Gegen 07:30 Uhr sind wir heute aufgestanden. Der erste Blick aus dem Fenster sah gar nicht so schlecht aus. Zwar war weiterhin alles grau in grau, aber es regnete nicht. Das lässt hoffen und so machten wir uns fix fertig, frühstückten zügig und machten uns auf den Weg nach Trondheim.
Nach guten 40 Minuten waren wir da. Auf den letzten Kilometern durch die Stadt zum Parkplatz waren wir froh, dass durch die frühe Uhrzeit und den freien Sonntag wenig los war. An anderen Tagen könnte es für uns mit dem großen Auto sonst doch etwas schwieriger werden.
Der ausgewählte Parkplatz (Erling Skakkes gate 42 parking am Leutenhavn P-hus) lag ziemlich zentral. Sonntags kann man hier sogar kostenfrei parken und dementsprechend war hier auch einiges los. Wir fanden aber noch einen großen Parkplatz am Rand, wo unsere Überlänge kein Problem darstellte. Der Stadtbesichtigung steht nun Nichts mehr im Wege.
Bei leichtem Regen machten wir uns zunächst auf den Weg zum Marktplatz „Torvet„. Ein großes Rondell, in dessen Mitte die Statue von König Olav Tryggvason steht. Hier gibt es neben einem großen Einkaufszentrum auch einige Restaurants und Cafe`s, die heute alle (noch) geschlossen waren.

Von dort ging es über die Kongens gate zur Far Vrue Kirche, also der Frauenkirche. Diese Kirche ist durch den viel berühmteren Nidarsdom leider nicht in allen Reiseführern zu finden. Dabei lohnt sich ein Besuch dieser kleineren Kirche durchaus. Neben dem schönen Altarbereich im Inneren zeichnet sich diese Kirche durch eine ausgesprochene Herzlichkeit aus. Es scheint ein Begegnungszentrum für Mittellose zu sein, denen hier regelmäßig Mahlzeiten angeboten werden.

Anschließend war es nicht mehr weit zum Ufer des Nidelva Flusses. Da der Fluss verschiedene Windungen hat, schafft er es, Trondheim fast komplett zu umgeben. Der Fluss ist recht breit und hat eine gute Strömung. Was hier allerdings besonders sehenswert ist, sind die vielen kleinen bunten Häuser der alten Handelskontore (Bryggene), die beidseitig am Flussufer stehen.

Wir gehen ein Stück am Fluss entlang und schon sehen wir die Gamle Bybro, die alte Brücke, die auch als Glücksportal bekannt ist. Die dunkelrot gestrichene Holzbrücke wurde 1861 gebaut und wirkt mit ihren filigranen Schnitzereien an den Torbögen fast ein wenig Fehl am Platz. Aber wahrscheinlich genau deswegen und weil man einfach einen malerischen Blick auf die bunten Häuser hat, entstehen hier die meisten Urlaubsfotos der Stadt. Natürlich mussten auch wir einige Fotos machen und freuten uns, dass noch immer kaum etwas los ist.

Wenn man von der Brücke geradeaus den Berg erklimmen möchte, kommt man am einmaligen Fahrradfahrstuhl vorbei. Bei unserem Besuch konnten wir leider keinen Radfahrer beobachten und eigene Räder zum Ausprobieren hatten wir leider keine dabei :-(. Das System ist auf jeden Fall simpel. Am rechten Fahrbahnrand gibt es eine kleine Metallschiene. Man stellt sich auf seinem Fahrrad vor den Startpunkt und drückt an einem Automaten einen grünen Knopf. Dann dauert es einen kleinen Augenblick und ein kleiner Metallhaken kommt die Schiene entlanggefahren. Vor diesen setzt man dann einfach den rechten Fuß und wird so auf dem Fahrrad stehend hinauf gezogen. Ich habe schon an so vielen Bergen mit dem Rad geflucht, warum wurde diese geile Idee bisher nicht weiter ausgebaut???
Jedenfalls hatten wir als Fußgänger keinen Lift, der uns den Anstieg vereinfachen würde und da es inzwischen in strömen regnete, entschieden wir uns gegen einen Besuch der Kristiansten Festung. Diese wurde eigentlich erbaut, um Norwegen vor Angriffen von Schweden zu schützen, was sich aber schon relativ kurz danach erledigt hatte, sodass das Fort eigentlich nicht weiter gebraucht wurde.

