Die Nacht im Hotel war überraschend leise und angenehm, sodass wir heute wieder recht munter in den Tag starten konnten. Natürlich gab es erst das obligatorische Keksfrühstück, ehe wir uns vor die Tür in die Hitze trauten.
Heute, an unserem letzten Tag, meinte es die Sonne noch einmal richtig gut mit uns, und so war es schon am frühen Morgen extrem heiß.
Als ersten Programmpunkt hatten wir uns den Gyeongbokgung Palast ausgesucht. Dieser wurde als erster während der Joseon-Dynastie (1395) errichtet und ist zeitgleich auch der Größte. Der Eintritt pro Person beläuft sich auf 3000 Won (etwas über 2 Euro). Hier wollten wir vor allem um 10:00 Uhr die Parade zum Wachwechsel sehen.
Da wir zeitig dran waren, entschieden wir uns wieder für den Fußweg dorthin. Puh, schon die kleinsten Berge waren heute einfach anstrengend und wir kauften unterwegs erst noch fix ein paar Getränke nach. Leider gibt es hier das leckere Mineralwasser mit Zitronengeschmack nicht mehr, sodass wir auf Cola Zero und Sprite umsteigen mussten, ehe wir später ein halbwegs gescheites Mineralwasser entdeckten. Bei dem Wetter das einzige, was den Durst wirklich löscht…
Als wir dann um kurz nach halb 10 die Eintrittskarten in den Händen hielten (zum Glück einfach am Automaten zu kaufen), hörten wir schon lautes Trommeln. Wir folgten unserem Gehör und entdeckten eine erste Parade. Genauergenommen ist es ein Militär-Training der Torwächter. Für uns und viele andere auf Jedenfall sehr spannend. Ca. 50 Personen waren in traditionellen knallbunten Gewändern. Einige von ihnen spielten ein Musikinstrument, andere trugen große Fahnen und der Rest Speere, Schwerter und Schutzvisiere. In bestimmten Abfolgen bewegten sie sich dann. Mit der typisch asiatischen Musik einfach toll. Bloß die knallende Hitze und der fehlende Schatten machten es nicht wirklich leicht zuzusehen.

Als das Prozedere dann zu Ende war, schauten wir mal durch den Eingang auf den großen Hauptplatz und entdeckten sogar kostenfreie Flyer auf Englisch.
Im Innenhof wurde schon alles für die Haupt-Parade vorbereitet und viele geführte Touristengruppen suchten sich schon gute Plätze. Dabei bemerkten wir, dass einige Touristen ebenfalls in der traditionellen Kleidung herumliefen, die man sich überall in der Nähe leihen kann. Einige Gruppen waren sogar Transitreisende, die kostenfrei vom Flughafen hier hergebracht worden sind, um sich die Wartezeit zum nächsten Flug mit kultureller Weiterbildung zu versüßen. Echt cool!

Nun nahmen auch wir Plätze ein, wo nicht ganz so viele Menschen mit Sonnenschirmen die Sicht blockierten… Vielleicht hätten wir unsere Schirme auch mal dafür nutzen sollen… Naja, stattdessen garen wir weiter in der prallen Hitze. Genug gemeckert, denn schon ging die Parade los.

Per Lautsprecher wurden (leider nur auf koreanisch und sehr undeutlichem Englisch) einige Erklärungen abgegeben während die aktuelle Wachmannschaft feierlich von der nächsten abgelöst wurde. Dieses Mal erkannten wir sogar, dass die Musikinstrumente teilweise aus Muscheln bestanden. Sehr geil!
Bis die ganze Parade dann zu Ende war, dauerte es ein ganzes Weilchen und danach schauten wir, dass wir erst einmal eine Pause im Schatten einlegten.

