Auch morgens als der Wecker klingelte war ich noch ziemlich angefressen. André bekam inzwischen die Krise, schaute sich eine Livewebcam vom Grenzübergang oben im Gebirge an und sah den frischen Schnee. Er bot mir an, zurück zu fahren und den Tag im Winterland zu verbringen, um dann abends in Abisko zu stehen, aber nachdem wir gestern erst die Etappen bis zu unserer Rückkehr gesteckt hatten, fehlte mir da ein wenig Puffer… Immerhin sieht man inzwischen jeden Tag den pinken Schnee über Norwegen auf dem Wetterradar und in einer Facebook Gruppe waren die Nordlandsporten vor wenigen Tagen auch schon komplett weiß… wer weiß, wie viel Schnee uns auf der Rückreise noch erwartet und die Fahrt evtl. verlängert… Außerdem sind wir gestern Abend noch vor Narvik über eine Brücke gefahren, die allen Ernstes 9 € Maut gekostet hat… Langsam werden die Preise wirklich unverschämt. Zurückfahren bedeutet entweder +18 € oder jeweils eine ziemlich großen Umweg fahren. Das sehe ich ja mal gar nicht ein!
Als wir dann die ersten Schritte aus dem Auto raus gemacht haben, wussten wir, dass es zumindest goldrichtig war, gestern Abend nicht mehr umzudrehen. Der Parkplatz glich einer Schlittschuhbahn und wir waren uns gar nicht sicher, ob wir wohl den Berg vom Parkplatz zur Straße zurück, problemlos meistern werden.

Während wir frühstückten fuhr das andere Wohnmobil bereits ab und hatte keine Probleme, den Berg hinaufzufahren. Natürlich könnten sie, wie fast alle Einheimischen hier, Spikes aufgezogen haben, aber wir hoffen mal, dass sie ganz normale Winterreifen haben. Zeitgleich fuhr der Räumdienst oben an der Straße lang und verteilte eine flüssige Salzschicht.
Nach dem Frühstück mussten wir erstmal die gestern etwas lieblos platzierten Keile wieder lösen. Selbst die waren gut am Boden festgefroren. Anschließend war das Losfahren kein Problem und auch den Berg schaffte Juckel ganz entspannt. Da der Räumdienst noch nicht allzu lange vorbeigefahren war, glitzerte die Straße noch ganz ordentlich und ein vorsichtiger Bremstest bestätigte, dass die schattigen Bereiche ziemlich glatt sind. Mit der nötigen Vorsicht ging es nun ganz entspannt bis Skarberget, wo die E6 erstmals durch eine Fähre unterbrochen wird.
Unterwegs hielten wir noch fix an einem Rastplatz an, um zumindest das Klo zu leeren. Eigentlich wäre es auch mal wieder Zeit, den Abwassertank zu leeren, aber bisher ist uns noch keine Entsorgungsmöglichkeit vor die Nase gefallen… Noch ist er zum Glück nicht ganz voll.
Hier trafen wir dann auch auf das Wohnmobil, was mit uns auf dem Platz genächtigt hat. Im Gegensatz zu unserer Trenntoilette, die wir in der ganz normalen Toilette entsorgen konnten, mussten sie mit vollem Klo weiterfahren, denn die Kassettenentleerung war wegen dem Frost bereits gesperrt. Wieder einmal wurde die Änderung der Toilette bestätigt und wir genießen die einfache Handhabung jeden Tag auf’s Neue.

Anschließend setzten wir unsere Fahrt fort und landeten alsbald hinter dem Räumfahrzeug. Zwei LKW schafften es nämlich nicht, dieses zu überholen. Puh, so zog sich die Fahrt dann leider wieder unnötig und wir nutzten lieber einen der ersten schöne-Aussicht Plätze für eine längere Fotopause.
Auch hier waren die Straßen teils noch tierisch glatt und auch neben der Straße waren die Schattenbereiche noch mächtig gefroren. Eine Farnsorte sah dabei besonders genial aus, aber wir schafften es nicht, sie so zu fotografieren :-(.
Beim Ort Ballangan hatten wir unser Räumfahrzeug dann leider schon wieder eingeholt und es dauerte, bis auch wir eine günstige Gelegenheit zum Überholen hatten. Der arme Juckel musste solange ganz schön viel Salz abkriegen. Zu Hause muss er unbedingt eine ordentliche Wäsche bekommen!
Als wir dann endlich überholen konnten, war es bis zum Fähranleger noch ein gutes Stück auf teils sehr glatten Straßen. Die Entscheidung, nicht mehr umzudrehen war also auch goldrichtig, wobei ich der Winterlandschaft weiter hinterhertrauer… Zumal wir nicht mehr so richtig durch’s Gebirge fahren und die Chancen noch einmal so viel Schnee zu bekommen, jede Stunde geringer werden. Schauen wir mal.

