Nachdem wir gestern ziemlich gefrustet ins Bett gegangen sind, konnten wir die Nacht trotz Regen zumindest ziemlich gut schlafen und morgens dann auch wieder etwas zeitiger aus dem Bett springen.
Nach dem Frühstück gingen wir dann mit all unserem Gerödel vom Grillen und Stockbrot erstmal in das kleine Küchenhaus und nutzten dort die Gelegenheit zum Abwaschen und leerten anschließend noch unser Klo (sowohl flüssig wie auch fest) um für die nächsten Tage gerüstet zu sein.
In einem kurzen Gespräch mit den Münsteranern war klar, dass sie noch länger bleiben und sich freuen würden, wenn wir auch den heutigen Abend gemeinsam verbringen. Laut App wären die Bedingungen erneut sehr gut, aber wie sicher diese Angabe ist, haben wir ja gestern Abend erst leidig erfahren…
Für uns steht fest, dass wir erstmal wieder Fahren wollen, alleine schon, um die Batterien wieder zu füllen. In der Nähe gibt es eine blaue Lagune, die sich bei dem herrlichen Sonnenschein, den wir aktuell haben, sicher auch lohnen würde, aber irgendwie reizt es uns nicht so wirklich und so fahren wir erst einmal nach Jokkmokk, um den Polarkreis an einer neuen Stelle zu überqueren. Unser Juckel tat sich beim Anspringen tatsächlich etwas schwerer… 1,5 Tage stehen bei eisigen Temperaturen sollten der Batterie aber nicht so viel anhaben… offenbar müssen wir doch noch mal mit Ford ins Gespräch kommen…
Nach einem Pausetag war das Fahren heute wieder viel angenehmer und die Stunde bis zum Polarkreis verging wie im Fluge. Auf dem Weg hatten wir schon herausgefunden, dass das Souvenircenter bereits in der Winterpause ist, was wir natürlich sehr bedauerten…

Da es für unseren Juckel die erste Polarkreisüberquerung ist, mussten natürlich viele Fotos geschossen werden. Das sonnige Wetter bot sich dazu auch perfekt an. Schade ist, dass man das Schild auf Grund der vielen vielen Aufkleber kaum noch erkennen kann. Von Außen warfen wir dann noch einen Blick in das geschlossene Polarkreiscenter rein und konnten eine schöne Auswahl an Souvenirs entdecken. So wenig Autos fahren hier auch gar nicht vorbei, sodass wir ein wenig verwundert sind, dass die Winterpause bereits begonnen hat. Naja, ändern können wir es nicht und so beschließen wir, bis in die Stadt Jokkmokk weiterzufahren.
Hier gab es dann auch endlich wieder richtige Einkaufsmöglichkeiten sodass wir beim ICA einen ersten Stopp einlegten. Das Gebäude wirkt zwar recht groß, aber wenn man im Laden ist, merkt man, dass die Auswahl schon relativ begrenzt ist. Zumindest für Milch, neue Joghurts und typisch schwedische Zimtschnecken reicht es.

Anschließend ging es auch gleich noch in den benachbarten Coop, wo ich endlich mein geliebtes Lakritz bekam. Allerdings hatten wir hier mit mehr Einkaufsmöglichkeiten gerechnet, denn für die eiskalten Polarlichtnächte würde sich eine warme Skihose definitiv anbieten… So schauten wir auf die Karte und entdeckten in Galliväre, was erneut 1 Stunde entfernt ist, mehr Möglichkeiten. Da überlegten wir natürlich nicht lange und schwangen uns erneut auf die E45.
Es dauerte nicht lange und wir durchfuhren Porjus, den Ort, den wir immer bei den Webcams in der Polarlicht-App entdeckten. So richtig viel ist hier allerdings auch nicht los, sodass es ohne Zwischenhalt gleich weiter ging.

Die Zeit verging und wir erreichten Gällivare. Scheinbar die einzig größere Stadt im Umkreis, die deutlich mehr Einkaufsmöglichkeiten zu bieten hat. Schnell fanden wir einen kostenlosen Parkplatz für Juckel und machten einen Spaziergang durch die kleine Fußgängerzone. Wir entdeckten ein Mini-Einkaufszentrum mit einem Intersport und schauten gleich mal nach. Aber auch hier gab es keine Skihosen in passender Größe. Wo kaufen eigentlich die ganzen Schweden ein???
Etwas außerhalb gab es noch ein größeres Einkaufsgebiet mit einem größeren ICA und einem Dollar-Shop, den wir kurzerhand durchforsteten. Für Weihnachtsdeko waren wir leider noch zu früh dran und den ganzen anderen Ramsch brauchten wir nicht, sodass wir mal wieder mit leeren Händen hinauskamen. Mal abgesehen von dem vielen Diesel bleibt unsere Urlaubskasse dieses Mal echt verschont ;-).
Zurück bei Juckel mussten wir nun eine Entscheidung treffen:
Fahren wir zurück zum Campingplatz? Nee, 2 Stunden umsonst Strecke gemacht…
Fahren wir weiter nach Rovaniemi und besuchen den Weihnachtsmann? Mhh, da kann man auf jeden Fall Souvenirs shoppen
oder fahren wir direkt weiter gen Norden?
Unsere Entscheidung überließen wir noch einmal den Wetter-Apps. Diese sagten, dass es keinen Sinn macht weiter gen Norden zu fahren. Die besten Wahrscheinlichkeiten bekommen wir eher auf unserer Höhe und am besten noch etwas gen Osten… Bei Park4night wurden wir dann bei Lansjärv fündig. Ein ebener Parkplatz direkt am Sandstrand mit Blick nach Norden und super Bewertungen. Laut Google ungefähr eine Stunde von hier entfernt, den nehmen wir! Dann können wir die Entscheidung, ob wir nach Rovaniemi fahren und dann über die langweilige Küstenstraße zurück gen Süden oder doch weiter gen Norden und über Norwegen zurück, noch etwas vertagen.

