Nach einer entspannten Nacht am Fjord ging es für uns recht frühzeitig weiter. Vorher füllten wir noch etwas Frischwasser nach, damit die nächsten Duschen gesichert sind.
Unser Weg führte erst einmal weiter über die E13. Ziemlich schnell kamen wir in den Butunnelen…ein eigentlich sehr kurzer Tunnel mit nicht einmal 2 Kilometern Länge. Das Besondere aber ist direkt zu Beginn ein Kreisverkehr im Tunnel. Hier kreuzen sich die E13 und die E7.

Nachdem wir den Tunnel wieder verlassen haben, ging es über die Hardangerbrücke auf die andere Seite des Hardangerfjords. Von dort ging es dann gleich in den nächsten Tunnel. Der Vallaviktunnel ist mit 7,5 Kilometern schon deutlich länger. Auch hier gibt es wieder einen Kreisverkehr. Durch blaues Licht fällt er schon von Weitem auf. Wir waren begeistert. So etwas haben wir noch nie gesehen!
Nun ging es ein Stück an einem See entlang. Mitten zwischen den hohen Bergen…eine Augenweide! Direkt hinter dem See verließen wir die E13 dann ein kleines Stück. In Norwegen gibt es verschiedene Natur-Routen. Diese sind durch braune Schilder sehr gut zu erkennen. Wir machten dadurch einen Abstecher zum Skjervsfossen. Die Straße hier her war schmaler, aber da kein anderes Auto unterwegs war, machte das überhaupt nichts aus. Nur ein paar Downhill Rollskifahrer kamen uns entgegen.

Am Wasserfall war wieder ein schöner Rastplatz mit Toilettenanlagen (auf die wir ja zum Glück nicht angewiesen sind). Über einen kleinen Holzweg gelangten wir zur Aussichtsplattform. Hier standen wir dann oben am Wasserfall. Spektakulärer ist es aber, wenn man von unten schauen kann (immerhin hat der Wasserfall eine Fallhöhe von 150 Metern) und so gingen wir über Steinstufen hinab. Mit uns war nur eine weitere Familie vor Ort und wir konnten wieder einmal die herrliche Ruhe der Natur bewundern.

Nach einigen Fotos quälten wir uns die Stufen wieder hoch und fuhren zurück zur E13. Bei Vossfangen wird sie dann kurz zur E16 und schlängelt sich immer an Seen bzw. einem Flusslauf entlang.
Unser nächster Halt war dann der Tvindevossen. Auch hier war wieder genug Parkmöglichkeit gegeben. Direkt nebenan befindet sich noch ein Campingplatz. Da der vielstränige Wasserfall aber einen ordentlichen Wasserdurchlauf bei ca. 110m Fallhöhe hat, wäre es mir hier persönlich zu laut… Da in den späten 1990er Jahren das Gerücht umher ging, das Wasser dieses Wasserfalls würde sich verjüngen, wurde er zur 9. wichtigsten Naturattraktion. Zum Glück waren wir wohl früh genug dran, denn mit uns war gerade einmal eine Kleingruppe / Familie vor Ort. Nachdem wir alles betrachtet und fotografiert hatten, mussten wir natürlich noch in den benachbarten Souvenirshop. Die Elchmütze stand mir leider nicht so recht, aber trotzdem haben wir wieder eine Kleinigkeit gefunden und ein wenig Geld dagelassen, ups 😉

Weiter ging es über die E16 bis wir in das kleine Örtchen Gudvangen kamen. Hier war es dann fast Mittag. Die Sonne brannte ganz gut und so gab es fantastische Bilder am Naeroyfjord. Es ist schon unbeschreiblich an dem Fjord zu stehen und um sich herum umgeben von riesen teils senkrecht hochgehenden Felswänden zu stehen. Das Wasser schimmerte in einem Grünton. Am liebsten wäre ich hier direkt auf ein Ausflugsschiff gesprungen und hätte eine kleine Fahrt gemacht. Im Sommer legen hier auch häufiger Kreuzfahrtschiffe an. Dann muss es einfach nur grausam voll sein. Wir hatten wieder einmal Glück und es waren nur wenige andere Touristen vor Ort. Natürlich gab es auch hier dann wieder einen Souvenirshop….die wissen genau, wie sie uns das Geld aus der Tasche ziehen 😉

Nachdem wir hier noch eine Kleinigkeit in unserem Wohnmobil gegessen hatten, ging es weiter auf der E16. Allerdings tauchten wir erstmal für etwas mehr als 11 Kilometer in den Gudvangentunnel hinab. Die Tunnel sind nur spärlich beleuchtet und so verabschiedete ich mich ungewollt zu einem kleinen Nickerchen. Von dort ging es dann auch direkt weiter in den Flenjatunnel, der auch noch einmal 5 Kilometer lang war….
Quasi ausgeruht kam ich dann also in Flam an… André auch, nur nicht ganz so ausgeruht 😉
Dank einer guten Beschilderung fanden wir schnell einen großen Parkplatz der sogar kostenfrei ist. Allerdings darf man hier nicht übernachten, aber das hatten wir ja auch nicht vor.
Über eine Brücke kamen wir zur Touristeninformation. In einem riesen Gebäude kann man sich für zig Aktivitäten Tickets kaufen. Wir entschieden uns für Hin- und Rückfahrt mit der Flamsbahn. Mit 650 NOK pro Person kein günstiges Vergnügen.
Die Wartezeit zur Abfahrt überbrückten wir mit ein paar Geocaches. Dann ging es auch schon los.

