einsetzen will, denn der Suchtfaktor setzt verdammt schnell ein.
Als wir die volle Einkaufsstraße dann wieder Richtung Hotel verließen, merkten wir, dass es eine ganze Weile geregnet hat. Die überdachte Straße war also der perfekte Verweilort. Durch einen vollen Park, indem wir erstmals in Japan Dreck auf dem Boden wahrnahmen, ging es dann an Straßen vorbei, wo ein paar Prollos ihre Autos vorzeigen mussten… Im Vergleich zum bisherigen Japan eine ganz neue Erfahrung für uns.
Im Hotel angekommen, planten wir dann noch einmal den morgigen Tag und schauten uns Video-Tipps für die Greifautomaten an :-D. Deutlich früher als gestern ging es dann heute ins Bett.