Obwohl es in der Nacht draußen ziemlich kalt war und doch einige Autos über die Passstraße fuhren, haben wir extrem gut geschlafen. Unser Plan, die Heizung höher zu stellen damit sie gar nicht erst ausgeht, ging auch auf. Allerdings war es dadurch eigentlich ein bisschen warm. Zumindest dann, wenn man nirgends den kalten Zug merkte…

Nachdem wir uns im Bad fertig gemacht hatten, öffneten wir vorsichtig die Verdunklungsrollos und waren einfach sprachlos! Die Sonne lachte langsam über die Berge hinweg und wir hatten eine atemberaubend schöne Aussicht auf das Tal. Unglaublich! Da mussten wir sogar noch vor dem Frühstück rausgehen, und ein paar wirklich schöne Fotos machen. Aber auch das Frühstück schmeckte mit diesem Ausblick noch gleich viel besser ;-). Während des Frühstücks schauten wir uns noch einmal die grobe Tagesplanung an… Weiter durch die Schweiz mit mindestens 2 Pausen für verschiedene Kantone und 1 Pause in Italien für dortige Bundesländer. Bei einer Fahrtstrecke von etwas mehr als 2 Stunden gesamt bis Mailand also nicht allzu viel. Demnach nutzten wir die Chance und fuhren die wenigen Kilometer hinauf, um am höchsten Punkt des Gotthard Passes zu stehen. Auf dem Weg dorthin hielten wir aber noch am Fotopunkt der Grand Tour de Switzerland… Vielleicht werden wir die auch irgendwann mal fahren… Jedenfalls waren auch hier die Ausblicke auf die vielen Kurven der Straße unglaublich. Da allerdings ein eisiger Wind wehte, konnte uns die Sonne keine nennenswerte Wärme bringen und wir verkrümelten uns recht bald wieder in Juckel. Nun ging es bis zur Passhöhe weiter. Oben angekommen stellten wir schnell fest, dass auch hier einige Wohnmobile genächtigt hatten. Einige waren gerade mit dem Morgenkaffee vor der Tür. Ansonsten war es hier aber absolut ruhig. Einzelne Touristen-Essensstände zeugten davon, dass es hier zu anderen Zeiten auch ganz anders aussehen kann, aber kurz vor dem Winter scheint sich das Geschäft nicht mehr wirklich zu lohnen. Kein Wunder, die Schneefallgrenze ist auch nicht mehr weit entfernt. Gibt uns aber klasse Hintergründe, beim Fotografieren des Reiterstandbildes. Auf 2091 m stehen hier auch noch ein paar alte Häuser. Darunter ein Museum, ein Hotel und ein Hospiz… Alles schien aber schon lange winterfest gemacht worden zu sein. Zu kleineren älteren Gebäuden hätten wir über holpriges Kopfsteinpflaster gehen können. Wir entschieden uns lieber dafür, hier in einem wärmeren Sommermonat noch einmal herzukommen. Dann können wir sicherer sein, auf dem teils gefrorenem Boden nicht auszurutschen… By the way… durch Zufall bekamen wir von bekannten Youtubern mit, dass es eine Nacht später (also heute Abend) hier tatsächlich schon geschneit hat…

Wir fuhren mit einem lachenden und einem weinenden Auge nun die bekannte Strecke wieder hinab. Das Thermometer im Auto sprang mit jeder steilen Kurve ein Grad höher und als wir dann unten in Airolo ankamen, hatten wir schon 14 Grad. So kann es gerne bleiben.

