Irgendwann früh morgens wurde der Wind mal wieder stärker und klapperte nervig am Fenster bzw. Fliegengitter. Haben wir etwa den nächsten Mängel für die endlose Liste des Händlers gefunden?
Da es auch kühl wurde, machten wir das Fenster über dem Bett einfach zu und schliefen bis kurz nach 8 Uhr durch.
Danach merkte man, dass die Sonne auf’s Auto scheint und dieses ziemlich schnell aufwärmt. Draußen war es noch immer angenehm kühl und windig.
Kurze Zeit später bellten plötzlich Hunde. Fix schauten wir durch’s Fenster und entdeckten 3 „fremde“ Hunde. Sie ließen uns aber in Ruhe und schauten nur aus der Ferne. Komisch war nur, dass ein Knurren direkt von unter unserem Auto herkam. Nachdem die anderen 3 weg waren, schauten wir mal nach. Der dunkle Hund von gestern hatte sich wie ein Wachhund in den Schatten unter Juckel geflüchtet und knurrte dort als Abschreckung. Jetzt fiel es uns noch schwerer, ihn einfach zu ignorieren. Er ist gar nicht verfilzt und ich hätte ihn am liebsten mitgenommen…

Es dauerte nun nicht lange und eine große Schafherde kam bei uns vorbei. Zwei der Hunde gehörten wohl dazu und der 3. Hund von heute morgen war wohl ein Streuner, der sich denen angeschlossen hat. Glücklicherweise waren aber alle friedlich. Unser Wachhund knurrte nur kurz und ließ dann alle passieren, wobei die Schafe schon einen größeren Umweg um unser Auto machte als um das unserer Nachbarn…

Wir frühstücken, quatschen noch Mal ein Weilchen mit den deutschen Nachbarn und erst als die Sonne wieder heißer brannte verabschiedeten wir uns von allen (auch den Hunden) und fuhren Richtung Bran. Schnell noch den Müll am Kloster entsorgt und traurig zu unseren neuen Hundefreunden zurück geblickt.
Bis Bran zum Dracula Schloss brauchten wir gute 45 Minuten. Wir kamen gut voran, in Bran wurde dann die Straßen schlagartig voller. Glücklicherweise entdeckten wir recht fix einen freien Bezahlparkplatz in einem Hinterhof, der bewacht wurde. Wir zahlten 25 Lei für den ganzen Tag. Das war in Ordnung.
Anschließend machten wir uns auf den kurzen Fußweg zum Schloss. Unterwegs gab es viele Restaurants und andere Essensbuden bis es in die autofreie Zone ging. Dort folgten dann Souvenirshops dicht an dicht mit allem möglichen Ramsch. Wir hatten keinerlei Bedarf und so ging es zügig weiter. Zum Schloss ging es nun bergauf. Glücklicherweise wenigstens im Schatten.

Oben angekommen war dann Schlange stehen angesagt. In der brütenden Hitze quälten wir uns nacheinander die Stufen hinauf. Als wir später wieder hinausgingen war die Schlange noch viel länger. Obwohl wir eigentlich auch spät gestartet sind, waren wir scheinbar noch früh genug dran.
Durch das Schloss führt mehr oder weniger ein Rundweg. Allerdings gibt es immer wieder Einbahnstraßen und alles ist mega eng. Natürlich erwischten wir neben den nervigen Familien auch noch zwei Schulklassen. Gratulation. Um die Geschichte des Schlosses kennen zu lernen, hätten wir uns einen Audio- Guide nehmen sollen, wussten aber nicht, wo es diesen gab… So lasen wir, wenn möglich, überall die Hinweistafeln auf Englisch und schauten so gut es geht, nicht unter den Fluss der Masse zu geraten. Manche Stufen hoch und runter waren aber auch wirklich eng…

Es gab noch einen „ab 14 Jahre“ Teil wo ein wenig zum Buch/Film „Dracula“ ausgestellt war… Aber eigentlich hat das Schloss ja gar nix mit dem Buch von Bram Stokers zu tun und der eigentliche Graf Vlad III. Drăculea hat hier eventuell mal übernachtet, aber keinesfalls gelebt! Naja, dank des Buchs kann man den Touristen hier jede Menge Geld abknöpfen. Es sei den Rumänen gegönnt ;-).
Recht fix standen wir dann auch schon im Innenhof und waren mit der Schlossbesichtigung durch. Gegen einen Aufpreis hätten wir noch eine „Schreckenskammer“ besichtigen können. Das haben wir uns aber verkniffen. Nun noch vorbei an der wartenden Meute und einmal quer durchs Areal. Von draußen hatte man dann endlich auch schöne Blicke auf das Schloss und hier im Schatten mit einem kleinen Windhauch war es viel viel angenehmer. Aber so ist es ja oft mit touristischen Highlights… Man muss unbedingt hin und ist dann (oft wegen der Menschenmasse) am Ende irgendwie enttäuscht.

