Für das lange Pfingstwochenende wollten wir mal wieder etwas Neues ausprobieren. In letzter Zeit waren wir schon recht häufig in den Niederlanden, sodass die Wahl recht schnell auf Belgien fiel…
Für die genauere Planung schauten wir, welche Bundesländer uns in Belgien noch fehlen und wo es nette Radrunden gibt und hatten überraschend schnell eine bunte Mischung beisammen.
Am Mittwoch ging es dann auch gleich nach der Arbeit los. Wir rechneten, bedingt durch das lange Wochenende, mit einer größeren Stauwelle, blieben aber glücklicherweise verschont.
Unser erstes Ziel war ein kostenfreier Stellplatz in Rotselaar mit 4 möglichen Plätzen. Optisch nicht unbedingt schön und direkt hinter einer Schwimmhalle, aber in Belgien ist das Freistehen genauso wenig erlaubt, wie in den Niederlanden und wir wollten bei unserem ersten Besuch erst einmal vorfühlen, wie streng sich alle dran halten. Daran kann man nämlich gut erkennen, wie schwer es geahndet wird…
Wie es aber immer so ist, waren wir natürlich viel zu spät dran und der Platz schon mit 5 Mobilen (einer stand schon quer davor) absolut ausgefüllt. Wir nutzten zumindest die Gelegenheit, unseren Wassertank zu füllen und schauten mal wieder bei Park4night nach Alternativen… Eigentlich sollten wir das inzwischen vorab mit einplanen, schließlich haben wir jetzt, mitten in der Saison, häufiger das Problem…
Einen alternativen, völlig legalen Platz, gab es natürlich im näheren Umkreis nicht. Laut Park4night stellten sich einige einfach auf den Parkplatz, auf der anderen Seite der Schwimmhalle. Das fanden wir aber zu auffällig, wenn es wirklich strenger kontrolliert wird und steuerten erst einmal einen Parkplatz an einem Fußballfeld an. An sich sah der Platz auch ganz gut aus. Selbst ein LKW wurde dort für länger geparkt. Wie wir so überlegten, ob wir nun hier bleiben und das Risiko eingehen oder nicht, füllte sich der Parkplatz mit PKWs. Ok, viele haben wahrscheinlich noch Training. Als die Kolonne an PKW’s, die auf den Parkplatz fuhren, überhaupt kein Ende mehr nahm und fast alle Plätze belegt waren, entschieden wir uns zu flüchten. Googlen brachte uns die Erkenntnis, dass hier ausgerechnet heute ein Nachtturnier ausgetragen wurde. Ok, damit wäre an Schlaf eh nicht mehr zu denken und so schauten wir uns doch lieber den Platz auf der Rückseite der Schwimmhalle an. Der Platz war durch Grünzeug in mehrere Reihen unterteilt. In der letzten war durch eine Baustelle alles abgesperrt, aber auch in der Vorletzten Reihe parkten keinerlei PKWs und die Büsche gaben uns recht guten Sichtschutz. Wir riskieren es einfach!
Bis wir dann abends müde ins Bett fielen, blieb es auch ruhig. Nur ganz vereinzelte Besucher, die zu einem kleinen Restaurant am benachbarten See wollten, kamen vorbei. Wobei sie alle in den vorderen Reihen des Parkplatzes waren und sich glücklicherweise nicht in unsere Reihe verirrten…
Donnerstag, 9. Mai 2024
Die Nacht blieb ebenfalls ruhig und wir wurden erst gegen 8:30 Uhr vom Wecker geweckt. Der Blick aus der Dachluke versprach bestes Sommerwetter und so sprangen wir auch gleich motiviert aus dem Bett. Während des Frühstücks kamen einzelne Jogger und Radfahrer vorbei. Für die erste Geocacherunde wäre der Parkplatz auch als Ausgangspunkt gar nicht schlecht. Wir hatten nur kurz Bedenken, dass viele das schöne Wetter am Feiertag nutzen könnten, um ins Strandbad am See zu gehen. Andererseits, wir parken jetzt ja nur hier. Das kann ja nun wirklich niemand verbieten…
Also sattelten wir nach dem Frühstück die Fahrräder und fuhren ca. 4 Kilometer zum Start der Runde. Google leitete uns gleich durch herrlichste Gegenden. Ruhige, idyllische Radwege in bestem Zustand. Die wünschen wir uns in Deutschland auch. Als es dann an einem Fluss vorbei ging, konnten wir schlagartig nicht mehr viel sehen. Wir waren umgeben von tiefem Nebel. So heftig, dass André durch seine beschlagene Brille bald nichts mehr sehen konnte. Zum Glück war die Strecke am Fluss entlang aber nicht allzu lang und gleich dahinter ließ der Nebel schon wieder deutlich nach. Blöd nur, dass wir nun mitten in einer Baustelle landeten und erst einmal schauen mussten, wie wir nun zum Start der Runde gelangen.