Stattdessen gingen wir von der Brücke kommend links und landen im alten Stadtviertel Bakklandet. Hier gibt es vor allem kleine urige Cafe’s und Bars, die sich super in den urigen Flair der kleinen Gassen mit Kopfsteinpflaster integrieren. Am Nachmittag oder bei besserem Wetter ist hier bestimmt einiges los, noch gibt es nur vereinzelte Frühstücksgäste, die sich im Inneren vor dem Regen verstecken.

Wir versuchen den Regen vergeblich durch unseren Trotz zu vertreiben und schlendern bis zur nächsten Brücke, um dort den Nidelva Fluss wieder zurück zu überqueren. Ab der Brücke haben wir nun größere, befahrene Straßen gefunden, aber irgendwie scheint es auch hier recht wenig Geschäfte sondern viel mehr Restaurants bzw. Imbisse zu geben. Auf dem Weg zum Stifsgarden entdecken wir nun ein paar aufgehängte Regenschirme, die für uns in all dem Regengrau eine willkommene Farbenpracht geben. Aber auch hier in der Straße ist nicht viel. Wenn wir das mit unseren Besuchen der anderen Städte (Bergen, Stavanger, Tromsö) vergleichen, wo wir auch immer sonntags waren, ist hier mal wirklich gar nichts los. Vor Schreck vergessen wir sogar einige Earthcaches und laufen stumpf an ihnen vorbei. Ups :-D.
Immerhin finden wir dann aber doch noch einen! offenen Souvenirladen („House of Norway“) und können uns hier ein Weilchen trocknen und den eigenen Bestand an Elchsocken vergrößern ;-).
Im Trockenen studieren wir dann noch einmal in Ruhe die Karte, ob es sich lohen würde, den Hafen noch anzusteuern. Aber die Bilder im Netz sagen, dass auch dort wenig ist und bei dem Regen fehlt heute irgendwie die Motivation auf mehr Bewegung… da wir am Anfang vorschnell über die Brücke gegangen sind, müssen wir eh noch einmal zurück. Den Nidarsdom wollen wir uns nämlich nicht entgehen lassen.

Also ging es noch einmal im strömenden Regen quer durch die Stadt. Am Nidarsdom angekommen, war einiges los. Scheinbar startet in Kürze ein Gottesdienst und viele warten Draußen auf das Glockengeläut, was schon kurz nach unserer Ankunft beginnt.
Der Nidarsdom gilt als Nationalheiligtum und gehört zu den bedeutendsten Kirchen in Norwegen. Bereits 1070 begann man mit dem Bau auf der Grabstätte von König Olaf II, der heiliggesprochen wurde. Zudem wurden hier im Mittelalter die Könige gekrönt und beerdigt.
Wir haben uns den Dom heute nur von Außen angesehen. Aber auch das war schon sehr sehenswert. Auffallend sind die vielen Figuren, die an den Seitenwänden der Fassade stehen. Hier wurden nicht nur Heilige, sondern auch weltliche und sogar normale Bürger abgebildet. Insgesamt befinden sich 75 solcher Figuren an der Fassade.
Nach dem wir eine Runde um den Dom gedreht haben, machten wir uns dann aber doch schleunigst auf den Weg zum WoMo. Der Regen wurde einfach immer mehr und so machte das Ganze keinen Spaß mehr. Kann das nicht endlich mal aufhören?
Naja, für die nächsten Stunden steht jetzt wieder Fahren auf dem Programm, denn unser nächstes Ziel soll Kristiansund bzw. kurz danach dann die Atlantikstraße sein. Vielleicht wird das Wetter ja bis dort ein wenig besser…
Während der 3,5 stündigen Fahrt nutzten wir die Gelegenheit, die Nervennahrung mal ein wenig zu dezimieren, denn das schlechte Wetter seit Tagen schlägt doch langsam aufs Gemüt.
Als wir dann am Nachmittag nach Kristiansund reinfahren wollen, sah es leider nicht besser aus. Im Gegenteil, hier standen die Straßen teilweise sogar schon unter Wasser. Wir machten einen kleinen Stop auf dem eigentlichen Parkplatz aber es war kein kurzer Schauer, der vorüber zieht und so machten wir uns unverrichteter Dinge wieder auf den Weg.
Nächstes Ziel wäre nun die Atlantikstraße, die wir im letzten Jahr eigentlich schon besuchen wollten. Hätten wir es bloß mal gemacht. Wahrscheinlich war das Wetter da deutlich besser als jetzt, aber nu ist es zu spät und jammern hilft ja bekanntlich nicht.
Nach etwas über einer halben Stunde erreichten wir die Atlantikstraße und oh wunder, es regnet nicht mehr ganz so schlimm. Es war zwar kalt und der Wind bließ ordentlich aber dafür haben wir ja Mützen eingepackt. So ging es endlich mal wieder vor die Tür.

