Immerhin war die Nacht wirklich so ruhig, wie wir es erwartet haben und so kam es, dass wir tatsächlich erst vom Wecker geweckt wurden. Ein müder vorsichtiger Blick durch’s Dachfenster versprach direkt blauen Himmel und Sonnenschein, sodass uns das Aufstehen gleich viel leichter fiel.

Beim Frühstück konnten wir dank Sonneneinstrahlung sogar die Schiebetür geöffnet lassen und unseren lieben Juckel mal wieder ordentlich durchlüften. Zugegeben, vielleicht ist die Heizung nachts auf 20 Grad auch dezent zu hoch gestellt, aber da wir im Bettbereich keinerlei Heizungsauslässe haben kommt die Wärme dort besonders schwer hin. Im vorderen Teil des Autos ist morgens dann immer T-Shirt-Wetter :-D.

Nach dem Frühstück machten wir alles abfahrbereit und hielten noch mal fix auf der anderen Seite des Sees. Hier der Platz ist auch schön, aber definitiv lauter als es bei uns gewesen ist und die Polarlichter hätten wir von hier überhaupt nicht sehen können… Dafür gab es jetzt ein paar tolle Fotos mit bunten Herbstfarben und Morgennebel über dem See. Das einzig blöde in Schweden ist, dass die wenigen richtigen Rastplätze alle keine Mülleimer aufweisen, sodass wir unseren Müll mal wieder weiter mitschleppen müssen.
Als Tagesziel hatten wir uns einfach die Weiterfahrt nach Norden gesetzt, denn offenbar sind wir für die „richtigen“ Polarlichter ja immer noch nicht hoch genug. Bis zum Polarkreis sind es noch 600 Kilometer, die wir heute definitiv nicht schaffen werden. Davon ab, dass wir ursprünglich überhaupt nicht soweit nördlich geplant hatten und schon Trondheim als absolutes Maximum anvisiert hatten… Immerhin sind wir ja sehr flexibel und können alles umschmeißen. Blöd nur, dass wir nicht viel Zeit haben und die ganze Strecke schon bald wieder gen Süden fahren müssen. Ich hätte gerne viel mehr Urlaub :-(!
Irgendwie war die Entscheidung, aus unserer „Schlafstraße“ heraus nach links abzubiegen offenbar nicht die beste Wahl, denn es dauerte nicht lange und Google scheuchte uns auf eine Schotterstraße. Nicht nur ein Stück sondern gleich 40 Kilometer. Auweia! Es galt von einem Schlagloch zum Nächsten zu fahren und als wir das Ganze realisiert hatten, schauten wir lieber mal selbst auf die Karte. Diese Pause war ein Wink des Schicksals, denn genau jetzt kam aus der Gegenrichtung ein LKW angeschossen. Klar, hier sind ja auch 80 Km/h erlaubt. Mit Gegenverkehr und erst Recht einem LKW haben wir hier nun überhaupt nicht gerechnet. Auf der teils sehr kurvigen, schmalen Straße hätte das auch durchaus ins Auge gehen können. Uff!
Jedenfalls war klar, dass die größeren Straßen von hier viel zu weit weg sind und wir uns dem Schicksal der Schotterstraße weiter fügen müssen. Immerhin waren wir jetzt vorgewarnt und tatsächlich begegneten uns hin und wieder andere Autos. Sogar kleine Ortschaften, die zwar nur aus 1-2 Häusern bestanden, aber immerhin blaue Ortsschilder bekamen, durchfuhren wir. Hier zu wohnen wäre mein persönlicher Albtraum. Mal eben Einkaufen oder Freunde treffen geht gar nicht…