Mit etwas Schieben und Kreuz und quer überwanden wir dann die Baustelle und konnten beginnen. Viele Geocaches bestanden aus gut sichtbaren Vogelhäusern. Dadurch ging es gleich flott weiter. Oft standen noch mir unbekannte Namen in den Vogelhäusern, die wir für den Bonus zur Sicherheit gleich abfotografierten.
Leider blieb es nicht nur bei den Vogelhäusern. Im Verlauf der insgesamt ca. 35 Kilometer langen Strecke mussten wir nun auch vermehrt in Vorgärten suchen. Natürlich wurden wir dabei häufiger angesprochen. Einige wussten scheinbar genau, was wir machen und wollten helfen, andere wiederum hatten keine Idee und waren verwirrt. Für uns, die nicht flämisch sprechen, war es immer wieder unangenehm. Nachdem wir uns dann als Deutsche geoutet hatten, konnten die meisten auf Deutsch weitersprechen… So locker Zweisprachig, das würde ich auch gerne können.
Wir fuhren immer weiter bis wir am Ende alle 90 Caches beisammen hatten und suchten uns ein schattiges Plätzchen, um die beiden Bonusdosen auszurechnen. Dabei verstanden wir dann auch, dass die Namen die realen Namen von berühmten Musikern waren und konnten das Geheimnis damit flugs lüften.
So ging es auf dem Rückweg auch gleich noch zu den beiden schön gemachten Caches und dann wieder zurück zum aufgeheizten Juckel. Unglaublich… es ist erst Anfang Mai und die Sonne brennt schon gut hinunter. Wie wird das dann, wenn es richtig heiß wird mit unserem Juckel? Wir lassen es mal auf uns zukommen.
Während wir Juckel lüfteten, war es Zeit für eine kleine Stärkung. Als nächsten Programmpunkt hatten wir uns nun Brüssel ausgesucht. Wobei wir von vornherein festgelegt haben, dass wir nicht in die Innenstadt sondern „nur“ zum Atomium fahren. Den Stress und die Hektik von großen Städten mögen wir nämlich nicht so besonders. Große Städte besuchen wir lieber, wenn wir schon ein paar Tage Erholung und Ruhe hatten und dazu blieb dieses Mal (noch) keine Zeit.
Als wir nach knapp 45 Minuten kurz vor der Abfahrt der Autobahn waren, entdeckten wir auf den Anzeigetafeln irgendwas mit „Final und Parken“. Bei der Geschwindigkeit konnten wir aber nicht gleich feststellen, um was es ging und dachten noch frohen Mutes, dass es bestimmt für Samstag gilt. Pustekuchen. Schon als wir dann in der Abfahrt standen entdeckten wir Menschenmassen und Verkehrschaos. Ein wenig googlen half… in ca. 1,5 Stunden wird hier, direkt neben dem Atomium, im Stadion das Finale des Belgischen Fußball Cups angepfiffen… Demnach kamen wir zur besten Zeit hier an. Mühsam quälten wir uns durch den Stau, sehr enge Straßen und an Absperrungen vorbei. Eigentlich wollten wir ja direkt in der Zufahrtsstraße vom Atomium parken, aber das hatte sich nun erledigt.
Auf die Schnelle entdeckte ich dann einen schön aussehenden Parkplatz, ca. 6. Kilometer außerhalb. Perfekt, den steuern wir erstmal an, um aus diesem Chaos hinauszukommen. Als es dann endlich ruhiger wurde, mussten wir doch lachen. Warum erwischen wir eigentlich immer ungeplant solch Großevents??? Auf jeden Fall war es eine gute Entscheidung, heute nicht noch in die Stadt von Brüssel hineinzufahren. Dort wird wahrscheinlich die Hölle los sein.
Am Parkplatz angekommen fühlten wir uns gleich sicher. Zwei andere Wohnmobile parkten auch hier. Die Besitzer waren auch unterwegs. Und so nahmen wir uns eine kurze Erholungspause und sattelten dann noch einmal die Räder.
