Heute ist Sonntag, für uns der perfekte Tag größere Städte zu besichtigen. Tromsö ist mit über 70.000 Einwohnern die größte Stadt im Norden von Norwegen. So klingelte der Wecker nach einer entspannten Nacht mal wieder (etwas) zeitiger.
Für Tromsö hatten wir uns einen Tagesparkplatz direkt am Polaria-Aquarium ausgewählt, denn bis in die Stadt sind es nur wenige 100 Meter zu Fuß. Auf dem Parkplatz war noch einiges frei und die Preise absolut akzeptabel. Gegenüber haben einige Wohnmobile übernachtet und wieder einmal waren wir froh, etwas außerhalb gestanden zu haben. Hier war es voll, die WoMos standen dicht an dicht und der Straßenverkehr war gut hörbar…

Unser erstes Ziel sollte eigentlich das Robbenfängerschiff MS Polstjerna sein. Notwendige Wartungsarbeiten am Schiff sorgen aber leider dafür, dass das Museum diesen Sommer geschlossen bleibt. So zogen wir weiter Richtung Einkaufsstraße „Storgata“. Da wir viel zu früh dran waren, hatten die meisten Läden noch geschlossen. Ideale Voraussetzung einen ersten Eindruck der Stadt zu gewinnen und nicht gleich in den Souvenirläden „zu versacken“. Relativ zu Beginn liegen auch die Olhallen. Das ist der älteste Pub in Tromsö, der bereits 1928 eröffnet wurde. Das Besondere, hier kann man ca. 70 verschiedene Biersorten probieren. Natürlich stammen nicht alle von der zugehörigen „Macks Olbryggeri“, angeblich die nördlichste Brauerei der Welt.

Wir schlendern weiter durch die Straße. Überall gibt es süße Schaufenster und sehr viele Hotels. Die meisten Menschen, die um diese Uhrzeit unterwegs sind, ziehen kleine Koffer hinter sich her. Wahrscheinlich endet deren kleines Stadtwochenende. Auch wenn hier abends, gerade bei dem schönen Wetter, sicher einiges los gewesen ist, sind die Straßen sehr sauber und versprühen einen entspannten Flair. Übrigens liegt Tromsö noch ein wenig im Golfstrom, sodass die Temperaturen, im Vergleich zu anderen Ecken hier im Norden, noch relativ mild bleiben.

Bald schon erreichen wir auf der rechten Seite die Domkirche, natürlich hat auch diese noch geschlossen. Allerdings kommen aus den kleinen Straßen, die zum Hafen führen, mehr und mehr Touristen. Dort liegt nämlich heute das Kreuzfahrtschiff MS Amea.

Wir schlendern weiter, bis wir das Polarmuseum erreichen. Dieses verbirgt sich in einem kleinen roten Seebrückenhaus. Die dortige Ausstellung zeigt norwegische Polarexpeditionen und Fangtraditionen in den Polargebieten. Obwohl inzwischen auch die Museen öffnen (wir haben für diverse Earthcaches einige Zeit vertrödelt), entscheiden wir uns gegen einen Besuch. So viel anders als im Samenmuseum in Inari wird es hier vermutlich auch nicht sein und das Wetter ist heute für Zeit im Museum viel zu gut.

Den Rückweg treten wir dann erst einmal am Wasser entlang an. Hier steht auch eine der berühmten Eisbar`s. Allerdings ist der Eintritt mit 25 Euro pro Person für „einmal reinschauen“ recht heftig. Das gesparte Geld investieren wir dann lieber im nahen Souvenirshop :-D, denn inzwischen ist es 10 Uhr und da machen viele Shops auch am Sonntag auf.
Durch verschiedene Geschäfte bummeln wir allmählich zurück. An der Domkirche machen wir noch eine obligatorische Softeis-Pause, ehe wir dann um kurz nach 12 Uhr wieder zurück am Auto sind.
Für uns war der Stadtrundgang so völlig ausreichend! Außerdem sind wir dank Kai von TravelCampingLiving im ca. 1 Stunde entfernen Sommaroy auf ziemlich schöne Strände, die mit türkisfarbenem Wasser wie in der Karibik wirken, aufmerksam geworden. Bevor es am späten Nachmittag mit der Fähre von Brensholmen nach Senya geht, wollen wir dort die Gegend etwas erkunden.

