Nach der letzten Polarlicht-Nacht waren wir schlauer und hatten uns den Wecker auf 9 Uhr gestellt. Puh, als er klingelte waren wir noch ganz schön gerädert. Demnach ließen wir den Morgen auch sehr entspannt beginnen und sondierten die Fotos der letzten Nacht schon einmal auf der Kamera. Bis wir die besten für den WhatsApp Status auserkoren hatten, ist bestimmt ein Stündchen Zeit vergangen.
Parallel erfuhren wir über die sozialen Netzwerke, dass es gegen 5 Uhr noch einmal eine Wahnsinns Show gegeben haben muss. Das wir die verpennt haben, war nach den beiden Knallershows, die wir gesehen hatten, gut verschmerzbar.
Unsere Schweizer Nachbarn rührten sich auch erst relativ spät, machten aber keinerlei Anstalten, Kontakt zu uns aufzunehmen oder sich gar zu beschweren. Umso besser.

Wir nutzten das erneut herrlich kalte Winterwetter zum Lüften und unsere Nachbarn ließen derweil den Motor laufen. Na gut, auch eine Möglichkeit des Protests… Unsere Laune war nach der Polarlicht-Nacht allerdings viel zu gut, als dass es uns hätte aus der Ruhe bringen können und so packten wir gemütlich alles zusammen und fuhren heute mal wieder etwas später ab. Ist ja schließlich Urlaub!
Schweren Herzens programmierten wir unser Navi auf das Polarkreis-Center direkt an der E6. Mit knapp 2 Stunden eine nicht allzulange Fahrt.
Die kleine Straße unseres Schlafplatzes war noch immer ziemlich glatt, aber mit einer besonnenen Fahrweise keine wirkliche Herausforderung. Auf der E6 war dann schon lange gestreut, klar heute müssen die Einheimischen ja auch wieder arbeiten…
Nach ungefähr einer halben Stunde Fahrt erreichten wir den etwas größeren Ort Fauske, wo die E6 mitten hindurchführt. Durch Zufall entdeckten wir das Schild „Entsorgung“ und schlugen gleich mal einen Umweg ein. Der Platz war dann doch etwas weiter abseits und nicht ganz perfekt ausgeschildert, aber mit dem richtigen Riecher fanden wir ihn fix. Hier stand schon ein anderes deutsches Wohnmobil zum Wassertanken. Der Abwasserlauf war aber frei und so machten wir den Tank fix leer. Dabei überlegten wir, dass es besser wäre, wenn wir auch noch etwas Frischwasser zutanken würden, denn wenn wir bald wieder nach Schweden abbiegen, wird es dort ein wenig schwieriger.

Das Pärchen brauche mit ihrem zusätzlich verbauten Wasserfilter dann aber so lange, dass wir entschieden, erst im nahen Supermarkt einzukaufen. Auch hier auf dem Parkplatz standen etliche andere Wohnmobile. Willkommen zurück auf der Touristrecke :-D.

Der Supermarkt war deutlich größer und demnach besser ausgestattet sodass wir alle Vorräte auffüllen konnten. Zeitgleich mit uns fuhr ein anderes Wohnmobil los, die natürlich auch die Ver- und Entsorgungsstelle ansteuerten. So ein Mist! Scheinbar hatten sie aber keine Lust, gehetzt zu werden, und ließen uns den Vortritt. Vielen Dank dafür!
Mit dem vorbereiteten Schlauch vor Ort war unser Tank auch fix gefüllt. Ein wenig verwundert bin ich ja, dass hier das Wasser noch nicht abgestellt wurde, denn am Haus haben sich schon richtige Eiszapfen gebildet und am Boden gibt es auch eisige Stellen, wo andere Wohnmobile ein wenig Wasser verplempert haben. Egal, Glück für uns und natürlich machen wir den Platz schnell frei.

Wir setzten unsere Fahrt vor und kamen nach einer guten Stunde beim Nordland National Park Center vorbei. Da hier auch eine günstige Tankstelle angeschlossen ist, nutzten wir die Chance, Juckel mal wieder mit Diesel zu füllen und weil an der Tankstelle mal wieder Werbung für Softeis gemacht wird, versuchten wir unser Glück. Mittags gegen 12 bei Minusgraden und Sonnenschein schmeckt ein Softeis mindestens genauso gut, wie im Sommer! Faszinierend waren die vielen Eiszapfen, die auch hier an einer Holzhütte hinabhingen. Mit dem Eis war ich zumindest ein wenig für den fehlenden Schnee versühnt.

