Heute Morgen war die Straße dann etwas mehr befahren wodurch es ein wenig lauter wurde.
Als wir dann um halb 9 abfahrbereit waren, gab es nur ein paar harmlose Wolken am Himmel. Ein etwas dickeres Wolkenband war aber im Norden schon sichtbar… leider genau unsere Fahrtrichtung.

Wir waren gerade einmal eine halbe Stunde unterwegs, als wir das erste Rentier am Straßenrand entdeckten. Dieses war sehr entspannt und wir konnten für ein paar Fotos sogar aussteigen, ohne dass es weglief.

Ein paar Kilometer weiter entdeckten wir dann noch einmal 3 Rentiere auf einem Haufen. Auch diese waren sehr entspannt und hatten Nichts gegen unseren Fotostop einzuwenden.
Kurz darauf kam uns dann ein Reisebus entgegen. Genau vor ihm war eine größere Herde Rentiere auf der Straße und wir bremsten beide unsere Fahrzeuge. Ein Rentier störte sich nicht wirklich am Bus und anstatt zur Seite zu gehen, lief es einige Meter mitten auf der Straße vor dem Bus her. Für uns war es noch immer etwas Besonderes, Rentiere zu sehen und so freuten wir uns, nun einige dieser friedlichen Gesellen beisammen zu sehen.

Bei dem Ort Saarisälka, der scheinbar vorwiegend für den Wintersport ist, machten wir für einen Cache noch einen kurzen Abstecher. Im wirklich kleinen Ort war wenig los. Hier und da gab es ein paar Radsportler oder Radfahrer, die sich auf den Weg zum Nordkap machten. Diese haben meinen allergrößten Respekt! Auf Jedenfall hatten sich einige Rentiere überlegt, dass es im Ort bestimmt viel leckereres Grünzeug gibt und so stolzierten sie direkt über die Hauptstraße und durch einen Kreisverkehr. Allmählich gewöhnten wir uns nun aber an die regelmäßigen Rentierbesuche an der Straße und fuhren vorsichtig weiter.

Zum Cache machten wir eine kleine Wanderung durch typisch finnisches Waldgebiet.
Anschließend ging es dann wieder auf die E75 nach Norden.
Schon bald erreichten wir das kleine Städtchen Ivalo. Hier gab es direkt an der Straße einen Souvenirshop und wir konnten einem kurzen Besuch natürlich nicht widerstehen und kamen natürlich auch mit ein paar Souvenirs wieder zurück zum Auto.

Um 11 Uhr erreichten wir dann den Bärenfelsen „Karhunpesäkivi“ kurz vor Inari. Bei dem Bärenfelsen handelt es sich um einen riesigen Findling, der in der Mitte eine große ausgewaschene Höhle hat. Über einige Holzstufen geht es von einem kleinen Café hinauf und man hat die Möglichkeit, sich durch ein kleines Loch in die Höhle hineinzuwinden. Natürlich mussten wir da rein. Das Einstiegsloch ist zwar in der Tat etwas kleiner, aber in der Höhle hatten wir zu zweit dann gut Platz. Der Name Bärenfelsen stammt übrigens aus einer alten Sage. Ein Lappe, der sich in einem Schneesturm verirrt hatte, suchte in der Höhle Zuflucht und schlief ein. Als er aufwachte, bemerkte er, dass auch ein Bär in der Höhle gerade seinen Winterschlaf hielt. Zum Glück ist der Bär aber nicht wachgeworden und der Mann konnte die Höhle nach dem Sturm wieder gesund verlassen.

Nach unserem Kurzbesuch in der Höhle (der Wanderweg ist übrigens kostenfrei), gingen wir noch ein paar Meter weiter. So richtig sehen konnte man den Inarisee dann aber doch nicht.

Zurück am Parkplatz schauten wir noch im kleinen Café vorbei. Natürlich gab es auch hier ein paar Souvenirs zu kaufen und wir konnten erneut nicht widerstehen :-D.
Nun sollte es aber die etwa 20 Kilometer weiter nach Inari zum Samenmuseum „Siida“ gehen.
Hier war der Parkplatz zur Mittagszeit schon gut gefüllt und neben einigen WoMos standen hier auch Reisebusse. Hier könnte es also etwas voller werden… Wir kauften zunächst unsere Eintrittskarten (15 Euro pro Person) und stürzten uns dann auf die Indoor-Ausstellung. Einzelne Räume waren durch Führungen tatsächlich ziemlich voll und so suchten wir uns immer freie Ecken.

Überall gibt es Monitore, auf denen man die Sprache umstellen kann und sich dann einige Informationen zur Lebensweise der Samen durchlesen kann. Leider ist Deutsch nicht einzustellen und so mussten wir alles auf Englisch lesen und hier und da die Übersetzungs-App befragen. Da die Monitore auch sonst nicht immer ganz so wollten wie wir, überflogen wir hinterher einiges und schauten uns nur die Ausstellungsstücke an.