Es ging viel bergab und je näher wir ans Stadion kamen, desto lauter wurde es. Die Atmosphäre war schon beeindruckend. Inzwischen war das Chaos auf den Straßen gebannt und es hätte sogar wieder freie Parkplätze gegeben. Ich sag ja, wir haben einfach ein Timing. Egal, jetzt sind wir mit den Rädern hier und irgendwie werden wir mit Motorunterstützung später auch die Berge zurück bezwingen.
Jetzt galt es erst einmal, das Atomium zu besichtigen. Hier war es zwar auch voll, aber dennoch gut auszuhalten. Das Bauwerk ist schon beeindruckend und wir knipsten aus allen möglichen Blickwinkeln Fotos. Blöd nur, dass man es eigentlich nie gesamt drauf bekommt. Wir entschieden uns aber gegen einen Besuch oben in einer der Kugeln, denn sonst kommen wir auch in den Trubel, der nach Spielende ausbricht… Und wer weiß, ob dann alles so friedlich bleibt…

Wir stöberten noch durch den Souvenirshop, kauften schon einmal ein Geburtstagsgeschenk und belohnten unsere sportliche Aktivität mit einem Softeis… Zwar lecker, aber keinesfalls so gut wie in Skandinavien :-(.

Mit Blick auf die Uhr war es nun höchste Zeit, aufzubrechen, denn das reguläre Spielende ist bereits in 6 Minuten. Wir hätten es viel entspannter angehen lassen können, denn es gab allen ernstes 8 Minuten Nachspielzeit. Immerhin hat die Mannschaft, mit den gelb gekleideten Fans gegen die roten gewonnen. Als BVB Fan ein gutes Zeichen ;-).
Der Rückweg zog sich auch nicht ganz so schlimm, wie vermutet und wir erreichten unseren Juckel. Nun blieb aber die Frage, bleiben wir hier oder suchen wir uns eine Alternative? So richtig legal ist es ja nicht und es gibt zig Häuser nebendran… Eigentlich wollten wir grillen und das geht hier keinesfalls… Obwohl wir schon gut k.o. und hungrig waren, entschieden wir, einen kostenfreien Stellplatz 30 Fahrminuten entfernt, in Lennik anzusteuern…
Natürlich waren wir viel zu spät dran und die wenigen Plätze schon besetzt. Die benachbarten Plätze gehörten zu einem Supermarktparkplatz und waren auch schon sehr gut gefüllt. Hier gab es keinen Platz mehr für uns, der nicht direkt zwischen Supermarkteingang und Hauptstraße gewesen wäre. So wollen wir nicht nächtigen! Also ging es notgedrungen noch zum 2. Stellplatz in Roosdaal. Aber auch hier zeigte sich das gleiche Bild. Ein wenig bereuten wir schon, nicht einfach auf dem bei Brüssel geblieben zu sein. Wenn wir nichts finde, müssen wir notfalls zurück. Das wäre bitter. Wir entdeckten noch einen privaten Platz bei einem Cafe mit herrlicher Aussicht. Natürlich voll! Schade! Hier hätte man so gut auch einfach mal den Stuhl hinausstellen und den Grill anschmeißen können… Als letzten Hoffnungsschimmer steuerten wir noch einen neu angelegten Parkplatz an einem kleinen Erholungspark an. Die Zufahrt war zwar schmal und bergig, aber der Platz war komplett frei… Na gut, nicht ganz. 3 PKWs standen hier noch. Die dazugehörigen Leute packten aber gerade ihre Picknicksachen im Park zusammen und verabschiedeten sich dann bald. Scheinbar störten wir keinen und endlich wurde gekocht. Nudeln mit Soße.. Sollte ja schließlich schnell gehen. Was tat es gut, endlich was im Bauch zu haben! Hier konnten zwar auch ein paar Häuser sehen, dass wir über Nacht bleiben, aber es war super ruhig und wir riskierten es einfach. Bis wir mit allem fertig waren (duschen, abwaschen…), war es schon spät genug, und ich fiel einfach müde um. Vielleicht sollten wir es morgen mal ruhiger angehen lassen???