Die Abstecher für die Geocaches in der Schweiz verliefen problemlos. Mit den letzten Kilometern vor der Grenze erreichten wir schon das Seengebiet Lago Maggiore, Luganersee und Lago di Coma, was bei diesem Wetter eigentlich direkt zum Verweilen einlud. Auch hier müssen wir dann bei einem späteren Besuch des Gotthard Passes auf jeden Fall noch mal hinkommen ;-). Wir kamen so ins Schwärmen, dass wir gar nicht merkten, wie schnell wir schon an der Grenze waren. Ein zurück gab es quasi nicht mehr. Aber warum auch? Wir stellten uns in dem kleinen Grenzstau an. Für die LKWs gab es zum Glück eine extra Schlange und die müssen scheinbar deutlich länger warten. Wir hatten nämlich Glück und es dauerte vielleicht 10-15 Minuten bis auch uns der freundliche Grenzbeamte durchwinkte. Perfekt, keine Kontrolle, die ewig gedauert hätte. Weil das jetzt aber alles so plötzlich kam, freuten wir uns umso mehr, dass wir relativ schnell nach der Grenze noch einen Abstecher für einen Geocache geplant hatten. Zumal die Sonne ordentlich durch die Scheibe knallte und die wenigen Minuten an der Grenze für eine dezente Hitze sorgten. Der Cache war schnell entdeckt und auch hier gab es noch mal ein paar herrliche Ausblicke. Genau richtig um zu sagen: Willkommen in Bella Italia ;-). Zur Belohnung stärkten wir uns mal wieder mit unnötigen Kalorien und versuchten Juckel zu lüften. Durch die weitere Sonneneinstrahlung aber eher ein erfolgsloses Unterfangen. Beschwert sich hier gerade etwa Jemand? NEIN! Wir wollten es warm, dann gehört das jawohl auch dazu ;-).
Nun dauerte es noch ca. 1 Stunde bis wir in Mailand ankommen. Hier hatten wir lange nach einer schlauen Parkmöglichkeit gesucht. Aus Sicherheitsgründen hatten wir uns dann lieber einen relativ teuren, nicht allzu abgelegenen Campingplatz ausgesucht. Bei Park4night waren nämlich nahezu bei allen Parkplätzen in den Bewertungen Infos über Autoeinbrüche zu finden. Videoüberwachte und abgesperrte Parkplätze mitten in der Stadt waren fast genauso teuer wie der gefundene Campingplatz. Dieser hatte glücklicherweise ganzjährig geöffnet. Einige potenzielle Plätze fielen nämlich auch deshalb schon aus dem Raster… Auf der Autobahn war die Fahrt noch entspannt und das System mit der Maut gut verständlich (nicht so wie in Frankreich ;-)). Erst auf den letzten Kilometern der Stadt wurde es anstrengender. Wildes Überholen und unüberlegtes Ausscheren forderten vollste Konzentration! Direkt vor dem Campingplatz ärgerte uns dann noch eine Baustelle. Als mit dieser dann endlich alle Hürden genommen waren, checkten wir ein… Die Preise waren uns aus dem Internet bekannt und wir verzichteten auf die Extrakosten für Strom… immerhin sind die Duschen scheinbar kostenlos. Wir werden es später testen.
Wir erhielten noch einen Plan des Areals und durften uns den Platz frei aussuchen… Das war gar nicht so leicht. Natürlich versuchten wir, möglichst weit abseits von allen zu parken. Da es hier scheinbar in der letzten Zeit etwas mehr Regen gab, war die Wiese an vielen Stellen total matschig und zeigte dicke Reifenspuren. Daher achteten wir auch darauf, eine möglichst trockene Stelle zu finden. So landeten wir etwas überraschend direkt am Sanitärgebäude. Mal gucken, wie laut es wird. Immerhin konnten wir so direkt auf unserem Platz neues Wasser einfüllen. Das Entsorgen verschieben wir auf Morgen früh, ehe wir fahren…
Während wir nun Wasser auffüllten und die Klappräder samt Zubehör aus der Garage holten, nutzten schon etliche Mücken die Gelegenheit zum Essen. Klar, hätten wir auch vorher drauf kommen können… Die vielen Bäume sorgten dafür, dass die Wiese hier länger feucht bleibt und sich die Mücken genau dort tummeln… Da half nur ganz schnell Antibrumm und alle Türen zu! Die Klappräder hatten wir übrigens mitgenommen, weil wir in diesem Urlaub eher weniger Fahrradfahren werden und wir uns für die nagelneuen E-Bikes noch nicht für den passenden Fahrradträger entschieden hatten. Gab es doch inzwischen einfach zu viele Möglichkeiten und damit sehr große Preisunterschiede. Und wer weiß, ob uns die Räder hier im Süden nicht auf Anhieb geklaut worden wären. Im Netz gibt es leider viele negative Erfahrungsberichte…
Während wir so vor uns hin rödelten, konnten wir sogar noch ein paar Mädels helfen, die ihren Wassertank nicht aufbekamen. Bei unserem letzten Leihfahrzeug hatten wir das Problem ja auch öfter. Danach schwangen wir uns auf die Räder und düsten in die Stadt…
Zugegeben, mitten durch Mailand auf Klapprädern zu fahren klingt auch schon etwas wahnsinnig, aber ganz so schlimm war es dann zum Glück nicht. Erst führte Google uns nämlich durch sehr kleine Straßen, später durch einen schönen Park und am Ende hatten alle größeren Straßen genau wie bei uns abgetrennte Fahrradstreifen. Überraschenderweise hielten die Italiener hier sogar wirklich Abstand. Hätte ich ja nicht erwartet….
Nun standen wir mitten in Mailand und haben natürlich als aller erstes den Master of Mystery Geocache besucht :-D. In diesem Fall ein absolut unspektakulärer Fund an einem Straßenschild. Dafür war er aber viel besser zu erreichen als viele anderer der Reihe… Von dort ging es dann gleich weiter zum Arco della Pace, dem Triumphbogen. Hier gab es dann neben einiger Touristen auch die Möglichkeit für eine Pause auf dem Piazza Sempione. 10 Kilometer auf dem Klapprad sind nicht zu unterschätzen ;-).

