Die Nacht war dank der kühleren Temperaturen schon deutlich besser als die Letzte und so bekamen wir von eventuellem Bärenbesuch absolut nichts mit… Morgens schien dann allerdings wieder zeitig die Sonne auf unseren Juckel, sodass wir es nicht lange im Bett aushielten. Wenigstens konnten wir entspannt im Schatten frühstücken.
Anschließend machten wir uns auf den kurzen Weg in die Innenstadt von Sibiu. Bei Park4night hatten wir einen gut gelegenen Parkplatz gefunden, der auch längere Plätze speziell für Wohnmobile anbietet. Auf dem Weg dorthin machten wir jedoch noch einen kleinen Abstecher zu einem nahen Spielplatz. Dort wollten wir nämlich unsere Wasservorräte ein wenig auffüllen.
Als wir aber am Spielplatz ankamen, mussten wir ein ganzes Ende weit weg parken und am Spielplatz war jede Menge los. Die Wassersäule stand dann auch nicht am Rand, sondern wir hätten über den ganzen Spielplatz laufen müssen, weshalb wir uns ziemlich schnell dagegen entschieden hatten.
Stattdessen ging es also direkt weiter nach Sibiu, in der Hoffnung, dass es am frühen Vormittag noch nicht ganz so heiß und unerträglich ist.
Als wir dann am Parkplatz ankamen, waren wir ein wenig geschockt, wie voll es hier bereits war. Immerhin ergatterten wir noch einen guten Parkplatz, bei dem wir sicher sein konnten, später auch wieder entspannt ausparken zu können. Wir machten uns gerade zu Fuß auf den Weg in die Stadt, als auch das spanische Wohnmobil vorfuhr. Wir grüßten uns noch einmal freundlich und verließen den Platz.

Schnell erreichten wir die Fußgängerzone und Sibiu machte direkt einen tollen und sauberen Eindruck. Irgendwie hatten wir, nachdem wir uns wochenlang auf den Trip vorbereitet haben, mit vielen streunenden Hunden gerechnet, aber bisher haben wir außer am Besucherzentrum vor 2 Tagen keine weiteren Hunde entdeckt.
Sibiu oder auch Hermannstadt genannt, ist übrigens eines der Zentren der Siebenbürger Sachsen. Deshalb kann man an vielen Hotels und Cafés deutsch klingende Namen erkennen.

Wir liefen die Fußgängerzone entlang zum Piața Mare, dem großen Platz. Hier war um diese Zeit noch nicht viel los, sodass wir einige schöne Fotos machen könnten. Später werden hier einige Straßencafés gut frequentiert werden.

Von dort ging es dann weiter an den beiden Kirchen vorbei zur Podul Minciunilor. Bei uns wird diese Brücke Lügenbrücke genannt. Hier wurde aber nicht besonders oft gelogen, sondern der Name ist einem einfachen Übersetzungsfehler geschuldet. Die Brücke war eine der ersten, die nicht auf Pfeilern stand, sodass es eine „Liegenbrücke“ war. Daraus wurde dann eine Lügenbrücke um die sich bald verschiedene Legenden bildeten.
Nachdem wir nun endlich auch ein paar Geocaches in Rumänien geloggt hatten, ging es nun aber recht fix wieder zurück. Bei 30 Grad und wenig Schatten war es einfach nicht das beste Sightseeing-Wetter… Eigentlich schade, denn die Stadt macht wirklich einen tollen und interessanten Eindruck. Beim nächsten Mal würde ich sogar eine Stadtführung buchen!
Um den langen Rückweg zu meistern, bestellten wir noch an einem der zahlreich aufgestellten Eisständen ein Eis. Das Warten dauerte dank zweier Großfamilien dann ziemlich lange. Als wir dann den Preis von über 10 Euro für 4 Kugeln hörten, waren wir zwar sehr erstaunt, zögerten aber keineswegs :-D. Beim Eisessen überlegten wir dann, weshalb es allgemein heißt, dass Rumänien ein armes Land sei… Die meisten Häuser sehen klasse aus und die Lebensmittel kosten in den großen Supermärkten ungefähr genauso viel wie bei uns… Wenn die Einheimischen nicht genug verdienen würden, müsste das doch anders sein, oder?
Egal, nach 2 Stunden zahlten wir gerade einmal 4 Lei für’s Parken. Dafür stand der arme Juckel aber auch wieder die ganze Zeit in der prallen Sonne und kochte im Inneren förmlich vor sich hin. Immerhin sollten wir keinerlei Probleme haben, genug Solarstrom zu erzeugen :-D.
Auf dem Weg aus der Stadt raus, hielten wir noch einmal Ausschau, nach Wasserquellen, aber die bei Park4night benannten, überzeugten uns nicht wirklich… Immerhin konnten wir unseren Abwassertank in einer Waschbox für Autos leeren…
Als nächstes geben wir die berühmte Transfăgărășan– Passstraße in unser Navi ein. Die Straße ist für ihre vielen Braunbären berühmt geworden. Leider werden die Bären dort immer wieder gefüttert, sodass sie inzwischen als Bettelbären am Straßenrand auf Autos warten sollen. Dennoch erhofften wir uns natürlich ein paar nahe Sichtungen und zeitgleich eine Abkühlung. Immerhin liegt die Straße teilweise auf über 2000 Metern….
Von Sibiu geht es zunächst noch auf „guten Straßen“ zum eigentlichen Start der ca. 100 Kilometer langen Passstraße. Allerdings ist das Fahren hier schon nervig, da viele LKW unterwegs sind, die es nur schwer zu überholen geht.
Als wir dann die eigentliche Passstraße erreichen, sind wir zumindest einen Großteil der LKWs los. Ab hier schlängelt sich die Straße dann aber über eine Stunde über viele viele Kurven durch dichten Nadelwald. Obwohl wir die Augen die ganze Zeit aufhalten, können wir keinerlei Bären ausmachen. An den vielen Haltemöglichkeiten sitzen immer wieder Leute, die picknicken. Würde man hier so entspannt sitzen, wenn es Bären gibt? Auch wir nutzen die Gelegenheit im Schatten für eine Pause und zweifeln ein wenig. Am schlimmsten ist, dass wir trotz der vielen gefahrenen Kurven noch immer keine kühleren Temperaturen erreicht haben.
Die immer größer werdenden Zweifel ließen uns die Pause für ein wenig Recherche im Internet nutzen. Scheinbar gibt es die besten Chancen, Bären zu sehen, erst im Süden der Passtraße. War ja irgendwie klar, denn wir sind ja von Norden gestartet 😀

