Wir schliefen super gut und wurden noch nicht einmal von ankommenden Autos geweckt. Demnach waren wir etwas überrascht, als wir die Verdunkelungen öffneten und ein weiteres Wohnmobil und 3 PKWs entdeckten. Unser Wohnmobilnachbar kam gerade von einer Schwimmrunde im See zurück, Respekt!

Die Sonne lachte leicht vom Himmel und es ist hier einfach so unglaublich schön! Bei einem kleinen Spaziergang am See wurde uns erst richtig bewusst, wie schnell man in der passenden Umgebung abschalten und all den Stress der letzten Wochen vergessen kann. Jegliche Hektik war vorbei und wir genossen einfach den Augenblick.
Nach einem leckeren Frühstück wollten wir den Sonnenschein für eine weitere Radtour nutzen. Dieses Mal mussten wir Juckel dafür aber 20 Kilometer umsetzen. Die angegebene Parkkoordinate gefiel uns nicht so ganz, sodass wir uns eine Alternative in einem kleinen Ort gegenüber eines Mini-Supermarkts suchten.

Wir hatten die Räder gerade abgebaut, als es anfing zu regnen. Grr. Davon lassen wir uns jetzt nicht abschrecken, also Regensachen an und auf geht`s. Die Runde führte vorbei an Bauernhöfen mit Kühen, Alpakas und Schafen. Der Regen hörte bald wieder auf und wir kamen erneut rasend schnell voran. So schnell, dass wir kurzerhand noch zwei weitere Geocache-Runden mit einbanden. Nur die letzte Runde hätten wir uns schenken sollen, denn wir waren noch nicht lange unterwegs, als ein kräftiger Regenschauer einmal alles komplett durchnässte. Jetzt war es auch schon egal und wir zogen die Runde brav bis zum Ende durch. Immerhin waren die Verstecke erneut einfach gehalten und wir mussten nur selten ins Gebüsch.
Als wir dann völlig durchnässt bei Juckel ankamen, stellte sich die Frage, wie wir all die Sachen vernünftig trocknen sollen und unser kleines Bad verwandelte sich in kürzester Zeit in ein Feuchtbiotop. Da half es nur, die Heizung aufzudrehen und immer wieder zu lüften.
Von so viel Fahrradfahren waren wir ganz schön hungrig und machten uns daher auf dem Platz gleich mal einen Eintopf. Frisch gestärkt und wieder gut gewärmt sah die Welt schon wieder besser aus. Es ist allerdings erst Nachmittag, was machen wir mit dem restlichen Tag nun?

Eine richtig gute Idee stellte sich nicht ein und wir fuhren zu unserem Schlafplatz der letzten Nacht zurück. Unterwegs konnten wir noch klasse Regenbogen entdecken. Der starke Wind pustete die Wolken nur so dahin und es wurde tatsächlich wieder relativ freundlich.
Dennoch chillten wir einfach in Juckel und freuten uns über die freie Zeit. Gegen 19 Uhr ploppte plötzlich die Polarlicht-App auf meinem Handy auf. Häh? Polarlicht-Alarm!!! Heute Abend könnten sie sogar bei unserem Standort sichtbar sein. Die Wahrscheinlichkeit der App lag bereits bei 7 Prozent. So einen hohen Wert hatte ich bisher noch nicht. Wir checkten die App und die Wetter-App. Hmm, unser Standort ist absolut ungünstig. Wir haben weder freie Sicht nach Norden noch wolkenfreien Himmel. Weiter nördlich sieht das ganze schon anders aus und nach langem Hin und Her machten wir uns doch noch auf den Weg.
Als Ziel hatten wir uns Bork Havn gesetzt. Ein Platz 30 Minuten entfernt mit Blick nach Norden und wolkenfreiem Himmel. Die Spannung stieg mit jedem Kilometer und wir schauten immer wieder auf den dunkler werdenden Himmel hinauf. Ob wir was sehen? Polarlichter sind schon lange ein großer Traum von uns…
Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir den kleinen Platz am Ortsrand. Übernachten ist hier verboten, aber das wollen wir ja auch nicht. Die App wurde noch einmal gecheckt und André baute die Kamera auf dem Stativ auf. Die Spannung stieg und so konnten wir die klirrende Kälte mit dem Wind überhaupt aushalten. In alle Richtungen wurde fotografiert, die Einstellungen verändert und trotzdem wollten sich die Polarlichter einfach nicht zeigen. Um uns herum wurden aber überall Sichtungen eingetragen. Machen wir etwas falsch? Vielleicht ist die Lichtverschmutzung nach Norden zu groß? Wir verglichen noch einmal die Karten und da wir hier eh nicht übernachten dürften, fuhren wir weiter.