Freitag 10.05.2024
Die Nacht haben wir super geschlafen. Klar, es war ruhig und wir waren einfach echt k.o. Dementsprechend hörten wir auch morgens nicht, als die ersten Autos mit Joggern oder Hundespaziergängern kamen. Dies sahen wir erst, als wir es geschafft hatten, uns fertig zu machen und alle Verdunkelungen öffneten. Immerhin war erneut strahlendblauer Himmel und versprach wieder, ein perfekter Tag zu werden. Allerdings waren wir nun an einem gänzlich anderen Ausgangspunkt. Ein Blick auf die Geocachekarte zeigte, dass wir auch von hier starten können, um eine kleine Fahrradrunde zu drehen und damit ein weiteres belgisches Bundesland becacht zu haben. Ganz gemütlich machten wir die Räder fertig und fuhren los. Mal wieder hat Google die besten Wege ausgewählt und so führte uns der Weg zunächst durch sehr enge und mit Wurzeln belastete Waldwege. Es wurde aber noch besser, als wir super matschige Feldwege erreichten. Eine wirkliche Alternative fanden wir auf die Schnelle nicht und so quälten wir uns Stück für Stück voran. Da ich ja etwas unsicherer fahre als André, musste ich häufiger schieben. Als ich dann aber auch mal versuchte, durch eine dickere Matschpfütze zu fahren, sprang mir die Kette ab und ich landete mit den Füßen in dicker Matsche. Super! Zum Glück konnte André mich erst befreien und dann auch die Kette wieder aufziehen. Als wir dann endlich die eigentliche Runde erreicht hatten, war meine Motivation nicht mehr die größte. Zum Glück änderte sich dann aber die Wegbeschaffenheit und wir konnten die Dosen relativ fix finden. Für den Rückweg wählten wir dann aber die Autoroute aus. Auch wenn sie ein wenig weiter ist, so kamen wir definitiv schneller und kraftsparender voran und hatten wieder Spaß am Radfahren. Unterwegs entdeckten wir sogar noch ein paar wollige Alpakas. Diese Tiere sind einfach so niedlich :-).
Als wir dann endlich wieder bei Juckel waren, stellte ich mir einfach einen Stuhl in die Sonne. Ich brauchte dringend eine Pause! André befreite die Räder noch mit der guten GLORIA Druckpumpe vom dicksten Matsch und wir ließen alles in der Sonne trocknen. Dabei trafen wir eine Entscheidung: Heute möchten wir den Rest des Tages auf einem Platz stehen, wo wir legal Stühle hinausstellen können und auch das Klo mal wieder entleeren konnten. Da unser nächstes Ziel Brügge sein sollte, schauten wir natürlich dort im Umkreis. Wir entdeckten bei Park4night einen Pferdehof. Gerade einmal 4 Kilometer außerhalb von Brügge mit ziemlich guten Bewertungen. Der Preis mit 20 € inklusive Wasser, Strom und Entsorgung klang völlig akzeptabel und so versuchten wir, telefonisch zu reservieren. Fehlanzeige. Niemand hob ab. Erste Zweifel kamen auf, ob, bedingt durch das lange Wochenende, vielleicht auch dort die 9 angegebenen Plätze voll sein würden.

Nachdem wir die Räder wieder verstaut hatten und telefonisch noch immer keiner zu erreichen war, entschieden wir, einfach hinzufahren. No risk no Fun. Zum Glück dauerte die Fahrt inzwischen nur noch 1 Stunde. Auch da haben wir gestern mal wieder gute Vorarbeit geleistet. Wir parkten, genau wie ein anderer Kastenwagen ersteinmal auf dem Radweg vor dem Pferdehof und fragten nach. Eigentlich ist der Platz schon voll, aber der Besitzer könne uns noch 2 Ausweichplätze anbieten, wir sollen mal schauen, ob die uns gefallen würde. Möglichkeit 1: Direkt neben der Scheune (wo auch schon 3 andere Mobile stehen) oder Möglichkeit 2: auf der eigentlichen Pferdeauslaufbahn… Zwar ist der Untergrund erdig mit vielen Pferdehaaren versehen, aber wir würden gerade stehen, wären auch da schon lange nicht die einzigen und dürfen grillen. Das wir hier keinen Strom bekommen, war uns völlig egal. Wir sagten zu und holten unseren Juckel. Nachdem wir eingeparkt hatten, wurden auch gleich die Stühle samt Beinhocker hinausgestellt und es gab erst einmal eine ausgiebige Siesta. Das tat einfach so unglaublich gut!
Gegen 16 Uhr sattelten wir dann wieder die Räder und fuhren binnen 10 Minuten direkt ins Zentrum von Brügge. Es war voll! Brechendvoll! Schnell war klar, mit den Rädern gibt es hier kein Durchkommen. Wir suchten also eine Abstellmöglichkeit. Von da ging es dann zu den Hauptattraktionen zu Fuß. Selbst das war teils ein ganz schönes Gedränge. Immerhin konnten wir so in die zahlreichen Schokoladengeschäfte und fanden mal wieder ein passendes Geburtstagsgeschenk. Das erleichtert es später enorm! Nur den belgischen Waffeln konnten wir heute erfolgreich widerstehen. Sie waren für den Preis einfach zu klein und hätten unserem aufkommendem Hungergefühl nicht wirklich helfen können. Daher steuerten wir auf dem Rückweg lieber noch einen Supermarkt an und kauften Gemüse, Eier und weitere Kleinigkeiten.

