
Nachdem wir heute Nacht bei strahlendem Sonnenschein ins Bett gegangen sind, wurden wir heute Morgen von einer grauen Nebelwand geweckt. Selbst die Straße, die nur wenige Meter hinter uns herführt, war nicht mehr zu sehen. Auch wenn das Wetter einen doofen Start in den Tag bringt, sind wir gerade einfach nur froh, dass wir Vorgestern noch bis zum Nordkap durchgefahren und gestern noch die Wanderung angegangen sind. Heute hätte das Ganze nämlich keinen Sinn mehr gehabt.
Außerdem hatte der Nebel den guten Nebeneffekt, dass wir den Morgen wirklich mal etwas ruhiger angegangen sind.
So fuhren wir heute auch erst um 9:45 Uhr vom Platz. Zum Glück dauerte es nur wenige Kurven und der Nebel war wie weggeblasen und ein Mix aus Sonne und Wolken erwartete uns.

So steuerten wir heute zunächst Honningsvag an. Die kleine Stadt mit nicht einmal 3000 Einwohnern ist gerade in den Sommermonaten ein Touristen-Hotspot. Täglich legen Hurtigruten- und Kreuzfahrtschiffe an, um das 40 Kilometer entfernte Nordkap zu besuchen…

Da es uns hier zu voll war, haben wir lediglich kurze Fotostops gemacht und sind dann weiter gefahren. Allerdings schoben wir noch einen Stop beim Rema1000 ein. Immerhin sind wir nun seit über einer Woche im Urlaub, seit mehreren Tagen in Norwegen und haben es bisher noch nicht geschafft, ein paar landestypische Leckereien zu kaufen… Das kann ja so nicht bleiben.
Schon im letzten Jahr bin ich auf verschiedene Lakritzsorten abgefahren. In diesem Jahr wollten wir allerdings auch „Bamsemums“ probieren. Die kleinen Schokobären mit Marschmallow-Füllung tauchen immer wieder in den von uns geliebten Videos von „TravelCampingLiving“ auf. André findet sie lecker, mir hat die Konsistenz so überhaupt nicht zugesagt. Außerdem kauften wir noch eine Tüte „Smash“, die wir ebenfalls durch Kai und seinen Copiloten kennen gelernt, aber auch in Deutschland schon zu kaufen bekommen haben. Obwohl es eine norwegische Produktion ist, sind sie in Deutschland tatsächlich günstiger zu bekommen. Die Lebensmittelpreise hier oben haben es einfach mega in sich.

Gegen Mittag verließen wir dann die Kapinsel Mageroya wieder und steuerten Hammerfest an. Übrigens gibt es zwischen beiden Städten einen kleinen Streit, welche Stadt nun die nördlichste ist. Honningsvag ist erst seit 1998 eine Stadt, bis dahin war es Hammerfest. Wenn man es nun genau nimmt, müsste Honningsvag inzwischen die nördlichste Stadt sein. Allerdings haben sich beide Städte inzwischen geeignet: Honningsvag wirbt mit dem Nordkap und Hammerfest nennt sich weiterhin nördlichste Stadt Europas.

Da man für die Strecke von ca. 180 Kilometern fast 3 Stunden einplanen muss, machten wir zwischendurch mehrere Pausen. Und weil wir es die letzten Tage etwas übertrieben haben, heute sogar mal eine längere Mittagspause. Schließlich sind wir im Urlaub und haben unser zu Hause immer flexibel dabei :-).

Kurz bevor wir Hammerfest erreichten, trafen wir noch auf eine größere Rentierherde. Obwohl wir nun schon einige Tiere gesehen haben, war diese große Herde wieder etwas Besonderes. Mit uns hielt ein Fahrradfahrer an. Ich finde es weiterhin beeindruckend, wie viele sich hier gegen Wind und Regen die Berge hoch und runter quälen.