Nach bestimmt zwei weiteren Stunden und diversen Pinkelpausen erreichen wir die Passhöhe. Zum Glück, denn unser Dieseltank leert sich extrem zügig und wir hatten schon Sorge, dass es nicht reichen wird. Auf dem Pass ist es allerdings so voll, dass wir keinerlei Chancen haben zu halten. Klar, Mittagszeit und neben den typischen Touriständen gibt es auch hier Fressbuden samt Zelten zum Speisen. Eine Wanderung zum See fällt daher leider aus.

Immerhin ist es hier oben mit 22 Grad deutlich angenehmer und wir nutzen jede weitere Haltemöglichkeit zum Fotografieren. Die Landschaft, die hier oben schlagartig kahl geworden ist, sieht einfach nur beeindruckend aus.
Bis zum Staudamm fahren wir dann noch eine ganze Stunde weiter. Allmählich kommen wir wieder in bewaldetes Gebiet. Die baumfreie Zeit ist zu Ende und das Thermometer steigt wieder auf ca. 28 Grad. Geht ja noch…
Auch an der Staumauer ist es einfach nur voll. Unglaublich!! Zig Reisebusse, PKW und Wohnmobile. Wo übernachten die eigentlich alle und welche Wege fahren sie sonst, denn bisher haben wir sie nur ganz vereinzelt gesehen???
Bis zur nächsten Tankstelle sind es noch gute 30 Kilometer, die wir natürlich noch fahren müssen. Auf diesem Teilstück soll es nun am meisten Bären geben, ob wir sie überhaupt noch sehen? Vielleicht ist es denen heute auch einfach zu warm???

Endlich entdecken wir Einen. Eine Bärenmama samt Kind. Juhuu. Völlig gechillt und hechelnd sitzen sie im Schatten und posieren super. Leider bleiben nun mehr und mehr Fahrzeuge stehen und es wird Zeit, weiterzukommen.
Ab jetzt fahren wir voller Euphorie. Drei weitere Sichtungen gelingen. Scheinbar kommen sie erst mit der tieferstehenden Sonne in Gange… Unser Entschluss steht, wir tanken und fahren wieder zurück. Oben ist es eh viel angenehmer 😂.
An der Tankstelle waren wir erst ein wenig verwirrt und bekamen gleich 3 Mal Hilfe angeboten. Einmal sogar auf Deutsch. Diese Hilfsbereitschaft ist grandios!!! Wir sind trotz der Anfangsschwierigkeiten schon jetzt hin und weg von diesem Land.

