Heute hieß es sehr früh „Raus aus den Federn“. Bereits um 5 Uhr klingelte der Wecker. So richtig gut geschlafen haben wir leider nicht. Immerhin war der Himmel wolkenfrei und die Sonne ging gerade auf.
Nachdem wir die Wanderrucksäcke noch mal auf Vollständigkeit überprüft hatten (Regensachen, Schal, Mütze, ausreichend Getränke, Essen, Fotoequipment…) ging es nun in die Wanderschuhe.

Bis zur Bushaltestelle war es nicht weit. Dort stand schon eine kleine Traube Menschen und der Pendelbus mit ca. 16 Sitzplätzen war sogar überpünktlich. Gut, dass auch wir ein wenig früher da waren. Einige der Mitfahrer hatten Schläppchen an und gerade einmal eine kleine Bauchtasche dabei. Wir waren verwirrt.
Aber es war der richtige Bus, denn das Ticket, bereits online gekauft (250 NOK pro Person), mussten wir auf dem Handy vorzeigen.
Nun brachte uns der Bus zum mittleren Parkplatz („Skjeggedal“) der Trolltunga-Wanderung. Die Fahrt dauerte ca. 30 Minuten und schlängelte sich erst am Fjord entlang, wo wir zwischendurch noch an einem weiteren Punkt hielten, damit weitere Fahrgäste zusteigen konnten. Anschließend ging es die ersten Serpentinen hinauf.
Am Parkplatz angekommen stiegen wir alle aus. Ein kleines Häuschen neben einer Schranke war die nächste Station für den weiteren Pendelbus zum „Magelitopp“-Parkplatz. Auch diesen haben wir online bereits reserviert und bezahlt. Da wir das Ticket allerdings recht kurzfristig gekauft haben, gab es für die erste Uhrzeit keinen freien Platz mehr. So mussten wir hier ca. 20 Minuten warten, bis der Bus eintraf, der unser gebuchtes Zeitfenster bediente. Die Koordination auf die verschiedenen Busse war ein wenig undurchsichtig und chaotisch, aber mit genug Willenskraft ergatterten wir unsere Plätze.
Nun ging es gerade einmal 4 Kilometer, allerdings steil bergauf, weiter. Auch das war mit 230 NOK pro Person noch mal ein ordentlicher Preis. Aber besser, als die 400 Höhenmeter und zusätzlich 1,5-2 Stunden zu wandern.

Nach einigen Kurven waren wir nun oben am Einstiegspunkt. Wir atmeten erst einmal tief durch und orientierten uns in Ruhe. Mit ca. 5 Grad Celsius war es zudem noch lausig kalt.
Als die erste Traube nun losgezogen war, machten auch wir uns auf den Weg. Der erste Kilometer ließ sich ganz entspannt laufen. Über große Schieferplatten ging es lang hin. Ab und zu mussten wir über Holzbrücken kleine Flüße überwinden.

Die nächsten zwei Kilometer waren dann aber die Schlimmsten. Hier galt es fast 300 Höhenmeter zu erklimmen. Teilweise über steile Schieferplatten, teilweise über unebene Steinstufen. Auf manchen Abschnitten kam noch rutschiges Geröll obendrauf. Wir machten immer wieder kleine Verschnaufspausen und waren einfach nur froh, als der steile Anstieg endlich geschafft war.

Zur Entspannung der Beine ging es anschließend ein kleines Stück ebenerdig weiter, ehe es fast wieder 100 Höhenmeter bergab ging. Zur Belohnung wurden Diese dann im Anschluß natürlich wieder erklommen.

Bis wir schließlich an der Trolltunga ankamen, folgten noch einige kleinere Anstiege mit anschließenden bergab-Passagen. Landschaftlich war es ein Traum! Der Weg führte an einem klaren See vorbei, es gab bereits tolle Aussichten auf den Stausee und diese unendliche Weite. Manchmal konnte man einige Kilometer voraus den Weg erkennen.