Als wir nun in Hammerfest ankamen, parkten wir auf einem möglichen Stellplatz direkt am Hafen. Für uns war allerdings vorher schon klar, dass wir nicht bleiben werden und so zahlten wir nur für wenige Stunden per EasyPark.
Inzwischen hatten wir leichten Regen und die Temperaturen brachten nur noch kühle 13 Grad aufs Thermometer. So freuten wir uns, dass der Weg in den Eisbärenclub nicht weit war.
Hier gibt es eine große, völlig kostenfreie, Ausstellung. “ Hammerfest liegt an der Grenze der menschlichen Existenz unter arktischen Bedingungen. Um hier zu überleben, braucht es einiges an Willensstärke, Elan und Kreativität. Der Eisbär ist das Symbol für die Lebenskraft, die für diese Gesellschaft typisch ist.“

In der Ausstellung wird die Geschichte Hammerfests mit all den Herausforderungen toll dargestellt und (auch) auf Deutsch erklärt. Zudem gibt es viele ausgestopfte Tiere der Arktis und jede Menge tolle Informationen.
Wir waren ziemlich beeindruckt.

Zum Abschluß haben wir das Aufnahmeformular zur Mitgliedschaft im Eisbärenclub ausgefüllt. Für 22 Euro pro Person sind wir nun lebenslang Mitglieder des Clubs. Auch Elvis Presley wollte Mitglied werden, allerdings wurde es ihm verwehrt, denn nur wer selbst in Hammerfest war, darf Mitglied werden.
Wir kauften noch ein wenig im Souvenirshop ein und machten dann einen kleinen Stadtbummel. Allerdings konnten wir keine richtigen Touristenecken finden und so machten wir uns relativ fix wieder auf den Weg.

Zunächst steuerten wir auf der anderen Seite der Bucht noch den skandinavisch-russischen Meridianbogen an.
Der Struve Bogen (Kurzfassung nach dem Astronomen)besteht aus einem 2821 km langen Netz geodätischer Vermessungspunkte . Mit ihm wurde die Erdabplattung an den Polen bestätigt und vermessen. Er zählt zu den genauesten und größten Projekten der damaligen Erdmessung.

Zulettz statteten wir der Kirche von Hammerfest noch einen kurzen Besuch ab, ehe wir uns weiter auf den Weg Richtung Alta machten.
Auch hier warteten noch einmal 140 Kilometer Strecke auf uns, sodass klar war, dass wir die Stadt erst am nächsten Tag besuchen und uns vorher einen schönen, ruhigen Übernachtungsplatz suchen wollen.
Irgendwie gefielen uns die Plätze an der E6 aber nicht so richtig, weil sie doch arg nah an der gut befahrenen Straße lagen oder einiges an Umweg einfordern würden… so landeten wir dann doch in der Nähe von Alta. Wenn man es ganz genau nimmt, waren wir sogar schon ein Stück an Alta vorbei, denn auf den trubeligen Platz an der Nordlichtkathedrale hatten wir keine Lust, zumal die Bewertungen von „ziemlich laut“ bis „sehr uneben“ etwas abschreckend galten. Stattdessen parkten wir dieses Mal einfach auf einem Wanderparkplatz recht nah an einem Fluss-und Waldgebiet.
Ein kleines Stück abseits der E45 liegt hinter dem Fluss auf dem Weg „Raipasveien“ ein schön angelegter schattiger Platz. Ok, Schatten hätten wir heute nicht unbedingt gebraucht, aber insgesamt war hier kaum etwas los. Ein deutsches Womo stand auf der anderen Seite des Platzes, zwei Deutsche Zelter wanderten weiter in den Wald hinein und erst am späten Abend kam noch eine Familie im Van dazu, die ebenfalls in Zelten am Fluss übernachteten.
Auch von den Anglern, die sich hier für eine kleine gemeinsame Aktion getroffen hatten, hörten wir, außer dem kurzen Sachen aus dem Auto laden, absolut Nichts!
Perfekt! So schafften wir es heute auch einfach mal, etwas früher abzuschalten und zeitiger ins Bett zu gehen… Morgen wollen wir ja direkt zeitig in Alta durchstarten.
