Nach einer ruhigen Nacht sprangen wir auch heute (ohne Wecker) zeitig aus den Federn. Die Sonne lachte und wir wollten schließlich auf den Preikestolen wandern.
Der übliche Morgenkram inklusive Frühstück wurde erledigt und schon konnte es losgehen… Nicht ganz, durch den Regen von gestern Abend / heute Nacht ist die Wiese noch einmal weicher geworden und so hatten wir mit durchdrehenden Reifen zu kämpfen.
Zum Glück konnten wir uns aber selbst aus der misslichen Lage befreien. Puh, geschafft.
Nun entschieden wir uns gegen den vorgeschlagenen Weg von Google über Stavanger. Stattdessen fuhren wir über kleinere Straßen nach Lauvvik. Dort warteten wir ein wenig und setzten dann mit einer kleineren Fähre über den Lysefjord über. Apropro Fähre… in Norwegen fallen auf einigen Straßen Mautgebühren an. Es ist sinnvoll, sich daher bei einem Rabatt-System anzumelden. Zudem sollte man dort (gerade bei einem Mietfahrzeug), dass Kennzeichen und die eigene Adresse angeben. Überall wird das Kennzeichen nämlich automatisch gespeichert und man bekommt, teils Monate später, dann Rechnungen aus London… über unsere Wohnmobilvermietung würden wir für jede an die zugestellte Rechnung 25 Euro Bearbeitungsgebühr zahlen….

Nach der netten kleinen Fährfahrt ging es für uns weiter auf der 523. Zwischenzeitlich gab es noch einen schönen Aussichtspunkt, den Hollesli Viewpoint. Das schöne in Norwegen: Aussichtspunkte sind immer früh ausgeschildert und haben meist einen großen Parkplatz. Sehr schön!

Jetzt ging es noch die letzten Kilometer zum Preikestolen Campingplatz. Wir entschieden uns vorab, von hier zu starten. Am Basecamp vom Preikestolen zahlt man mindestens 200 Kronen (20 Euro) Parkgebühren und darf keinesfalls über Nacht bleiben. Da wir eingeplant haben, dass wir nach der Wanderung recht müde sein könnten, haben wir daher den Campingplatz gewählt. Hier zahlten wir 340 NOK, hatten aber Strom und Duschen schon inklusive.

Es war noch keine 11 Uhr als wir am Campingplatz ankamen und so hatten wir eine freie Platzwahl. Zu Vor- Coronazeiten war es wohl wichtig, früh genug hier zu sein. Heute merkten wir davon jedenfalls Nichts.
Nachdem wir uns häuslich eingerichtet hatten, erfragten wir an der Rezeption den Pendelbus… Tja, Corona hat ihn ausgerottet. Aber ein Linienbus fährt einmal die Stunde vorbei zum Basecamp, leider wusste aber Keiner die genaue Uhrzeit.
Wir packten alles notwendige für die Wanderung zusammen und gingen einfach mal zur Bushaltestelle. Im Worstcase müssen wir hier halt eine Stunde warten. (Die 4,5 Kilometer extra wollten wir uns sparen).
Es dauerte nicht lange und ein Bus hielt an. Offenbar war es aber kein Linienbus sondern ein Tourbus einer Reiseagentur. Bezahlen brauchten wir daher Nichts. Sehr praktisch! Der Fahrer erzählte auf den letzten Kilometern ein wenig zum Preikestolen: Seitdem Tom Cruise hier Filmaufnahmen für Mission Impossible gedreht hat, ist ein regelrechter Hype entstanden und immer mehr Menschen pilgern den Wanderweg entlang. Bevor alle aussteigen konnten, nannte der Busfahrer seine Abfahrtszeit. Sicherheitshalber speicherten wir uns diese mal ab 😉

Nun ging es los. Insgesamt ist die Wanderung ca. 8 Kilometer lang und man überwindet ca. 500 Höhenmeter. Der Wanderweg ist durch ein rotes „T“ sehr gut ausgeschildert und inzwischen auch nahezu überall gut ausgebaut.

