Trotz des ganzen Frusts sind wir recht bald eingeschlafen. Ich habe mich einfach noch mehr auf Andrés Seite gelegt und dadurch von der nassen Matratze nicht wirklich viel gemerkt. Zum Glück!. Die Nacht war dann auch bis halb 7 relativ ok. Da wurde nämlich die Garage des Bauernhofs geöffnet und die beiden liebreizenden Köter kamen laut bellend auf unseren armen Juckel zugestürmt. Nun lauerten sie darauf, dass wir uns endlich ein wenig regen. Wir schliefen aber zum Glück noch einmal ein. Der Wecker klingelte gegen viertel nach Acht. Schließlich hatten wir uns für heute einiges vorgenommen, noch sollte sich das Wetter halten.
Ich öffnete die Rollläden und strahlendblauer Himmel grinste uns an. Als ich dann das erste Fenster zum Lüften öffnete, starteten die Hunde eine neue Bell- und Laufrunde. Das war dann der Punkt, an dem ich keine Lust mehr hatte. Wir machten uns nur fertig und fuhren ohne uns zu verabschieden vom Hof. Eigentlich nicht die feine englische Art aber interessiert hat sich hier ja eh keiner für uns…
Wir steuerten den 30 Minuten entfernten Parkplatz für die Seilbahn zur Gerlitzen Alpe an. Als wir dann auf knapp der halben Strecke einen Supermarktparkplatz entdeckten, hielten wir dort an. Endlich konnten wir frühstücken und unbesorgt Fenster und Türen zum Lüften öffnen. Hoffentlich trocknet die Matratze richtig! Wir lagerten sie ein wenig hoch, damit die Luft besser zirkulieren kann. Direkt darunter befinden sich schließlich die Fächer prall gefüllt mit Schmutzwäsche…
Frisch gestärkt und damit wieder mit deutlich besserer Laune fuhren wir die restlichen Kilometer zum Parkplatz. Dieser besteht aus mehreren Ebenen und bot damit ausreichend Platz. Wir parkten oben auf dem Deck. Einmal wegen unserer Höhe und zum anderen hofften wir, dass die Sonne den Trocknungsprozess beschleunigen würde.

Während wir die Wandersachen anzog, bot sich bereits ein herrlicher Blick auf den windstillen, türkis schimmernden Ossiacher See. So kann es bleiben! Doch ein Blick Richtung Gondel verriet, dass es dort oben wolkiger werden könnte. Mal abwarten und Daumen drücken.
Auch diese, an sich sehr teure Fahrt mit der Gondel war in der Kärntencard inkludiert. Der Andrang hielt sich sehr in Grenzen und so hatten wir freie Gondelwahl. Optimistisch wie wir sind, stiegen wir im Tshirt ein.

Während der knapp 15 minütigen Fahrt absolvierten wir jede Menge Höhenmeter und die Ohren knackten immer wieder durch den veränderten Umgehungsdruck. Auch die Temperatur wurde kühler, aber in der windgeschützten Gondel störte das wenig. Als wir dann oben ausstiegen, war es schon relativ frisch. Also fix in den Pullover und dann erst einmal den Ausblick genießen. Hier standen wir nun am Fuße eines Skigebiets. Lediglich eine angehäufte Schneewand war noch auf der Mitte der Piste sichtbar. Ansonsten waren viele Mitarbeiter fleißig dabei, entstandene Schäden auszubessern. Klar, bis zur nächsten Skisaison dauert es auch nicht mehr ewig…
Wir waren auf dieser Ebene allerdings noch lange nicht am Ziel und so stapften wir gleich weiter zum 4er Sessellift. Boahr ist das lange her, dass ich so einen mal genutzt habe… Zum Glück verlernt man es nicht ;-). Nun ging es noch einige weitere Höhenmeter hinauf. Dieses Mal hatten wir jedoch keinen Windschutz, sodass wir die kühlen Temperaturen gut merkten. Vielleicht hätte ich meine Jacke mal besser angezogen?
Die Fahrt verging mit herrlichen Blicken dennoch ratzfatz und oben wurde dann direkt die Regenjacke angezogen. Immerhin schützt sie vor dem kalten Wind. Danach verließen wir die Liftstation und große Enttäuschung machte sich breit.

