Unsere letzte Nacht in Japan war leider auch etwas kürzer als geplant, aber immerhin hatten wir das finanzielle Problem gestern Abend noch gelöst bekommen. Ich könnte mir so in den Hintern beißen, dass ich genau einmal zu viel an dem doofen Automaten gespielt habe… Immerhin war es so prägend, dass ich in Zukunft wieder brav die Finger von solchen Glücksspielen lasse.
Nachdem wir die leckeren Kekse gefrühstückt und die letzten Sachen im Koffer verstaut hatten, ging es ein letztes Mal zur U-Bahn. Mit den schweren Koffern war es mal wieder richtig blöd, die vielen Stufen hinabzusteigen… Manches werde ich einfach nicht vermissen.
Wir kauften die Tickets und fuhren zunächst zur Namba Station. Diese war deutlich größer und wir mussten einige Hundert Meter laufen, ehe wir das richtige Gleis fanden. Der Zug stand schon da und war leider verdammt voll. Offenbar wird er von vielen Schulkindern genutzt. Wir quetschten uns hinein und versuchten uns mit den immer rollenden Koffern zu arrangieren…. Auch wenn 4 Rollen zum Ziehen / Schieben deutlich entspannter sind, so haben sie in U-Bahnen und Zügen einen klaren Nachteil…
Mit jedem Halt hofften wir, dass die Schulkinder endlich aussteigen würden, aber stattdessen wurde es immer voller und voller. Hä? Hatte André nicht gelesen, dass die Schulwege recht kurz gehalten sind? Egal, meckern hilft nicht, denn wir müssen zum Flughafen…
Irgendwann kam dann aber doch der Moment, dass viele der Kinder ausstiegen und wir bekamen tatsächlich mehr Platz und freie Sitzplätze. Juhuu :-).
Kurz danach waren wir dann aber auch am Flughafen und mussten wieder aussteigen. Immerhin fanden wir die Schalter von „Asiana Airlines“ recht fix und konnten unsere Koffer ohne langes Anstehen abgeben. Da es dieses Mal geklappt hatte vorab online einzuchecken, hatten wir auch unsere Plätze am Fenster und nebeneinander gesichert.
Wir leerten noch artig unsere Trinkvorräte, machten einen Abstecher zur Toilette und stellten uns artig an der Sicherheitskontrolle an. Ups! Das ging mal fix! So schnell und entspannt haben wir das auch nur während Corona nach Südafrika erlebt… Warum klappt das in Deutschland eigentlich nicht? Auch hier haben die Menschen einiges an Handgepäck dabei und trotzdem geht’s ratzfatz. Vor allem haben wir mal beide nicht gepiept und mussten auch nichts zusätzlich vorzeigen…
Mit so einer schnellen Abwicklung hatten wir nicht gerechnet und waren damit so mit als erstes am Gate, denn unterwegs zum Gate hatten wir auch nicht mehr so viel gesehen.
Immerhin gab es nun genug freie Plätze und es war herrlich ruhig. Da der Flug allerdings knapp 2 Stunden dauert, hätte ich schon gerne noch was zu trinken.
André machte mal einen kleinen Spaziergang und ich nutzte die Ruhe, um an unserem Blog weiter zu arbeiten. Obwohl ich gut beschäftigt war, merkte ich, dass André ganz schön lange unterwegs ist. Kein Wunder, denn hier gibt es sogar im Sicherheitsbereich noch einen 7/11 bzw. FamilyMart und die Preise sind genauso wie außerhalb… Auch das ist scheinbar ein deutsches Phänomen: Preise deutlich anzuheben, einfach weil man es kann…
Nachdem André dann irgendwann mit einer kleinen Ladung Getränke und KitKat zurück kam und noch immer genug Zeit war, überlegte er sich, dass wir ja mit kleinen Süßigkeiten die Karten und das restliche Bargeld fast auf 0 setzen könnten… Also ging er erneut und wieder dauerte es ewig… Immerhin haben wir jetzt nur noch 6 bzw. 9 Yen auf den Suica Karten und auch das Bargeld ist nahezu weg.
Jetzt beginnt auch das Boarding und alles strömt direkt zum Ausgang. Auch das ging wieder extrem fix und schon waren wir fast die letzten, die sich auf den Weg machten. Selbst im Flugzeug dauerte es nicht lange, bis wir unsere Plätze ziemlich weit hinten erreichten. Allerdings fliegen viele nur mit Handgepäck, sodass die Fächer gut gefüllt waren und wir uns bemühen mussten, überhaupt noch Platz für unsere Rucksäcke zu finden.
Die Sitze waren merkwürdig gerade und fühlten sich deutlich unbequemer an, als wir es sonst gewohnt sind. Naja, zum Glück ist der Flug ja nicht so lang… Service gab es trotz der kurzen Flugzeit dann doch kostenfrei. Ok, dass Mittagessen mit Reis und Fleisch war nicht so richtig unser Geschmack aber über die Getränke freuten wir uns sehr.
