Der Abend bzw. die Nacht waren nicht ganz so ruhig, wie wir es erwartet haben, aber definitiv ruhig genug, als dass wir uns beschweren könnten :-D. Unsere holländischen Freunde im Bulli haben vermutlich keine Toilette dabei und mussten daher öfter mal raus. Außerdem hörten wir noch einen LKW, der mehrfach hupte. Ob er vielleicht einen Elch von der Straße hupen wollte? Wir waren aber zu faul zum Nachsehen, sodass es ein ungelöstes Rätsel bleiben wird ;-).
Als dann der Wecker morgens klingelte, hörten wir erstmal keinen lauten Regen. Prinzipiell ein gutes Zeichen, sodass wir recht fix einen vorsichtigen Blick hinaus wagten. Naja, also so richtig prickelnd war es dann leider doch nicht. Alles wirkte grau in grau und ein zarter Nebel stieg noch vom Fluss hinauf. Dadurch war natürlich noch immer einiges an Feuchtigkeit in der Luft und ein Lüften von Juckel sorgte nicht unbedingt für weniger Luftfeuchtigkeit.
Nach dem Frühstück machten wir uns dann auch gleich auf den Weg, denn unser Endziel Trelleborg ist noch immer 700 Kilometer entfernt. Puh!
Immer, wenn wir mal wieder 100 Kilometer geschafft hatten, feierten wir daher eine kleine Party. Für Meilenstein-Fotos war es noch immer viel zu nass. Daher konzentrierten wir uns auf fehlende Bundesländer beim Geocaching… Eine gelungene Abwechslung zu all dem Wald, denn natürlich wollten sich heute die Elche mal wieder nicht zeigen :-(.
Nachdem wir einige Kilometer durchgehalten hatten, legten wir erneut ein kleines Päuschen ein. Dabei konnten wir dann auch ein paar typisch schwedische Herbstlandschaften fotografieren, die uns inzwischen echt zum Hals raushängen, obwohl sie eigentlich wunderschön sind…
Gegen Mittag gab es dann noch eine kleine Snackpause bei der wir nun auch die Rückfahrtfähre buchten. Eigentlich hatten wir uns die Nachmittagsfähre ausgesucht. Diese ist aber inzwischen deutlich teurer geworden. Wir rechneten die weitere Fahrtstrecke aus und entschieden, dann einfach die Morgenfähre zu buchen, die ungefähr das kostet, was die Nachmittagsfähre eigentlich kosten sollte…
So war nun klar, dass wir heute noch einiges an Strecke machen müssen, damit wir morgen nicht noch früher aufstehen müssen.
André hatte derweil noch nach Souvenirshops gegoogelt und einen großen Älgshop am Laganland Elchpark entdeckt. Wenn wir jetzt nicht mehr allzu oft anhalten, könnten wir es noch vor deren Schließung schaffen. Eine neue Motivation ;-).
Unterwegs mussten wir aber noch einmal fix tanken, ehe wir dann in Jönköpping endlich wieder auf eine „richtige“ Autobahn auffuhren. Hier trafen wir auf einen Schweizer, der mit seinem Hund und einem Bulli unterwegs war. Aufgefallen ist er uns vor allem, weil er barfuß mit Adiletten und kurzen Hosen unterwegs war. Ok, nach den Minusgraden sind die 10 Grad Plus schon wieder angenehmer, aber barfuß und kurze Hose finde ich dann doch ein wenig übertrieben.
Von der Tankstelle wieder hinunter zu kommen war mitten im Berufsverkehr gar nicht so einfach und uns wurde ganz schnell wieder bewusst, welchen Vorteil diese sehr einsamen Landstraßen, die wir eigentlich nicht mehr sehen können, doch haben…
Nach einer guten Dreiviertelstunde erreichten wir dann gerade noch rechtzeitig den Souvenirshop. Hier war alles auf deutsche Touristen ausgelegt: Das Personal spricht deutsch und die Hinweisschilder am Gebäude sind ebenfalls auf Deutsch… Wir kommen der Fähre immer näher :-(.
Bevor wir aber Trübsal blasen ging es vorsichtig in den Shop. Ich wollte es gar nicht glauben, ein großer Shop mit richtig viel Auswahl. Man, hat mir das gefehlt… Zu unserer größten Freude gab es hier nun auch die passenden Geschirrhandtücher zu unseren Topflappen, sodass wir sie nicht im Internet bestellen müssen. Mitgebrachte Souvenirs sind nämlich viel viel schöner!!! Außerdem bekam jeder von uns noch ein neues Elch-Tshirt und Juckel einen Schlüsselanhänger-Elch. Jetzt sind wir endlich wieder deutlich besser ausgestattet. Zudem haben wir nun endlich eine Idee, für passende Tischsets, denn die lilafarbenen passen so gar nicht in unser „Grün“-Konzept… Wir nehmen die grünen Elche vom Handtuch und machen daraus einfach Foto-Tischsets :-).
Während unserer Shoppingtour trat auch der Schweizer von der Tankstelle in den Laden. Er half dann auch ziemlich bald zwei deutschen Damen an der Kasse mit fehlendem Kleingeld aus, sodass sie ins Gespräch kamen. Wir lauschen ja eigentlich nicht, aber nach so langer Zeit mal wieder Deutsch zu hören, verleitet dann doch irgendwie dazu, mit einem Ohr hinzuhören… Jedenfalls erfuhren wir, dass er seinen Job an den Nagel gehängt hat und nun in seinem Bulli reist. Zuletzt war er 4! Monate in Schweden, befindet sich jetzt auf dem Weg zurück in die Schweiz um Freunde und Familie zu besuchen und fährt dann weiter in die Türkei zum Überwintern… Was ein Glückspilz!
Am liebsten hätte ich ihm noch einige Fragen gestellt, aber da der Laden nun zumachen wollte, war es höchste Zeit, weiter zu fahren. Von hier sind es schließlich noch immer mehr als 200 Kilometer.

