Das Träumen von Sonne hat leider nicht viel gebracht. Heute Nacht hat es mal wieder ordentlich geregnet und wir sind des Öfteren von dem Prasseln auf’s Autodach geweckt worden…

Daher stehen wir auch schon um 08:20 Uhr pünktlich an der Fähre von Jektvik nach Kilboghamn. Während der einstündigen Fährfahrt überqueren wir nun wieder den Polarkreis. Kurz bevor am Ufer die Weltkugel, die wir vom Nordkap kennen, zu sehen ist, erzählt der Kapitän ein wenig zum Polarkreis, der Mitternachtssonne und den Polarlichtern… Polarlichter zählen auch noch zu einem unserer großen Reisewünsche. Leider ist das Wetter noch immer nicht wirklich prickelnd und so wirkt die Weltkugel im Nebel ein wenig mystisch.
Von der Fähre wieder runter fahren wir erst einmal zur nächsten Tankstelle. Nun haben wir ein paar Tage nicht tanken müssen, aber mit fast 2,60 € ist es leider noch immer nicht günstiger geworden.
Wir schlängeln uns nun weiter über die Fv17 gen Süden. Einige Zeit geht es direkt an der Küste entlang. Dadurch weht hier ein frischer Wind und es regnet und regnet und regnet. So richtig Lust haben wir inzwischen nicht mehr, bei Fotostops zu halten. Alles wird jedesmal nur nasser und so richtig wirken die Ausblicke bei dem ganzen Grau leider auch nicht. Eine kleine Schlechtwetter-Krise schleicht sich bei uns ein :-(.
Als wir dann bei Utskarpen sind müssen wir eine Entscheidung fällen… entweder wir fahren direkt weiter über die Fv17 oder wir machen einen ca. 1,5 Stündigen Umweg nach Mo I Rana und zum norwegischen Polarkreiscenter. Bei dem Wetter fällt die Entscheidung relativ leicht und wir bauen den Schlenker ein. Zwar machen sich die vielen Kilometer der Reise inzwischen auch ein wenig bemerkbar, aber bei dem Wetter gibt es nur wenig Alternativen.
Ab Mo i Rana geht es daher über die E6 wieder ein Stück zurück nach Norden. Hier ist die Straße auch wieder deutlich voller und weniger kurvig, sodass wir eigentlich besser voran kommen. Nur die Ausblicke fehlen hier völlig.

Endlich erreichen wir das Polarkreiscenter. Bei den tiefhängenden Wolken erscheint es irgendwann eher wie aus dem Nichts und drum herum gibt es eigentlich auch Nichts, außer Berge. Schnell finden wir einen Parkplatz und gehen hinein. Leider gibt es hier wenig Ausstellung zum Thema. Einzig, ein paar der typisch nordischen Tierwelt kann man in ausgestopfter Form betrachten, so auch einen riesen großen Elch… Den hätte ich ja eigentlich ganz gerne zu Hause ;-). Wobei, das Geweih eines ausgestopften Tieres immer unecht wirkt. Da fehlen einfach Haare und Fell.
Was es hier aber natürlich auch gibt ist ein großer Souvenirshop, der sich an den Besucherströmen erfreut. Hier ist es warm und trocken und so bummeln wir ein Weilchen durch die eigentlich schon sehr bekannten Souvenirs. Natürlich lassen wir dennoch etwas Geld hier und kaufen noch ein wenig ein ;-).

Als wir das Gebäude wieder verlassen hat zumindest der Regen aufgehört und so spazieren wir über’s Gelände. Hier gibt es ein paar Denkmäler und natürlich Geocaches, die es zu besuchen galt. Auf einem angehobenen Plateau stehen haufenweise Steinmännchen. Allerdings gibt es auf einer Hinweistafel den Vermerk, dass man diese nicht (mehr) aufbauen soll. Viele machen es aber trotzdem und wir fragen uns ein wenig nach dem Sinn… Egal, weiter, denn der Wind pfeift auch ohne Regen unangenehm frisch um die Ohren.
Nun verabschieden wir uns endgültig vom Polarkreis und der Mitternachtssonne. Ab jetzt wird es jeden Abend früher dunkel. Dunkel? Hatten wir jetzt ziemlich genau zwei Wochen nicht und eigentlich kann man sich an diese ewige Helligkeit ziemlich schnell und gut gewöhnen…
Auch wenn sich das Wetter beim Hinabfahren der E6 ein wenig bessert, fahren wir die 1,5 Stunden zurück nach Utskarpen um dann wieder auf der Fv17 gen Süden zu fahren. Warum eigentlich? Von einem Freund, der gerade in Fjordnorwegen unterwegs ist, bekommen wir immer wieder trockene Sonnenfotos… Wieso brechen wir nicht hier oben so schnell wie möglich die Zelte ab und sehen zu, dass wir endlich wieder schönes Wetter bekommen? Die Antwort ist ganz einfach: Weil wir es können :-D. Nein quatsch. Die E6 führt ziemlich gerade aus mitten durchs Landesinnere und quasi eher durchs Nichts. Das ist uns zu langweilig und wir hoffen einfach ganz doll, dass sich das Wetter entgegen der Apps ein wenig bessert und wir doch noch schöne Aussichten aufs Wasser bekommen.
Nachdem wir dann wieder in Utskarpen sind lassen wir auf den nächsten Kilometern den Abstecher noch einmal Revue passieren. Wenn wir ehrlich sind, hat uns die Polarkreisüberquerung in Rovaniemi besser gefallen. Die symbolisch aufgemalte Linie zu überspringen war cooler, als nur hier an einem Stein zu stehen. Hier ist das Gebäude ziemlich cool gebaut und so im Nichts, mit Schnee im Hintergrund, passt es ein wenig besser zu den Vorstellungen, die wir vom „hohen Norden“ hatten. Trotzdem nehmen wir als Fazit mit, dass sich der Abstecher für uns gelohnt hat und wir die Extrakilometer nicht bereuen. Zumal der Regen, jetzt wo wir wieder nahe an der Küste sind, einsetzt. Einsetzt? Hier ist es eher ein ewiger Dauerregen. Mal stärker, mal schwächer. Wir haben es uns ausgesucht, jetzt müssen wir da durch ;-).
Schon bald erreichen wir Nesna und erreichen die Fähre nach Levang Just in Time. Da es hier mehrere Fährverbindungen gibt, mussten wir kurz überlegen, welche Stadt die nächste ist. Der Kapitän half uns auf die Sprünge und hupte schnell, damit wir noch mit aufs Schiff kommen. Kaum sind wir drauf, legen wir ab. Zur Sicherheit überprüfen wir noch mal, ob es die richtige Richtung ist, wobei es dafür jetzt eigentlich zu spät ist. Memo an mich: Die nächsten Fahretappen wieder ein wenig besser vorbereiten ;-). Offenbar sind wir die letzten Tage ein wenig aus der Übung gekommen.

