Wenn man von den Regengeräuschen absieht, war es mal wieder eine richtig ruhige und entspannte Nacht. Inzwischen ist es allerdings ganz schön frisch geworden und so machen wir uns morgens zum Aufstehen erst einmal die Heizung an. Das Ganze kann man sogar zeitlich planen, sodass wir erst die warme Bettdecke verlassen, als es wirklich warm genug war.
Draußen ist alles grau in grau. Die Wolken hängen ziemlich tief, aber es regnet nicht durchgängig. Das lässt ein wenig hoffen, denn gestern Abend haben wir noch eine kleine Wanderung gefunden, die wir gerne (als Ausgleich zu allen ausgefallenen) einbauen würden.
Wir fahren die kleinen Straßen zurück zur Fv17 und dann immer weiter Richtung Süden.

Schon bald stolperten uns endlich mal wieder ein paar Rentiere vor die Linse. Nachdem wir sie gefühlt lange nicht mehr gesehen haben, halten wir noch einmal für ein paar schöne Fotos an. Es sind einfach wunderschöne Tiere.
Das nächste Ziel ist Storvik, denn dort wollen und müssen wir mal wieder Entsorgen und Frischwasser auffüllen. Der Platz dafür eignet sich super, aber manche Urlauber haben es einfach nicht begriffen und so liegen braune Würstchen -Reste auf dem Abaufgitter…. ekelig und schade!

Nachdem das erledigt wurde, ging es weiter Richtung Süden. Die Straße schlängelte sich zwischen den Fjorden hindurch und es gab einige Kurven. Leider fehlte uns dabei ein wenig die schöne Aussicht, denn die tiefen Wolken wollten einfach nicht verschwinden. Naja, solange es nicht regnet, können wir das verschmerzen.

Mit ein paar Geocache Pausen erreichen wir den Parkplatz zur Shuttlefähre über den Holandfjord gegen 11:30. Wir wollen die Fähre um 12 Uhr nehmen. Perfekt! Wir schauen uns kurz den kleinen Anleger (es ist wirklich nur ein Steg) an und ziehen uns wärmer an. Da es ganz leicht regnet ziehen wir zur Sicherheit schon mal die Regenhosen über und schon wird es auch Zeit, zum Schiff zu gehen. Nicht das es plötzlich zu voll ist oder früher ablegt.
Bezahlt werden kann auf dem Schiff entspannt per Kreditkarte nachdem die Fähre losgefahren ist. Wir haben die Kreditkarte noch nicht ganz zurück ins Portemonnaie gesteckt, da überlegt sich der Regen mehr zu werden. Irgendwie war das klar oder?
Naja, jetzt sind wir auf dem Boot und sitzen mit den anderen Gästen in der kleinen Plicht und lassen den Regen einfach auf uns niederprasseln. Nach 20 Minuten sind wir dann auf der anderen Seeseite. Auch dort gibt es nur einen kleinen Anleger, allerdings mit einem Mini Cafe und eine Bootsausflugsgruppe sitzt gerade am warmen Grill.

Wir lassen uns davon jetzt aber nicht ablenken, sondern wandern los in Richtung Gletscher. Die ersten 3 Kilometer geht es über sehr ebene Schotterwege…unterwegs verstehen wir dann auch, dass wir uns an dem kleinen Haus wohl hätten Fahrräder mieten können. Hätte man auch deutlicher ausschildern können!
Egal, wir laufen entspannt weiter. An den Regen haben wir uns einfach gewöhnt. Die Ausblicke auf den Gletscher und den vorgelagerten See sind auch ohne Sonne grandios.

Nach den 3 Kilometern wird der Weg dann etwas abenteuerlicher. Über Holzplanken und leichtes Geröll geht es allmählich Richtung Gletscher… Hin und wieder kommen uns Wanderer entgegen von denen mir einer fast vor die Füße fällt. Die Steine sind offenbar rutschig 😉
Nach kurzer Zeit wird es dann steiler und zur Sicherheit wurden seitlich Ketten angebracht. Wir suchen uns vorsichtig den weiteren Weg bis es dann irgendwann zu einer reinen Kletterpartie wird. Hä? Im Internet stand doch nur was von entspanntem Spaziergang? Haben wir was falsch verstanden oder doch den falschen Weg gewählt? Ein Hinweisschild, welches vor Steinschlag warnt und man ab hier nur mit Kletterausrüstung weiter soll, macht es irgendwie nicht besser. Da uns aber Niemand mit entsprechender Ausrüstung entgegen kam, klettern und laufen wir einfach mal frohen Mutes weiter.