Endlich hatten wir die 40 Kilometer geschafft und fuhren ein kleines Stück über Asphalt, aber auch nur, um dann in die nächste Schotterstraße für erneut 20 Kilometer abbiegen zu müssen. So mitten im Wald hofften wir natürlich immer mal auf Elche, aber selbst hier waren sie uns nicht vergönnt.
Als wir dann endlich wieder eine größere Straße mit 3 Nummern erreichten, waren wir absolut erleichtert. Endlich konnte man wieder entspannter fahren und musste nicht auf jedes Schlagloch aufpassen.
Die Kilometer zogen sich und und zogen sich und es gab einfach keinerlei Ablenkung. Nach ungefähr 2 Stunden erreichten wir das kleine Örtchen Junsele. Hier gab es tatsächlich mal einen Supermarkt und eine Schule. An der Schule machten wir dann gleich mal eine Pause, denn auf dem freien Parkplatz gab es endlich einen Mülleimer. Inzwischen hatten sich bereits 2 volle Beutel angesammelt und eigentlich müssten wir auch unseren Feststoff vom Klo mal entsorgen… Vor der Schule haben wir darauf aber lieber verzichtet.
Mit neuer Kraft ging es dann weiter. Endlich waren wir auf der E90 und damit wieder auf einer größeren Straße, wo uns tatsächlich auch mal ein deutsches Wohnmobil entgegen kam. Wir fühlten uns gleich um einiges besser!
Und wie wir hier nun wieder durch viel viel Wald und wenigen kleinen Orten fahren, laufen tatsächlich 2 Elche über die Straße. Leider waren sie noch zu weit weg um sie zu fotografieren, aber wir haben sie eindeutig gesehen! Kurz hinter der Sichtung gab es dann auch direkt einen passenden Parkplatz und André lief mit der Kamera bewaffnet noch hinter ihnen her in den Wald, konnte sie aber nicht mehr entdecken. Schade!
Durch diese Sichtung bekamen wir noch einmal eine ganz andere Motivation durch diese teils sehr eintönige Landschaft zu fahren, dass wir gar nicht merkten, dass schon wieder 2 Stunden vergangen sind, als wir im nächsten größeren Ort Lycksele ankamen. Hier nutzten wir dann die Gelegenheit zu tanken. Da auch unser Wasservorrat nicht mehr der aller größte ist, schaute ich mal bei Park4night und stellte fest, dass wir die einzige Wasserquelle im Umkreis direkt vor unserer Nase haben. Direkt an der Tankstelle war ein Anschluss. Sicherheitshalber fragten wir noch einmal, ob es auch Trinkwasser ist und nach einem freudigen Ja nutzten wir unseren kleinen Schlauch zum Auffüllen. So musste auch der lange Schlauch nicht direkt wieder nass verladen werden! Perfekt!
Beim Wassertanken wurden wir von einigen Einheimischen etwas argwönisch beäugelt. Die haben doch bestimmt schon oft Touristen gesehen und auch um diese Jahreszeit sind wir gewiss nicht die einzigen hier oben… Jedenfalls gaben sie uns das Gefühl, lieber schnell weiterzufahren. Das Gefühl hatten wir hier oben bisher noch nie!!!