Der Landeanflug begann und wir konnten die ersten Blicke auf Seoul werfen. Uff, hier ist es ja noch diesiger als in Japan. Dafür gibt es hier wieder viel mehr Berge und teilweise flogen wir ganz schön tief an ihnen vorbei.
Endlich landeten wir und die Spannung zur Einreisekontrolle wuchs. Im Gegensatz zu Tokyo gab es hier elektrische Automaten sodass es verdammt schnell ging. Mit den Automaten stehe ich ja immer ein wenig auf Kriegsfuß aber schon im 2. Anlauf klappte es :-). Es war übrigens sehr überraschend, dass so ein Automat plötzlich wieder Deutsch mit einem spricht.
Am Kofferband angekommen rollte es gerade an und so warteten wir erst noch auf unsere Gepäckstücke, ehe wir die Toiletten aufsuchten. Und mit dem Besuch dieser wurde einmal mehr deutlich, wie sehr man sich über die Kleinigkeiten im Leben freuen kann, denn es gibt endlich wieder 3 lagiges, weißes Toilettenpapier und das sogar in öffentlichen WC’s. Was bin ich froh, dass die erwärmten Klobrillen, das ultradünne Toilettenpapier und die Hinternduschen passé sind :-D.
Da der Flughafen Gimpo inzwischen nur noch überwiegend für Inlandsverbindungen genutzt wird, ist hier, obwohl er näher an der Stadt ist, ziemlich wenig los. Wir studieren die Anbieterstände, da wir noch eine günstige Internet-Sim Karte suchen und werden zig mal von Taxifahrern angesprochen. Nervig und ungewohnt, denn in Japan ist das nie passiert. Zum Glück finden wir schnell einen Anbieter und entscheiden uns für einen günstigen WLan Router von Dosirak. So haben wir für die 3 Tage jeweils 3 Gigabyte am Tag für 10.200 Won (ca. 8 Euro) und können beide Smartphones verbinden.
Wir setzen uns draußen in den Schatten und aktivieren ihn zunächst. Anschließend sucht André noch einen Geldautomaten, der allerdings so voll war, dass wir lieber direkt durch eine Einkaufsstraße zur U-Bahn Station gingen. Auch hier gab es noch einen Geldautomaten, an dem wir ohne Anstehen Geld abheben konnten und direkt nebenan kauften wir dann unsere Fahrkarten. Hierbei muss man den Namen der Zielstation eingeben. Anders als in Japan bekommt man hier auch bei Einmalfahrten Kunststoffkarten für die man einen zusätzlichen Pfand bezahlen muss. Hinter jedem Ausgang findet man dann einen Automaten in den man die Karten einstecken kann und dann seinen Pfand wieder zurück erhält. Tagestickets haben wir leider keine gefunden.
Mit dem Ticket konnten wir uns dann, wie in Japan auch, an der Schranke zu den Gleisen einstempeln und nach kurzer Wartezeit kam unsere U-Bahn. Zum Glück konnten wir heute ohne umsteigen durchfahren. Während wir nun ein paar Stationen in der Bahn fuhren, merkten wir gleich, dass die Koreaner etwas anders ticken… hier wird mehr gesprochen und die Bahn ist dadurch lauter. Auch die Schriftzeichen sehen ganz anders aus. Aber das ist egal, denn auch nach 2,5 Wochen in Japan konnten wir keinen Schriftzug einem bestimmten Wort eindeutig zu ordnen :-D.
In der Nähe vom Hotel stiegen wir dann aus der U-Bahn aus. Wie immer, natürlich am falschen Ausgang, sodass wir unsere Koffer mal wieder ein paar steile Stufen hochwuchten mussten. Da die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit genauso sind, wie in Japan, reichte dass, um erneut komplett nassgeschwitzt zu sein.
Die Straßen zum Hotel waren gut gefüllt, einige Leute waren mit Koffern unterwegs, es fuhren viele Autos und es war deutlich lauter. Als wir dann in eine kleinere Straße abbiegen mussten, wurde mir ganz anders. Hier gab es zig Restaurants, von denen viele sehr unangenehme Gerüche ausgingen. Immer wieder gab es in den Schaufenstern Aquarien mit Fischen und Krebsen, sodass man sich sein Essen selbst aussuchen konnte. Bäh! Irgendwie wirkte alles ziemlich heruntergekommen und dreckig…ganz anders als Japan.