Als wir nach einer Stunde dann den Platz erreichen, standen in der hintersten Ecke bereits 2 Deutsche. Zum Glück ist der Platz aber so groß, dass wir mit ganz viel Abstand am anderen Ende parken konnten. Die Aussicht nach Norden ist fantastisch und das Wetter spielt bisher auch mit.
Die Zeit zum Dunkelwerden nutzten wir dann zum Essen und Spülen, denn aus dem Problem mit dem nicht abgearbeiteten Chaos von gestern haben wir definitiv gelernt! Inzwischen gesellte sich auch ein Schwede zu uns, der leider nicht mehr so viel Abstand zu uns hielt… Sein Problem, wenn ihn die Türgeräusche später stören…
Es passte zeitlich alles perfekt! Wir waren gerade erst fertig, als wir die ersten Polarlichter entdecken konnten. Und diese waren mega! Absolut deutlich sichtbar und wirklich sehr aktiv! Aber auch heute mussten wir erstmal wieder eher gen Osten als nach Norden schauen.

Blöd, dass wir am östlichsten Rand und damit direkt bei höheren Bäumen standen. Hilft nix. Im stockdunklen sind wir dann den Strand entlang gen Westen gelaufen, wo sich die anderen Deutschen gerade auch positionierten. Ist ja zum Glück genug Platz für alle…

Und dann ging es richtig ab! Es war einfach nur unglaublich und unbeschreiblich, wie sich die Lichter überallhin ausdehnten. Blöd war nur, dass sich mal wieder Wolken ins Bild drängten sodass wir gegen 23 Uhr zwar einen komplett grünen Wolkenhimmel, aber eben nicht mehr die klaren Polarlichtbänder ausmachen konnten. Sogar über uns war wirklich alles grün!

Ich schaute in die Apps und sah, dass es ein schmales Wolkenband ist, dass sich ganz langsam von West nach Ost hindurchschiebt. Auf den Webcams konnte man auch in Porjus und Abisko Polarlichter sehen und so entschied ich kurzerhand, dass wir alles zusammenpacken und ca. 50 Kilometer zurück gen Norden fahren. André guckte mich kurz irritiert an, vertraute mir dann aber und fuhr los.

Mit unseren Scheinwerfern war die Fahrt dann aber alles andere als lustig, denn wir konnten die Strecke vor und neben uns kaum ausleuchten und hatten immer bedenken, dass doch mal ein Elch aus dem Gebüsch hüpft… Dafür war es um uns herum aber noch immer dunkel genug, sodass ich aus dem Auto heraus die Sterne und Polarlichter sehen konnte. Als ich das Gefühl hatte, die Wolken sind verschwunden, hielt André in einer Parkbucht an und wir konnten die Show direkt über uns weiterverfolgen. Und das mitten an der E45 stehend, wo hin und wieder doch ein LKW an uns vorbei brettert… Einfach unglaublich. Da war es sogar egal, dass wir keinen perfekten Blick mehr nach Norden hatten.

Irgendwann störten uns auch hier wieder die Wolken und wir fuhren ein paar Parkbuchten weiter und hatten wieder freien Himmel. Yiehaa! Ich liebe es, wenn ein Plan aufgeht!!!
Als wir dann nach einer guten Stunde schon ziemlich durchgefroren waren, kam die Frage auf, ob wir jetzt wieder zurück zum Seeplatz fahren wollen oder einen anderen Schlafplatz nehmen. Ich schaute kurz bei Park4night und fand einen guten Alternativplatz bei Hakkas. Hier haben wir den Seeblick zwar nach Süden, aber nachdem wir die Polarlicht-Spiegelungen vorhin ewig auf dem See sehen konnten, die Lichter anschließend direkt über uns tanzten und es inzwischen weit nach Mitternacht ist, sollte das kein Problem mehr sein…

Wir steuerten den Platz an und konnten selbst dort noch einmal richtig geile Fotos schießen, ehe es dann völlig durchgefroren und mit Adrenalin vollgepumpt, völlig ko ins Bett ging. Vor lauter Aufregung vergaß ich sogar, den Wecker zu stellen :-D.