Auf dem Weg zurück zur Passhöhe wird es langsam leerer und wir können uns treiben lassen. Immer mehr Bären kommen raus und schnell hatten wir fünf weitere Bären gesichtet. Inzwischen sogar Bären auf der Straße und direkt auf Augenhöhe. Hammer. Eigentlich sehen sie so niedlich und kuschelig aus. Aber so verrückt wie andere sind wir nicht und steigen besser nicht aus. Eine Familie wandert sogar direkt an einem Bär vorbei….
Wenig später entdecken wir eine Familie, die ihr Auto beim zu schnellen um die Kurve fahren voll auf die Absperrmauer gesetzt hat… Dumm gelaufen beziehungsweise Glück im Unglück. Ohne die Mauer wären sie die Böschung ziemlich steil hinab gestürzt. Nun sitzen sie mitten im Bären Gebiet und warten auf den Abschleppservice🙈. Au man…
Schon auf dem Hinweg heute Mittag haben wir Rallye Fahrzeuge gesehen. Aufgefallen sind sie uns vor allem, durch ihr altes bzw. kaputtes Aussehen und den deutschen Kennzeichen. So viele Deutsche fahren hier schließlich nicht herum… Inzwischen kommen sie uns Scharenweise entgegen und wir können die Aufschrift lesen. Eine „Pothole Rodeo“-Challenge. Die Autos dürfen maximal 500 Euro kosten oder müssen mindestens 500.000 Kilometer auf dem Buckel bzw. maximal 50PS haben. Innerhalb von 10 Tagen durchqueren sie auf den abenteuerlichsten Straßen 12 Balkanländer. Was ein geiler Scheiß 🙈😂. Jetzt erklärt sich auch, weshalb die so viele Ersatzteile auf den Dächern transportieren.
Viel zu schnell sind wir wieder am Staudamm. Hier parken die Busse unterhalb und lassen ganze Kindergruppen durch einen stockdunklen, relativ engen Tunnel laufen… Heute kann mich glaube ich nicht mehr viel schocken… Die Überholmanöver, die Bärenposer und sowas… Hängen die alle nicht an ihrem Leben?
Leider gibt es für uns noch immer keinen Parkplatz und nachdem wir den Staudamm erneut passiert haben, gibt es auch keine weiteren Bärensichtungen mehr 😭.

Dafür ergattern wir nun aber einen Parkplatz oben am Pass und können auch hier endlich ein wenig herumstöbern. Wenig später entdecken wir dann auch einen guten und vor allem freien Schlafplatz.
Wenn ich jetzt sage, dass es fast kalt ist, wird mich jeder für bekloppt erklären, aber es sind nun mal nur noch 18 Grad. Dazu frischt der Wind auf und es beginnt leicht zu regnen.
Ok, also doch nicht Grillen. Bei den Temperaturen schmeckt auch ein Eintopf und so kommen die heimischen Kartoffeln endlich weg… Die Temperaturen bekommen denen schließlich auch nicht…
Der Regen wird kurz stärker und ein Gewitter beginnt… Aber wir fühlen uns sicher und bleiben hier.
Nur würde ich gerne Duschen, aber scheinbar reicht das Wasser nicht mal mehr zum Spülen. Vielleicht liegt es auch einfach an der Höhenluft. Wir sind schließlich bei knappen 2000 Höhenmetern und dass wir relativ schief stehen, macht es wahrscheinlich auch nicht besser. Immerhin ist es die beste Gelegenheit, die neuen Auffahrkeile zu testen. Ich gebe zu, ich bin da noch ein wenig skeptisch, sodass wir die Unebenheiten nicht komplett ausgleichen. Egal, es ist auf jeden Fall schon deutlich besser.
Für eine dringende Dusche sollten wir dann Morgen unbedingt den Wassertank auffüllen und dank der Hitze können wir auch gleich Getränke nachkaufen. Wo wir das aber erledigen ist aktuell noch ungewiss, denn irgendwie haben wir ja unsere ganze Reiseplanung über Bord geworfen.
Wie wir dann so entspannt dasitzen und den morgigen Tag planen wollen, entdeckt André eine nahe Wasserquelle. Da es noch nicht vollkommen dunkel ist, zieht er hochmotiviert direkt mit dem 15 Liter Kanister los. Ich bleibe derweil im Auto zurück und plane lieber weiter :-D.
Es dauert ein Weilchen, bis André erfolgreich zurückkehrt. Und nachdem wir den ersten Kanister in Juckel umgefüllt hatten, zog er noch zweimal los um Nachschub zu holen. Ich traue es mich kaum zu sagen, aber danach ist er tatsächlich etwas durchgefroren. Kein Wunder, der Wind wird immer mehr und heult richtig um’s Auto herum. Jetzt können wir aber zumindest spülen und duschen. Jippie!
Während es nun stockdunkel geworden ist, planen wir weiter und sehen in der Ferne Gewitter und Regen, während es bei uns einfach nur windig ist. Inzwischen fahren auch nur noch ganz vereinzelt Autos und es ist schon fast ein kleinwenig unheimlich. Passend dazu läuft noch ein großer Fuchs nahe am Auto vorbei. Ob die Bären nachts auch hier hoch kommen? Wir bleiben lieber im warmen Juckel :-).