In unserem Rücken lauerte gleich die nächste Sehenswürdigkeit. Das Castello Sforzesco mit einer großen Gartenanlage. Allerdings mussten wir außenherum durch vollgestopfte laute Straßen fahren. Sobald es durch das Tor hindurch ging, waren Fahrräder verboten, aber scheinbar war es kein Problem, dass wir unsere kleinen Räder schoben. So ersparten wir es uns nämlich, die Gepäckträgertaschen abzumachen, was doch immer etwas friemelig war. Um es etwas einfacher zu halten, wechselten wir uns mit dem Bewachen ab und begutachteten jeder für sich die großen Fassaden. Im Inneren gibt es verschiedene Museen, die wir bei dem herrlichen Wetter gekonnt ignorierten.

Nachdem wir unseren Rundgang beendet hatten, schoben wir die Räder wieder vom Gelände und wollten die Tour zum Mailänder Dom fortsetzen. Erst jetzt realisierten wir, dass wir schon mitten im Kern von Mailand angekommen waren. Von überall strömten nämlich Menschenmassen und an ein wirkliches Fahrradfahren war keinesfalls zu denken. Wir versuchten es noch ein Stück, ließen uns dann nur noch langsam rollen und am Ende entschieden wir uns doch lieber zu Schieben. Immerhin konnten wir dabei den Flair der Geschäfte mitnehmen und wussten, hier werden wir gleich noch ein Eis essen :-D. In der Nähe des Doms suchten wir dann erstmal eine Gelegenheit, die Räder sicher anzuschließen. Danach bahnten wir uns einen Weg mitten durch die Menschenmassen zur Eingangstreppe. Um den Dom zu besichtigen, hätten wir schon lange im Voraus Tickets reservieren müssen. Dafür war unsere Planung schlichtweg zu lange ungewiss und ungenau… Vielleicht klappt es ja irgendwann mal. Auch von außen war es schon genial, alles zu sehen und einfach zu wissen, dass man wirklich hier ist. Es dauerte ein Weilchen bis wir das alles realisiert hatten und uns einigen Geocaches widmeten. Danach ging es dann in die benachbarte Luxus-Einkaufs-Galerie Vittorio Emanuele II. Der imposante Bau mit wahnsinnigen Fresken, Stuck und Marmor war schon überragend. Dazu die wahnsinnige Glaskuppel-Konstruktion und riesige Mosaike auf dem Boden komplettieren das Ganze. Allerdings war es uns hier einfach zu voll und zu laut. Auch die Markengeschäfte schreckten uns ein wenig ab und so suchten wir relativ zügig das Weite. Wer uns kennt weiß, Menschenmengen sind einfach nicht unsers… Wir suchten uns stattdessen näher am Dom einen Eisstand und zogen uns zum Essen und Genießen der Eindrücke etwas zurück.