André hatte einen Platz bei einem Leuchtturm entdeckt. Natürlich mussten wir dafür noch eine ganze Stunde weiter gen Norden fahren. Egal. Immer wieder schauten wir zum Himmel und erhofften uns, irgendwas zu sehen. Die Wahrscheinlichkeitsrechnung der App sah noch immer gut aus und die Sichtungen wurden auch deutlich weiter im Süden gemeldet. Das kann doch alles gar nicht sein?!
Als wir dann in die Nähe des Leuchtturms kamen, waren die Straßenverhältnisse deutlich schlechter und die letzten Kilometer wäre es über nasse Sandpisten gegangen. Abbruch! Hier macht es mit unserem Juckel keinen Sinn weiterzufahren denn wir wollen ihn auf keinen Fall beschädigen. Die Laune wurde schlechter und schlechter. Bis wir dann mal einen gescheiten Parkplatz zum Anhalten gefunden hatten, verging bestimmt noch eine weitere halbe Stunde.
Noch einmal wurde ganz in Ruhe überlegt. Dieses Mal wählten wir einen Platz in Vestervig aus. Von Varde aus wären es übrigens 2,5 Stunden gewesen. Da wir inzwischen eh schon so weit oben sind, brauchen wir nur etwa 30-40 Minuten. Unter normalen Umständen wären wir wahrscheinlich gar nicht mehr weiter gefahren, aber hier in der Ecke, wo wir gerade sind, gibt es keine gescheiten Übernachtungsplätze. Wenn wir eh schon fahren müssen, dann können wir das letzte Fünkchen Hoffnung auch noch mitnehmen!
Ziemlich spät und ziemlich müde erreichten wir den Platz. Ein freier Schotterplatz etwas abseits von einer kleinen Straße, die lediglich zu einer Fähre führt. Einer Fähre, die sehr unregelmäßig und selten verkehrt. Immerhin hat das schon mal funktioniert.

André nahm die Kamera wieder mit nach Draußen und wir zogen uns gleich wärmer an. Auf den Fotos ist tatsächlich ein ganz leichter pinker Schimmer zu sehen. Eindeutig Polarlichter! Irgendwie stolz aber gleichzeitig auch völlig enttäuscht, verzogen wir uns nach 30 Minuten völlig durchgefroren zurück in Juckel. Die Wahrscheinlichkeit in der App ist auch rapide zurück gegangen und weiterhin im Kalten ausharren würde Nichts bringen…
Schnell flüchteten wir uns ins warme Bett. Einschlafen konnte ich trotz Müdigkeit dann aber doch nicht. Wenn wir im Herbst extra für Polarlichter nach Norwegen fahren, sehen wir sie dann auch nur über die Kamera oder kann man das giftige Grün dort dann doch mit bloßem Auge erkennen? Haben wir überhaupt Chancen mit dem Wetter? Lohnt es sich wirklich?
Mit all diesen offenen Fragen bin ich dann zum Glück doch noch eingeschlafen und André schnarchte schon genüsslich vor sich hin :-D.