Offensichtlich haben wir trotz der Straßennähe ziemlich gut geschlafen, denn heute Morgen entdecken wir noch einen Kastenwagen direkt hinter unserem Bett. Mir dämmert, dass ich im Halbschlaf Stimmen gehört habe, André hat natürlich Nichts mitbekommen… Allerdings haben sie sich äußert ungeschickt direkt hinter uns gestellt, sodass wir erst einmal schauen müssen, wie wir hier gleich rauskommen.
Erst einmal gab es allerdings Frühstück und wir beobachteten währenddessen die Apps und den Himmel. Es regnet kaum noch und es wirkt, als würde es bald freundlicher werden. Wir haben schon auf so viele Wunsch-Wanderungen verzichtet und so fällt die Entscheidung relativ schnell: Wir steuern den Torghatten an.
Nachdem wir es geschafft hatten, leicht zugeparkt, vom Parkplatz herunter zu kommen. (Ich gebe zu, wir haben uns ausnahmsweise mal nicht bemüht, leise zu sein.), steuerten wir den Wanderparkplatz an. Dazu machten wir zunächst eine kleine Sightseeing Runde durch Bronnoysund und ich muss zugeben, her sieht es auch nett aus. Vor allem, weil es mal nicht regnet. Den Wunsch nach Sonne haben wir schon abgelegt, trocken reicht inzwischen völlig aus :-D.

Am Wanderparkplatz haben offenbar auch einige übernachtet, aber wir finden noch ausreichend Platz. Schnell geht`s zur Sicherheit trotzdem in die Regensachen und auch wenn es im Internet heißt, dass die Wanderung nicht anspruchsvoll ist, ziehen wir lieber mal die Wanderschuhe an.
Gleich zu Beginn geht es gut bergauf und wieder einmal müssen wir uns einen Weg über lose Steine suchen. Laut Internetbeschreibung soll es aber kurz nachdem wir aus dem ersten Waldstück heraus sind, besser werden. Wir lassen uns mal überraschen…
Irgendwann sind wir dann aus dem Wald heraus und der Weg führt über steinige Stufen. Eigentlich ganz gut zu laufen. Ups, das hätte ich wohl nicht sagen sollen, denn schon nähern wir uns dem Loch und damit einem großen Geröllfeld. Wir müssen bei jedem Schritt gut aufpassen, dass wir nicht wegrutschen.
Unser Wille ist stark genug und so suchen wir uns den Weg dort hoch. Die Wegweiser lassen sich teilweise nur noch erahnen oder werden erst gesehen, wenn man an ihnen bereits vorbei ist.

Nun sind wir oben am Eingang zum Loch. Es ist schon beeindruckend was die Natur zu bieten hat. Das Loch ist ca. 35 Meter hoch und 160 Meter lang, sodass man quer durch durch den Stein auf die andere Seite gehen kann. Hinab in’s Loch führen steile Holzstufen, die für uns kein wirkliches Hindernis darstellen. Erst danach kommt wieder jede Menge Geröll, aber laut Internet soll der Weg auf der anderen Seite wieder hinunter kaum schwieriger und länger sein und so wollen wir den Rundweg natürlich meistern.

Übrigens wären wir nicht in Norwegen wenn die Norweger sich nicht wieder eine Trollgeschichte zum Stein ausgedacht hätten:
Ein ungehorsamer Königssohn lebte in Svolvaer. Auf der anderen Seite des Vestfjordes lebte ein anderer König mit 7 Töchtern, von denen eine wilder als die andere war. Die Töchter wurden daher zu einer ehrbaren Jungfrau geschickt…
An einem schönen Abend schaute der Königssohn nun auf den Fjord hinab und sah, wie die ehrbare Jungfrau ein Bad im Fjord nahm und sich die Haare kämmte. Der Königssohn war sofort hin und weg und machte sich mit seinem Pferd auf den Weg. Die 7 Schwestern hätten den Königssohn gerne geheiratet und setzten sich an den Weg. Die Jungfrau aber flüchtete. Nun kam der Königssohn an den 7 Schwestern vorbei und würdigte sie keines Blickes. Die Jungfrau aber gewann immer mehr Vorsprung und so nahm er Pfeil und Bogen und zielte auf sie. Ein weiterer König beobachtete dies und warf seinen Hut in die Bahn des Pfeils. Dieser Hut blieb auf der Insel Torgar durchschossen liegen.
Wegen der wilden Jagd vergaßen nun alle, dass die Sommernächte im Norden wieder kürzer geworden waren und als die Sonne wieder aufging, versteinerten alle dort, wo sie gerade saßen oder standen. Der Hut ist nun der Torghatten, die 7 Schwestern sind bei Sandnessjoen und die Jungfrau hat auf der Insel Leka Schutz gesucht.
Ich persönlich finde ja, dass man viel Fantasie benötigt, um dem Berg die Form des Hutes anzusehen aber vielleicht ist an all den Sagen ja wirklich etwas dran… Nachdem wir nun lange genug im Durchschuss des Hutes gestanden haben und den Ausblick zum Fjord genossen haben, war es an der Zeit, dass Loch wieder zu verlassen.