So machen wir uns auf den Weg und nach wenigen Cachepausen sind wir am frühen Nachmittag nun dort angekommen. Kurz bevor es über die Brücke auf die Insel Sommaroy geht, befindet sich rechts ein kleiner Parkplatz „Rorvikneset“. Obwohl hier noch einige Mobile stehen, bekommen wir glücklicherweise noch einen freien Platz. Hier gibt es einen sehr kleinen vorgelagerten Strand und von einem kleinen Steinhügel hat man einen sehr guten Blick auf das türkisfarbene Wasser. Kleiner Tipp: Gerade in den Abendstunden bzw. zur Mitternachtssonne ist der Ausblick hier fantastisch. Die Sonne steht dann ziemlich direkt über der Brücke und hüllt alles in ein schönes goldenes Licht. Soviel Zeit haben wir heute leider nicht und zudem ziehen immer mehr Wolken auf. Die Wartezeit, auf ein paar Sonnenfotos nutzen wir für einen kleinen Snack.
Nachdem auch die Drohne mal wieder in der Luft war, geht es nun für uns weiter auf die Insel. Da die Brücke sehr schmal ist, gibt es eine Ampel, damit Fahrzeuge immer nur aus einer Richtung fahren und es zu keinerlei Engpässen kommt.
Je näher wir dem schmalen Inselzentrum kommen, desto voller wird es. Mit dem großen WoMo parken ist schon eine kleine Herausforderung. Für hier und da ein paar schöne Fotos reicht es zum Glück und schon bald erreichen wir den Campingplatz. Hier können wir endlich (sogar kostenfrei) das Grauwasser entleeren. Das wurde nun auch allerhöchste Zeit, denn beim Ein- und Ausparken auf den steinigen Plätzen, kam uns das Wasser schon durch die Abflüsse in der Dusche wieder nach oben.

Nun ist alles wieder leer und wir können entspannt weiter… Übrigens wäre dieser Campingplatz auch wieder nichts für uns. Direkt an der Straße (auch wenn es eine Einbahnstraße ist), gibt es hier viel Touristenverkehr. Und auch hier stehen alle wieder recht eng beieinander. Dafür müssen wir nun wirklich nicht so viel bezahlen ;-).
Da wir noch ein wenig Zeit bis zur Fähre haben, machen wir noch eine Erkundungstour und fahren ans nordöstliche Ende. Hier stehen allerdings nur etliche Ferienhäuser und es sind ziemlich viele Menschen unterwegs, sodass wir die nordwestliche Seite schon gar nicht mehr besuchen wollen.

Stattdessen halten wir noch nahe des Inselzentrums, um auf der abgewandten Seite, einen Earthcache am Strand zu besuchen. Das hätten wir mal besser sein gelassen! Ein schmaler Weg an einem Zaun entlang, führt hinter der Schule her. Auf dem Zaun sitzen einige Möwen. Offenbar befindet sich auf der anderen Wegseite nun ein Brutplatz und die Möwen fühlten sich gestört. Getreu dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ flogen sie schlagartig los. Im Tiefflug ging es direkt auf André los und zur absoluten Verteidigung wurde dann auch gleich mal ordentlich geschissen. André schaffte es gerade noch, die Brille abzunehmen und zum Wohnmobil zurück zu flüchten.
Danach ging es dann erst einmal ans Abwaschen. Haare, Gesicht, Brille, Klamotten, Kamera… wirklich alles haben die Möwen getroffen. Ehlendige Mistviecher! Bis wir alles wieder gereinigt hatten, dauerte es ein ganzes Weilchen und wir hatten die Nase gestrichen voll! Der Earthcache kommt auf die „Ignore-Liste“!

Nun wussten wir nicht mehr so recht, was wir hier noch mit unserer Zeit anfangen sollten, denn inzwischen waren auch die etwas abseits gelegenen Strandplätze ziemlich zugeparkt und so steuerten wir den Fährhafen Brensholmen an.
Bis zur nächsten Fährabfahrt dauert es bei unserer Ankunft zwar noch ca. 2 Stunden, aber dennoch hatte sich eine bereits eine lange Schlange gebildet. Vielleicht war es gar nicht so schlecht, dass wir schon hier sind…
Die Wartezeit verbrachten wir mit kleineren Spaziergängen, um mal zu sehen, wie viele eigentlich so vor uns stehen und entdecken einen Kastenwagen, den wir schon in Schweden und Finnland immer wieder mal gesehen haben. Auch Fahrradfahrer stehen mit ihren vollbepackten Rädern an der Fähre an. Zum Glück regnet es heute nicht, denn zum Unterstehen gibt es hier nicht wirklich was. Uns geht es da ja besser und so verziehen wir uns dann irgendwann zum Lesen.
Die Zeit verging so recht schnell und die Fähre legt an. Es dauert ein Weilchen, bis sich die Autoschlange der Ankömmlinge an uns vorbei geschlengelt hat und die Fähre wieder neu beladen werden kann. Stück für Stück kämpfen wir uns bis nach Vorne durch und dann…. exakt zwei Autos vor uns ist die Fähre voll und legt ohne uns ab :-(. Oh verdammt. Bis zur nächsten Fähre dauert es nun noch einmal zwei Stunden. Daran sind doch auch die blöden Möwen Schuld! Hätten die nicht so viel geschissen, wären wir bestimmt 3 Autos weiter vorne in der Schlange gewesen. Oder eben weiter hinten, weil wir uns den Strand angesehen hätten und die Wartezeit wäre kürzer geworden. So ein Mist! Der alternative Landweg kommt für uns nicht in Frage, da es ein Umweg von knapp 220km wäre. So warten wir, wie alle anderen hinter uns auch, erneut zwei Stunden.