Am Fähranleger angekommen hatte sich schon eine gute Schlange gebildet und auch das andere Wohnmobil wartete noch. Zur Nebensaison scheinen die auch an den Hauptstraßen weniger Fähren anzubieten.
Es dauerte nicht lange und die Fähre fuhr ein und lud alle Autos aus. Anders als sonst dauerte es aber ewig, bis wir dann endlich auf’s Schiff durften und wir fürchteten schon einen technischen Defekt. Endlich durften wir hinauf und wurden genau hinter dem anderen Wohnmobil platziert. Erst jetzt sahen wir, dass sie aus Essen kommen und den gleichen Händler haben wie wir. Lustig! Natürlich blieben wir während der Überfahrt nicht im Auto sitzen sondern schauten uns die schöne Landschaft an. Dabei kamen wir mit dem anderen Wohnmobilfahrern dann auch kurz ins Gespräch.

Kurz vor dem Anlegen ging es dann fix wieder ins Auto zurück und wir gaben Straumen als grobes Ziel ins Navi. Die 3 stündige Fahrt über die E6 dauerte bei uns mal wieder viiiiiel länger, weil es nach jeder Kurve ein neues Postkarten-Motiv gab. Zugegeben, bei dem Sonnenschein, den Herbstfarben am Wasser und den Schneebergen keine große Herausforderung, hier geniale Fotos zu machen…

Zwischendurch machten wir noch eine kleine Einkaufspause und snackten auf einem kleinen Rastplatz. Wahrscheinlich, damit sowas wie gestern nicht wieder vorkommt 😀
Als wir unserem Ziel am späten Nachmittag dann näher kamen, ging es mal wieder in die heiße Phase… Wo wird der Himmel wolkenfrei, wo stehen wir abseits der Straße und haben einen schönen Blick nach Norden? Bei Park4night gab es wieder einmal nicht die allerbesten Plätze und so schauten wir selbst auf der Karte, was natürlich einige Zeit in Anspruch nimmt. Nach längerem Suchen entschieden wir uns für Røsvik kystfort, obwohl es einen deutlichen Umweg versprach. Hier hatten wir allerdings in den Google Kommentaren gelesen, dass es einen großen Parkplatz gäbe und sich Leute dort auch schon öfter zum Angeln und Grillen verabredet hätten… Klingt eigentlich ganz gut…

Als wir dann über teils sehr schmale Straßen mit viel Gegenverkehr ( es ist Sonntagnachmittag, wo wollen die eigentlich alle hin?), den Weg zum ausgewählten Platz gemeistert hatten, kam die Ernüchterung leider sehr schnell… Einerseits hatten wir direkt hinter uns 2 Wohnhäuser, die definitiv bewohnt waren und zum anderen eine dicke fette Straßenlaterne, die uns das Fotografieren hundertprozentig erschweren wird. Schade! Denn der Ausblick von hier wäre grandios!
Glücklicherweise hatten wir auf dem Hinweg schon ein wenig die Augen offengehalten und einen potenziellen Alternativplatz ins Auge gefasst. Dieser gehört zwar zu einem Kieswerk und das Parken ist von 6-22 Uhr verboten, aber es schien vorhin schon nicht aktiv zu sein, sodass die paar Stunden vorher am Sonntag vermutlich kein Problem sein werden…
Auf dem Rückweg dorthin schauten wir noch einmal genauer nach Alternativen, aber alles wirkte wie Privatparkplätze oder war völlig erleuchtet. So landeten wir dann doch am Kieswerk. Ein Angler holte gerade sein Boot aus dem Wasser und hatte seinen Hänger, genau wie ein anderer, auch im Parkverbot platziert und wir provozierten ein wenig, ob derjenige mit uns sprechen würde…

Offenbar waren wir ihm völlig egal und so entschieden wir zu bleiben. Da aber auch der andere Angler immer näher zum Ufer kam, zögerten wir noch ein wenig, den Grill aufzubauen. Irgendwann siegte dann aber doch der Hunger und wir ignorierten den Angler. Eine weise Entscheidung, denn wir waren schon fast fertig mit dem Essen, als die beiden ihr Boot an Land holten. Auch sie störten sich nicht an uns und so spülten wir fleißig, um die Wartezeit auf die vollkommene Dunkelheit zu überbrücken.