Zurück am Platz staunten wir nicht schlecht. Das gesamte Areal war mit Campern vollgestellt. Wir zählten mindestens 30 Fahrzeuge. Respekt! Das macht nen ordentlichen Umsatz. Wie legal das alles von statten geht soll uns egal sein. Wir sind glücklich. Um gänzlich zufrieden zu sein, wurde es allerdings höchste Zeit fürs Abendessen. Schnell wurde der Grill angeworfen und der Salat draußen in der Sonne sitzend zubereitet. Endlich! Wie lange haben wir auf dieses Sommerwetter nun mit unserem neuen Juckel gewartet? Das Abendessen schmeckte vorzüglich. Wir waren so zufrieden, dass uns auch die herumtollenden Kinder und anderen Geräusche überhaupt nicht aus der Ruhe bringen konnten. Bis die Sonne verschwand, saßen wir noch Draußen. Ein gutes Buch in der Hand. Mehr braucht es eigentlich nicht.
Erst als es dann merklich kühler wurde, verschwanden wir ins Innere zum Duschen und Spülen. Und wie wir so den Abend genießen wollten, ploppte plötzlich meine Polarlicht-Warnapp auf. In letzter Zeit ist das häufiger mal passiert, aber so richtig daran glauben wollte ich nicht. Trotzdem lässt man ja nichts unversucht und schaut sich alles in der App mal genauer an… Angeblich gab es schon zig Sichtungen in Deutschland. Ich wurde ganz nervös. André ließ sich davon wieder mal überhaupt nicht beeindrucken und machte seine Aufgaben seelenruhig zu Ende. Er sagte nur, dass es noch viel zu hell sei. Da könne doch niemand wirklich etwas sehen… Die Stimmung wurde gereizter, denn inzwischen war die Karte von Sichtungen überhäuft… Nachdem André dann fertig war, ging er zumindest mal raus, um zu schauen, ob wir überhaupt eine Sicht nach Norden haben. Hinter uns, wo Norden liegt, war nämlich eine dicke Wand aus hohen Bäumen. André hatte zwar einen recht guten Platz entdeckt, konnte die begehrten Lichter aber nirgends ausmachen. Ich war frustriert und irritiert und habe in der Zeit zugegebenermaßen mal ein klein wenig gezickt ;-). Ich bewundere André, dass er sich dennoch nicht aus der Ruhe bringen ließ. Ganz entspannt las er noch einmal nach, welche Einstellungen der Kamera die besten wären. Als dann die ersten Fotos von Sichtungen gepostet wurden, gingen wir erneut vor die Tür. Es war ein wenig unheimlich. Alle saßen in ihren Autos, Niemand anderes war Draußen. Hin und wieder schreckten wir auch einen Hund auf und ich fürchtete schon, dass es später Beschwerden geben könnte. Egal…

Bis die Kamera dann wieder aufgebaut und passend ausgerichtet war, dauerte es. Schon jetzt merkte ich, dass es ganz schön frisch geworden ist. Zumal eine ordentliche Portion Feuchtigkeit hinzukam. Als dann aber die ersten Fotos mit deutlich erkennbarem Polarlicht auf der Kamera zu sehen waren, war alles vergessen :-). Zwischendurch wurde es sogar so intensiv, dass man die Lichter als gräuliche Verfärbung mit bloßem Auge sehen konnte. Witzigerweise konnten wir sie eher nach Westen als nach Norden sichten. Ärgerlich war nur, dass genau dort doch einiges an Lichtverschmutzung von Brügge störte. Schnell wurden Freunde und Familie informiert. Bis diese dann aber antworteten, war die große Show erst einmal wieder vorbei und weder pink noch grün am Himmel zu sehen. Wir warteten zwar noch eine Weile, entschieden uns dann aber doch für den Rückzug. Wir waren ganz schön durchgefroren. Zum Glück war die Heizung in unserem Juckel an, sodass wir uns schnell aufwärmen konnten.