Wir standen mitten in den Wolken. Die Sicht war auf wenige Meter reduziert. Ach menno! Dennoch versuchten wir uns ein wenig zu orientieren und machten einen ersten Aussichtspunkt aus. Zum Glück verzogen sich die Wolken etwas und wir bekamen mehr und mehr Blick auf den See und ins Tal. Das sieht einfach toll aus!

Mit der Zeit (zum Glück dauert das Fotografieren immer etwas länger), lichteten sich die Wolken immer weiter. Daher entschieden wir, auch noch zum 2. Aussichtspunkt zu wandern. Kurzweilig verschwand dieser dann noch einmal in einer Wolke, aber wir konnten dem Pfad folgen und hatten auch von hier einen schönen Blick. Hier wurde extra ein Bilderrahmen errichtet, damit man sich besser fotografieren kann. Blöd nur, wenn dieser von einer Familie als Bank genutzt wird und die Mutter erst einmal einen größeren Disput zwischen den beiden Jungs klären muss und gar nicht bemerkt, wie sehr sie uns im Bild sitzt. GRR. Irgendwann machte sie dann aber doch Platz und wir konnten auch schöne menschenfreie Fotos schießen.
Da sich das Wetter immer weiter besserte, starteten auch zunehmend mehr Gleitschirmflieger vom Berg aus ins Tal. Eine Sportart, die ich mich einfach niemals trauen würde…
Der Weg zurück war dann überraschend lang und ging natürlich gut bergauf. Kein Wunder, dass wir es auf dem Hinweg weniger anstrengend fanden :-D. Gut trainiert wie wir ja sind, erreichten wir den Sessellift dann aber trotzdem und fuhren entspannt zurück ins Tal. Dort war es dann auch wieder richtig klasse sonnig und wir konnten uns wieder mit T-Shirts begnügen.
Es gab eine kleine Stärkung, in der wir unseren Juckel noch einmal gut lüfteten und dann ging es auch schon weiter. Unser nächstes Ziel war die Villacher Alpenstraße. Mal wieder eine mautpflichtige Privatstraße, die aber das ganze Jahr befahren werden kann. Die Fahrt von hier bis zum Gipfel sollte gerade einmal 30 Minuten dauern. Perfekt, denn auch hier wollen wir noch eine kleine Wanderung unternehmen.

Zum Glück war auch diese Maut in der Kärntencard enthalten und sie hat sich alleine heute eigentlich schon ausgezahlt… Nachdem wir das Mauthäuschen passiert hatten, ging es über zig Serpentinen hinauf. Immer wieder gab es toll angelegte Parkplätze (die sogar gerade waren) mit Blicken in verschiedene Richtungen. Natürlich mussten wir immer mal anhalten und fotografieren… Von wegen, wir fahren nur 30 Minuten :-D.
Bis wir oben angekommen sind, ist schon einige Zeit vergangen und wir hatten inzwischen schon 13 Uhr 30. Vom Parkplatz konnte man noch einen „hohen Hügel“ sehen. Oben stand ein Haus. Naiv und unvorbereitet wie ich war, dachte ich, wir müssten „nur“ bis dorthin wandern. Der steile kurvige Weg war gut sichtbar und ich wusste schon, dass es eine Qual werden könnte. Kurzfristig überlegte ich, ob wir nicht besser mit den E-Bikes hochfahren…Zumindest zu Beginn war der Weg top asphaltiert.
Als wenn wir es geahnt hätten, haben wir es lieber seinlassen… Keine 100 Meter später kam dann auch das Schild, dass Fahrräder verboten sind und der Weg wurde schlagartig geröllig. Zur Motivation führten alle paar Meter Eisenstangen mit orangenen Schildern hinauf. Wir begannen bei 163 und wollten zur 1. Also los.

