Nach einer super ruhigen Nacht hatten wir uns gut von der vielen Fahrerei am Vortag erholt. So war es auch nicht schlimm, dass es nach dem Frühstück noch einmal Eineinviertelstunde weiter nach Bergen ging.
Wir hatten am Abend noch lange nach Parkmöglichkeiten recherchiert. Mit einem Wohnmobil muss man schließlich Höhenbegrenzungen beachten und zuweit außerhalb wollten wir auch nicht stehen. Die Muskelkraft sollte schließlich für die Trolltunga-Wanderung aufgehoben werden.
Durch Zufall entdeckten wir in einer App einen kleinen Parkplatz direkt im Stadtteil Bryggen. Diesen steuerten wir nun auf gut Glück an. Unser Weg führte also immer über die E39 nach Südwesten.
Der Regen vom Vortag hatte sich immerhin ein wenig verzogen, aber die Sonne wollte sich nicht so richtig zeigen.
Kurz vor Bergen wurden die Straßen dann deutlich größer und ähnelten unseren Autobahnen. Da heute Sonntag ist, war aber trotzdem wenig los und wir konnten entspannt fahren.
In Bergen gibt es eine Citymaut. Diese ist an Wochenenden sogar günstiger und wird, genau wie die Fährfahrten, per Scannung des Kennzeichens bequem in Rechnung gestellt. Das nervige Anhalten an Mautstationen entfällt also komplett.
Wir erreichten den Parkplatz. Es handelt sich hierbei um Parkplätze rechts neben einer schmalen Straße. Mit einem längeren Wohnmobil hätten wir hier definitiv nicht stehen können, aber mit unserer kleinen Dose war es nach etwas rangieren (André hat es wieder einmal super hinbekommen) überhaupt kein Problem. Praktischerweise ist das Parken am Sonntag sogar kostenfrei.
So standen wir nun direkt im Stadtteil Bryggen von Bergen. Bergen ist übrigens die zweitgrößte Stadt in Norwegen und wird oft „das Tor zu den Fjorden“ genannt. Der Hafen ist einer der geschäftigsten Seehäfen Europas.

Der Stadtteil Bryggen ist mit seinen ca. 60 Gebäuden inzwischen ein UNESCO Weltkulturerbe. Die bunten Häuser wurden in der typisch norwegischen Holzbauweise errichtet. Nach mehreren verherenden Stadtbränden wurden sie immer wieder nach originalen Plänen aufgebaut. Für den Rest der Stadt gibt es inzwischen ein Verbot dieser Holzbauweise.
Nachdem wir uns die Hafenstraße mit den bunten Häusern angesehen hatten, stellten wir leider fest, dass die ganzen Geschäfte sonntags erst deutlich später öffnen. Das heute Sonntag ist hatten wir bei unserer Planung irgendwie vergessen zu berücksichtigen. So war es immerhin schön leer.

Wir bahnten uns einen Weg zur Talstation der Floibanen. Ohne Anstehen zu müssen kauften wir schnell zwei Tickets und ließen uns die 848 Meter und 302 Höhenmeter von der einzigen Standseilbahn Norwegens nach oben auf den Floyen bringen. Von hier hat man eine super Aussicht auf die Halbinsel der Stadt Bergen. Natürlich konnten wir auch eine aufziehende Regenwolke begutachten. Aber irgendwie gehörte die heute bei unserem Besuch in der regenreichsten Großstadt Europas dazu :).

Auf dem Hochplateau des Floyen machen es sich viele Norweger gemütlich. So gibt es neben einem großen Spielplatz viele Sitzmöglichkeiten, ein paar freilaufende Ziegen und jede Menge gut ausgewiesene Wanderwege.

Nach einer kleinen Runde über das Plateau ging es für uns aber lieber mit der Bahn wieder hinab.
Nun steuerten wir das nahe Stadtzentrum an. Allerdings hatten auch hier die Geschäfte geschlossen. Es gab aber einen kleinen Wochenmarkt. Die Preise für die frischen Waren waren allerdings sportlich. Eine Schale Himbeeren hätte beispielsweise 7 Euro und ein kleines Glas Honig 15 Euro gekostet. Hui buh!
Uns war heute auch viel mehr nach einem leckeren Softeis. Am liebsten mit Dippschokolade. So suchten wir hier und da ehe wir eine Art Gemischtwarenladen mit Softeis entdeckten. Wir fragten nach der leckeren Dippschokolade und der verkäufer erklärte, dass er diese noch warm machen müsse. Er schmiss das Gerät an und wir schlenderten derweil noch umher.