Nachdem wir noch einen Abstecher zum ältesten Geocache in Rumänien gemacht haben, quälten wir uns durch die Souvenirstraße zurück zu Juckel. Bei der Hitze konnte uns auch der leckere Geruch nach Pommes und Co. nicht wirklich überzeugen.
Natürlich stand Juckel voll in der Sonne und der ganze Sonnenschutz im Fahrerhaus hat nicht allzu viel gebracht. Also gab es erst ein schnelles Eis und dann wurde die Klimaanlage angeworfen, die uns auf dem Weg zum nächsten Ziel hoffentlich schnell wieder abkühlt.
Als nächstes stand Schloss Peleș auf dem Plan. Als wir Google programmierten, zeigte es uns gleich einen dicken Stau und eine Straßensperrung an. Daher sollten wir für die 40 Kilometer direkt 2 Stunden brauchen. Na klasse.
Anfangs lief es noch gut, doch dann erreichten wir den Stau. Teilweise standen wir 10 Minuten auf der Stelle. Wir gingen von einer Baustelle mit Ampelschaltung aus… Immerhin konnte ich so die Zeit nutzen, und uns einen schnellen Salat zaubern. Es ist doch immer wieder schön, dass wir alles dabei haben :-).
Währenddessen heulten auch unsere Handys auf. Rumänien nutzt die Warnmöglichkeit offenbar auch, für vermisste Kinder. Daran sollte sich Deutschland mal ein Beispiel nehmen!
Statt der 2 Stunden haben wir dann eher 3 gebraucht :-(. Immerhin hatten wir so genug Zeit, uns die schönen Häuser, Hotels und Restaurants anzusehen ;-). An den Souvenirläden hätten wir unterwegs auch ganz entspannt einkaufen können, aber auch hier gibt es einfach nur Ramsch. Lohnt sich der Verkauf wirklich so sehr???
Google kannte dann noch eine schlaue Abkürzung und es ging nix mehr. Die Abkürzung war nämlich von Polizisten abgesperrt worden sodass wir erneut auf die volle Hauptstraße zurückgeleitet wurden.… Super. Damit war nun klar, dass wir das Schloss erst erreichen, wenn es bereits geschlossen ist. Egal, eigentlich ist es auch eher von außen ansehnlich…
Wir quälten uns zurück zur Hauptstraße und kamen Stück für Stück weiter. Als wir dann erneut eine Absperrung (wurde sie gerade auf- oder abgebaut???) passierten, war die Straße plötzlich zu einer Rennstrecke verwandelt. Überall waren gelb bemalte Reifen und Strohballen als Absicherung. Au Man. Als uns dann auch noch ein „Rennwagen“ viel zu schnell entgegen kam, fürchtete ich schon Schlimmstes. Danach kamen aber normale Autos in angemessener Geschwindigkeit und wir waren echt erleichtert.
Noch ein paar steile Kurven und wir erreichten den Parkplatz für das Schloss. Leider liegt er 400m vom Schloss entfernt, sodass man noch einiges laufen muss. Es gab sogar noch einen Parkplatz, der groß genug war. Klar, das Schloss macht ja auch gleich zu. Es ist schließlich schon 16:11 und 16:15 ist letzter Einlass. André feilschte noch um den Parkpreis und zahlte nur 4 statt 8 Euro. Darauf war er ein klein wenig stolz :-D.

So ging es dann gute 400m zum Schloß, natürlich bergab. Immerhin war es schon deutlich kühler und weniger sonnig.
Als wir dann am Schloß ankamen, hatte dieses ein unschönes Baugerüst. Na Klasse, aber irgendwie überraschte uns das nach dem ganzen Theater heute nicht wirklich…

Wir schauten dass wir trotzdem aus verschiedenen Perspektiven ein paar nette Bilder bekamen und machten uns wieder auf den Rückweg.
Am Parkplatz war niemand mehr zu sehen . Na Klasse, 5 Minuten später hätten wir uns die ganzen Gebühren sparen können. Der Ausflug ging mal völlig in die Hose.
Immerhin saß ein Fuchs direkt neben den parkenden Autos und posierte regelrecht für Fotos. So dauerte es dann doch noch ein Weilchen, ehe wir losfuhren…
Wir programmierten unseren Wunschschlafplatz und waren irritiert, dass wir ohne Stau für 35 Kilometer erneut 1 Stunde brauchen sollen.

Recht fix wurde dann auch klar warum… Es ging wieder mitten ins Gebirge. Wir befinden uns nun im Bucegi Nationalpark.