Kurze Zeit später war dann der erste Aussichtspunkt mit 3 Minuten Umweg ausgeschildert. Ich ließ André den Vortritt und erholte mich ein wenig auf der Bank, ehe ich langsam weiter hinaufkraxelte. Der Abstecher hatte sich dennoch gelohnt und laut einiger Niederländern vor Ort, saß dort gerade ein Murmeltier. André konnte es aber nicht entdecken.
Währenddessen eierte ich Meter um Meter hinauf und ärgerte mich schon, dass die Wanderstöcke im Auto lagen. Jeder, der mir entgegen kam, rutschte über irgendwelche losen Steine. Sie konnten sich alle gut abfangen aber ich sah mich schon wieder fallen… Naja, runter kommen sie ja alle und getreu dem Motto bin ich einfach immer weitergelaufen.
Allmählich lagen sogar links und rechts der Wege kleine Schneereste. Weiter oben nahm ich dann erneut auf einer Bank Platz und wartete in der Sonne auf André. Dieser kam dann auch bald und wir waren beide gut durchgeschwitzt. Vielleicht hätten wir die Pullover vorher mal ausziehen sollen? Ich wagte es einfach so, André zog sich die Regenjacke über…
Es war tatsächlich angenehm. Durch die Bewegung und die Sonnenstrahlen hielt ich es gut aus und es ging immer weiter. Irgendwann schnallte ich dann auch, dass der Weg nicht annähernd zu dem Haus führte und nachdem wir um eine scharfe Kurve gegangen waren, konnte man ganz weit entfernt, noch viele viele Meter oberhalb von uns, die Kirche erkennen. Ups! Naja, jetzt sind wir schon so weit gekommen, das schaffen wir nun auch noch.

Immer weiter führte uns der Weg. Irgendwann lag dann sogar auf dem Weg noch Schnee. Durch die Sonne war er angetaut und spiegelglatt. Sowohl die Entgegenkommer wie auch wir mussten höllisch aufpassen. Wir sind tatsächlich unfallfrei geblieben.

Danach ließ es sich wieder besser laufen. Zum Glück. Und dann dauerte es auch nicht mehr lange und wir erreichten das Gipfelhaus. Hier konnte man sogar Einkehren und Essen oder Trinken. Wir ignorierten es, denn unser Ziel war schließlich die Kirche. Mit einigen letzten Stufen erreichten wir die Tür. Auf 2159m Höhe steht hier nämlich Europas höchstgelegene Wallfahrtskirche. Sie wird Deutsche Kapelle genannt und lediglich ein paar Meter weiter steht die „windische Kapelle“. Die Deutsche Kapelle ist auf Maria am heiligen Stein geweiht, da einem in Not geratenem Hirten auf dem Stein sitzend Maria erschien sein soll.
Leider kann man nicht jederzeit frei in die Kirche gehen. Es gibt aber noch spezielle Messen, zu denen die Kirche geöffnet wird. So konnten wir nur einen Blick hineinwerfen. Zeitgleich genossen wir einfach die atemberaumend schöne Aussicht. Danach ging es gleich weiter zum Gipfelkreuz. Der Pfad, der beides miteinander verbindet, war dadurch nicht mehr ganz so steil und machte es mir erträglicher. Nur die letzten Meter zum Kreuz geht es über einen meterbreiten Grad. Meine Motivation, das Kreuz zu erreichen, war so groß, dass ich es tatsächlich ohne Händchenhalten schaffte. Tschakka.

Wir machten ein paar Fotos und schon kamen die nächsten Wanderer. Timing, denn eigentlich war hier oben nicht mehr wirklich viel los… Sie setzten sich in die Nähe und schwupps, gesellte sich ein Vogel zu ihnen. Völlig entspannt störte sie sich überhaupt nicht an uns. Stattdessen hat sie wohl eher auf Nahrung gehofft, wurde aber enttäuscht.
Der Weg über den Grad zurück fiel mir dann schon deutlich schwerer. Wenn man links und rechts steilhinab gucken kann ist das schon echt ein doofes Gefühl. André half mir und so konnten wir auch die windische Kapelle besichtigen. Hier konnte man ein wenig hinein.

