Heute Nacht haben wir wirklich ruhig gestanden und demnach ziemlich gut geschlafen. Da wir nun schon nah an Alta waren und die Nordlichtkathedrale erst um 9.00 Uhr öffnet, konnten wir heute mal wieder etwas länger schlafen 🙂 Wir könnten uns daran gut gewöhnen.
Um 09:15 Uhr machten wir uns dann auch auf den Weg zur Nordlichtkathedrale. Auf dem dazugehörigen Park- und Stellplatz kann man bis 10:00 Uhr sogar kostenfrei stehen. Zum Übernachten wäre es uns aber zu schief und voll gewesen. Unser Platz war da bedeutend schöner!

Der Eintritt in die erst 2013 erbaute Nordlichtkathedrale kostet ca. 5 Euro pro Person. Gegen einen zusätzlichen Aufpreis kann man sich noch einen Film ansehen. Darauf haben wir allerdings verzichtet.
Die Besonderheit dieser neuen Kirche ist neben der ungewöhnlichen Form auch das Material. Die Kirche wurde nämlich komplett aus Beton gebaut und von außen mit Titanplatten verkleidet. Der Grundstein wurde bereits am Neujahrsabend 1999/2000 gelegt. Genau am gleichen Tag erhielt Alta auch den Status einer Stadt. Auf den wenigen Kilometern, die wir durch die Stadt gefahren sind, konnten wir feststellen, dass Alta im Vergleich zu den bisher von uns hier im Norden besuchten Städten größer und wohlhabender ist.

Auch von innen wirkt die Kirche besonders. Der Altarbereich ist z.B. mit einer blauen Lasur bemalt, damit die über 4 Meter hohe Christusstatue aus gestobener Bronze besser zur Geltung kommt. Inklusive Sockel wiegt diese Statue übrigens über 2 Tonnen. Zudem gibt es ein Taufbecken aus Marmorstuck in 32 verschiedenen Blautönen und einem glasklaren Becken. An den Wänden finden sich viele hölzerne Leisten mit versteckten LEDs, die der Kirche ein warmes Licht bescheren und für Gemütlichkeit und eine gute Akustik sorgen.

Im Innenturm hängt eine goldene Jakobsleiter, allerdings nur symbolisch, denn den Turm kann man nicht besteigen. Der Kirche gehören aus der direkten Umgebung 9000 Mitglieder an. Zur Gemeinde zählen sogar 16.000 Menschen aus mehreren kleinen Orten.
Direkt im Anschluß an den Kirchvorplatz findet sich eine kleine Fußgängerzone. Zu unserer Besuchszeit waren die meisten Läden leider noch geschlossen, aber mit einigen Blumenkübeln wirkt die ganze Fußgängerzone sehr einladend.
Bevor wir nun wieder aus Alta rausfahren, tanken wir noch schnell nach. Dieses Mal kostet der Liter Diesel 2,47€… Da soll sich in Deutschland mal einer über die hohen Spritpreise beschweren… Kein Wunder, dass hier inzwischen mehr E-Autos als Verbrenner unterwegs sind.

Unser nächstes Ziel heute ist das Tirpitz Museum. Gerade einmal 20 Minuten benötigen wir dorthin. Unterwegs kommen wir noch am Alta-Museum vorbei. In einem Freilichtmuseum kann man hier vor allem die berühmten Felszeichnungen besichtigen.
Wir entschieden uns gegen einen Besuch, da uns das Tirpitz Mesum mehr interessierte und unsere „kurze“ Urlaubszeit von 3 Wochen leider nicht für alles reicht… vielleicht kommen wir ja noch mal wieder ;-).
Das Tirpitz Museum ist ein privat betriebenes Militaria Museum im Dorf Kafjord, wenige Kilometer westlich von Alta. Im Museum werden eine ganze Reihe von Gegenständen und Bildern des deutschen Schlachtschiffs „Tirpitz“ ausgestellt.
Dadurch, dass das Museum privat betrieben ist, liegt es auch etwas ruhiger und bietet nur einen sehr kleinen Parkplatz. Wir blieben daher etwas unterhalb an der Straße stehen, um mit unserem großen WoMo niemandem im Weg zu stehen.

Allein das Gebäude ist schon sehenswert. Das hölzerne Haus stammt aus den 1880er Jahren und stand ursprünglich in Lillehammer. 1946 wurde es dort abgebaut und als Beitag zum Wiederaufbau der im Krieg verwüsteten Region nach Alta verschifft. Dort wurde es bis 1961 das erste Altenpflegeheim in der Provinz Finmark.

Auch innen fanden wir das Museum sehr interessant. Nachdem wir ca. 10 Euro Eintritt pro Person gezahlt hatten, konnten wir etliche Fundstücke von Schreibmaschinen über Essensverpakungen bis hin zu sämtlichen Kleidungsstücken in der Ausstellung betrachten. Zudem gibt es diverse Schriftstücke (etliche auf Deutsch) und Modelle verschiedener Kriegsschiffe zu sehen.
Die Tirpitz, ein Schwesternschiff der berühmteren Bismarck ist das größte in Europa fertiggestellt Schlachtschiff. Die Tirpitz unternahm nur wenige aktive Operationen und wurde überwiegend als Präsenzschiff in Norwegen stationiert. Nachdem sie im September 1944 durch einen Luftangriff schwer beschädigt wurde, setzte man sie als schwimmende Küstenbatterie vor der Insel Tromsoya vor Anker. Dort wurde sie dann am 12. November 1944 mit einem Luftangriff der Royal Air Force zum Kentern gebracht. Neben den schrecklichen Kriegsgeschichten gab es bei diesem Angriff allerdings noch eine 2. Tragödie. Die Besatzung trug wegen der Nähe zum Land keine Schwimmwesten, sodass 1204 Menschen starben und nur 890 gerettet werden konnten.