Nach endlosen Kurven durch dichtes Waldgebiet mit viel Gegenverkehr (klar heute ist Samstag und die Städter kommen nun alle von ihren Ausflügen zurück) kamen wir zum Gipfel. Hier könnte man entspannt zum Kreuz wandern aber dazu hatten wir jetzt keine Lust mehr. Der Hunger war da und die Fahrerei mehr als genug. Nach einer kurzen Fotopause ging es daher weiter.
Erneut steile Kurven in denen irgendein Schlaumeier alle 100m eine tiefe Furche gefräst hat. Ätzend!!.
Das Fluchen wurde aber dann mit einem tollen Blick auf einen großen Stausee belohnt. Herrlich. Plötzlich sahen wir sogar Hotels und fühlten uns nicht mehr ganz so einsam. Noch 10km zum Schlafspot. Die schaffen wir jetzt auch noch.
Angekommen waren wir etwas verwirrt denn so abgelegen wie angenommen war es dann doch nicht. Der Schlafplatz befindet sich direkt gegenüber von einem ausgebuchten Hotel. Immerhin soll hier die Chance, Bären zu sehen, sehr groß sein.
Eigentlich sind wir genau deshalb hier her gefahren, aber jetzt, wo wir hier so alleine stehen, ist es doch etwas unbehaglich. Wir lassen den Abend mal auf uns zu kommen.

Schnell wird das Gas aufgedreht und die Nudeln auf dem Herd zum Kochen gebracht. Endlich essen! Und wie wir so gemütlich im Van essen, schallt lautes Stimmengewirr vom Hotel herüber. Als uns dann auch noch eine Kuhherde bestehend aus 7 Kühen samt Kuhglocken für mindestens 30 Minuten besucht, nervt es einfach nur noch. Außerdem werden so alle Bären verscheucht. Ist das nun gut oder schlecht? Wir hätten am liebsten noch einen anderen Camper bei uns aber da es schon fast 20 Uhr ist wird wohl keiner mehr kommen. Wir sind scheinbar zu abgeschieden…
Mit nur noch 16 Grad ist es auch ungewohnt frisch. Es wird Zeit für eine warme Dusche um den Schweiß abzuwaschen. Hoffentlich reicht das Wasser noch, denn heute haben wir leider keine gute Quelle entdeckt und nicht so richtig darauf geachtet. Ups! Morgen mal genauer drauf achten, denn laut park4night soll auf dem Rückweg mindestens eine Quelle sein.
Für die Dusche hat das Wasser glücklicherweise noch gereicht. Anschließend legte ich mich auf die Lauer. Eigentlich war es noch viel zu hell, weshalb André noch auf seinem Handy arbeitete. Daher sah er den Bären auch nicht, der direkt an seinem Fenster vorbei gegangen sein muss. Als ich ihn dann keine 20 m entfernt aus dem Heckfenster sah war es für ein Foto leider zu spät. Erschreckend war, dass wir ihn überhaupt nicht gehört haben. Die Masse, die so ein ausgewachsener Bär hat, muss doch Geräusche auf dem Waldboden hinterlassen…
„Mein“ Bär lief weiter Richtung Straße und genau da kamen zwei Spaziergänger vorbei. André meinte noch, dass die mutig wären. Kurz darauf kamen sie schnellen Schrittes zurück 😂. Sie blieben dann auf der Straße stehen und weil wir dachten sie sehen den Bären noch, ist André mit Bärenspray bewaffnet hingegangen. Die beiden wurden wohl völlig vom Bär überrascht der direkt vor ihnen auf die Straße ging. Sie fragten daher ob wir sie die letzten 100m bis zu ihrer Unterkunft fahren könnten. Hätten wir natürlich gemacht aber genau da kam ein Pkw der sie dann fuhr und André ging vorsichtig zurück zum Auto. Später sah André noch einen kleineren Bären aus seinem Fenster. Für Fotos war es da aber schon zu dunkel. Wir hofften ja die ganze Zeit, dass wir einen Bären an der Straße bei den beleuchteten Laternen vorm Hotel sehen aber auch die anschlagenden Hunde waren immer zu weit weg…
Im Dunkeln sitzen und warten macht müde und wir lagen gerade im Bett als die Hunde laut wurden. Also doch noch Mal vorne rausgucken und da lief ein Bär tiefenentspannt die Straße lang. Grr bis wir kamerafertig waren, war er schon aus dem Schein der Lampe raus.
Immerhin haben die Bewertungen in Park4night gepasst. Hier gibt es scheinbar jeden Abend Bären zu sehen! Nachdem die 3 Bären so entspannt waren, gehen wir nicht davon aus, dass sie uns in der Nacht angreifen und schlafen recht fix ein.