Nach zahlreichen Fotos und einem Gebet, den Rückweg heile zu absolvieren, ging es zurück zum Gipfelhaus. Hier nahmen wir uns endlich mal die Zeit für eine vernünftige Pause. Wir tranken, nutzten die Toiletten und erfreuten uns an der doch recht warmen Sonne. Solange man im Windschatten blieb war es herrlich.

Irgendwann war es dann aber auch für uns Zeit, den Heimweg anzutreten. Inzwischen war es schon fast 16 Uhr. Der Rückweg lief dann deutlich entspannter. Kein Wunder, ging es ja nur bergab… Wobei auch das irgendwann in den Beinen spürbar wurde und man an einigen Stellen echt aufpassen musste, nicht wegzurutschen. Am Wegesrand erinnern einen diverse Kreuze zur Vorsicht. Es ist aber gut möglich, dass die Unfälle im Winter passiert sind, denn scheinbar kann man hier (im Zweifel auf Skiern) ganzjährig hinauf.
Zurück am Parkplatz war schon gähnende Leere. Perfekt, so können wir zumindest entspannt ausparken ;-). Eieiei, die Stufe in Juckel war schon ganz schön fies und als ich dann noch auf dem Boden saß, um eine neue Flasche aus der Garage zu angeln, dachte ich schon, ich komme gar nicht mehr hinauf… Das wird ein klasse Muskelkater…jetzt würde ein heißes Bad bestimmt helfen. Naja, wir versuchen es dann später mit einer engen, kurzen Dusche :-D.
Bevor wir uns nun aber einen Schlafplatz suchten steuerten wir noch einen Campingplatz an? Hä? Campingplatz vor Schlafplatz? Ja, genau! Auf dem Campingplatz war nämlich noch ein Teil eines besonderen Caches zu erledigen :-D. Wir parkten abseits und machten einen kurzen Spaziergang über den Platz. Auch wenn er direkt am See liegt, so waren die hinteren Stellplätze soweit weg, dass man den See nicht einmal sehen konnte. Es war voll, es war laut und wir mussten nichts sagen, wir wussten beide, dass wir lieber noch 30 Minuten Auto fahren, als eine Nacht hier stehen zu müssen :-D.
Nachdem der Cacheteil erledigt war, ging es nun auf die Rückseite der Gerlitzen. Im Winter gibt es hier ebenfalls einen Lift hinauf. Auf dessen Parkplatz richteten wir uns nun ein. Im Vergleich zu den letzten Plätzen war er sogar relativ gerade. Es gab keine freilaufenden Hunde und nur ein Wohnhaus stand etwas näher und konnte uns sehen. Auf der Straße fuhren kaum Autos, lediglich ein paar Motorräder waren bei dem schönen Wetter auf dem Heimweg.
Allerdings trauten wir uns wegen dem doch recht nahen Wohnhaus nicht, den Grill aufzubauen. Vielleicht nutzten wir es aber auch einfach nur als Ausrede, denn Grillen ist doch ein wenig aufwendiger.. Und nach unserer schnellen Flucht heute morgen, haben wir weder das Geschirr von gestern Abend noch vom Frühstück gespült. Auwei… langsam herrscht Platznot in der Spüle und Geschirrnotstand.
Während das Wasser für die Nudeln köchelte, wurde also gleich das Heißwasser zum Spülen geladen. Doch erst wurde gegessen, dann geduscht und danach dann gefühlt ne Stunde gespühlt… Nervig! So eine Spülmaschine zu Hause ist doch echt was Feines…
Zu allem Überfluss gelüstete es uns anschließend noch nach einer Schlemmercreme, sodass wir erneut ein wenig mehr Geschirr benutzten.. Ab jetzt werden wir morgens wieder etwas disziplinierter, ehe wir abfahren. Zumindest nehmen wir es uns stark vor!
Wir planten noch ein wenig den nächsten Tag. Die Wetterdienste prognostizierten nicht mehr allzu gutes Wetter. Im Gegenteil, in wenigen Tagen sollen ordentliche Regenmassen kommen, die in höheren Lagen mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit für Schnee sorgen. Ob wir unsere Wunschaktivitäten unter diesen Umständen noch schaffen werden? Wir lassen uns mal überraschen und wünschen eine gute Nacht.