Eine Passage wurde dann noch einmal etwas kniffelig. Auf einem schmalen Pfad ging erst über eine Holzbrücke und anschließend sehr schmal diverse rutschige Steinstufen hinauf. Zur Unterstützung sind hier sogar Halteseile seitlich angebracht.

Auch die letzte Steigung ist noch einmal ganz ordentlich. Es geht über ein großes Geröllfeld, wo man den Weg (der sonst durch rote T’s markiert ist) nicht mehr ganz so deutlich erkennen kann. Wir schlugen hier immer mal links und rechts Haken, bis wir es endlich nach oben geschafft hatten.

Übrigens kam genau auf diesem Stück ein Jogger an uns vorbei. Ganz entspannt überholte er uns und noch bevor wir oben angekommen waren, war er schon wieder auf dem Rückweg und joggte sehr entspannt über die kreuz und quer liegenden Steine! Respekt!

Auf der Plattform vor der Steinzunge war es ein wenig voller. Alle Wanderer haben sich aber ein wenig verteilt und so hatte jeder ein Plätzchen, um sich etwas auszuruhen. Doch vorher wollten wir natürlich unbedingt auf die Plattform und stellten uns artig in die Reihe der Wartenden.

Um auf die Zunge zu kommen, muss man 3 Eisenstiegen hinabklettern. Vor den Stiegen wurde ein Desinfektionsmittelspender aufgebaut, den gibt es wahrscheinlich erst seit Corona. Auf solche Ideen muss man erst einmal kommen und das Dingen dann auch noch die Wanderung mit hoch schleppen. Andererseits haben wir unterwegs genug aufgebaute Zelte gesehen. Einige haben wirklich die Kraft, die ganze Ausrüstung mitzuschleppen und nahe der Plattform zu zelten. Hierzu gibt es extra ausgewiesene Plätze, an denen es erlaubt ist. Auf der Plattform selbst ist es inzwischen verboten!

Ein paar Plätze vor uns, standen ein paar andere Deutsche in der Schlange. Wir baten sie, nachdem sie ihre Fotos geschossen hatten, mit unserer Kamera die Stiegen hinauf zu klettern, um auch von uns Fotos zu machen. Ja, Coronabedingt nicht so ganz ideal, aber wenn man schon mal hier ist, will man sich das nicht nehmen lassen… Drohnenflüge sind hier oben inzwischen nämlich auch verboten und werden von Nationalrangern streng kontrolliert.
Die letzten Meter anstehen waren anstrengend, denn auch hier lagen einige Steine kreuz und quer und durch die Enge der Menschen, musste man genau schauen, wo man hintritt und Halt gewinnt.
Endlich waren wir an der Reihe und konnten zur Spitze der Zunge gehen. Zugegeben, so richtig nach Vorne haben wir uns dann aber doch nicht getraut. Es ist schon verdammt hoch! Aber ein absolut unglaubliches Gefühl!

Die Anderen machten ein paar Fotos. Leider nicht von der ganz perfekten Stelle. Deshalb sieht man auf dem Foto nicht ganz so gut, dass die Zunge wirklich weit über dem Nichts hängt. Für uns zählte in dem Moment aber einfach der Augenblick und noch einmal wollten wir uns später nicht wieder anstellen.
Stattdessen suchten nun auch wir uns einen Platz um eine Pause zu machen. Wir aßen, tranken und hatten vor allem die Schuhe aus. Schließlich sind wir gerade erst bei der Halbzeit der Wegstrecke. Übrigens ist hier oben, wie fast die komplette Wanderung über, perfekter 4G Handyempfang. So nutzten wir die Gelegenheit für einen Whatsapp Video Anruf. Sehr sehr geil!
Nachdem wir uns nun bestimmt 1,5 Stunden hier oben aufgehalten hatten, war es nun an der Zeit, den Abstieg zu starten. Auch unsere Schläppchen-Freunde aus dem Bus waren tatsächlich bis oben gekommen und machten sich zeitgleich auf den Rückweg. Respekt!