Blöd nur, dass der Internetempfang in Juckel quasi zum Erliegen kam. Wie sollte ich denn jetzt die verschiedensten Nachrichtenkanäle und Apps weiter stalken? Da half nur, Verdunklung öffnen und Handy durchs Heckfenster raushalten. Was ein nerviger Kampf. Die Werte waren schlecht und die Müdigkeit gewann. Ein letztes Mal ging ich aber sicherheitshalber noch vor die Tür. Schon beim Öffnen konnte ich, dieses Mal nach Norden, deutliche Schlieren mit bloßem Auge erkennen. André wollte mir erst gar nicht glauben und lugte eher halbherzig hinaus. Dann aber wurde er auf einmal ganz schnell :-D. Um nicht wieder bei den vielen Hunden vorbei zu müssen, wählten wir einen Platz deutlich näher bei uns. Demnach aber auch deutlich näher bei anderen WoMos… aber noch immer lagen alle schlafend in ihren Betten. Wenn die wüssten, was sie gerade verpassen…. Selbst mit bloßem Auge war es eine gewaltige Chance! Leider wissen wir noch nicht so ganz, was wir bei der Kamera einstellen müssen, um sie auch auf Videos sichtbar zu bekommen, aber es reicht schon, die geschossenen Fotos wie bei einem Daumenkino schnell hintereinander zu betrachten und man sieht wirklich den Tanz. Wir waren so glücklich! So plötzlich und ungeplant zu diesem Ereignis zu kommen… Was haben wir Ostern in Dänemark hart gekämpft, um dann lediglich ein ganz schwaches pinkes Licht auf den Fotos zu sehen… Natürlich wurde auch der Freundeskreis direkt wieder informiert. Außerhalb von Juckel hatte ich ja keinerlei Empfangsprobleme… Und so kam es, dass wir hier mitten in der Nacht sogar noch WhatsApp Sprachanrufe tätigten. Morgen früh traue ich mich glaub ich gar nicht mehr vor die Tür zu unseren Nachbarn. Schließlich ist jedes Tür öffnen und schließen schon mega laut… Nachdem sich dann auch diese Show leider viel zu schnell (immerhin dauerte sie fast 30 Minuten) abgeschwächt hatte, gingen wir wieder zurück. Nach langer Zeit ging ich mal wieder mit eiskalten Füßen ins Bett :-D. Für 2 Uhr sollten die Werte noch einmal richtig gut sein aber wir waren so ko, dass wir es ignorierten. Nachts träumte ich dann sogar von Polarlichtern. Im Schlaf rief ich dann, ich sehe pink grün und blau und André reagierte sofort. Im Nullkommanix war er angezogen vor der Tür und ich schlief seelenruhig weiter :-D. Es dauerte ein Weilchen bis ich dann auch wieder wach wurde und hinausging und André meinte nur, nee, da ist nix mehr. Zurück im Bett meinte er dann noch, dass er sich ein wenig gewundert hatte, wo ich plötzlich die vielen Farben sehen würde aber bevor es Ärger gibt, ist er lieber direkt rausgegangen 😀 Klarer Fall von doppelter Übermüdungen.
Samstag 11.05.2024
Als wir dann morgens deutlich später als gewöhnlich aufgestanden sind, waren wir noch immer ganz verknautscht. Unsere direkten Nachbarn waren schon abgereist. Ups, und wir haben es nicht mal bemerkt. So ersparen wir uns zumindest dumme Blicke oder Kommentare ;-). Da wir bis 13 Uhr auf dem Platz bleiben durften, nutzten wir die Zeit zum Entspannen. Endlich konnten wir sogar mal Draußen Frühstücken. Dabei bekamen wir kurz Besuch von den Hunden des Besitzers. Die waren aber ganz lieb und stoppten gleich beim ersten Ruf.

Wir leerten noch das Klo, ehe wir uns mit dem Buch auf dem Schoß wieder in die Sonne fläzten. Nachdem wir uns gestern sogar einen kleinen Sonnenbrand eingefangen hatten, cremten wir uns lieber artig ein. So richtig konnte ich mich auf das spannende Buch nicht konzentrieren. Die Erlebnisse der Nacht mussten erstmal in Ruhe verarbeitet werden, am besten bei einem Schläfchen :-D.
Auch für heute Abend stehen die Chancen auf Polarlichter-Sichtungen noch einmal ganz gut und so wählten wir uns ganz bewusst einen Schlafplatz mit möglichst wenig Licht und guter Sicht nach Norden aus. Für heute wurden aber deutlich mehr Wolken vorhergesagt, was das ganze erschwerte. So landeten wir dann bei der Planung im niederländischen Middelharnis. Hier gab es immerhin einen neuangelegten, privaten Stellplatz. Beim telefonischen Anfragen kamen wir auf Grund sprachlicher Barrieren nicht ganz so weit. Immerhin wussten wir, dass aktuell noch Plätze frei sind. Ob für uns aber reserviert werden kann oder es nach dem Motto first come first serve geht, blieb unbeantwortet. Hoffen wir mal auf’s Beste.

