Auch in diesem Hotel war es angenehm ruhig und wir konnten sehr gut schlafen. Da wir für heute einen Ausflug auf die kleine Insel Miyajima geplant hatten, klingelte der Wecker nicht all zu spät.
Während unseres Keks-Frühstücks schauten wir noch einmal, wie wir nun am sinnigsten zum Bahnhof kommen. Zwar würde die grüne Touristen-Linie recht nah am Hotel losfahren, allerdings erst um 09:37 Uhr. Da wir ja inzwischen wissen, dass Sehenswürdigkeiten in Japan nicht sehr lange geöffnet haben, wählten wir stattdessen lieber den „normalen“ Linienbus und zahlten die Strecke.
Am Hauptbahnhof angekommen, suchten wir nach dem richtigen Gleis für den im RailPass inbegriffenen Regionalzug. Zum Glück mussten wir nicht lange warten und stiegen in den schon sehr vollen Zug ein. Im Internet hatten wir gelesen, dass man -wenn möglich- nicht am Wochenende nach Miyajima fahren sollte, denn die Einheimischen würden den Ort auch gerne besuchen. Mist, scheinbar scheint der Bericht recht zu behalten. An einem anderen Tag können wir aber nun einmal nicht… Die ca. 35 minütige Fahrt mussten wir komplett stehen und je näher wir kamen, desto voller und enger wurde es. Nervig!

Wir waren ganz schön froh, als wir endlich aussteigen durften. Nun ging es in einer langen Karawane vom Bahnhof zum Fähranleger. In der Hauptsaison fahren bis zu 6 Schiffe zeitgleich, sodass es keine nennenswerte Wartezeit gibt. Da wir den Japan RailPass besitzen, brauchen wir die Fahrt noch nicht einmal bezahlen und konnten nach Vorzeigen direkt auf’s nächste Schiff laufen. Hierbei ist aber zu beachten, dass es zwei Anbieter für die Überfahrt gibt. Einmal Japan Rail, deren Schiffe man mit dem Railpass benutzen kann und Matsudai deren Schiffe separat zu bezahlen sind. Durch das schöne Wetter und den freien Sonntag war es so voll, dass viele sogar in dem Teil, der eigentlich für Autos vorgesehen ist, stehen blieben. Zum Glück dauert die Fahrt nur um die 5 Minuten sodass es kein Problem war.
Schon beim Ansteuern konnten wir das berühmte rote Torii im Wasser vor Miyajima stehen sehen und freuten uns, als wir endlich vom Schiff hinunter durften.

Nach der langen Steherei entschieden wir uns erst einmal ein kleines Eis-Päuschen einzulegen. Im Supermarkt wurden wir fündig und suchten uns eine Bank im Schatten. Eigentlich sehr ruhig… bis uns eines der freilaufenden Rehe entdeckte. Genau wie in Nara sind die Tiere hier heilig und werden nicht verscheucht. Allerdings kann man hier kein Futter kaufen und soll sie auch nicht füttern… Wollen wir ja auch nicht, das Eis ist ja für uns… Aber das Reh fand es so interessant, dass wir fluchtartig von der Bank aufstanden. Das Reh übernahm unseren Platz und lockte viele Touris an. Erst als wir aufgegessen hatten kümmerten wir uns darum, den Rucksack und die Kamera aus den Klauen des Rehs zu befreien :-D.

Nun konnten wir den Weg zum roten Torii fortsetzen. Mit vielen Touris ging es an einigen Geschäften vorbei, ehe wir runter zum Strand abbiegen konnten.
Der Sand war ganz schön nass, immer wieder sammelten sich Pfützen und Rinnsale und einige Steine lagen umher. So mussten wir mit unseren Turnschuhen ganz schön aufpassen, wo wir hintreten. Ganz nah ans Torii kamen wir nicht, denn dieses steht wirklich im Wasser. An einigen Tagen ist aber möglich bei Ebbe komplett bis an das Torii zu kommen.

