Obwohl wir hier alle dicht an dicht geparkt hatten, war die Nacht überraschend ruhig und wir hörten nicht einmal, wie einige unserer Nachbarn in den früheren Morgenstunden abreisten. Als wir gegen 8:30 Uhr aufgestanden sind, waren schon einige weg. Wir frühstückten erst einmal in Ruhe und drehten dann eine ausgiebige Runde zu den verschiedenen Geocaches.
So steuerten wir auch das ein oder andere Denkmal an. Gut sichtbar ist z.B. das Denkmal der Kinder der Welt.

7 kreisrunde Reliefs stehen im Halbkreis. Ihnen gegenüber steht eine Skulptur mit Mutter und Kind. Die Reliefs wurden von Kindern aus 7 verschiedenen Ländern gestaltet und stehen für Freundschaft, Zusammenarbeit, Frieden, Hoffnung und Freude, über alle Grenzen hinweg . Dieses Denkmal steht bereits seit 1989 hier oben.
Entgegen der Vorhersage ist auch heute wieder blauer Himmel und Sonnenschein. Erst sehr weit weg zieht eine kleine Unwetterfront auf. Mit Bewegung ist es sogar so warm, dass wir nur mit T-Shirt herumlaufen können. Unglaublich! Immerhin sind wir 514 Kilometer nördlich des Polarkreises.

Das Nordkap-Plateau ist übrigens bis zu 307m hoch und fällt sehr steil ins Meer hinab.
Außerdem gibt es hier ein Mitternachtssonnenstraßen-Denkmal. Es ist für uns kaum vorstellbar, dass die Sonne vom 20.11.-22.01. eines jeden Jahres überhaupt nicht auf- und dann vom 14.05.-29.07. überhaupt nicht untergeht.

Nachdem alle Caches besucht waren, ging es natürlich noch einmal „bei Tag“ zur Kugel. Hier war es heute deutlich voller. Im Hafen von Honningsvag liegt nämlich die „Mein Schiff 1“. Und auch wenn sich das vielleicht blöd anhört, aber es war ein riesen Unterschied zwischen den Besuchern gestern Abend und Heute. Es macht wohl einen großen Unterschied, ob man sich die vielen Kilometer zum Nordkap (egal mit welchem Fahrzeug) erkämpft hat, oder entspannt mit einem Schiff geschippert wurde. Das soll keine Kritik an der Kreuzfahrt sein, denn auch wir waren schon auf Kreuzfahrten! Man merkt aber, dass bei ihnen die Leichtigkeit und Ruhe des Landes nicht so Recht angekommen sind.

Wir machten noch schnell 1-2 Fotos von weiter weg und gingen dann noch einmal in die Nordkaphallen. Hier gab es schließlich noch viel mehr zu sehen und gestern haben wir das alles etwas surreal wahrgenommen. Was uns heute ärgert: Nicht ein Mal wurden wir auf die Eintrittsaufkleber angesprochen! Diese waren nämlich nicht sichtbar auf den Jacken, weil es heute ja warm genug war und hier drinnen gut geheizt wurde. Warum ist es heute, wo so viele Besucher zeitgleich hier sind, unwichtig, ob man Eintritt zahlt oder nicht? Obwohl wir recht lange hier verweilten wurden wir nicht einmal angesprochen… Hätten wir das geahnt, hätten wir uns immerhin mehr als 60 Euro gespart…
Egal… zurück zu den Nordkaphallen…
Auf dem Weg hinab zum „Kinosaal“ ist die Geschichte des Nordkaps kurz und interessant anhand von Dioramen dargestellt.