Auf dem knapp 2 stündigen Weg machten wir noch ein paar Cachepausen entlang der Küste. Leider ist diese in Belgien ziemlich bebaut und dadurch gar nicht so ansehnlich. In den Niederlanden sieht es da schon ganz anders aus. Außerdem fuhren wir über mehrere Inseln. Einmal mussten wir sogar warten, weil die Brücke gerade hochgezogen war und eine ganze Armada an Segelbooten hindurch fuhr. Herrlich. Nur der frische Wind machte das Fotografieren etwas schwerer.
Wir machten noch fix einen Abstecher zum Supermarkt. In den Niederlanden gibt es nämlich eine Salatsoße, die uns besonders gut schmeckt, und von dieser wollten wir uns einen guten Vorrat anschaffen. Außerdem lockten uns ein paar frische Erdbeeren.
Anschließend steuerten wir den Platz an. Schon von der Straße war er gut sichtbar und hatte noch genug freie Plätze, perfekt. Beim Durchfahren des zugehörigen Bauernhofs wollte erstmal keiner mit uns sprechen oder Geld kassieren und so wählten wir frei, den hintersten Platz, den es gab. Außerdem parkten wir so, dass Niemand direkt neben unserer Schiebetür stehen kann. Hier war es schon deutlich windiger als bei dem Pferdehof und ein Sitzen in der Sonne ging nur im absoluten Windschatten. Da um die Plätze herum aber gerade neuer Rasen gesät wurde, war das gar nicht so einfach…

Nachdem wir uns die frischen Erdbeeren mit einer Schlemmercreme zur Stärkung gegönnt hatten, ging es noch einmal auf’s Fahrrad. Wir steuerten in ca. 20 Kilometern eine Schiffsschleuse an. Dabei achteten wir darauf, immer möglichst direkt am Wasser entlang zu fahren. Der Wind machte es nicht einfach, aber wir genossen die herrliche Ruhe. Immer wieder kamen wir an Schafherden vorbei und in relativer Nähe zum Stellplatz gibt es einen kleinen, frei zugänglichen Strand. Für richtig heißes Sommerwetter sollten wir uns das unbedingt merken! So richtig viel vom Wasser konnten wir danach dann leider nicht mehr sehen. Wir fuhren auf einer kleinen Straße direkt parallel zur Autobahn. Dafür gab es auf der rechten Seite ein Naturreservat mit vielen Vögeln und Wasserbüffeln… Ein wenig erinnerte es uns an unsere Urlaube in Afrika.

An der Schiffsschleuse angekommen, beobachteten wir ein Weilchen die langen Schiffe beim Schleusen, ehe wir allmählich die Heimreise antraten. Immerhin wollen wir noch Essen und auch heute Nacht könnte es noch einmal zu Polarlichtern kommen. Daher sollten wir uns nicht völlig verausgaben.
Der Rückweg zog sich dann trotzdem ganz schön, aber immerhin konnte ich noch einmal 40 Radkilometer beim Stadtradeln Wettbewerb verbuchen. Zur Belohnung gab es heute Chili Con Carne. Da unsere Wasserreserven allerdings nicht mehr so richtig voll waren und wir Juckel nicht noch einmal umparken wollten, wurden mehrere 15 Liter Kanister Wasser hineingeschleppt. So konnten wir dann noch in Ruhe Duschen und Abwaschen.