Das nächste Ziel war nun die Fähre von Tjotta. Unterwegs hielten wir noch an einem alten Wikinger-Landhaus für einen Virtual Cache. Natürlich war das zugehörige Museum bereits geschlossen. Schade, hier wären wir gerne mal hinein gegangen.

Wir beeilten uns mit den Aufgaben und freuten uns auf’s trockene Auto und setzten unsere Fahrt fort. Am Fähranleger von Tjotta standen schon ein paar Autos und auch die Fähre stand parat. Warum auch immer, hat es dann aber fast eine Stunde gedauert, ehe wir auf’s Schiff durften. Die unbekannte Wartezeit haben wir leider nicht wirklich sinnvoll genutzt, weil es ja hätte jederzeit losgehen können. Immerhin gibt es hier einen kleinen Supermarkt, sodass wir im Eiltempo ein paar frische Sachen zu Apothekenpreisen nachgekauft haben. Eigentlich schon unverschämt, aber wir haben Urlaub und verschwenden unsere Energie jetzt nicht dafür, uns darüber aufzuregen. Schnell wurden noch ein paar Fotos gemacht und ne Kleinigkeit gegessen und dann ging es endlich los.
In Forvik verlassen wir das Schiff schon wieder und fahren in einer längeren Autoschlange immer weiter über die Fv17. Hier gibt es keinerlei Abbiegungen. Links und rechts stehen einzelne Häuser und es wirkt, als wären wir auf einer kleinen Insel. In Wirklichkeit aber sind wir ganz am westlichen Rand des Festlands. Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass es aufgehört hat zu regnen und sogar freundliche, weiße Stellen am Himmel zu erkennen sind. Sofort wird die Stimmung dadurch besser, wir erfreuen uns an schönen Kirchen oder Ausblicken rechts der Straße und gewinnen gleich wieder Motivation.
Und schwupps stehen wir nun in Andalsvagen für die 4. und damit letzte Fähre des Tages an. Hier fuhr erst noch ein Krankenwagen an uns vorbei, was das Beladen der Fähre ein wenig chaotischer machte. Trotzdem machten die Jungs wieder einmal einen guten Job und so konnte es für uns nach Horn gehen. Während der kurzen Überfahrt schauten wir uns schon einmal nach einem möglichen Schlafplatz um. Sofern das Wetter halbwegs passt, könnten wir Morgen nämlich eine kleine Wanderung zum Torghatten machen. Aus diesem Grund wollten wir nicht zu weit weg von Bronnoysund und fanden kurz hinter der Abfahrt nach Bronnoysund-Zentrum einen ziemlich neuen Rastplatz „Traelvikosen“. Leider wieder direkt an der Fv17, aber immerhin stehen wir alleine.
Angekommen, wurde erst einmal schnell was zu Essen gemacht… so langsam können wir allerdings weder Nudeln noch Konserven sehen und würden uns sehr über grilltaugliches Wetter und einen dazu passenden Grillplatz tierisch freuen. Naja, wir sind ja nicht bei „wünsch dir was“ und so treibt der Hunger eine Erbsensuppe mit zusätzlichen Bockwürstchen trotzdem hinein.

Nach dem Essen machen wir dann eine kleine Erkundungstour des Rastplatzes. Aktuell haben wir abends ja immer Ebbe, was uns hier heute zu Gute kommt. Im Fjord wurden mehrere Steine als Weg angelegt, über den man bei Ebbe zu einer kleinen Felseninsel gehen kann. Natürlich machen wir den Quatsch und wundern uns einmal mehr über die Rastplatzgestaltung der Norweger. Immerhin bekommen wir dadurch aber ein wenig Bewegung.

Als wir dann irgendwann im Bett liegen und der Verkehr noch immer hörbar ist, fällt es uns wie Schuppen von den Augen. Heute ist Freitag… wer weiß, wer vielleicht noch unterwegs zu einer Party ist… Wir nehmen es einfach so hin und schlafen zum Glück ziemlich schnell ein.