Als André dann noch stehen blieb, war ich etwas irritiert. Ich hatte, wie zuletzt, mit einem „normalen“ Hotel gerechnet. Stattdessen hatten wir hier aber ein Guesthouse gebucht, welches mitten zwischen den vielen Restaurants lag und nur durch eine schmale Eingangstür betreten werden konnte. Hinter dieser verbargen sich dann auch gleich zahlreiche steile Stufen. Die „Lobby“ war erst eine Etage höher, aber zum Glück hat uns der Betreiber bemerkt und kam uns gleich entgegen und nahm mir den schweren Koffer ab. Im Lobbybereich wurde dann erstmal der Ventilator auf uns gerichtet, während wir die Formalitäten klärten. Hier mussten wir nämlich vor Ort mit der Kreditkarte zahlen. Anschließend wurden unsere Koffer noch eine Etage höher geschleppt, denn dort befand sich unser Zimmer.
Vor dem Zimmer mussten wir dann aber erst die Schuhe ausziehen und Schlappen anziehen, um das Laminat zu schützen. Über eine hohe Stufe ging es dann hinein. Das Zimmer wirkte sauber, aber durch eine sehr dunkelgraue Wandfarbe ziemlich dunkel und ungemütlich. Wenigstens hatten wir Platz und auch das Bad war sehr geräumig. Nach den letzten Hotels aber doch irgendwie wieder ein kleiner Schock und insgeheim freute ich mich sehr darauf, nach den 2 Nächten hier, endlich wieder nach Hause zu fliegen!
Nachdem wir uns ein wenig eingerichtet hatten, ging es auch gleich auf Erkundungstour. Aus dem Hotel rauskommend, in die andere Richtung gehend, sitzen leider sehr sehr viele Obdachlose vor einem kleinen Park. Sie lassen uns zwar in Ruhe, aber man fühlt sich schon sehr angestarrt und auch hier sind die Gerüche nicht viel besser. Au man! Als wir dann wieder auf eine größere Straße kommen, wird es sauberer und belebter und wir erleben gleich die Street Food Kultur. Abends werden hier viele kleine Stände eröffnet, Tische und Stühle hingestellt und von überall kommen die Leute, um lokale Spezialitäten in geselliger Runde zu verspeisen. Allerdings liegen die Obdachlosen teils keine 5 Meter, von einem Tisch an dem die Leute sitzen und ihr Fleisch selbst grillen, entfernt. Damit hatte ich nach den 2,5 Wochen irgendwie so gar nicht gerechnet und war dementsprechend ganz schön geschockt.
Nach Essen war mir bei all den Gerüchen von gerade erst einmal so gar nicht und da wir eh nicht viel Zeit in Seoul haben, steuerten wir gleich die erste Sehenswürdigkeit, den „Changdeokgung Palast“, an. Vom Hotel war es knapp ein Kilometer, sodass wir den Weg zu Fuß bestritten. Hier wurde es dann auch gleich viel ruhiger und sauberer und es gab jede Menge Schmuck- und Kunstgeschäfte.

Als wir dann am Palast ankamen, wurden wir mal wieder auf die baldige Schließung hingewiesen. Zum Glück durften wir aber noch rein und es war einfach schön, denn es waren kaum noch andere Touristen vor Ort. Endlich Ruhe! Mit einem englischen Flyer suchten wir unseren Weg quer durch die Anlage, denn es gibt zig verschiedene Gebäude. Die Anlage wurde um 1412 nach der Harmonielehre Feng Shui als 2. von 5 Königspalästen erbaut. Daher stehen die Gebäude ein wenig kreuz und quer, weil sie so perfekt in die Landschaft integriert werden konnten. Für uns war vor allem verrückt, wofür die verschiedenen Gebäude errichtet wurden… Die Thronhalle ist noch selbstverständlich, aber dass es 3 Wohnhäuser (eins für den König, eins für die Königin und eins für den Kronprinzen) gibt, ist schon etwas hochgestochen. Natürlich gibt es auch hier wieder Schreine, wobei die Hauptattraktion wohl auf dem geheimen Garten nebenan liegt. Dieser kostet noch einmal extra, was sich für uns leider erledigt hatte, da er mal wieder geschlossen war… Naja, wir haben in den letzten Wochen viele Gärten gesehen und wollen uns morgen ja noch den anderen Palast ansehen. So anders werden die Gärten wohl auch nicht aussehen ;-).

Uns ist nur aufgefallen, dass auch hier in den Gebäuden wieder Einrichtungsgegenstände fehlen, sodass es schwer ist, sich das Leben in dieser Kultur von früher vorzustellen…

Pünktlich zum Feierabend der Wärter verließen wir den Palast durch das eindrucksvolle Tor.
Da die meisten Sehenswürdigkeiten nun schließen, besuchten wir noch ein paar Geocaches und ließen uns dann durch die Street Food Markt Straßen mit Bars und lauter Musik leiten. Nach einem kleinen Snack ging es dann zurück zum Hotel. So können wir genug Kraft für einen vollen Tag Morgen sammeln.