Das Nationalpark-Center, welches einen interessant aussehenden Souvenirshop hat, ist montags leider geschlossen. Es ist so gemein! Hoffentlich habe ich gleich beim Polarkreiscenter mehr Glück.
Nach dem Eis waren wir doch ein wenig durchgefroren und statt einer schönen Wanderung hier entschieden wir uns dann doch lieber für die Weiterfahrt. Bis zum Polarkreis sind es nun nur noch 30 Minuten :-(.

Immerhin befinden wir uns nun wieder auf einer Hochebene mit Schneebergen und Rentieren. Am liebsten würde ich ja hier bleiben… Wir telefonierten noch fix mit der Versicherung und machten uns dann auf den Weg ins Center. Dieses kannten wir von unserer letzten Norwegenreise bereits, sodass wir wussten, dass es hier eine relativ große Auswahl gibt. Blöd nur, dass wir genau den asiatischen Reisebus erwischt hatten. Alles rannte wie aufgescheuchte Hühner von einem Bereich zum anderen und auch an den Kassen war es viel zu voll.

Mit so vielen Menschen waren wir ein wenig überfordert und so verging uns ein wenig die Lust. Eventuell aber auch, weil es irgendwie keinerlei neue Souvenirs gab und wir das Sortiment von damals schon kannten. Mit lediglich einer neuen Schneekugel ging es dann wieder vor die Tür.
Dort wollten wir von diesem kleinen Meilenstein dann aber trotzdem noch Fotos machen, aber die Asiaten schafften es immer wieder, im Weg zu stehen. Wieso müssen die eigentlich an allen Hotspots per Videotelefonie mit ihren Verwandten kommunizieren? Schrecklich! Wir flüchteten lieber zurück in unseren Juckel.
Unser nächstes großes Ziel waren nun die Nordlandsporten. Mit einer Fahrtzeit von 3,5 Stunden werden wir dort aber heute definitiv nicht mehr ankommen. Wir entschieden, erst noch ein Weilchen zu fahren und dann bei der nächsten Pause mal nach Schlafplätzen Ausschau zu halten.

Wir fuhren etwas mehr als eine Stunde und mit jedem Kilometer, den wir uns vom Polarkreis entfernten, wurde das Wetter schlechter und schlechter. Allerdings bekamen wir nicht den versprochenen Schnee sondern blöden Regen. Ach man… Dennoch war es Zeit für eine kleine Pause und dort suchten wir dann mal bei Park4night nach einem Schlafplatz. Puh! Die Suche nach abgelegenen Naturorten wird in der Nähe der E6 schon deutlich schwieriger. Erst bei Mosjøen wurden wir fündig, sodass wir noch ein weiteres Stündchen gen Süden fuhren.
Als wir dann endlich den Platz erreichten, waren wir ein wenig irritiert. Die Bilder passten mit der Umgebung nicht so richtig überein und obwohl wir die Keile nutzten, standen wir noch immer schief. Wir studierten daher noch einmal Park4night und lasen, dass man nicht zu nah am Fluss parken soll, da dieser bei Flut deutlich ansteigen würde. Mhh, stehen wir hier wohl weit genug weg? Irgendwie fehlten uns gescheite Referenzpunkte.
Nichts destotrotz kümmerten wir uns erst einmal ums Abendessen. Mit vollem Bauch sind wir vielleicht entspannter… Es gab zur Abwechslung mal ein paar Konserven, denn schließlich wollen wir die vollen Dosen nicht wieder ausladen müssen.
Nach dem Essen hatten wir wegen dem Fluss noch immer Zweifel, zumal es über Nacht stark schneien oder regnen soll. Als wir dann mal wieder die Polarlicht-App aufmachten, ärgerten wir uns ein wenig, denn es gab erneut eine Megashow, die wir ein paar Kilometer nördlich wahrscheinlich noch hätten sehen können. Naja, irgendwann müssen wir aber gen Süden sodass wir diesbezüglich zwar schon traurig waren, es aber kein Weltuntergang mehr war… Als wir dann aber auf dem Wetterradar sahen, dass wir in dem einzigen kleinen Regengebiet festhängen, während es nur wenige Kilometer weiter bereits schneien soll, war ich angefressen. André schaute sich eine Verkehrswebcam an und gab mir Recht… Naja, und weil wir mit unserem Schlafplatz hier ja eh nicht so richtig glücklich waren, packten wir kurzerhand im stockdunklen alles wieder zusammen und fuhren zurück zur E6 :-D.
Mal wieder ärgerte ich mich sehr über die viel zu dunkeln Scheinwerfer und stand völlig unter Anspannung, dass bloß kein Elch auf die Straße rennt. Seitdem wir vor nicht allzulanger Zeit ein Reh überfahren hatten, habe ich ein kleines Trauma :-(.
Obwohl wir der E6 immer weiter gen Süden folgten, wurde es nicht weiß. Wie kann das sein? Es regnete und wurde immer windiger und die Anspannung wurde immer größer und größer. André bekam wahrscheinlich gerade viel zu viel von mir und meiner Wut über den fehlenden Schnee, dass er froh war, als wir nach knapp 30 Minuten den neu gewählten Schlafplatz am Laksforsen Wasserfall erreichten.
Auch hier lag absolut kein Schnee, es regnete weiter fröhlich vom Himmel und auf dem Schlafplatz standen bereits drei andere Wohnmobile so bescheuert, dass wir uns nur als Kuschelparker hätten dazustellen können. Wir waren beide unzufrieden und durchforsteten verschiedene Apps bis wir irgendwann einen neuen Plan hatten:
Wenn wir noch ca. 10 Minuten weiter gen Süden fahren können wir bei Trofors auf die E73 abbiegen, die definitiv wieder ins Gebirge führt. Dort sollte es mit dem Schnee dann hoffentlich klappen…
Also wieder Motor an und mit den dunklen Scheinwerfern noch weiter gen Süden. Die Abzweigung kam und es dauerte nicht lange, da verwandelte sich der Regen erst zu Schneeregen und dann in schöne dicke Schneeflocken. Juhuu!
Allerdings kamen wir bald zu einer Schranke. Sollte der Schnee zu viel werden, kann hier der Pass also geschlossen werden… Erste Zweifel kamen in uns auf. Die Schneedecke wurde dicker und dicker und wir merkten, dass das bergauf Fahren zunehmend schwerer wurde. Vor uns tauchten plötzlich die Scheinwerfer eines anderen Kastenwagens auf und wir waren definitiv erleichtert. Die Erleichterung hielt aber nur kurz an, denn schon wenige Kurven später entschied sich der Norweger für’s Wenden. Wir wollten noch nicht aufgeben, denn bis zu einem potenziellen Schlafplatz war es nicht mehr weit.