Zwischendurch gibt es Passagen, in denen Gummistiefel die bessere Alternative zu Wanderschuhen gewesen wären. Anstatt durch die Steine zu laufen, klettern wir so rechts und links hinauf und versuchen mit Erfolg, einfach nicht wegzurutschen.
Wir klettern ein ganzes Weilchen weiter und als wir eine kleine Verschnaufpause einlegen, schwant mir beim Blick zurück schon Böses für den Rückweg. Ich bin doch nicht schwindelfrei. Zum Glück fährt das letzte Boot um 19 Uhr zurück, das sollten wir schon hinbekommen.
Kurze Zeit später treffen wir auf ein deutsches Pärchen mit Hund. Sie sagen, es wäre nicht mehr weit zum Gipfelbuch. Man könnte allerdings auch weiter hoch und fast an’s Eis heran. Seitlich haben sie keine Sorge gehabt, dass sich ein Teil vom Eis löst und sie mitreißt. Wir hören es uns an und bleiben skeptisch.

Tatsächlich erreichen wir nun aber recht bald das Gipfelbuch. Nach einer kurzen Pause entscheiden wir uns, den Weg ebenfalls noch etwas weiter zu gehen. Die Kletterpassagen werden nicht wesentlich schwieriger und so kommen wir nach einer guten halben Stunde zu einem netten kleinen Wasserfall. Von dort ist es noch ein kleines Stück zum nächsten Warnschild. Hier hören wir dann aber auf. Das Eis knackt immer mal ganz schön laut und uns ist das Risiko einfach zu groß. Außerdem müssen wir ja das ganze Stück auch noch zurück klettern.

Am Gipfelbuch zurück treffen wir nun auf ein junges deutsches Pärchen mit 2 jährigem Kind im Tragerucksack. Respekt! Wir hätten das hier nicht noch schleppen wollen. Gemeinsam suchen wir uns nun den Weg zurück. Mir persönlich wäre es mit Kind auf dem Rücken aber zu gefährlich gewesen. Man muss ja nur einmal wegrutschen und schon landet man auf dem eigenen Kind… Zum Glück ist aber alles gut gegangen und wir laufen die 3 Kilometer um den See herum zurück.
Bis das nächste Boot zurück fährt, dauert es allerdings noch 30 Minuten und so schauen wir uns in dem Mini Cafe einmal um. Es gibt eine stark reduzierte Auswahl an Souvenirs, Eis und kalte Getränke… All das wollen wir allerdings nicht, denn es ist so schon frisch genug. Daher setzen wir uns auf Bierbänke unter einem kleinen Pavillion.
Endlich können wir aufs Schiff. Es wird tatsächlich wieder voll und so bleiben wir direkt stehen. Kurz vor Ende checken wir dann auch, dass man sich hätte drinnen hinsetzen können. Warum teilt man uns sowas eigentlich nicht mit? Schon heute Morgen hätte uns das einiges an Regen erspart. Jetzt sind wir eh komplett nass und freuen uns einfach nur darauf, die nassen Sachen auszuziehen.
Genau das machen wir dann auch am WoMo. Allerdings fehlt uns irgendwie der Platz, alles aufzuhängen. Da wir noch weiter fahren wollen, wurde alles erst einmal ins Bad gelegt. Später wird uns schon was einfallen.
Um 17:20 Uhr machen wir uns dann wieder auf den Weg und fahren noch an Halsa vorbei und bekommen punktgenau die Fähre. Wenigstens das klappt heute Mal. Da wir noch nichts Richtiges gegessen haben, schauen wir uns während der Fährfahrt mal nach möglichen Schlafplätzen um. So richtig ruhig und abseits gibt es hier allerdings Nichts. Wir steuern zwei ausgewählte Parkmöglichkeiten an, entscheiden uns vor Ort aber dagegen und so bleiben wir auf einem leeren Rastplatz direkt an der Fv17 stehen. Ein Rastplatz weiter südlich war bereits alles voll. Hier haben wir zum Glück unsere Ruhe. Schnell werden ein paar Nudeln gekocht und das Wasser für eine heiße Dusche erwärmt.

Duschen? Achja, wir haben ja die ganzen nassen Sachen im Bad verteilt und da dort nicht geheizt wird, trocknet es auch nicht. So wird kurzerhand einfach alles im WoMo verteilt und wir ziehen uns nach dem Duschen ins kuschelig warme Bett zurück. Da die Fähren nicht mehr lange fahren, wird es auf der Straße auch merklich ruhiger und so verabschieden wir uns schon bald ins Land der Träume in denen die Sonne scheint und der Regen ganz weit weggepustet wird.