Nachdem wir innen alles gesehen hatten, ging es noch an den Outdoorteil. Hier war deutlich weniger los und so konnten wir uns die verschiedenen Gebäude viel entspannter ansehen. Witzigerweise gab es hier auch alle Informationsschilder auf Deutsch. Das macht es wesentlich einfacher ;-). Den Outdoorteil fanden wir sehr informativ und können uns ein Leben früher hier nun relativ gut vorstellen!

André probierte sich dann noch ein wenig im Rentierfangen, während ich meine Runde mit dem Besenpferd drehte :-D. Der einzige Nachteil am Außengelände…hier wimmelt es vor Mücken und Fliegen. Es war nicht kalt, aber irgendwann setzten wir die Kapuzen auf und zogen alles so eng wie möglich zusammen, um uns halbwegs zu schützen. Klarer Tipp: sprüht euch vorher mit Nobite ein! Für uns war es leider keine Option mehr, denn die Sprühflasche lag natürlich im WoMo….
Von hier konnte man auch endlich einen schönen Blick auf den Inarisee werfen:

Mit über 1000 Quadratkilometern ist er allerdings „nur“ der 3. größte See Finnlands. In ihm befinden sich mehr als 3000 Inseln, weshalb es eher wie ein Labyrinth aus Wasserstraßen als wie ein großer See wirkt.

Zurück am Parkplatz drehte André noch eine kleine Runde mit der Drohne über einen kleinen Teil des Inarisees. Direkt am Ufer machten es sich gerade 3 VW Bullis gemütlich und packten neben Campinggerödel auch die Angeln aus… Wir wollten sie nicht stören und da es gerade eh anfing zu tröpfeln, machten wir uns lieber auf den weiteren Weg. Grob vorgeplant hatten wir, dass wir heute noch die Grenze nach Norwegen passieren wollten… Mal schauen, immerhin ist es schon 14:40 Uhr als wir den Motor wieder starten.

Die Grenze bei Karigasniemi erreichten wir dann nach finnischer Zeit um 16 Uhr und stellten die Uhren nun wieder auf Deutsche Zeit, eine Stunde zurück. Auch hier war der Grenzübertritt eher langweilig und wir waren ein wenig überrascht, dass es keinerlei Zollkontrolle gab… immerhin haben wir gerade die EU verlassen und Norwegen hat teils strenge Einfuhrbestimmungen.
Eigentlich wollten wir in Finnland noch einmal nachtanken, aber da hat Google uns einen Strich durch die Rechnung gemacht und umdrehen, wieder über die Grenze, Tanken und nochmal rüber war uns dann irgendwie doch zu blöd… So fuhren wir einfach weiter bis zum Örtchen Karasjok. Dort gab es eine Circle K Tankstelle. Circle K ist unsere Lieblingstankstellen-Kette, denn in der Regel gibt es dort Softeis. So auch hier und so feierten wir unsere Ankunft in unserem Hauptreiseland gleich mal mit einem leckeren Eis… schließlich gab es ja heute kein Mittagessen ;-). Der Diesel kostete hier dann ca. 2,50 Euro pro Liter. Puhh! Auch unser Softeis lag mit 4,50 Euro pro Eis auf einem hohen Preisniveau… Da müssen wir uns doch erstmal wieder dran gewöhnen…
Ungwohnt war auch das Fahren. Im Gegensatz zu Schweden und Finnland ist es hier nämlich deutlich kurviger. Anfangs war es einfach nervig laut und wackelig…
Nach ungefähr 1,5 Stunden erreichten wir dann eine größere Baustelle. Hier wird der Verkehr immer nur in eine Richtung mit einem Kolonnenfahrzeug begleitet. Demnach mussten wir ein wenig warten ehe wir auf die Schotterpiste durften…
Die nächsten Kilometer nach der Baustelle waren dann auch nicht ganz so entspannt, schließlich musste sich das alles erst etwas entzerren. Wir nutzten dafür einfach eine Cachepause und schon hatte sich das Problem erledigt.

Gegen 17 Uhr erreichten wir den Beginn des Olderfjords. Endlich wieder Berge :-). Wir hielten auf einem größeren Rastplatz an und hatten diesen auch als möglichen Schlafplatz ins Auge gefasst. Uns war der Parkplatz allerdings zu groß und dicht an der Straße. Wir beobachteten noch ein paar Rentiere, unterhielten uns mit einem anderen WoMo-Paar und waren schon jetzt von den vielen Mücken sehr genervt.
Wie wir so unsere Gedanken sortierten, stellten wir fest, dass es Richtung Nordkap immer blauer wurde und die Wolken Stunde um Stunde weniger wurden. Wir checkten die WetterApp und sahen für den Abend Sonne am Nordkap. Für die nächsten Tage sah der Bericht schon wieder deutlich schlechter aus. Was machen wir nun? Immerhin sind es von hier noch knapp 3 Stunden und der Tag war schon ziemlich voll und anstrengend…. gegessen haben wir auch noch nicht so richtig was… Egal! Wir wollen am Nordkap Sonne und Mitternachtssonne und wenn heute die womöglich einzige Chance ist, sollten wir sie (im Verhältnis) so nah am Ziel nutzen!