Die Atlantikstraße ist 8274 Meter lang und führt mit insgesamt 8 Brücken über mehrere kleine Inseln. Es gibt mehrere Möglichkeiten zu parken und den Straßenverlauf aus verschiedenen Perspektiven zu bewundern. Oft halten hier auch Norweger zum Angeln an.

Auf der Insel Lyngholmen gibt es zudem einen Aussichts-Rundweg, den wir natürlich gegangen sind. Der Holzweg ist am Rand überall gesichert, da das Wasser hier eine ordentliche Strömung hat. Beim Blick auf die vor uns liegenden Brücken konnten wir dann „helle Flecken“ am Himmel entdecken. Endlich ein Hoffnungsschimmer. Wir quatschten noch kurz mit anderen WoMo Fahrern, die auch an den Saltstraumen Elche gesehen haben. Scheinbar ein guter Tipp für alle, die mal hier oben Urlaub machen und Elche sehen wollen ;-).
Wir überlegten noch ein wenig, ob es sich wegen besserem Wetter lohnen würde, hier zu warten, entschieden uns dann aber wegen dem starken Wind doch dagegen und suchten stattdessen nach abgelegeren Schlafplätzen.

Der erste ausgewählte Platz war uns zu klein und voll aber der 2. Platz kurz hinter Eide war sehr nett. Als wir ankamen, stand hier auch nur ein größeres WoMo aus Schweden.
Während wir uns mit dem Abendessen befassten, es gab wieder einmal Konserven, denn zum Grillen war das Wetter doch noch zu unbeständig, gesellten sich noch zwei andere zu uns. Kann mir mal jemand erklären, warum man auf einem großen leeren Platz immer möglichst nah an die schon stehenden WoMos ranfahren muss?

Nach dem Abendessen setzten wir uns dann an die Bilder und den Bericht. Das dauerte ein ganzes Weilchen und als wir danach mal wieder aus dem Fenster schauten, konnten wir sogar ein wenig blauen Himmel sehen. Sollen wir doch noch mal zur Atlantikstraße fahren? Die Faulheit und Sorge, den Platz zu verlieren, siegten und so blieben wir hier. Später kam dann noch ein wenig Action: In der Nähe befindet sich ein kleiner Hafen, wo plötzlich Blaulicht zu sehen war und auch ein Schnellboot eilte über den Fjord heran. Natürlich waren wir neugierig und machten einen kleinen Spaziergang zur Brücke um etwas mehr zu sehen. Zum Sehen war es dann doch zu weit weg, aber immerhin kamen wir noch in den Genuss von ein paar kleinen Sonnenstrahlen. Das tut so unglaublich gut!
Für Morgen sieht die Planung vor, noch einmal zur Küste zu fahren, um auf der Insel Runde die kleinen süßen Puffins zu bewundern. Danach werden wir der Küste dann aber definitiv den Rücken kehren und damit hoffentlich wieder besseres und vielleicht auch wärmeres Wetter bekommen.
Mit diesen Wünschen verabschieden wir uns nun in die noch immer helle Nacht.