Heute ist internationaler Pokemon Go Tag und so strömten immer mehr Spieler bepackt mit vielen Handys und Powerpacks in größeren Gruppen in die Stadt. Wir spielen das Spiel nicht, aber soweit wir von Freunden wissen gibt es an diesem Tag ganz spezielle Pokemons zu Fangen. Da flüchteten wir lieber zurück zum Eisverkäufer. Der musste schmunzeln weil die Schokolade noch nicht flüssig genug war, unterhielt sich dann aber einfach lange genug mit uns. Sehr sympatisch! Zur Belohnung gab es dann ein großes und besonders leckeres Softeis. Mhh :).
Nachdem wir unser Eis gegessen hatten, machten nun auch die Geschäfte in Bryggen auf. Wir schlenderten durch typische Touristen- und Outdoorgeschäfte und kauften natürlich noch weitere Souvenirs. Hach, den süßen Elchsachen zu widerstehen fällt einfach schwer. Den krönenden Abschluß bildete dann aber direkt auf der Ecke zu unserem WoMo-Parkplatz ein weiteres „Julehuset“-Weihnachtsgeschäft. In dem roten und teils abenteuerlich verwinkelten Holzhaus werden auf 3! Etagen nur Weihnachtssachen angeboten. Selbstverständlich läuft dort auch den ganzen Tag Weihnachtsmusik aus Lautsprechern. Mitten im Juli mussten wir darüber einfach nur schmunzeln :D.

Da wir heute noch weitere 3 Fahrstunden vor uns haben, um den Einstiegsort zur Trolltunga Wanderung zu erreichen, blieb es bei dieser kleinen Stipvisite in Bergen. Nachdem das WoMo mit etwas Ausparkhilfe von Marie in der kleinen Straße gewendet war, ging es also wieder aus Bergen heraus.
Wir fuhren ein ganzes Stück über die E39 zurück, bis diese auf die E16 führte. Nun schlengelte sich der Weg wieder an verschiedenen Fjorden entlang.
Am Steinsdalsfossen machten wir dann eine kleine Pause. Dieser Wasserfall hat eine Fallhöhe von 50 Metern und gehört zu den meistbesuchten Wasserfällen Norwegens. Das Besondere hier ist, dass man über einen kleinen Weg hinter den Wasserfall gelangt. Natürlich haben wir die kleine Wanderung dorthin unternommen. Das letzte Mal haben wir in Island hinter einem Wasserfall gestanden.

Natürlich gibt es auch hier einen Souvenirladen und nach einer kurzen Inspektion ging es dann für uns weiter. Wir können ja nicht überall was kaufen…
Als nächstes ging es erneut mit einer Fähre über den Fjord. Dieses Mal von Torvikbygd nach Jordal. Während der 30 minütigen Überfahrt rührten wir uns schnell einen Pudding zusammen. Ohne Mixer ganz schön anstrengend.

Runter von der Fähre setzten wir zum Endspurt an. Noch ungefähr eine halbe Stunde nach Odda, mal schauen, ob wir dort ein nettes Plätzchen finden.
Als wir nach Odda reinfuhren entdeckten wir recht fix ein paar Wohnmobile auf einem Firmenparkplatz und stellten uns zunächst dazu. Allerdings hatten wir hier kein gutes Gefühl und bis zum Bahnhof war es auch ein ganzes Stück und so parkten wir noch einmal um. Dieses Mal ging es direkt zum offiziellen Stellplatz „Camp Lothepus“. Dieser ist sehr groß und liegt direkt am Ende des Fjordes. Leider waren die nahen Wasserstellplätze bereits belegt.

Ein wenig weiter hinten fanden wir aber noch ein freies Plätzchen. Wir richteten uns ein wenig ein, schlossen das Stromkabel an und versuchten das Thema der Bezahlung zu klären. Am Stromanschluss stand mal wieder was von „Vibbs“, was wir als Nicht-Norweger ja gar nicht benutzen können. Auch ein Befragen der anderen Womo-Fahrer machte uns nicht schlauer und so warteten wir einfach mal auf einen Platzwart.
In der Zwischenzeit machten wir uns fix etwas zu essen und packten schon einmal die Ruchsäcke für die Wanderung. Schließlich soll es am nächsten Tag ja in aller frühe Losgehen.
Wir machten noch einen kleinen Abendspaziergang und machten den Abfahrtsort des ersten Pendelbusses aus. Die Tickets für diese hatten wir bereits online mit festen Zeiten gebucht.
Da uns der erste Pendelbus nun um 05:50 Uhr am Bahnhof abholen soll, versuchten wir heute früher ins Bett zu gehen. Leider war dieser Stellplatz sehr voll und es gab mehrere Gruppen die relativ lange und lautstark vor den WoMos saßen. In Verbindung mit der Aufregung dauerte es so dann doch ein ganzes Weilchen, ehe wir endlich einschlafen konnten.