Anschließend besichtigten wir den Palast. Auch hier gibt es auf einem sehr weitläufigen Areal mehr als 10 Gebäude. Nachdem wir alle größeren Hallen besichtigt hatten (wieder einmal nur von außen möglich), schlenderten wir noch bis fast ans nördliche Ende. Hier gibt es nämlich noch einen schönen Pavillon an einem kleinen See. Hier erwischten wir dann leider eine asiatische Kleingruppe, deren Guide unbedingt per Mikrophon sprechen musste und damit gefühlt das ganze Areal beschallte… Wir versuchten dies auszublenden, denn eigentlich herrscht hier eine unglaublich ruhige Atmosphäre und auch optisch ist es einfach wunderschön.

Beim Blick auf die Uhr merkten wir, dass wir schon viel länger hier waren, als wir eigentlich wollten und so gingen wir ein wenig zügiger zurück. Dieses Mal aber zur nahen U-Bahn Station, denn wir wollten für einen weiteren Master of Mystery Geocache noch auf die andere Seite des Flusses.
Dieses Mal war es deutlich schwerer das Ticket am Automaten zu ziehen. Zunächst war es zwar kein Problem, die Zielstation auszuwählen, aber dann fragte der Automat immer drei Optionen mit Transit ab. Zur Auswahl hatten wir gerade einmal 20 Sekunden Zeit und schon wurde der Buchungsvorgang abgebrochen. Es dauerte einige Versuche, ehe wir bei allen Optionen „no“ auswählten und endlich die Karten bekamen. Puh!
Jetzt mussten wir nur noch die richtige Linie und die richtige Richtung finden. Zum Glück sind die U-Bahn Stationen hier auch wieder nummeriert, sodass wir recht fix den Durchblick hatten. Die 15 minütige Fahrt in der klimatisierten Bahn tat einfach gut.
Als wir dann an der Zielstation ausstiegen, standen wir mitten im Büroviertel von Seoul und es liefen wieder jede Menge Anzugträger über die Straßen. Im Gegensatz zu Japan haben sie hier aber verschiedenfarbige Hemden an, sodass es etwas aufgelockerter wirkte.
Natürlich ging es zum Cache dann wieder einige hundert Meter außen um einen Park herum. Na klar, die bergigen Anstiege durften auch nicht ausbleiben und wir überlegten mehrmals, ob wir uns nicht doch einen E-Scooter mieten sollten. Hier gibt es die nämlich im Gegensatz zu Japan wieder an jeder Ecke zum Ausleihen. Wir entschieden uns aber dagegen und konnten irgendwann mitten durch den Urwald zum Cache emporsteigen. Dieses Mal wurden wir dann auch zum Glück rasch fündig und wählten den gleichen Weg zurück.
Wenn man nach Sehenswürdigkeiten für Seoul auf Google sucht, findet man immer wieder den Namdaemun-Markt. Dieser liegt ziemlich zentral, sodass wir ihn mit der U-Bahn gut erreichen konnten. Hier gab es zig Straßen, mal größer mal kleiner, teils sogar so schmal, dass man gerade so hindurchpasst. Links und rechts reihten sich die Geschäfte aneinander. Vor allem Textilien gibt es an jeder Ecke, aber genauso Souvenirs, Koffer, Haushaltsartikel und Spielzeug. Immer wieder quatschten uns die Verkäufer an und versuchten uns zu ihrem Laden zu locken. So richtig überzeugen konnte uns nichts und so steuerten wir fix das Sungnyemun-Stadttor an. Dieses war einst eine Durchgangsmöglichkeit durch die Stadtmauer, die vor allem wegen der freilaufenden Tiger gebaut wurde. Irgendwie unvorstellbar…

Als nächstes hatten wir uns noch den N-Seoul-Tower auserkoren. Ob es sich bei dem Wetter auf den Turm hoch lohnt, wussten wir noch nicht so recht, aber zumindest auf den Berg Namsan wollten wir mit der Gondel auf jeden Fall. Da dieser vom Markt nicht allzu weit entfernt ist, liefen wir das Stück. Zum Glück gibt es für den steilsten Anstieg schon einen kostenfreien Schrägaufzug.