Es dauerte nicht lange, und die App schlug wieder einmal Alarm. Jetzt war ich mir aber auch sicher, dass es noch viel zu früh war. Die Sonne war noch gar nicht richtig untergegangen. Die rötliche-pinke Verfärbung am Himmel rührt ganz klar noch vom Sonnenuntergang. Als es dann endlich richtig dunkel war, setzten wir uns gemütlich hinter unseren Juckel… Heute war es zwar auch kühl, aber immerhin nicht so richtig feucht und mit einer dicken Decke um die Beine ließ es sich gut aushalten. Nur das Polarlicht hat sich heute gedacht, dass es uns einfach zu gut geht und sich daher nicht gezeigt. Bzw. war es hier leider von Rotterdam her zu hell…. So einfach ist es also nicht, die richtige Location zu wählen. Ungeplant haben wir scheinbar mehr Erfolg… Und weil wir uns ziemlich sicher waren, dass es sich nicht wieder lohnt, gingen wir dann auch deutlich zeitiger ins Bett…
Sonntag, 12.05.2024
Beim Wachwerden wurden natürlich gleich die gängigen Kanäle gecheckt, aber scheinbar haben wir wirklich keine große Show mehr verpasst. Irgendwie auch klar, denn in der 2. Nacht war halb Deutschland darauf vorbereitet und lag irgendwo auf der Lauer… Das wäre einfach zu leicht gewesen. Sichtungen wollen erarbeitet werden 😉 Mit einem innerlichen Grinsen, es mal nicht verpasst zu haben, ging es erst einmal ans Frühstück… Wir machten ganz entspannt, denn außer, dass wir heute noch nach Hause fahren müssen, hatten wir keinen Plan mehr gemacht… Wir schauten mal auf die Karte und entdeckten auf halber Wegstrecke noch eine lange gelöste Mysteryrunde, die wir bei einer der letzten Wochenendtouren nicht mehr geschafft hatten. Hierfür brauchten wir nur die Angel und die hatten wir ausnahmsweise mal dabei… Mit einem neu gefassten Plan ging es dann gleich dorthin.
Als wir dann nach knapp 2 Stunden dort ankamen, waren wir froh, eine Pause vom Fahren zu bekommen. Die Sonne knallte nämlich die ganze Zeit ordentlich auf die Scheibe und ließ uns schwitzen. Während wir die Räder klar machten, bereitete sich auch ein anderer Cacher auf die Runde vor. Mal schauen, ob wir ihn später einholen. Zu zweit ist man ja doch oft schneller… Nur irgendwie fuhr er in die falsche Richtung… Wer weiß.

Nun waren auch wir startklar und konnten die Dosen problemlos finden. Bei Nummer 6 trafen wir auf ein anderes Ehepaar. Sie konnten die Dose nicht entdecken und der Mann hatte sich den Arm am Stacheldrahtzaun aufgerissen. Beim Verarzten brauchten wir aber nicht helfen und konnten dann mit einem „Nicht gefunden“ Weiter. Bei Dose 20 trafen wir dann auch den anderen Radfahrer. Scheinbar ist er, um Ruhe vor uns zu haben, spontan andersherum gefahren. Wenn man so wie er die Bonusdaten schon hat, kann das gut klappen… Nach einem kurzen und dank Sprachbarriere schwierigem Plausch ging es weiter. Nun kamen wir noch zu einem netten TB Hotel mitten an einem Wohnmobilstellplatz. Die Lage hätte mir auch gut gefallen… Aber gleich zu Beginn stand einer dieser Luxusliner mit extra Stromaggregat… Das brauchen wir dann doch nicht.
Im Anschluss der Runde machten wir noch einen fixen Abstecher mit dem Rad zum Supermarkt. Frische Baguettes, Eier und Erdbeeren… daraus wollten wir gleich ein leckeres und schnelles Mittagessen zaubern :-). Der Einkauf dauerte dann zwar doch wieder länger als geplant, aber zurück bei Juckel wurde gleich alles zubereitet. Mhh… solche spontanen Möglichkeiten liebe ich an unserem Juckel besonders!
Bevor wir dann aus den Niederlanden rausfuhren, wollten wir noch fix an einer Tankstelle Klo und Abwasser entleeren. Dabei stellten wir fest, dass man in den Niederlanden Autos auch am Sonntag waschen kann und nutzten gleich die Gelegenheit. Unser Juckel hat es nämlich dringend nötig. Leider nervte uns dann aber recht bald der Nächste sodass wir zu Hause noch mal nach einer guten Möglichkeit suchen müssen… Überall, wo für den allerersten Transport vom Werk zum Händler Schutzfolie klebte, bleibt alles an Schmutz haften… Das muss unbedingt noch weggewaschen werden!
Auf der Autobahn hatten wir dann noch mit einer Sperrung zu kämpfen, weshalb wir einen größeren Umweg mit Stau fahren mussten. Bis wir dann alles ausgeladen hatten, war es schon wieder viel später als ursprünglich gedacht. Wir schafften es gerade noch, das schlimmste Chaos zu beseitigen und Duschen zu gehen, als der Fernseher schon rief… Naja, müssen wir die nächsten 4 Tage halt mehr ranklotzen, damit wir Freitag schon wieder mit gutem Gewissen ins Pfingstwochenende starten können.