Zurück ging es dann deutlich entspannter. Wir genoßen die Ruhe, die Ausblicke. Hielten immer mal wieder für Fotos und machten zwischendurch noch mal eine längere Pause. Die Beine und Füße freuten sich!
Erst als es die fiese Steigung vom Anfang der Wanderung nun hinab ging, wurde es wirklich mühevoll. Genug Kraft aufzubringen um Halt auf rutschigem Boden zu bekommen war nicht mehr so leicht und so brauchten wir für die Etappe doch ein wenig länger. Wichtig war aber vor allem, heile unten anzukommen.

Den letzten Kilometer versuchten wir dann noch ein wenig schneller zu werden, um auf Jedenfall den Bus zu erwischen. Sonst müssen wir am unteren Parkplatz vermutlich eine Stunde auf den nächsten Warten.

An der Haltestelle (es gibt keinerlei Sitzmöglichkeiten), warteten nur wenige. Offenbar war gerade erst ein Bus abgefahren. So dauerte es einige Zeit, ehe der nächste Bus kam und wir verabschiedeten uns innerlich schon von dem zügigen Weiterkommen. Es war gerade 16 Uhr durch…
Es wurde voller und voller und als der Bus ankam, mussten wir schauen, dass sich keiner vordrängelt. Glücklich krochen wir in den Bus und schlängelten uns die 4 Kilometer wieder bergab. Im Auto defintiv entspannter als zu Wandern 😉
Die Rückfahrt konnten wir dann aber erst unten am Häuschen bezahlen. Das Ganze war wieder einmal unorgansiert und chaotisch und so dauerte es unnötig lange.
Mit mehr Glück als Verstand entdeckten wir dann tatsächlich noch den richtigen Bus und erreichten ihn, ehe er abfuhr. Jackpot!
Die halbe Stunde zurück nach Odda war anstrengend. Irgendwie hatte man kaum Platz, die Beine und Füße brannten und wir waren unendlich froh, endlich aussteigen zu können.
Schnurstraks steuerten wir das Wohnmobil an, zogen die Schuhe aus und legten erst einmal die Füße hoch. Immerhin hatten wir 21,9 Kilometer und 800 Höhenmeter hoch und runter bewältigt. Darauf sind wir ganz schön stolz!!!
Nachdem ein wenig Kraft zurück ging, wurde schnell eine Konserve erwärmt und gegessen. Danach noch fix duschen und es fühlte sich alles schon wieder viel besser an.
Ein Parkticket hatten wir in der Abwesenheit nicht bekommen und so machte André sich mal wieder auf die Suche nach einem Platzwart. Auch heute blieb er erfolglos und so bedanken wir uns bei den Norwegern für zwei kostenfreie Nächte mit kostenfreiem Strom!
Die Quittung, nicht weitergefahren zu sein, bekamen wir dann aber schon alsbald… Wieder wurde der Parkplatz mit zunehmender Zeit voller und voller. Zelte wurden auf der Wiese neben uns lautstark aufgebaut und eine der Truppen von gestern machte es sich auch heute wieder lautstark vor dem Mobil gemütlich.
Zum Glück war die Müdigkeit stark genug und so schafften wir es trotzdem einzuschlafen. Nachts um 3 waren wir dann allerdings hellwach. Gefühlt stand die Musikanlage IN unserem Wohnmobil. Bis wir die nötigen Gedanken sortiert hatten und mal vor der Tür geschaut hatten, waren die Übeltäter leider nicht mehr auszumachen. Aber auch unsere Nachbarn waren ganz empört vor der Tür.
Wir entschieden, uns nicht aufzuregen, noch ein paar Stunden zu schlafen und morgen auf Jedenfall einen viel viel ruhigeren Platz aufzusuchen!