Nachdem wir mit diesem hinauf gefahren sind, standen wir kurzerhand an der Talstation der Gondel. Das Hin- und Rückfahrticket kostet pro Person 14.000 Won (ca. 10 €). Uns war es das absolut wert, denn bei dem Wetter noch Berge hochkraxeln muss nun wirklich nicht sein.
Zum Glück mussten wir nicht lange warten und schon ging es mit einer gut gefüllten Gondel den Berg hinauf. Die Bergstation liegt allerdings noch nicht so richtig oben und so mussten wir noch einige Stufen hinauf, ehe wir die Plattform mit dem Turm erreichten.

Nach so viel Anstrengung gönnten wir uns neben der schönen Aussicht erst einmal ein Päuschen im Schatten. Touristen zu beobachten ist auch immer wieder lustig. Sogar einen Google Streetview-Mann konnten wir bei seiner Arbeit beobachten. Mit der Kamera auf dem Rücken ging er fleißig jedes Fleckchen hier oben ab. Ob wir uns irgendwann bei Street View wiederfinden werden?

Während der Pause recherchierte André nach den Preisen für die Turnmfahrt und entdeckte im Internet noch einen Rabatt. So zahlten wir knapp 7 Euro pro Person. Bei dem Preis war uns auch die diesige Sicht egal.
Wie fast überall zeigen sie während der Auffahrt ein Video, wie es wäre, wenn man aus dem Aufzug hinausschauen könnte und schwupps waren wir schon oben.
Von hier hat man einmal rundherum einen tollen Ausblick auf Seoul und das Umland. Natürlich gibt es auch einen Souvenirshop und eine große Süßigkeitenstation mit verschiedensten Weingummis. Zum Glück konnten wir widerstehen und nach zig Fotos machten wir uns wieder auf den Weg hinab.

Noch einmal gönnten wir uns eine kleine Pause im Schatten und genossen den leichten Wind, der hier oben weht, ehe es wieder hinab zur Gondel und mit dieser vom Berg hinunter ging.
Zuletzt nutzten wir noch den Schrägaufzug und waren wieder ziemlich zentral im Zentrum.
Da die Füße allmählich müde sind, wählten wir lieber die U-Bahn und fuhren zurück in die Hotelgegend.
Als wir vor dem Hotel standen wurden wir dieses Mal von einem Obdachlosen ziemlich unangenehm angesprochen und als er nicht von unserer Seite weichen wollte, kam ein weiterer Mann dazu, der ihm zunächst etwas sagte und dann direkt auf ihn einschlug. Wir konnten gar nicht so schnell begreifen, was gerade passiert, als er schon ein zweites Mal ausholte und voll in den Nacken traf. Ein dritter kam dazu und versuchte beide Auseinander zu bringen. Der Obdachlose wich uns weiterhin nicht von der Seite und wir flüchteten schnell ins Hotel. Selbst hier her folgte er uns noch, bis ein deutliches „Go Away“ ihn endlich zum Umkehren brachte… Jetzt weiß ich auch, warum die Hoteltür ab 18:00 Uhr immer verschlossen ist.
Wir duschten erst einmal ausgiebig und machten eine kleine Pause. Danach wollten wir uns dann auf den Weg zum Essen machten und hofften einfach, dass wir den Obdachlosen nicht noch einmal treffen. Zum Glück war die Luft rein und sobald wir aus der kleinen Straße am Hotel raus sind, ist die Welt in Ordnung… Wenn man von den Obdachlosen absieht, die direkt neben den Street Food Ständen oder in den Eingängen zur U-Bahn schlafen…
Nach einem leckeren Essen flanierten wir noch einmal durch die belebte Gegend, schauten uns geschlossene Schaufenster und verschiedenste Gerichte an den vielen Ständen an und machten uns dann auf den Weg zurück zum Hotel.
Auch wenn wir morgen früh noch recht viel Zeit haben, wollten wir schon einmal in Ruhe die Koffer packen und die gewonnenen Eindrücke verarbeiten.