Auf der ca. 1 stündigen Fahrt nach Myrdal ging es 875 Meter hoch hinauf. Die Bahn hat auf 80 Prozent der Strecke eine Steigung von 5,5 Prozent und gehört damit zu den steilsten Bahnfahrten der Welt.
Unterwegs gab es viel zu sehen…kleine Bachläufe, einzelne Häuser, Wasserfälle… und immer wieder ging es durch Tunnel… insgesamt durch 20 Stück.

Zwischendurch macht die Bahn auch einen ca. 5 Minütigen Stop am Wasserfall Kjosfossen. Hier tanzen dann mehrere Huldras, also Naturgeister aus der skandinavischen Folklore. Begleitet wird das ganze durch Musik, die aus ordentlichen Lautsprechern kommen. Der Sage nach haben die wunderschönen blonden Frauen Männer mit ihrem Gesang verwirrt und vom Weg abgebracht.

Uns war es eigentlich ein wenig zu laut und so waren wir froh, als die Pause vorbei war und wir weiter nach Myrdal gefahren sind.
In Myrdal angekommen, hatten wir ca. eine halbe Stunde Zeit. Wir standen fast auf Schneeebene mit den Bergen und bewunderten die Landschaft. Viele Mitreisende sind hier auf Fahrräder umgestiegen um dann auf einer schönen Strecke rund 20 Kilometer wieder hinab ins Tal zu fahren. Andere wählten den schnelleren weg einer Zip Line. Diese ist mit 1381 Metern die längste in Skandinavien…

Wir wählten den „langweiligen“ Weg mit der Bahn zurück… Im Nachhinein ärgerten wir uns, die Fahrradtour hätte bei dem Wetter bestimmt auch Spaß gemacht.
Immerhin wurde die Bahn nun leerer und so konnten wir dieses Mal etwas mehr hin und her hüpfen, um alles zu sehen. Wenn es etwas zu sehen gab, wurde es per Lautsprecher in 3 Sprachen erklärt und zusätzlich liefen über Monitore weitere Erklärungen zur Bahn selbst.
Nachdem wir in Flam wieder ausgestiegen sind, besuchten wir noch die letzten Caches und spazierten wieder zurück zum Wohnmobil.
Wir schauten auf die Uhr… es passte noch und so steuerten wir als nächstes den Aussichtspunkt Stegastein an.
Von Flam war es nicht weit bis zum Örtchen Aurlandsvangen, wo die abenteuerliche Kurvenstraße beginnt. Hier wurde es zum ersten Mal auf den Straßen richtig voll. Wahrscheinlich aber lag es daran, dass auch die Wege zur Stegastein-Straße schon recht schmal waren und man immer mal wieder warten musste, um Gegenverkehr passieren zu lassen.
Die Stegasteinstraße, die eigentlich Bjorgavegen heißt, war dann wirklich anspruchsvoll. Kurve für Kurve schlängelt sich die Schmale Straße den Berg hinauf. Immer wieder muss man ausweichen und Zentimeter für Zentimerer aneinander vorbei fahren… Hier sollen schon einige Spiegel gelitten haben. Wir schafften das Ganze heute unfallfrei. Übrigens dürfen hier nur Fahrzeuge bis 9 Meter Länge hinauf fahren. Danach wird ein Wenden in den engen Spitzkurven nicht mehr möglich sein.

Oben angekommen wurde schnell geparkt und erst einmal tief Luft geholt. Nun konnten wir den Ausblick auf den 650 Meter tieferen Aurlandsfjord genießen. Im Zuge der norwegischen Naturrouten wurde hier ein extra Steg gebaut. Dieser ragt 30 Meter über den Berg hinaus. Am Ende wird er von einer Glasscheibe begrenzt. Dadurch hat man wirklich eine grandiose Aussicht. Wobei auch der Blick, mit dem Steg im Bild, unbeschreiblich schön ist. Übrigens soll sich hier auch ein Blick in die Sanitäranlagen lohnen. 2016 wurde sie sogar als schönste öffentliche Toilette durch seinen besonderen architektonischen Stil gekürt. Leider haben wir das erst zu spät gelesen….

Nachdem wir nun den Ausblick genoßen haben, sollte es wieder hinab gehen. Wir entschieden uns, den gleichen Weg zu nehmen, über den wir auch gekommen sind, und so wurde es wieder ein wenig kniffelig. André hat es erneut souverän gemeistert.
Zur Belohnung führte uns der Weg nun durch den Laerdalstunnel. Mit fast 25 Kilometern ist er aktuell der längste Tunnel Norwegens… Hui, die Fahrt hier durch die Dunkelheit zog sich ganz schön und wir waren froh, als wir irgendwann wieder Licht am Ende des Tunnels sahen.
Am Ende bogen wir dann rechts ab. Wir wollten der Stabkirche von Borgund noch einen Besuch abstatten. Leider macht sie auch im Sommer schon um 17 Uhr zu. So konnten wir das imposante Gebäude nur noch von außen betrachten. Diese Stabkirche ist eine von nur noch 28, die noch in einem authentischen mittelalterlichen Zustand ist. Zudem gehört sie zu den besterhaltendsten mit den meisten Teilen im Originalzustand. Schade!

Da es nun schon nach 18 Uhr war, sollte der Tag nicht mehr ganz so lang werden und so entschieden wir uns, den ungefähr 50 Minuten entfernten Boflaten Campingplatz direkt an einem See anzusteuern.

Gegen 19 Uhr waren wir dann da. Hier gab es zum ersten Mal mit Sprühdosen markierte Plätze. Überall saßen die Wohnmobilisten in ihren Fahrzeugen und schauten neugierig heraus. Wir ließen uns davon aber nicht stören und schauten, dass wir möglichst schnell den Grill anschmissen.
Zum Nachtisch machten wir noch einen kleinen Spaziergang. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite ist eine XY Tankstelle, an der es Softeis gibt. Unser erstes norwegisches Softeis 🙂