In einem krassen Motivationsschub fährt Andre in Windeseile zum Nordkap. Etliche WoMos werden von ihm überholt oder machen freiwillig Platz. Durch den Nordkaptunnel geht es auf die Halbinsel Mageroya und wir sind von den vielen Ausblicken einfach nur geflasht. Eins steht fest, auf dem Rückweg werden wir oft halten 😀
Um Punkt 20 Uhr erreichen wir die Schranke zum Nordkap. Wir erklären dem freundlichen Mitarbeiter, dass wir noch keinen Eintritt für die Nordkaphallen brauchen und können kostenfrei auf dem ziemlich vollen Stellplatz stehen. Leider erst in 4. oder 5. Reihe aber irgendwie ist das gerade alles egal, denn wir sind DAAAAAAA. Es sind nur wenige Wolken am Himmel und die Sonne feiert unsere Ankunft mit.

Schnell machen wir uns auf den Weg zur Kugel. Nach 3582 Kilometern haben wir unser nördlichstes Ziel erreicht.
Bei der Planung der Reise habe ich oft gezweifelt, ob sich die vielen Kilomter lohnen um mit vielen anderen an einer „dummen Kugel“ zu stehen. Nun bin ich hier und kann sagen: JA!!! Es ist magisch!
Alle sind hier oben entspannt. Man lässt sich gegenseitig Zeit für Fotos, unterhält sich, witzelt und darf auch noch mal und noch mal fürs Foto aufs Plateau.

Obwohl wir einen langen Tag hatten, viel gesehen und einige Kilometer gefahren sind, bemerken wir keinerlei Müdigkeit oder Hunger und so entscheiden wir uns spontan, doch noch die Nordkaphallen zu besichtigen. Wir schaffen es keine 3 Meter durch den Eingang als das Personal unsere Eintrittsmarken sehen möchte. Haben wir natürlich noch nicht und schwupps werden wir direkt zur Kasse geleitet… Selbst der Besuch des Souvenirshops ist ohne Ticket (31! Euro pro Person) nicht möglich. Der einzige Vorteil. Man erhält einen Zutrittsaufkleber, der 24 Stunden gültig ist. So können wir auch Morgen noch den ganzen Tag nutzen, um uns alles anzusehen.
Neben dem Souvenirshop haben wir uns heute auch noch den ca. 20 minütigen Film über alle 4 Jahreszeiten am Nordkap angesehen… Ich muss aber ehrlich sagen, dass ich die Youtube Videos von Kai von Travel Camping Living, um einiges interessanter fand!

Auch dem thailändischen Museum statteten wir noch einen kurzen Besuch ab. Ein wenig bekloppt, soetwas hier oben im Norden zu errichten… Eine kleine christliche Kirche gibt es hier auch. Die hat uns ziemlich gut gefallen… Alles andere zur Geschichte muss bis Morgen warten.. so viel Input vertragen wir heute einfach nicht mehr…
Nach einer kleinen Shoppingtour im Souvenirladen geht es dann zurück zum WoMo. Auf dem Rückweg ist es ganz schön frisch und für Mitternacht werden wir uns definitiv wärmer anziehen.
Bis dahin haben wir aber noch ungefähr ein Stündchen Zeit.. Dieses nutzten wir dann doch mal um ein wenig zu Essen und die Füße hoch zu legen!

Gegen 23:45 Uhr machten wir uns dann wärmer angezogen wieder auf den Weg zur Kugel. Hier war es nun deutlich voller als noch vor 2 Stunden. Dennoch fanden wir einen schönen Platz mit guter Sicht. Allerdings zog auch ein kleines Wolkenband auf. Hoffentlich ärgert uns das nicht gleich! Die letzten Minuten fühlten sich an wie ein Sylvester-Abend. Die Spannung kribbelte uns es zog sich wie Kaugummi. Endlich war es soweit! Eigentlich fehlte nur noch eine Hupe, eine Rakete oder irgendetwas, dass uns beweist, dass gerade alles live mitzuerleben.

Die Sonne ist zwar nicht vollkommen zu sehen und dennoch ist alles in einem besonderen Licht zu sehen. Alles wirkt magisch und unrealistisch. Wir können gar nicht genug davon bekommen.

Gegen 0:30 Uhr haben sich einige der Wolken wieder verzogen und der Horizont wirkt schon wieder komplett anders. Da es sich an der Kugel allmählich leert, gehen wir nun näher dran und machen dort auch noch ein paar Fotos. Mit etwas Experimentieren scheint die Sonne genau in die Kugel… leider wirkt es auf dem Foto dann aber doch nicht so, wie vorgestellt. André fliegt noch eine Runde mit der Drohne und ich genieße es einfach, am Ende Europas und am nördlichsten Punkt des Festlandes zu stehen und in die Weite des Meeres zu schauen.

Erst gegen 1:00 Uhr machen wir uns dann etwas durchgefroren auf den Weg zurück zum WoMo… Immerhin sind die Reisebusse und Motorradgangs überwiegend abgereist und so werden die nächsten Stunden ruhig. Erholsamen Schlaf brauchen wir auch dringend!

Heutige Route: ca. 558 Kilometer