Ein wenig Geschichte:
Bereits zum Ende der letzten Eiszeit kamen Menschen der Komsa Kultur in die Region und lebten von Fischen, Robben und Vögeln. Auch die samische Bevölkerung lebt seit fast 2000 Jahren in der Finnmark. Die ersten Norweger kamen vermutlich im 14. Jahrhundert. Sogar der Tourismus hat eine lange Tradition: Der erste Tourist kam 1664 (ein Italiener), wobei der organisierte Tourismus erst 1845 begann und es noch ca. 50 Jahre bis zum wirklichen Durchbruch dauerte.
1907 besuchte dann König Chulalongkorn von Siam (heute Thailand) dass Nordkap. Ihm zu Ehren wurde auch der kuriose Thai-Pavillion errichtet. 1978 wurde dann die berühmte Kugel aufgestellt und zieht heute jährlich bis zu 200.000 Besucher nahezu magisch an.
Nachdem wir uns alles ganz in Ruhe angeschaut hatten, ging es noch einmal in den Souvenirladen. Übrigens gibt es hier auch seit 1898 ein Postamt. Heute erhält man hier gegen Gebühr ein Nordkap-Diplom und Ansichtskarten bekommen einen besonderen Nordkapstempel. Dieses Mal verzichteten wir allerdings darauf und investierten unser Geld lieber in Pullis, Tshirts, Puzzle und Magnete :-D.
Zurück am Womo wurde erst einmal alles verstaut. Wir betrachteten den Himmel und fielen erneut eine etwas verrückte Entscheidung: Wir wandern noch heute zum Knivskjellodden. Das ist nämlich der wirklich nördlichste Punkt auf Mageroya. Die Landzunge ragt nämlich 1400m weiter nach Norden als das Nordkap-Plateau.
By the way… zum nördlichsten Punkt gibt es verschiedene Meinungen:
Mageroya ist eine Insel und demnach ist auch Knivskjellodden nicht der nördlichste Punkt Europas. Das wäre dann Kinnarodden, obwohl es etwas südlicher liegt, aber halt wirklich auf dem Festland… Außerdem gibt es noch europäische Inseln, die nördlicher liegen….

Wir nehmen es heute allerdings nicht ganz so genau und steuern den Parkplatz zum Knivskjellodden an. Trotz des Top-Wetters ist der Parkplatz überraschend leer. Obwohl wir mit 11 Uhr eigentlich recht spät dran sind, machen sich noch weitere Wanderer gerade auf den Weg.

Um 11:20 starten wir dann auch endlich. Die Wegstrecke bis zum Knivskjellodden beläuft sich auf ca. 9 Kilometer. Allerdings ist die Länge weniger die Herausforderung. Viel fordernder sind die ewigen Steine, über die man sich einen trittsicheren Weg suchen muss. Zur Spitze der Landzunge geht es nahezu durchweg leicht berab, was den Rückweg dadurch später erschweren wird.

Unterwegs ist der Weg teils noch sehr matschig. An besonders schlimmen Stellen wurden schon Holzstege verlegt.
So richtig im Voraus kann man den Weg auch nicht sehen. Man kämpft sich zwischenzeitlich von einer roten T-Markierung bzw. von einem Steinhaufen zum Nächsten.

Dennoch ist es hier einfach wunderschön. Vor allem ruhig und ohne Trubel. Kein Vergleich zu unseren Wanderungen im letzten Jahr zum Preikestolen oder zur Trolltunga.

Nach fast 3 Stunden bei Sonnenschein (wir konnten tatsächlich im T-Shirt wandern), erreichte uns dann leider ca. 20 Minuten zu früh das dicke Regengebiet, was wir bereits am Morgen sehen konnten. So mussten wir für die letzten Meter die Regenklamotten anziehen und uns über rutschig glatte Schiefersteine quälen. Aber so kurz vorm Ziel war Aufgeben keine Option! Eine andere Familie war uns von Beginn an einige hundert Meter voraus. Frau und Kind haben nur wenige Meter der Schieferpassage bewältigt und dann eine Essenspause eingelegt. Der Vater ist dann in einem Affentempo zum Wegstein gerannt, hat ein Foto geschossen, und kam uns dann schon wieder entgegen… Warum? Auf dem Rückweg sind sie doch eh alle nassgeworden…

Gegen 14:30 Uhr haben wir es dann endlich geschafft und sind am Markierungsstein angekommen. Trotz des Regens war es schon eine grandiose Aussicht über die Bucht zum Nordkap.