Zum Glück ist es bei uns warm, trocken und gemütlich. Wir haben Essen, Trinken, ein WC und gute Bücher und so vergehen auch diese 2 Stunden ziemlich entspannt. Nun kann auch Nichts schief gehen und wir dürfen mit :-). Inzwischen ist es übrigens schon 19 Uhr.

Die Insel Senya begrüßt uns nach einer 45 Minütigen Überfahrt mit strahlend blauem Himmel. Auch wenn es deutlich später geworden ist als geplant, so wollen wir heute dennoch auf den Hesten wandern, um den Segla zu bewundern und so steuern wir den Wanderparkplatz bei Fjordgard an. Zuletzt geht es noch durch mehrere abenteuerliche Tunnel und plötzlich hängen alle Berge in einer dicken Wolkenwand. Wir befragen die Wetter-Apps und keine davon, hat Wolken auf dem Radar. Wir sehen sie aber sehr deutlich und es scheint nicht, als wenn sie verschwinden würden. Das gibt es doch nicht! Wir bleiben ein Weilchen auf dem Parkplatz und hoffen weiter auf Besserung….Nichts.

Langsam sind wir wirklich gefrustet. Was machen wir nun? Bis morgen warten? Das würde unseren Zeitrahmen dann doch ziemlich sprengen, denn wenn wir von Senya wieder runter wollen, müssen wir mit der nächsten Fähre von Gryllefjord fahren… und diese fährt nur alle 4 Stunden und 3x am Tag. Bei dem Andrang wird das sicherlich nicht einfach… Vorreservieren geht nämlich auch nicht und so entscheiden wir uns, gefrustet wie wir nun mal gerade sind, einfach bis zum Fähranleger durchzufahren und dort zu übernachten. Die erste Fähre morgen früh fährt zwar erst um 11 Uhr, aber mit der Erfahrung von heute müssten wir wahrscheinlich eh um 8 Uhr im Hafen sein, damit wir eine Chance auf Mitfahrt haben.

Zu unserem Frust kommt heute noch zu, dass die Landschaftsroute der Lofoten genau in diesem Zeitraum (21.6.-1.11) gesperrt ist, weil ein Tunnel erneuert werden muss. Demnach müssen wir hier einen weiten Umweg von ca. 80 Kilometern fahren und verpassen einige schöne Ausblicke. Unter anderem verpassen wir aber auch das goldene Klo von Senja… Dieses liegt von uns genau auf der anderen Seite der Sperrung und zwar fast direkt am Tunnel. Das wären dann noch einmal 25 Kilometer pro Richtung mehr… 1. haben wir mit den 80 Kilometern heute schon genug Umweg gemacht und 2. ist es schon recht spät, da wird dort auf dem Parkplatz eh nicht mehr viel für uns frei sein.

Kaum sind wir aus der Bucht von Fjordgard wieder raus, haben wir wieder fast strahlend blauen Himmel. Die Natur kann manchmal so gemein sein! Auf den nun folgenden 80 Kilometern baut googlemaps dann noch eine herrliche Abkürzung ein, die uns vielleicht 2-3 Kilometer erspart, dafür aber schön über kaputte Straßen führt. Was soll denn heute noch alles passieren? Immerhin, je später es wird, desto schöner wirkt die Natur, an der wir inzwischen wieder etwas entspannter vorbei fahren und so machen wir hier und da noch ein paar Fotostops.

Kurz bevor wir dann Gryllefjord erreichen, laufen noch 2 kleine Füchse über die Straße. Die beiden waren sehr zutraulich und kamen uns ziemlich nah. Wir verweilten ein Weilchen (Autos fuhren eh kaum noch, sodass wir niemanden Blockierten) und beobachteten die putzigen Tierchen. Auf Futter von uns mussten sie aber vergeblich warten! Als wir dann doch irgendwann weiter wollten, mussten wir schon genau aufpassen, dass keines der Tiere unter oder vor unserem WoMo sitzt.

In Gryllefjord sind wir dann gegen 23:30 Uhr angekommen. Was soll ich sagen? Wir sind nicht die einzigen, die diese verrückte Idee haben :-D. Aber es waren nicht so viele, sodass wir in Reihe 1 noch Platz bekamen und uns die nächste Fähre damit zu 100 Prozent gesichert ist.

Nachdem wir noch ein paar Fotos gemacht haben und uns die örtlichen Gegebenheiten angesehen haben (nicht, dass plötzlich doch noch andere Fährzeiten angeboten werden, schließlich haben wir ja Hauptsaison), sind wir dann ziemlich ko ins Bett gefallen.
Gute Nacht aus der Warteschlange zur Fähre :-D.