Schon vom Parkplatz geht es stetig steil bergauf, ehe man in einem kleinen Waldstück verschwindet. Nun folgen ebene Holzplanken, die das Laufen deutlich angenehmer machen. Früher gab es hier immer mal nasse Füße, weil verschiedene Gebirsgflüsschen kreuzen. Anschließend geht`s dann aber wieder steil bergauf. Dieses Mal über steinige Treppenstufen in ganz unterschiedlichen Höhen. Für uns war die Höhe hier weniger das Problem. Viel mehr war es ein furchtbares Schieben und Drängen. Menschen auf dem Rückweg und Überholer von Hinten, alles drängte sich auf den schmalen Stufen. Entspanntes Wandern sieht anders aus. Wir waren froh, als dieses Teilstück endlich geschafft war. Es wurde wieder ebener und bald schon kamen wir an einem See vorbei. Einige Wanderer suchten sich Zugänge, schwangen sich in Badesachen und erfrischten sich im Kühlen nass. Für uns erstmal keine Option, schließlich waren wir ja noch nicht oben. Auch das letzte Stück wurde wieder schmaler, dieses Mal teils sogar abschüssig. Wer Höhenangst hat muss hier ein wenig aufpassen, denn man kann links schon teils tief hinunter gucken.

Endlich haben wir es geschafft und sind an dem völlig überlaufenen Plateau angekommen. Wir beobachteten das bunte Treiben, machten ein Päuschen und stellten uns in die kurze Schlange zum Fotos machen. So ganz nah an den Abgrund (es sind 600m runter bis zum Fjord) haben wir uns dann aber doch nicht getraut.

Auch wenn es absolut überlaufen ist, so ist der Ausblick von hier einfach unbeschreiblich! Wir können aber nachvollziehen, warum auf vielen Seiten empfohlen wird, erst gegen Abend oder noch vor Sonnenaufgang zu starten. Heute war natürlich ein perfekter Sommertag, noch dazu ein Sonntag. Wahrscheinlich war es daher ganz besonders voll. Und natürlich haben wir mit der Mittagszeit eine ganz ungünstige Startzeit gewählt. Die Morgentruppe war schon auf dem Rückweg und die Mittagsgruppe startete…. beim nächsten Mal wissen wir es einfach besser.

Nachdem wir nun einige Zeit hier oben verweilt haben, ging es gemütlich wieder zurück. Es kamen uns zwar nicht mehr ganz so viele Wanderer von unten entgegen, aber es blieb von oben ein stetiges Schieben. Als die steilen Steinstufen, die ordentlich auf die Knie gehen, endlich geschafft waren, suchten wir uns erst einmal ein ruhiges Fleckchen abseits für ein kleines Päuschen. Das war offenbar gold wert, denn danach wurden wir fast gar nicht mehr geschoben.

Bevor es dann an den letzten Abstieg vom Wald ausging, machten wir auch hier noch eine kleine Pause. Einfach, weil die Aussicht auch hier wirklich herrlich ist.

Anschließend ging es zur Freude der Knie das letzte Stück wieder steil hinab. Wir steuerten direkt den Souvenirshop an. Es gab neben den typischen Souvenirs für uns erst mal ein Belohnungseis.
Beim Blick auf die Uhr stellten wir dann fest, dass es genau mit der Abfahrtszeit unseres Busfahrers passte. Wir stapften mit dem Eis in der Hand auf ihn zu und durften selbstverständlich wieder mitfahren.
Wir hätten ihm gerne ein Trinkgeld gezahlt (unser Eis wollte er komischerweise nicht), aber die Norweger nutzen hierfür eine spezielle App (Vipps). Diese können nur norwegische Bürger installieren, sodass wir machtlos waren.
Am Campingplatz ließ uns der Fahrer aussteigen. Wir bedankten uns sehr freundlich und gingen die letzten Schritte zum Wohnmobil.
Zugegeben, die Füße waren jetzt doch ganz schön müde und so freuten wir uns auf die unbegrenzte Inklusivdusche des Campingplatzes. Vor allem, weil im Waschraum noch nichts los war.
Anschließend bauten wir erneut den Grill auf. Da der Platz die Bedingung hat, Grills müssen 1 Meter über dem Boden stehen, haben wir einfach den Fahrradträger umgeklappt und den Grill darauf gestellt. Hat prima funktioniert.

Wir quatschten noch ein wenig mit den Nachbarn und der Platz füllte sich langsam etwas, aber auch am späten Abend hatte keiner Probleme, einen Platz zu bekommen.
André ließ die Drohne noch ein wenig in der Luft fliegen, ehe wir es uns im Wohnmobil gemütlich machten.