Heute mussten wir wieder nicht lange warten und es war noch nicht einmal 21 Uhr als sich die erste Knallershow am Himmel bildetet. Dieses Mal sogar komplett wolkenfrei. YIEHJA! Wir wussten gar nicht, wo wir zuerst hinschauen sollten, denn sowohl im Osten, wie im Westen und auch genau über uns ging die absolute Party ab. Immer wenn André die Kamera gerade für ein Video positioniert hatte, ging die Post an einer anderen Stelle noch stärker los. Es war einfach nur krass und wir konnten das Pink und Grün mit bloßem Auge erkennen und auch das typische Band tanzte so richtig über unserem Kopf. Die Polarlicht-App kam mit ihren Alarm-Benachrichtigungen kaum hinterher, kein Wunder, waren wir mitten im roten Bereich und die Wahrscheinlichkeit wuchs auf bis zu 70 Prozent. Krass!


Nervig waren nur die vielen Autos, die an der Straße vorbeifuhren. Sowohl in das Sackgassen-Dorf rein, wie auch raus. Was wollen die da alle noch??? Zwischendurch hielt sogar ein Einheimischer an und bestaunte die Show genau wie wir.

Als nach über einer Stunde dann die erste große Party vorbei war, konnten wir endlich ein wenig durchatmen und uns vor allem in Juckel aufwärmen. Die Pause hielt allerdings nicht lange an und schon startete die 2. Show. Immerhin hatten wir dieses Mal die Heizkissen vorbereitet. An den Füßen wirkten sie nicht richtig, aber in den Händen wurden sie schön warm. Das beste an unserem Platz war aber, dass wir hier niemanden mit unserem Tür auf-Tür zu Spiel nerven konnten…

Die 2. Show war dann erst gegen halb 2 zu Ende und ich war völlig durchgefroren und einfach nur noch müde. Für uns war klar, dass wir an diesem Ort nicht bleiben wollen, denn um 6 Uhr werden wahrscheinlich alle zur Arbeit kommen und uns wegscheuchen. Glücklicherweise hatte Park4night eine Alternative, abseits der Hauptstraße, gerade einmal 10 Minuten entfernt.
Als wir gerade zusammenpacken wollten, hatten wir schon das Gefühl, dass die Party erneut losgeht, aber so richtig überzeugend war es dann doch noch nicht und wir fuhren ab. In absoluter Dunkelheit auf teils sehr glatten Straßen fuhren wir sehr langsam. Ein Blick aus dem Fenster zeigte schon wieder sehr deutlich sichtbare Polarlichter und ich merkte, dass in André erneut kribbelte…

Endlich erreichten wir den Schlafplatz, wo tatsächlich schon ein Schweizer stand. Glücklicherweise war der Platz aber groß genug, sodass wir uns noch flugs daneben stellen konnten. Beim „Ich muss noch einmal kurz Gucken“ war dann klar, dass die Show wirklich noch einmal neu losgeht und André baute trotz der hohen Bäume auch hier noch mal die Kamera auf… Wieder blieb er über eine Stunde in der eisigen Kälte zum Filmen und Fotografieren. Dieses Mal allerdings ohne Mütze und Handschuhe und aus Rücksicht der anderen beließ er es auch so… Der Arme… Mich wunderte nur, dass es denen so egal war, denn als wir ankamen brannte noch Licht im Van… egal… Selbst in den Sozialen Medien ging die Post ab, denn die Lichter waren sogar bis Mallorca sichtbar und auch in Deutschland so extrem wie bisher nie! Und wir waren mitten im Hauptgebiet, unglaublich!!!



Gegen 3 Uhr gaben wir dann aber auf und legten uns völlig durchgefroren schlafen. Was für ein Abend, absolut magisch! Beim Einschlafen wusste ich, weshalb wir all die vielen Kilometer Strecke auf uns genommen haben!