Inzwischen ging es auf 17 Uhr zu und wir hatten noch einige Kilometer zurückzulegen. Auf dem Rückweg machten wir dann aber noch einen Schlenker an der Kirche Santa Maria delle Grazie vorbei. In dieser ist das Gemälde, das letzte Abendmahl, von Leonardo da Vinci zu bewundern. Wir hätten es uns gerne angesehen, aber auch hier waren die Tickets schon Monate im Voraus ausgebucht. Schade, dass man nicht kleine Kontingente für spontane Tagesbesucher lässt. Naja, die Menschenmengen vor der Kirche sprachen für sich und so zogen wir schnell von dannen.

Unmittelbar vor dem Campingplatz machten wir noch bei einem Lidl halt. Hier kauften wir noch ein paar Kleinigkeiten die wir vergessen hatten, frisches Gemüse und etwas Hackfleisch. Heute sollte es nämlich Chili con Carne geben.
Zurück am Platz hatte die Zubereitung des Abendessens erst einmal oberste Priorität. Klar, so ein Eis hält bei 20 Kilometern auf dem Klapprad nicht lange vor :-D. Erst als alles auf dem Herd war und wir warten mussten, nahm ich war, wie eng unsere neuen Nachbarn geparkt hatten. Ist das eigentlich so schwer, auf einem freien Platz ausreichend Abstand einzuhalten? Am besten sitzen sie auch gleich den ganzen Abend vor dem Mobil und quatschen bei 1-2 Bier… grr.
Endlich war das Essen fertig und aller Frust war mit jedem Bissen mehr verschwunden. Wie war das, „nimm dir nen Snickers“… ja, wenn ich Hunger habe ist meine Laune nicht mehr wirklich feierlich :-D.
Anschließend nutzten wir die Annehmlichkeiten eines Campingplatzes und spazierten mit unserer faltbaren Spülkiste gleich mal in die Spülküche. Natürlich zeitgleich mit einem deutschen Nachbarn der uns gleich mit einem „Glück Auf“ begrüßte. Natürlich war das eine Anspielung darauf, dass wir aus Dortmund kamen und er Schalke Fan ist… Ich mag den BVB wirklich, aber deshalb alle Dortmunder nahezu immer auf den Fußball zu reduzieren ist auch irgendwie nicht richtig. Während des Spülens durften wir dann der Lebensgeschichte lauschen… Zum Glück hatten wir nicht ganz so viel Geschirr und beeilten uns noch mehr als sonst ;-).
Danach wollte ich gleich mal mein Glück in der Dusche probieren. Etwas ungewohnt, an alles zu denken, was mit muss und in eine Tasche zu stecken. Die Badelatschen hatte ich dann auch gleich mal vergessen. Die erste Dusche, die ich probieren wollte, wurde absolut nicht warm also wartete ich, bis niemand mehr zu hören war und zog mit Sack und Pack ein Türchen weiter. Hier wurde das Wasser etwas wärmer, aber durch die ausgekühlten Räumlichkeiten wurde mir dennoch nicht warm. Mhh, so richtig freunde ich mich mit Campingplatzduschen wohl nie an… André hatte natürlich deutlich bessere Erfahrungen gemacht und witzelte, dass ich mich vielleicht ein wenig anstellen würde. Von wegen!
Den Abend entspannten wir endlich mal mit einem guten Buch und recherchierten noch ein wenig für den nächsten Tag. Zum Glück war es mit der untergehenden Sonne draußen schnell kühl geworden und die Nachbarn hatten sich alle in ihre WoMos verzogen. Es ist immer wieder lustig, wie nahezu auf allen WoMos die ausgefahrene Satellitenschüssel ausgefahren wird und man das typisch flimmernde Licht durch die Spalten der Rollos entdecken kann… wir haben uns ganz bewusst gegen die Satelittenschüssel und einen Fernseher entschieden. Was gibt es schöneres als im Urlaub ein Buch zu lesen?
Jedenfalls blieben wir heute Abend nicht mehr allzulange wach und verarbeiteten den reizvollen und schönen Tag in unseren Träumen…