Die dicke Schneedecke war ja das eine, aber uns kamen keinerlei Autos entgegen oder folgten uns, sodass wir immer unsicherer wurden. Als wir dann am Schlafplatz ankamen, stellten wir fest, dass dieser sehr abschüssig von der Straße ab liegt. Kommen wir hier morgen überhaupt wieder raus? Wird die Straße wohl geräumt oder gar gesperrt? Kontrollieren die vorher, wer noch auf der Strecke ist? Immerhin soll es die ganze Nacht und auch den nächsten Tag komplett durchschneien…
Wir entschieden uns gegen den Parkplatz und fuhren die Straße weiter, um eine Alternative oder Drehmöglichkeit zu finden, aber Fehlanzeige… Es dauerte gefühlt ewig, bis wir zu einem Tunnel kamen. Dieser war ewig lang und als wir auf der anderen Seite wieder „ausgespuckt“ wurden, war von dem vielen Schnee nichts mehr zu sehen. Uff!

Wir drehten unseren Juckel, durchfuhren den Tunnel erneut und blieben am Ende stehen. Auch hier gab es noch einen großen Platz, der nicht ganz so schräg war und wir überlegten, ob wir hier nun nächtigen wollen.
Irgendwie war uns dann aber alles nicht mehr so richtig geheuer und wir entschieden uns nach ein paar Schneefotos doch lieber für den Abbruch und kehrten um. Noch immer kam kein weiteres Auto, was inzwischen wirklich unheimlich war.
Deutlich weiter unten hatte sich ein Kastenwagen eine schöne versteckte Ecke ausgesucht, die aber damit leider schon komplett gefüllt war. Müssen wir jetzt echt an der lauten E6 zwischen den parkenden LKWs nächtigen? Zum Glück kam kurz hinter der Schranke, dort wo schon wieder kaum Schnee lag, ein weiterer Parkplatz, den wir nun als neuen Schlafplatz wählten. So sollten wir absolut safe sein, egal wie viel Schnee heute Nacht oder Morgen vom Himmel fällt.
Der Plan klang so gut und dann kneifen wir so kurz vorm Ziel, da hätten wir auch einfach am Fluss bleiben können :-D. Völlig müde, weil ja auch die letzte Nacht ziemlich kurz war, ging es dann auch gleich ins Bett… So haben wir uns die letzte Nacht in Norwegen nicht vorgestellt :-D.