Gegen 18 Uhr kam dann sogar die Sonne raus. Wir konnten es kaum fassen und waren dadurch natürlich gleich wieder in Alarmbereitschaft für eine mögliche Polarlichtnacht. Daher suchten wir nach ungefähr einer Stunde auch gezielt einen Schlafplatz, der zwar in der Nähe der Fähre ist, aber wo die Chancen für Polarlichter nicht völlig aussichtslos sind.
Nach einigem Suchen entschieden wir uns dann für einen Platz am See bei Skurup. Noch etwas über eine Stunde Fahrt, dafür dann aber Morgen früh nur noch 30 Minuten bis zur Fähre. Das sollte passen.
Die letzte Fahrtstunde des Tages zog sich dann noch mal schön, obwohl es über gut ausgebaute Autobahnen ging, da uns die einbrechende Dunkelheit zu schaffen machte. Außerdem meldete sich mal wieder der Hunger. Doch es half nichts, bevor wir den Schlafplatz ansteuern, müssen wir noch zum Supermarkt. Ich weiß, einkaufen mit Hunger ist keine gute Idee, aber wir brauchen nun mal noch ein paar Dinge, die es bei uns einfach nicht gibt. Mit einem festen Plan im Kopf klappte es dann auch recht zügig im ICA ohne unplanmäßige Einkäufe. Wahrscheinlich, weil es hier einfach auch deutlich teurer ist als bei uns… Alles, was fehlt, wird einfach morgen in Rostock gekauft ;-).
Nun also ab zum Schlafplatz. Ein abgelegener Schotterplatz am See und niemand da, perfekt! Allerdings ist die Lichtverschmutzung der nahen Städte deutlich sichtbar und ein kräftiger Wind macht einen Aufenthalt vor der Tür sehr unangenehm…
Also schnell wieder ins Auto und Abendessen machen. Heute gibt es mal wieder Chili, um die vorhandenen Vorräte zu minimieren. Anschließend spülten wir auch direkt ab, man weiß ja nie, was noch kommt :-D.

Als alles fertig war, schauten wir mal vor die Tür. Just in diesem Moment kam ein PKW mit Jugendlichen, die erstmal schön ein paar Runden über den Platz drehten. Ich hatte schon große Sorgen, dass sie unseren Juckel nicht sehen oder durch herumfliegende Schottersteine vermacken. Ob sie meine Sorgen bemerkt haben? Jedenfalls parkten sie direkt neben unserem Auto, zündeten sich Zigaretten an und machten laute Musik an. Alles halb so wild, wenn sie denn den Motor bzw. wenigstens die Scheinwerfer ausmachen würden. Obwohl sie unsere Kamera mit Sicherheit entdeckt hatten, machten sie keine Anstalten. Klar, wahrscheinlich wollen sie uns vertreiben, damit sie den kleinen Unterstand vor Kopf besetzen können… Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und sprach sie freundlich auf Englisch an. Zu meiner Überraschung eilte der Fahrer sofort zum Auto und machte die Scheinwerfer aus. Ob das mit der deutschen Jugend auch geklappt hätte?
So konnten wir jedenfalls einige der Polarlichter einfangen. Leider zogen mal wieder mehr und mehr Wolken auf, sodass die Sicht immer bescheidener wurde. Noch ärgerlicher wurde es, als wir dann die Polarlichtbilder in den sozialen Netzwerken aus Deutschland entdeckten… Dort waren sie stärker als bei uns :-(. Vor allem in einem richtig intensiven rot, was wir so bisher noch nicht gesehen hatten. GRRR. Naja, morgen Abend bleiben wir einfach an der deutschen Küste, dann haben wir nach Norden auch keine Lichtverschmutzung mehr… Hauptsache die Polarlichtvorhersage stimmt dann auch mal…

Traurig und durchgefroren räumten wir alles zusammen. Die Jugendlichen stürtzten sich auf den Unterstand und wir fürchteten, dass es ein Weilchen dauert, bis sie abziehen würden. Dem Wind sei dank hielten sie es dann aber auch nicht mehr lange aus und wir hatten den Platz wieder für uns und konnten dann bald schlafen gehen. Die Fähre hatten wir schließlich für 9:25 Uhr gebucht, sodass wir bereits um 8:30 Uhr im Hafen sein müssen. Ungewohnt früh für uns :-D.
André wollte es dann aber noch einmal wissen und stellte sich den Wecker noch einmal für 2 Uhr morgens um nach Polarlichtern zu schauen. Ein bisschen wurde er sogar belohnt, da bis 3 Uhr noch einmal erhöhte Aktivität zu sehen war. Lange hielt er aber nicht draußen aus, da der kalte Wind immer noch heftig blies. So verkrochen wir uns wieder schnell im Bett und hofften, dass wir morgen auf der Fähre etwas Schlaf nachholen können.