Das Torii gehört übrigens zum Itsukushima Schrein, der ebenfalls auf Stelzen quasi über dem Wasser schwebt. Das liegt daran, dass Miyajima einst eine so heilige Insel war, dass es verboten war, Gebäude auf ihr zu bauen. Inzwischen wurde das geändert, aber der Schrein mit seinem Torii sind einfach so besonders, dass jährlich sehr viele Besucher angezogen werden.
Vom Strand wählten wir dann aber den sicheren Landweg zurück und machten dann einen kleinen Umweg zum Schrein, damit wir diesen trockenen Fußes betreten konnten. Im Schrein selber wurde leider viel gebaut und so waren einige Bereich leider eingerüstet. Trotzdem konnte man hier noch sehr viel sehen.

Als nächstes wollten wir eigentlich noch mit einer Seilbahn auf den Berg und dort oben eine Wanderung machen. Da es aber heute mit Sonnenschein wieder sehr heiß war, entschieden wir uns dagegen und warteten stattdessen auf den Sonnenuntergang.
Um uns die Zeit zu vertreiben erkundeten wir deshalb ein bisschen den Ort Miyajima selber. Direkt außerhalb des Schreins steuert man fast direkt auf den Tempel Daiganji zu. Wir entschieden uns diesen zumindest von außen zu besichtigen. So langsam haben wir genug Tempel gesehen. Von dort aus schlenderten wir dann entlang kleiner Gassen Richtung Seilbahn und machten eine kleine Abstecher Richtung Momijidani Park. Hier war es im Vergleich zum Rest des Örtchens ziemlich ruhig und durch die Bäume und den kleine Fluss auch sehr angenehm.

Zu guter Letzt statten wir noch dem Komyoin Tempel mit seiner schönen Pagode einen Besuch ab. Da dieser Tempel etwas oberhalb gelegen ist, hatten wir hier einen gewissen Überblick über das kleine Dörfchen.

Nachdem wir uns mit allem sehr viel Zeit gelassen haben und so die müden Füße mal etwas geschont hatten, rückte der Sonnenuntergang näher. Das Warten hat sich definitiv gelohnt. Das Farbspiel ist einfach wunderschön anzusehen und auch die Bilder sind ziemlich gut geworden. Im Vergleich zum Mittag war es jetzt auch deutlich ruhiger und trotz der vielen anderen Menschen war es immer noch möglich direkt in der ersten Reihe einen Platz am Wasser zu bekommen.

Anschließend sollte es für uns zurück auf’s Festland gehen. Die Geschäfte hatten schon alle geschlossen und es war deutlich ruhiger. Was wir allerdings nicht bedacht hatten war, dass die Schiffe nicht mehr ganz so häufig fahren und natürlich hatten wir eins gerade knapp verpasst.

So mussten wir noch einmal eine halbe Stunde warten, ehe es hinüber ging. Dann noch fix den Weg zurück zum Bahnhof und rein in den Regionalzug. Immerhin mussten wir hier nicht ganz so lange warten und der Zug war angenehm leer und bat uns sogar Sitzplätze.
Als wir dann endlich zurück in Hiroshima waren, ging es flugs zum Essen. Hierzu bot sich erneut die Einkaufsstraße Hondori an.
Eigentlich wollten wir heute noch mal unser Glück an den Greifautomaten versuchen, aber nach dem langen Tag waren wir ganz schön k.o. und wählten den direkten Weg zum Hotel. Puh, war hier am Park vielleicht viel los. Überall strömten die Menschen in kleine Restaurants und Karaoke-Bars.
Endlich im Hotel angekommen ging es gleich unter die Dusche. Das tat gut! Anschließend mussten dann noch die Koffer gepackt werden, denn morgen soll es um 08:00 Uhr schon vom Bahnhof mit dem Shinkansen weiter gehen… Das wird hart.