Und wieder einmal mussten wir leider feststellen, dass die Wanderung im Internet völlig anders beschrieben wurde. Selbst wenn Menschen mit besseren Konditionen oder Gleichgewichtssinn hier wandern, so sollten auch diese merken, wenn es etwas schwieriger ist. Zunächst ging es irgendwie ein Geröllfeld hinab. Nachdem wir dann endlich den Wanderweg gefunden haben, zeigte sich dieser als sehr schmaler, teils zugewachsener Weg. Hinzu kam, dass es durch den Regen gut matschig war und wir an diversen Stellen genau überlegen mussten, wie wir diese nun heile passieren.

Als wir dann glücklicherweise unten angekommen waren, standen wir mitten auf einer Wiese. Auch wenn es nicht regnete waren wir gerade sehr froh über die Regenhosen. Teilweise reichte uns das Gras bis zur Brust und war natürlich pitschenass. Wir schauten mal auf die Karte, wie der Weg nun weiter gehen soll und stellten fest, dass wir nun einmal weiträumig um den Berg herum laufen dürfen… Wie war das noch „gleich lang“… naja, immerhin gab es hier noch eine Tradi-Geocache Runde, die wir bei der Gelegenheit dann teilweise besucht haben…
Endlich waren wir wieder am Auto und tauschten erst einmal die Socken… bei so viel nasser Wiese halten auch die Wanderschuhe einfach nicht mehr trocken :-(.
Gegen 11 Uhr fuhren wir dann vom Platz ab und natürlich begann es wieder zu regnen. Im Anbetracht der Zeit hatten wir bereits entschieden, die Küste nun zu verlassen und den weiteren Weg über die E6 nach Trondheim anzutreten. Da tut es bei Regen nicht mehr ganz so weh, die Landschaftsroute zu verlassen.

Nach etwas mehr als 2 Stunden erreichten wir die Nordlandsporten. Über die zweispurige E6 ragt ein Portal, welches ein stilisiertes Polarlicht darstellt. Für jeden der hier vorbei kommt das klare Zeichen, dass man entweder im „hohen Norden“ angekommen ist oder ihn nun endgültig verlässt. Da wir ja auf dem Rückweg sind, ist es für uns eher ein wehmütiges Gefühl hier drunter durchzufahren.
Knapp dahinter gibt es einen kleinen Souvenirshop. Hier können allerdings überwiegend Produkte, die vom Volk der Samen hergestellt wurden, erworben werden.
Wir sehen zu, dass wir schnell weiter kommen, denn auf einem Grenzstein steht Trondheim mit einer Entfernungsangabe von etwas mehr als 300 Kilometern und da es inzwischen schon nach Mittag ist, haben wir heute noch einiges vor… Morgen ist schließlich Sonntag…für uns der perfekte Tag, sich mit dem WoMo in die Stadt zu wagen ;-).

Wir tanken mal wieder nach und freuen uns, dass wir nur noch knapp 2,45 € für den Liter Diesel zahlen. Um die Fahrt ein wenig kurzweiliger zu gestalten, steuern wir mal wieder ein paar Caches an und können ein paar Abstecher zu Virtuellen machen. Als wir dann gegen 16:30 Uhr in Steinkjer, einer größeren Stadt ankommen, hat schon fast alles zu. Ups! Und damit wird uns bewusst, wie spät es eigentlich schon ist und sich ein Hüngerchen breit macht. Kein Wunder, schließlich sind wir heute Morgen ja auch schon gut gewandert.
Allerdings sollten wir noch ein Stück näher an Trondheim heran und so suchen wir uns einen Platz am Fjord aus. Von dort sind es dann noch ca. 40 Minuten bis Trondheim. Das sollte morgen früh dann kein Problem sein.
Der ausgesuchte Platz liegt am Asenfjord und wird in der App beschrieben, dass es dort am Fjord einen Picknick- und Grillplatz gibt. Da es inzwischen nicht mehr kontinuerlich regnet, hegen wir Hoffnung auf Grillwürstchen :-).

Als wir dann aber am Platz ankommen, ist dieser schon gut gefüllt. Wir suchen uns abseits noch eine Lücke und machen einen Spaziergang zum Wasser… der Traum vom Grillen platzt. Es ist voll, wir sind nahe an Wohnhäusern und trocken und gemütlich sitzen können wir auch nicht… So dackeln wir zurück, öffnen die Gasflasche und essen zum wiederholten Male Nudeln mit Tomatensoße… au man.
Inzwischen gehen wir davon aus, dass das schlechte Wetter mit der Küste zusammen hängt und zählen schon die Tage, ab wann wir uns wohl von der Küste verabschieden können um etwas besseres Wetter zu erhalten.
Tagestemperaturen von ca. 9 Grad sind uns im Juli dann vielleicht doch ein wenig frisch und ohne Heizung geht Nachts defintiv Nichts mehr.
Obwohl der Platz gut gefüllt ist, bleibt es zum Glück ziemlich ruhig und nachdem die Zeilen verfasst worden sind, verschaffen wir uns einen Überblick über Trondheim, damit wir morgen nicht komplett planlos herum irren.