Wir machten erst einmal eine Pause. Inzwischen erklärte sich auch, warum wir den ganzen Vormittag immer wieder einen Hubschrauber über dem Nordkap kreisen sahen. Nein, man kann nicht einfach spontan einen Rundflug buchen. Eine Privatyacht der großen Preisklasse lag vor dem Nordkap und ließ den Hubschrauber immer wieder neu in die Luft steigen… Einerseits cool, andererseits tun mir die Camper am Nordkap leid, die den Hubschrauberlärm den ganzen Tag deutlich näher zu spüren bekommen als wir.

Natürlich besuchten wir hier noch weitere Caches, sodass wir kurzfristig wirklich die nördlichsten Menschen waren und von einem anderen Tourist auf dem Rückweg freundlich abgelöst wurden. 😀

Nach etwas über einer Stunde machten wir uns nun auf den Rückweg. Durch den Regen wurde es so ohne Bewegung nämlich relativ frisch und wir hatten noch einige Kilometer und Höhenmeter zu bewältigen.

Allerdings schafften wir es nicht wirklich weit, denn plötzlich bildete sich ein Regenbogen genau vor dem Nordkap. Ein cooles Bild! Zwischenzeitlich wurden die Farben sogar sehr intensiv :-). Außerdem kam damit die Sonne zurück und die frische Feuchtigkeit ließ die Schiefersteine herrlich qualmend aussehen… Immer wieder machten wir dadurch Fotopausen.

Als wir die Schieferpassage dann geschafft hatten, war die Sonne komplett zurück und wir tauschten die Regensachen wieder gegen das T-Shirt. So ließ es sich auf Jedenfall angenehmer laufen.


Die Belastung des Tages merkten wir dann aber mit jedem steileren Stück und die letzten Kilometer zogen sich ganz schön. Es war schon eine Erleichterung, als wir um 19:00 Uhr endlich wieder am WoMo zurück waren.
Während wir uns etwas erholten und umzogen, hielten immer wieder Autos an, um die Infotafel zu fotografieren… hey, warum probiert ihr es nicht auch mal aus, die fotografierten Bilder zu besuchen?
Egal, wir waren da und darauf sind wir mächtig stolz!
Nun wurde uns allerdings bewusst, dass wir für heute keinen wirklichen Plan hatten… aber ein mächtig volles Klo… ups… das kommt davon, wenn man seine Planung ständig über den Haufen wirft :-D. Leider ist das Angebot der kostenfreien Entsorgung sehr begrenzt und wir waren froh, dass wir überhaupt eine Anlaufstelle zum Entsorgen fanden: Den Campingplatz Kirkeporten in Skarsvag. Hier zahlten wir zwar teure 10 Euro aber besser als nicht mehr zu pinkeln ;-).
Zum Übernachten hat es uns hier allerdings nicht gefallen und so sind wir noch ein Stück weiter weg vom Nordkap gefahren. Bei Park4night hatten wir uns verschiedene Plätze angeschaut… durch die späte Uhrzeit waren einige Freistehmöglichkeiten schon gut voll oder aber auch eher für Kastenwagen und 4×4 Fahrzeuge geeignet. Wir entschieden uns daher trotz unterschiedlicher Meinungen für den „Aurora and Fjord View – Free Parking“ — so findet man ihn bei GoogleMaps.

Bei unserer Ankunft standen schon einige Fahrzeuge längs, aber ganz vorne war noch genau eine Lücke zum Querstehen perfekt für uns geeignet. So hatten wir einen tollen Blick vorne heraus auf den Tufjord. Endlich konnten wir mit der Essenszubereitung beginnen. Außer dem Frühstück hatten wir bisher nur etwas Marschverpflegung… Heute sollte es mal eine schnelle Konserve geben… natürlich musste etwas schief gehen und so stellten wir ernüchternd fest, dass der Dosenöffner offenbar zu Hause geblieben ist. Anfängerfehler!!! Zum Glück haben wir ein Multitool und Youtube verriet auch gleich, wie es damit funktioniert. Dem schnellen Essen stand nun Nichts mehr im Wege.