Im Museum wird zusätzlich ein englischer Film zu den Einsätzen und Angriffen gezeigt. Erschreckend und spannend zugleich sich diesen einmal anzusehen.

Nachdem wir aus dem Museum heraus kamen, fragten wir uns einmal mehr, wie es soweit kommen konnte, dass die Ukraine angegriffen wird. Reichen diese Dokumentationen nicht aus, um die Schäden bei Angreifern und Opfern als Warnung zu sehen? Einfach nur traurig!

Unsere etwas traurige Gefühlslage wurde allerdings schnell weggepustet. Beim Betreten des WoMos kam uns aus dem Kühlschrank eine ordentliche Milchlache entgegen… André hatte die Milch nach dem Frühstück (mal wieder) nicht richtig zugedreht und ich habe sie blindlings in den Kühlschrank gestellt. Unterwegs scheint sie umgekippt zu sein und dadurch, dass wir schief standen, konnte sie sich schön den Weg aus dem Kühlschrank heraus suchen… nun galt es erst einmal den Boden wischen…
Nachdem alles wieder gereinigt und fest verschlossen! war, machten wir uns auf den weiteren Weg.
Inzwischen war es 11:30 Uhr und wir suchten auf dem Weg nach Tromsö mal wieder eine Gelegenheit, die Toilette zu entleeren.

In Burfjord, nach etwa 1 Stunde Fahrt, sind wir fündig geworden. Hinter einer Tankstelle gibt es sogar kostenfreie Entsorgungsmöglichkeiten für das Chemie-WC und unseren Wassertank konnten wir bei der Gelegenheit auch mal wieder auffüllen. Nur Grauwasser wurden wir hier leider nicht los… das scheint im hohen Norden meist das größte Problem zu sein, warum auch immer… . Zufällig gab es in der nahen Tankstelle leckeres Softeis. Wir hatten gerade noch Glück, denn direkt hinter uns hielten 2 Reisebusse an… Wir waren vor ihnen und mussten so nicht lange auf unser Eis warten :-).

Unterwegs machten wir diverse Cache- und Fotostops. Auf einem Parkplatz konnten wir heute sogar noch im Schnee spielen 😀 und das im Juli. Auch das tägliche Rentier ist heute wieder vor uns über die Straße gehuscht. Herrlich.

Erst um 18:30 Uhr sind wir dann an der Eismeerkathedrale vor Tromsö angekommen… Irgendwie war klar, dass sie schon um 18 Uhr geschlossen wurde. Naja, eine Kathedrale haben wir heute schon besichtigt und auch hier scheint die Form das besondere zu sein. Allerdings ist die Wirkung im Winter bei Dunkelheit garantiert besser und so brauchten wir nicht lange, ehe es weiter ging.

Eigentlich hatten wir uns überlegt, mit der Seilbahn „Fjellheisen“ auf den Hausberg hinauf zu fahren und einen schönen Ausblick über Tromsö und die große Brücke auf die Insel zu genießen. Allerdings zogen ein paar Wolken auf und wir waren unsicher, ob es sich überhaupt lohnen wird. Nachdem wir auf dem Parkplatz, direkt hinter einem Wohngebiet gehalten hatten, wurden wir von der Preistafel erschlagen. Pro Person wurden 320 Nok, also 32 Euro angegeben. Uff! Auch wenn es sich um den Preis für die Hin- und Rückfahrt handelt, ist uns das doch zu teuer für eine Fahrt von knapp 4-5 Minuten! Im Internet gibt es übrigens verschiedene Öffnungszeiten. Vor Ort stellten wir fest, dass sie im Sommer bis Mitternacht fährt!
Wir waren aber so geschockt vom Preis und durch die evtl. sichtversperrenden Wolken entschieden wir uns dann gegen die Fahrt hinauf. Kostenfrei kann man übrigens steile 1,7 Kilometer und kaum weniger steile 3,8 Kilometer hinaufwandern.

In Anbetracht der Uhrzeit und einem aufkommenden Hungergefühl ließen wir auch das sein und suchten uns stattdessen einen kostenfreien Blick auf die Brücke vom nahen Supermarkt-Parkplatz. Mit unserem WoMo sind wir ja ein wenig höher und nachdem André einfach vom Bett durch die kleine Dachluke fotografiert hat, sah es sogar ganz nett aus! Und wenn man bedenkt dass wir gerade über 60 Euro weniger für diesen Anblick zahlen, finde ich das Foto absolut perfekt ;-).

Nun war es Zeit, sich einen Schlafplatz zu suchen. Nach Tromsö-Innenstadt wollten wir schließlich erst morgen Vormittag.

Auf Park4night fanden wir den Parkplatz etwas außerhalb an einem Fußballplatz und an einem Skigebiet, den wir auch aus Videos von TravelCampingLiving kannten. Das war doch eine gute Option. Vor Ort standen auch nur wenige andere WoMo´s, allerdings haben sie sich so bescheuert hingestellt, dass in der ersten Reihe wenig Platz war. Egal, wir mogelten uns ein wenig an den Rand und zündeten endlich mal wieder den Grill an.
Mit einer netten Aussicht und angenehmen Temperaturen ließen wir uns Würstchen und Salat im WoMo schmecken. Nachdem alles wieder auf Vordermann gebracht wurde, schnappten wir uns noch unsere Ebooks und lasen ein Weilchen… Denn auch Morgen können wir tatsächlich wieder etwas länger schlafen :-).
Gute Nacht