Der Tag war noch früh genug, um weiter gen Norden zu fahren und auf der waldigen Landstraße entdeckten wir bald die ersten Rentiere. Die ersten 4 Tiere dieses Urlaubs waren dann aber ziemlich scheu und rannten gleich von der Straße weg. Für uns sehr ungewohnt, denn auf unserer Nordkappreise liefen sie oft etliche Meter vor den Autos her oder ließen sich überhaupt nicht vom Straßenrand vertreiben.

Etwas später stießen wir dann aber auf eine größere Herde mitten auf der Straße, genau so, wie wir sie kennen. Erst ein entgegenkommender Fahrer, der es scheinbar eilig hatte, hupte die Tiere von der Straße. Schade!

Am Nachmittag erreichten wir dann den Ort Arvidsjauer. Nach dem vielen Wald sind die kleinen, aber für die hiesigen Verhältnisse großen Orte, eine willkommene Abwechslung. Als wir dann noch eine Elchfamilie aus Holzskulpturen entdeckten, entschieden wir, zu drehen.
Wir parkten am Seitenstreifen und machten einen Mini-Spaziergang an den Geschäften vorbei. Obwohl die Natur hier wirklich super super schön ist, möchte ich hier auf keinen Fall wohnen. Es gibt einfach kaum Einkaufsmöglichkeiten und auch sonst wenig Freizeitaktivitäten, die nicht mit Bewegung in der Natur zusammenhängen…
Nachdem wir unsere Pause beendet hatten, merkten wir, dass die Sonne schon wieder deutlich tiefer am Himmel steht und es nicht mehr allzu lange dauert, bis sie untergehen wird. Höchste Zeit also, einen Schlafplatz zu suchen. Bei Park4night war die Auswahl nicht wirklich groß und wir waren uns einig, dass wir nicht direkt an der Hauptstraße stehen wollen… Hinzukommt, dass wir ja unbedingt eine freie Sicht nach Norden brauchen, was die Platzauswahl noch einmal um einiges einschränkt.
Ein paar Kilometer hinter dem Ort Moskosel hatten wir einen versteckten Platz entdeckt. Von hier noch 30 Minuten Fahrtzeit, die akzeptabel sind. Beim Ansteuern entdeckten wir dann aber ca. 10 Minuten vorher einen tollen Parkplatz direkt an der E90. Er hatte einfach den perfekten freien Blick nach Norden über einen schönen See, sodass wir gleich mal anhielten. Ein wirklich toller Platz mit Feuerstellen ganz nah bei einem Campingplatz. Wir stiegen aus und sondierten die Lage, denn eigentlich wollten wir ja nicht an der Hauptstraße stehen… Dabei entdeckten wir einen Zettel. Dieser Parkplatz auf einer kleinen Insel gehört mit zum Campingplatz und kostet daher 200 Kronen für die Übernachtung. Ein Platz direkt auf dem Campingplatz, der noch mehr Sicht gen Norden hat, kostet 300 Kronen. Mhh! Eigentlich sehen wir es nicht ein, nur für’s Stehen zu bezahlen, denn gerade in Skandinavien gibt es genug freie Plätze…

Nach einigem Hin und Her entschieden wir daher, uns den eigentlich Platz anzuschauen. Schade, Schokolade. Der einzige, von der Hauptstraße versteckte Platz war schon besetzt. Von den anderen Plätzen gibt es keine freie Sicht nach Norden und andere Alternativen gibt Park4night auch nicht mehr her… So drehten wir um und landeten tatsächlich auf dem Campingplatz.
Die Betreiber, eine Deutsche und ein Schwede, haben den Platz erst im Juni übernommen. Immerhin leben sie die nordische Entspanntheit und so steht am Eingang ein Schild, dass man einfach Drauffahren darf und sich einen Platz suchen kann. Das Bezahlen läuft ganz entspannt am nächsten Morgen.
Neben uns stand noch ein weiteres Deutsches Mobil, dessen Besitzer sich aber nicht mehr aus dem Auto rausbewegt haben. Zusätzlich gab es noch ein paar Holzhütten, von denen mindestens 2 bewohnt sind. Eine hinter uns mit Holländern und eine neben uns mit Münsteranern. Mit diesen sind wir auch gleich ins Gespräch gekommen und sie erzählten, dass es in einer der letzten Nächte hier richtig gut sichtbare Polarlichter gab. Perfekt, genau das brauchen wir!
Da es inzwischen schon ziemlich spät war, machten wir ein schnelles Essen und bereiteten uns auf die Polarlichtjagd vor. Als es dann gegen 21 Uhr soweit war, war Niemand zu sehen. Hä? Interessieren die sich doch nicht für die Polarlichter? Jedenfalls machten wir mit unserem ewigen Schiebetür auf und Schiebetür zu ganz schön Krach und meldeten unsere Sichtung auch mal in der App. Dennoch kam keiner hinaus.

Auch auf die Gefahr hin, dass es am nächsten Tag Ärger wegen zu häufigem Tür- auf und Tür- zu geben könnte, verfolgten wir die Polarlichter ganz eifrig. Interessanterweise waren sie gar nicht so richtig im Norden, sondern eher östlich von uns. Immerhin die Bestätigung, dass es richtig war, hierher zu wechseln, denn von dem Platz an der Landstraße hätten wir deutlich weniger gesehen.
Mit Temperaturen im Minusbereich fror der Boden mehr und mehr und unsere Füße wurden vom vielen Herumstehen immer weiter. Es half nichts und wir mussten auch noch die Hecktüren öffnen, um dort die warmen Stiefel hervorzukramen. Doch auch jetzt ließen sich unsere Nachbarn nicht blicken.

Bis Mitternacht konnten wir das Spektakel beobachten, danach zogen mehr Wolken auf und die intensive Zeit schien vorbei, denn es war nur noch ein gleichbleibendes grün-pink sichtbar. Eigentlich ein wenig dankbar, nun endlich wieder in den warmen Juckel zu kommen, beendeten wir unsere erste bessere Polarlichtnacht und fielen müde in die Betten.