Während wir nun gemütlich am Tisch saßen, hielt plötzlich ein großer deutscher Reisebus zum Fotostop. Natürlich wollten alle genau in unsere Ecke um von dort den Fjord zu fotografieren… Teilweise standen nun bis zu 20 Leute direkt vor unserem Auto. Irgendwie konnten wir das alles nur mit Humor nehmen.
Bei der anschließenden Dusche und weiteren Reisebussen wurden einfach fix die Jalousinen zugezogen. Somit war aber klar, dass wir bis 23 Uhr wach bleiben sollten, damit wir nicht von jedem weiteren Bus geweckt werden…

In der Wartezeit, die wir witzigerweise sehr entspannt fanden, schlich sich noch ein Hüngerchen ein und so rührten wir dank der mitgeführten Ecoflow noch eine Schlemmercreme an. Während wir diese nun so aßen meinte André irgendwann, ich solle mal aufs Wasser schauen. Er würde dort immer mal was Auf- und Abtauchen sehen. Mhh, so richtig viel erkennen konnte ich nicht, aber vorhin saß vor uns auf einer Bank ein Pärchen mit größerer Kamera und die machten sich plötzlich auf den Weg zum Fjord hinab.

Also machte sich André, zum Glück ausnahmsweise mal nicht in den „Wander-Sketchers“, mit festen Schuhen promt auf den Weg…. Weg… es war eher eine 1,7 Kilometer lange bergab Passage über eine mächtig sumpfig Wiese, die vor Mücken nur so wimmelte…

Unten am Fjord angekommen war es gar nicht so leicht, was zu sehen. Von oben war es leichter, aber genau jetzt hatten wir ein Loch in der an sich exzellenten Mobilfunkabdeckung gefunden, sodass wir nur schwerlich kommunizieren konnten.

Irgendwann ergab es sich dann aber doch: André hatte Delfine gesichtet… bis dahin hatte ich auf die GoPro, die auf dem Dach für die Mitternachtssonne platziert war, aufgepasst, aufgeräumt und geputzt. Irgendwann, es war schon deutlich nach Mitternacht, machte ich mich dann auch auf „den Weg“.

Das hätte André mir ja mal schreiben können, wie furchtbar es sich laufen lässt… jetzt war ich unterwegs und suchte mir eine Bahn. Irgendwann sah ich dann aber die beiden anderen zurück kommen… deutlich weiter rechts. Ob dort ein vernünftiger Weg ist? Ich versuchte mich dorthin zu bahnen um festzustellen, dass es dort genauso blöd ist, wie vorher auch. Allerdings kam nun auch André zurück und so kämpften wir vier uns zurück zu den Womos. Die beiden anderen, vermutlich Italiener, hatten sogar ein Rentiergeweih gefunden und als Souvenir mitgenommen… andere geben dafür schließlich viel Geld in den Geschäften aus. André hatte offenbar das dazugehörige Rentier gefunden, schön sah es allerdings nicht mehr aus. Außerdem erzählte er von einem Angriff des Killervogels…

Offenbar ist er seinem Nest zu nahe gekommen. Vielleicht war meine Entscheidung, nicht mitzugehen doch gar nicht so verkehrt ;-). Und wäre ich länger am WoMo geblieben, hätte ich der GoPro mehr Strom spendieren können :-(.
Wieder zurück am WoMo stellen wir leider fest, dass der GoPro Akku leer gezogen war und die Aufname beendet wurde. So ein Mist. Demnach bauten wir alles ab und da es inzwischen weit nach 1:00 Uhr ist, machen wir uns endlich fertig fürs Bett… Die Sonne steht schon wieder ein ganzes Stück weiter oben und scheint herrlich genau ins Schlafzimmer-Fenster. Zum Glück sind wir beide müde genug und schlafen trotzdem recht fix ein. Vielleicht schaffen wir es ja, den morgigen bzw. heutigen Tag dann etwas ruhiger zu gestalten :-D.
